Wissen - Innovation - Kreativität: Abgrenzungen von drei Kernbegriffen der Diskussion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

20 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Themenhinführung

2. Wissen
2.1 Bildungsgeografie – In wieweit ist „Wissen“ raumwirksam?
2.2 Wissen und Macht
2.3 Kategorien von Wissen
2.4 Wissen als Produktionsfaktor: Humankapital
2.5 Die Wissensgesellschaft

3. Innovation
3.1 Arten von Innovationen
3.2 Innovative Milieus
3.3 Innovationsmanagement, Innovationsrisiken und Innovationskooperationen

4. Kreativität
4.1 Kreativität als Prozess zur Problemlösung – einteilbar in Phasen
4.2 München als Kreativitätsstandort

5. Schluss - Abgrenzung der Begriffe

6. Gedruckte Quellen

7. Internetquellen

1. Themenhinführung

In dieser Arbeit werden die Begriffe Wissen, Innovation und Kreativität erläutert und in verschiedene geografische und betriebswirtschaftliche Kontexte gesetzt. Am Schluss der Arbeit wird versucht die Begriffe nach ihrer Art abzugrenzen.

Zuerst wird sich dem Begriff Wissen zugewendet. Er wird, nach einer kurzen Definition, aus geografischer Sicht erläutert. Danach wird auf den Machtaspekt von Wissen, eine Kategorisierung versucht und auf das Humankapital Wissen eingegangen. Abgerundet wird dieser Teil mit einem Einblick in die Wissensgesellschaft.

Danach wird der Begriff Innovation erläutert. In Bezug auf Arten, Qualität und Innovative Milieus wird der Begriff aus der geografischen Sicht beleuchtet. Es werden die Wichtigkeit des Innovationsmanagements, der Innovationsrisiken und der Innovationskooperationen erwähnt.

Zuletzt wird sich dem Begriff der Kreativität zugewendet. Nach einer Definition werden geografische Hintergründe und eine Phaseneinteilung aufgezeigt. Mit einem Beispiel (München als Kreativitätsstandort) wird dieser Teil abgerundet.

2. Wissen

Zuerst wird mit einer Definition nach PROBST (et al 2003, S. 22) begonnen: „Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden.“ Also nach dieser Definition ist Wissen eine Summe von erlernten Fähigkeiten. Es umfasst also nicht angeborene Fähig- und Fertigkeiten. Außerdem ist das Wissen sehr individuell, der Begriff vielschichtig und kontextbezogen. Auf die weiteren Facetten (Wissen ist Macht und die Einteilung des Begriffs in Kategorien) wird nachfolgend eingegangen.

Zuerst wird jedoch der Frage nach der Raumwirksamkeit von Wissen nachgegangen, weil es sich um eine geografische Arbeit handelt.

2.1 Bildungsgeografie – In wieweit ist „Wissen“ raumwirksam?

Unterschiedliche Formen von Wissen haben die kulturelle, technologische, wirtschaftliche Entwicklung, die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg von Institutionen und sozialen Systemen beeinflusst, aber auch zur Entstehung von regionalen und sozialen Disparitäten geführt. Entwicklung und Fortschritt stehen immer in Zusammenhang mit neuem Wissen. Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt Wissen und berufliche Qualifikation eine so hohe Bedeutung, dass diese Humanressource „Wissen“ zu einem wichtigen Produktionsfaktor (s. auch Punkt 2.4) wurde. Gleichzeitig fand eine regelrechte Wissensexplosion statt, weil die gespeicherten Informationsbestände stetig wachsen. Neues Wissen tritt nicht immer überall gleichzeitig auf, sondern diffundiert von bestimmten Innovationszentren aus und verschafft diesen einen klaren Startvorteil. Da neues Wissen neue räumliche Ungleichheiten schafft, ist es sinnvoll räumliche Disparitäten und Diffusionsprozesse der verschiedenen Arten von Wissen sowie deren Ursachen und Auswirkungen zu erforschen. Nachfolgend werden weitere Ursachen für die räumliche Ungleichverteilung von Wissen aufgezählt:

Räumliche Diffusion von Wissen beansprucht je nach der Art des Wissens (auf die verschiedenen Arten und Kategorien des Wissens wird unter Punkt 2.3 noch eingegangen) lange Zeiträume. Viele Arten von neuem Wissen sind nie in die Peripherie vorgestoßen, sondern sind auf regionaler Ebene verblieben.

Sozio-kulturelle Determinanten von Kreativität und gesellschaftliche Einflussfaktoren sind im Raum ungleich verteilt. Diese gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die die wirtschaftliche Umsetzung von Wissen in hohem Maße fördern oder behindern können, sind in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Räumliche Strukturen des Wissens sind eng mit räumlichen Strukturen der Macht und Kontrolle verbunden, so dass bestimmte Arten von Wissen eher in Zentren anzutreffen sind, als in Peripherie.

Bestimmte Arten (vor allem das implizite) des Wissens sind an Personen, Institutionen gebunden und werden ohne ökonomischen Vorteil nicht weitergegeben. Es können nur Informationen über das Internet in kurzer Zeit weltweit verbreitet werden. Wissen, Kreativität und Erfahrung ist an Personen und deshalb auch räumlich gebunden.

Auch die Institutionen der Wissensvermittlung sind ungleich im Raum verteilt und werden von allen Gesellschaftsschichten nicht in gleicher Weise in Anspruch genommen, deshalb haben sich Städte in Viertel aufgeteilt, in denen Menschen aus ähnlichen gesellschaftlichen Schichten leben, die jeweils andere Anforderungen an ihre Umgebung haben. So haben sich im klassischen Arbeiterviertel andere Geschäfte und Lokale niedergelassen, als in einem Villenviertel.

Die räumliche Ungleichverteilung von Humanressourcen hat auch den räumlichen Diffusionsprozess von neuem Wissen und Innovationen beeinflusst.

Räumliche Disparitäten des Ausbildungsniveaus wird durch Migration oft noch verstärkt anstatt abgebaut.

Auch die Nachfrage der Wirtschaft nach Absolventen bestimmter Ausbildungsebenen ist räumlich ungleich verteilt.

Neues Wissen und tiefgreifende Neuerungen gingen meist von einer Region oder wenigen benachbarten Regionen aus und wurden erst nach einem langfristigen Diffusionsprozess von anderen Regionen übernommen (z. B.: mechanischer Webstuhl in England). Dieser Vorsprung verschafft den Innovationsregionen einen großen Wettbewerbsvorteil. Diese regionalen Zentren wirtschaftlicher Macht wurden dann oft auch zu Zentren der politischer und religiöser Macht. Deshalb ist es notwendig, dass sich die Humangeografie auch den räumlichen Disparitäten von Ausbildung, Qualifikation und Kompetenz widmet (MEUSBURGER 1998, S. 1-3; BRUNOTTE et al 2002, S. 162f.).

2.2 Wissen und Macht

Das führt zu der Fragestellung, inwieweit Wissen und Macht zusammenhängen und wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

Durch historische Beispiele kann man erkennen, dass Wissen (wirtschaftliche Macht) und politische Macht immer zusammenhingen.

In China wurde in der Han-Dynastie ein Prüfungssystem für Staatsbeamte geschaffen, in dem die Ranghöhe des Beamten von der Zahl der bestandenen Prüfungen abhing. Schon damals war der Zusammenhang zwischen dem Rang der Prüfung und dem Rang des Prüfungsortes in der Siedlungshierarchie zu erkennen.

Auch in der katholischen Kirche ist ein Zusammenhang zwischen Wissen und Macht zu erkennen. Die Kirche konnte lange Zeit in der damals bekannten Welt ihre Macht und Einfluss ausbauen und bewahren, weil die Führungskräfte eine hochqualifizierte und formale Ausbildung genossen haben, die über der Masse der Bevölkerung lag. Deswegen war die Kirche Jahrhunderte lang ein Zentrum des Wissens (MEUSBURGER 1998, S. 7). Auch heute kann beobachtet werden, wie in Deutschland sich politische Macht und Wissen gegenseitig fördern. So hat Berlin als Hauptstadt und Sitz der Bundesregierung auch die meisten Hochschulen vorzuweisen (ASCHENDORFF VERLAG (Hrsg.) 2010).

2.3 Kategorien von Wissen

Da der Begriff vielschichtig ist und die Bewertung kontextbezogen, ist eine Kategorisierung schwierig. Es wurden folgende Kategorien ausgewählt, weil sie am griffigsten, naheliegensten und verständlichsten sind.

J. F. LYOTARD 1994 (zit. nach MEUSBURGER 1998, S. 62) teilt Wissen in die Eigenschaften wissenschaftlich und narrativ auf. Wissenschaftliches Wissen ist nur ein Teil des ganzen Wissens und steht im Wettstreit und Konflikt mit dem Narrativen. Narratives Wissen erlaubt eine Pluralität von Ansichten und ist keinem Beweis unterworfen. Es besteht aus Legenden, religiösen Traditionen und eigenen Erfahrungen. Es wird unhinterfragt und ohne wissenschaftliche Prüfung übernommen und gebraucht.

M. SCHELER 1926 (zit. nach MEUSBURGER 1998, S. 60) fasst den Begriff anders auf und teilt ihn in Leistungswissen, Bildungswissen und Heilswissen auf. Leistungs- und Fachwissen dient der äußeren Daseinsgestaltung und ist vor allem für den Beruf notwendig. Bildungswissen ist für die Persönlichkeitsbildung und geistige Horizonterweiterung nützlich. Es steht vor allem im Dienste des Individuums und kann nur selten an außenstehende vermittelt werden. Das Heils- oder auch Erlösungswissen wird auch als das geoffenbarte Wissen bezeichnet. Es dient vor allem der religiösen, politischen und ideologischen Existenz. Es kann selten hinreichend und neutral begründet und vermittelt werden.

Nach MANDL 1997 und OBERAUER 1993 (zit. nach MEUSBURGER 1998, S. 63f.) wird bei kognitiven Informationsverarbeitungstheorien zwischen deklarativem und prozeduralem Wissen unterschieden. Deklaratives besteht aus Faktenwissen und Datenstrukturen, die nach bestimmten Regeln manipuliert werden können. Prozedurales ist Handlungswissen und Regeln, nach denen Datenstrukturen manipuliert werden können. Fakten- und Handlungswissen widerspricht sich nicht, sondern ergänzt sich. Im Beruf z. B. muss das im Studium angeeignete Wissen angewendet werden. Dazu ist im großen Maße Transferdenken gefragt.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wissen - Innovation - Kreativität: Abgrenzungen von drei Kernbegriffen der Diskussion
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geographie)
Veranstaltung
Wissen, Innovation und Kreativität im geographischen Kontext
Note
bestanden
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V189731
ISBN (eBook)
9783656141457
ISBN (Buch)
9783656141716
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissen, innovation, kreativität, abgrenzungen, kernbegriffen, diskussion
Arbeit zitieren
Thomas Windhoevel (Autor), 2010, Wissen - Innovation - Kreativität: Abgrenzungen von drei Kernbegriffen der Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189731

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