Kritische Betrachtung der Kultivierungsanalyse George Gerbners


Seminararbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1 2. Konzeptionelle Grundlagen der Kultivierungsanalyse

2.1. Die Kultivierungshypothese
2.2. Gerbners Forschungen
2.2.1. Das Violence Profile
2.2.1.2. Die Message System Analysis
2.2.2. Die Kultivierungsanalyse

3. Kritik an der Kultivierungsanalyse
3.1. Kritik an der Methodik
3.2. Kritik am Ansatz
3.3. Kritik an der Interpretation der Ergebnisse

4. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Prozentualer Anteil der Befragten bezüglich der Fernsehantwort

Abb. 2: Gerbners Gewalt-Indizes für das amerikanische Fernsehprogramm

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In den letzten fünf Jahrzehnten ist das Fernsehen immer mehr zu einem Massenmedium geworden. Besonders schnell hat sich das neue Medium in den Vereinigten Staaten von Amerika in jeder Altersklasse durchgesetzt und zu einem neuen Lebensstil geführt. Parallel zu dieser Entwicklung ist auch die Kriminalitätsrate, besonders in den Großstädten der USA, gestiegen. Daher liegt es nahe, dass diese beiden Ereignisse in irgendeiner Art und Weise miteinander verbunden sind. Verschiedene Wissenschaftler beschäftigten sich seit den sechziger Jahren mit dieser Erscheinung und versuchten nachzuwei- sen, dass das Fernsehen ein Grund für die angestiegene Gewalt ist.1 In dieser Arbeit wird untersucht, in wie weit die Kultivierungsanalyse von Gerbner und seinem Team der Realität gerecht wird. Dies soll anhand der folgenden Forschungsfragen geklärt werden:

- Welche Hypothese vertritt die Kultivierungsanalyse?
- Was ist die Kultivierungsanalyse?
- Welche Forschungen gab es?
- Stimmen die Ergebnisse der Analysen mit der Realität überein?

Hinsichtlich der Beantwortung dieser Forschungsfragen wird zunächst für das weitere Verständnis die Kultivierungshypothese erläutert und die Forschungen von Gerbner und seinem Team aufgeführt. Anschießend behandelt die Arbeit die starken Kritiken an der Kultivierungsanalyse. Diese sind aufgeteilt in Kritik an der Methodik, am Ansatz und an der Interpretation der Ergebnisse. Die Arbeit endet mit einer kurzen Zusammenfassung der Resultate.

2. Konzeptionelle Grundlagen der Kultivierungsanalyse

2.1. Die Kultivierungshypothese

Zu einer der ersten und wichtigsten Studien zu den langfristigen Wirkungen des Fernsehens auf die soziale Realität der Fernsehkonsumenten zählt die Kultivierungsanalyse von George Gerbner und seinem Forschungsteam an der Annenberg School of Communications an der University of Philadelphia. Bei der Kultivierungshypothese steht die langfristige Wirkung von Fernsehen auf die Realitätswahrnehmung der Zuschauer im theoretischen Zentrum.2

Die Hypothese besagt, dass das amerikanische Fernsehprogramm vor allem aus gewalthaltigen Inhalten jeglicher Form besteht und Stereotypen über Menschen, Machtverhältnisse, Themen und Handlungsmustern ohne Realitätsbezug vermittelt. Darüber hinaus löst das Fernsehen bei den Rezipienten bestimmte Vorstellungen über die Realität aus und kultiviert ihnen ein bestimmtes Weltbild, d.h., dass der Fernsehnutzer verinnerlicht die dargestellten Stereotypen und Handlungsmuster verinnerlicht und auf seine eigene Wirklichkeit überträgt. Folglich nimmt der Zuschauer seine Umwelt durch eine „Fernseh-Brille“ wahr. Der starke Gewaltanteil des Fernsehprogramms führt also zu einer gegenüber der Wirklichkeit angsteinflößenderen und bedrohlicheren Wahrnehmung für die Konsumenten. Laut Gerbner werden Personen, die viel Fernsehen, stärker beeinflusst als Personen, die weniger fernsehen. Um diese These zu verifizieren, untersuchte Gerbner mit seinem Team in empirischen Studien ab 1967 den sog. Kultivierungseffekt bei Viel- und Wenigsehern.3

2.2. Gerbners Forschungen

2.2.1. Das Violence Profile

Das Team der Annenberg School of Communication begann seine Forschungen im Jahr 1967, indem es erforschen wollte, inwiefern das Fernse- hen Auswirkungen auf die Kultur und Gesellschaft hat. Dafür musste zunächst die Aufmerksamkeit auf den Inhalt der Fernsehsendungen gerichtet werden. Obwohl jedem Rezipienten bewusst ist, dass die Welt, so wie sie im Fernsehen gezeigt wird, keineswegs unserer Realität entspricht und zudem überzogen dargestellt ist, existiert dennoch keine Skala oder messbare Größe, an der man Unterschiede feststellen und empirisch belegen kann. Das Team um Gerbner wollte hingegen beweisen, dass bspw. die Gewalt im Fernsehen eine größere Rolle als in der Realität spielt. Dafür entwickelte das Team 1967 für das Fernsehen ein sog. Violence Profile. Finanziert wurde diese Arbeit hauptsächlich von der National Commission on the Causes and Prevention of Violence. Um den Gewaltgehalt bestimmter Sendungen im amerikanischen Fernsehen zu bestimmen wurde der sog. Violence Index entwickelt.4 Dieser wird im Folgenden näher beschrieben.

2.2.1.2. Die Message System Analysis

Die Intention der Message System Analysis lag darin, den Inhalten der Fernsehsendungen eine messbare Größe zuordnen zu können. Dazu entwickelte das Gerbner-Team ein System, anhand dessen es bestimmte Sendungen und Programme auf die Häufigkeit und Dauer der dargestellten Inhalte hin überprüfte. Dafür wurde zwischen 1967 und 1980 jedes Jahr eine Woche lang das amerikanische Fernsehprogramm stichprobenartig analysiert. Dabei beschränkte sich diese Inhaltsanalyse allerdings nur auf den Gewaltaspekt der offenen und physischen Gewalt. Diese Aspekte lassen sich unter zwei Arten der Kennwerte unterteilen, die Gewalt-Indizes („Violence Measures“) und der Täter-Opfer-Relationen („Victimization Scores“).5

Die daraus gewonnen Daten wurden in einer Tabelle (siehe Abb. 1) festgehalten und zeigen die von Gerbner und seinem Forschungsteam erstellten exemplarisch verschiedenen Gewalt-Indizes zwischen 1967 und 1975.6 Die untersuchten Einheiten bestanden aus der Fernsehsendung, der Programmstunden und den auftretenden Personen. Zudem wurde angegeben, wie viel Prozent der analysierten Sendungen und Programmstunden mindes- tens eine Gewaltszene aufwiesen („Prevalence“-Score). Unter dem Kennwert „Rate“ versteht man die Gesamtanzahl der beobachteten Gewaltszenen und die durchschnittliche Anzahl solcher Sendungen pro Sekunde (R/P) oder pro Programmstunde (R/H). Der prozentuale Anteil von handelnden Personen, die entweder als Täter oder als Opfer in Gewaltaktionen verwickelt sind, wird unter der Kategorie „Rollen“ festgehalten. Diese Kennwerte werden außerdem für tödliche Gewaltakte (Mörder/Leichen) angegeben. Zuletzt werden globale Kennwerte für Fernsehgewalt durch eine Programm-Score aufgeführt. Dieser Score setzt sich aus der Summe des Prozentsatzes von gewalthaltigen Programmen (%P) zuzüglich der mit zwei multiplizierten beiden Gewaltraten (R/P) und (R/H) zusammen. Aus der Kombination der beiden Rollenscores entsteht der Darsteller-Gewalt-Score. Durch die Addition des Programm-Scores und des Darsteller-Gewalt-Score ergibt sich der Gewalt-Index („Violence Index“).7 Anhand der Tabelle lässt sich ein Rückgang des Violence Index - Wertes im Lauf der Jahre 1967 bis 1975 ablesen. Anfangs lag dieser Wert noch bei 198.7 und fiel schließlich auf 179.7, somit ergibt sich ein Rückgang von knapp 10 Prozent. Betrachtet man jedoch die Zwischenwerte und deren einzel- ne Faktoren, so zeigt sich eine starke Schwankung aller Werte von Jahr zu Jahr. Diese und andere Unstimmigkeiten in der Interpretation der Tabelle sowie der Violence Index allgemein führen teilweise zu intensiver Kritik an der Methode (siehe 3.1.).

[...]


1 Vgl. Sokoliuk, 2003, S. 3.

2 Vgl. Eschenhagen, 2002, S.1.

3 Vgl. Eschenhagen, 2002, S. 2f.

4 Vgl. Burdach, 2007, S.579ff.

5 Vgl. Burdach, 2007, S. 583.

6 Vgl. Eschenhagen, 2002, S. 3f.

7 Vgl. Burdach, 2000, S. 583f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kritische Betrachtung der Kultivierungsanalyse George Gerbners
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V189642
ISBN (eBook)
9783656139720
ISBN (Buch)
9783656139584
Dateigröße
1553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
kritische, betrachtung, kultivierungsanalyse, george, gerbners
Arbeit zitieren
Katharina Lüke (Autor), 2012, Kritische Betrachtung der Kultivierungsanalyse George Gerbners , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189642

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