Erfolg und Misserfolg in der Schule. Sind Jungen die eigentlichen Bildungsverlierer?


Hausarbeit, 2012

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Einleitung

Die Jungen sind die Bildungsverlierer von heute “(Tagesspiegel 2009).

Nichts wie raus! Jungen sind die Verlierer des Bildungssystems. Das echte Leben ist die bessere Schule für sie “ (Welt Online 2010).

„Die Krise der kleinen Männer“ (Zeit Online 2007).

In allen Medien findet man mindestens einen Beitrag darüber, dass Jungen immer mehr zu den Problemfällen in der Schule werden. Früher waren die Mädchen die Sorgenkinder in der Schule, heute sind es die Jungen. Die Geschlechterfrage wird wieder aufgegriffen und man diskutiert wie man Jungen fördern kann, damit sie besser in den Bildungsinstitution integriert werden. Innerhalb der in dieser Arbeit benutzten Studie von A. Hadjar und J. Lupatsch bezieht sich der Schulerfolg unmittelbar auf die Schulnoten, also eine durch die Lehrperson durchgeführte Leistungsbewertung. Inwiefern sich die subjektiven Leistungsbewertungen der Lehrpersonen auf den Schulmisserfolg der Jungen auswirkt gilt es unter anderem zu untersuchen. Es werden verschiedene Faktoren untersucht von denen man ausgeht, dass sie einen Einfluss auf den Schulerfolg haben könnten.

Aus leserfreundlichen Gründen habe ich mich dazu entschieden, bei dem Gebrauch der Begriffe „Lehrer“ und „Schüler“ hauptsächliche die maskuline Form zu wählen.

2. Hauptteil

Der Begriff Schulerfolg,lässt sich durch die Berücksichtigung verschiedener Aspekte definieren. Diese Aspekte lassen sich auch durch Bildungszertifikate, Schulnoten oder Leistungstests feststellen. W. Pollack definiert den Begriff Schulerfolg folgendermaßen: [ … ] „Schulerfolg - in Bezug auf die Kinder - eine gelungene schulische Karriere aufgrund f ö rderlicher innerschulischer, au ß erschulischer (und famili ä rer) sowie personaler Bedingungen als Voraussetzung für eine stabile Verankerung in der Lebenspraxis. “ Schulerfolg hängt also nicht nur allein von intrapersonellen Voraussetzung ab, sondern wird auch durch externen Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Lehrkraft beeinflusst. Da uns ein hoher Schulerfolg den späteren Einstieg auf dem Arbeitsmarkt erleichtert, muss der Bedeutung der externen Einflussfaktoren viel Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Leistungen der Schüler werden in der Schule durch Noten bewertet. Doch was für eine Aussagekraft haben Schulnoten? Wofür sind sie relevant? Und was machen sie mit dem Schüler? Dies sind die zentrale Fragestellungen in diesem Kapitel. Noten gelten nach wie vor als Garanten für Leistungsorientierung und Leistung. Seit jeher bestehen Noten in der Schule als Mittel der Leistungs- und Verhaltensbeurteilung von Schülerinnen und Schüler. Die Aussagekraft der Schulnoten ist enorm. Sie entscheiden nicht nur, ob man eine Prüfung bestanden hat oder nicht, sie tragen auch Aussage darüber, wie gut bzw. wie schlecht eine erbrachte Leistung war. Somit hat die Schulnote direkten Einfluss auf die Motivation der Schülerinnen und Schüler. Eine weitere Funktion der Noten ist auch die Disziplinierung von verhaltensauffälligen Schülern. Die Noten geben darüber hinaus auch eine Orientierung über den aktuellen Leitungsstand. Dieser gilt einerseits für den Schüler selbst, andererseits aber auch für Dritte. Wenn sich jemand um eine Stelle bewirbt, so werden auch heute noch meistens Zeugnisse, Zertifikate oder Ähnliches verlangt, damit der Arbeitgeber über den Leistungsstand des Bewerbenden informiert ist. Aus diesem Grund üben Noten einen enormen Druck auf Schülerinnen und Schüler aus. Inwiefern Jungen und Mädchen mit diesem Druck umgehen und ob es eine geschlechtsspezifische Auffassung von „guter Leistung“ gibt, wird im Laufe dieser Arbeit untersucht. Jedoch sind Noten immer subjektive Leistungsbewertung durch die Lehrperson, die an verschiedenen Maßstäben orientiert sind, wie z.B dem Kerncurriculum.

In diesem Abschnitt gilt es Ursachen für den Schulmisserfolg von Jungen zu definieren. So vermuten Cornelißen et al. (2002), dass eine geringere sprachliche Förderung der Jungen in der Familie und Schule, ein geringes Interesse am und wenig Übung im Lesen und eine „weibliche“ geprägte Schulkultur, die wesentlichen Gründe für den Schulmisserfolg der Jungen darstellen. Diefenbach und Klein (2002) sehen einen zentralen Punkt darin, dass Lehrerinnen unbewusst das Verhalten der Jungen unter Berücksichtigung ihrer eigenen femininem Sozialisationserfahrungen strenger auffassen und bewerten. Zugleich werden Jungen häufiger von ihren Familien ermutigt, schneller in den Arbeitsmarkt einzusteigen, um so etwas zum Familieneinkommen beizutragen. Im Vergleich zu den Mädchen erscheint das Verhalten der Jungen in der Schule eher non-konform. Jungen zeigen häufiger negative und schulerfolgshemmende Verhaltensweisen, die den Schulalltag stören und somit von den Lehrpersonen sanktioniert werden. „Jungen bringen geringere soziale Kompetenzen mit“, schreibt Hannover (2004) und benennt einen weiteren Hinweis auf den Schulmisserfolg der Jungen.

Um die verschiedenen Theorien auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen wurde im Jahr 2009 eine standardisierte schriftliche Befragung von 872 Schülern der 8. Jahrgangsstufe im schweizerischen Kanton Bern durchgeführt. Im Rahmen dieser Untersuchungen bezieht sich der Schulerfolg als abhängige Variable auf die Schulnoten. Im folgenden Teil werden drei Faktoten untersucht, die für Geschlechterunterschiede im Schulerfolg von Bedeutung sind.

Die traditionelle Geschlechterrollenvorstellung ist eine von drei Faktoren. Demnach werden Jungen durch die traditionellen Männlichkeitsbilder motiviert, abweichende schulerfolgsmindernde Verhaltensweisen zu zeigen, welche dann in den Bildungsinstitutionen sanktioniert werden. Schulerfolg wird abgewertet als „unmännlich“. In den Medien wird das Männlichkeitsbild noch weiter verstärkt. So vermitteln die Medien Kindern und Jugendlichen im Sinne von Corneließen et al. (2002), „dass manche der Männlichkeitsbilder, die Kindern und Jugendlichen in den Medien präsentiert werden, etwa die des Draufgängers, des Abenteurers, des Kämpfers des Anführers und des Kriminellen, Leitbilder darstellen, die die Bereitschaft zur Konzentration auf komplexe Denk- und Sprachleistungen sowie die notwendige Disziplin hierfür nicht eben anspornen.“ Laut Budde (2008) nutzen Jungen die Schule als sozialen Raum zur Aufführung dieser Männlichkeitsbilder. Daher wird es auch nicht als männlich angesehen, gute Leistungen zu erbringen, vielmehr wird diese Eigenschaft als weiblich deklariert. Daraus schließen wir, dass Jungen stärker an patriarchalen Geschlechterrollenvorstellungen hängen und je patriarchaler die Geschlechterrollenvorstellungen von Jungen sind, desto geringer ist der Schulerfolg Ein weiterer wesentlicher Bestandteil, der zum Schulmisserfolg der Jungen führt, ist die Schulentfremdung. Die Schulentfremdung ist stark an die intrinsische bzw. die extrinsische Motivation gebunden. Als intrinsisch gilt die Lernmotivation, wenn der Lernende aus freiem Willen beziehungsweise eigener Interesse am Fach handelt. Bei der extrinsischen Lernmotivation handeln die Schüler aufgrund von externen Faktoren, wie zum Beispiel Noten: „Ich interessiere mich eigentlich nicht für Mathematik, möchte aber um meine Eltern stolz zu machen mindestens eine 2 schreiben.“ Im Wesentlichen ist die Schulentfremdung ein Prozess, bei dem unter anderem die intrinsische Bildungsmotivation der Schüler reduziert wird. Des weiteren identifizieren sich die Schüler immer weniger mit der Bildungsinstitution und koppeln sich emotional von akademischen Zielen und Werten ab. Auch zeigt sich, dass Jungen stärker schulentfremdet sind als Mädchen. Getreu der „Stage-Environment- Fit-Theory“ von Eccles und Midgley (1989) werden die Bedürfnissen von Mädchen in der Schule offenbar besser erfüllt und sie können sich besser an die Schulerfordernisse anpassen. Außerdem haben Mädchen eine stärkere intrinsische Motivation als Jungen, während Jungen, insbesondere wenn sie traditionellen Geschlechterrollen anhängen, eine eher extrinsische Motivationsstruktur aufweisen. Die Schulentfremdung hat einen direkten Einfluss auf die Mitarbeit und auf das Verhalten im Unterricht, ist beides unangemessen, führte dies schließlich zu geringerem Schulerfolg. Schüler, die sich nicht mehr mit der Schule identifizieren, beteiligen sich weniger an schulbezogenen Aktivitäten und koppel sich emotional immer mehr von den Bildungsinstitutionen ab. Wir stellen also fest, dass bei Jungen die Schulentfremdung stärker ausgeprägt ist als bei Schülerinnen und je geringer die Schulentfremdung bei Jungen und Mädchen ausgeprägt ist, desto höher ist der Schulerfolg.

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Erfolg und Misserfolg in der Schule. Sind Jungen die eigentlichen Bildungsverlierer?
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V189654
ISBN (eBook)
9783656139676
ISBN (Buch)
9783656139867
Dateigröße
1832 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schul, jungen, bildungsverlierer
Arbeit zitieren
Michael Wünsch (Autor), 2012, Erfolg und Misserfolg in der Schule. Sind Jungen die eigentlichen Bildungsverlierer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189654

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