Weblogs und Journalismus

Eine Beziehung zwischen Konkurrenz, Ergänzung und Integration


Hausarbeit, 2010

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Weblogs
2.1 Definition
2.2 Charakteristika
2.3 Abgrenzung

3 Verhältnis von Weblogs zum klassischen Journalismus
3.1 Weblogs als Konkurrenten
3.1.1 Geringe Zugangsbarrieren
3.1.2 Inhalte
3.2 Weblogs als Ergänzung
3.2.1 Wechselseitige Dependenz
3.2.2 Weblogs als Recherchequelle
3.2.3 Weblogs als Resonanzraum
3.3 Integrationsstrategie am Beispiel von Bildblog

4 Fazit und Ausblick

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Der Bürgerjournalismus erlebt zurzeit eine Blüte durch die neuen Formen der Publikationsmöglichkeiten im Internet, insbesondere durch Weblogs. Unter Bürgerjournalismus werden generell die Beiträge der zivilgesellschaftlichen Akteure verstanden, die als neue Öffentlichkeitssprecher im Internet auftreten (vgl. Eilders et al.). Um sich über öffentliche Angelegenheiten auf dem Laufenden zu halten, bedarf es heutzutage keiner Zeitungen, kein Fernsehen oder Radio mehr. Die Möglichkeiten des World Wide Web eröffnen neue Alternativen der Informationsgewinnung und der Meinungsbildung. Einfache Bürger, Laien, übernehmen vor allem beim Verfassen von Weblogs eine aktive Rollen im Prozess des Sammelns, Analysierens, Berichtens und der Verbreitung von Informationen und Nachrichten. Sie sind dabei mittlerweile nicht mehr nur passive Empfänger medialer Botschaften, sondern auch Sender: Die Epoche des „Produsers“ ist längst eingeläutet. Dementsprechend eröffnet sich die kontrovers diskutierte Frage, welche Auswirkungen das enorme Wachstum partizipativer Formate auf den klassischen professionell ausgeübten Journalismus hat. Schönbach provoziert hinsichtlich dieser Debatte, indem er herausfordernd fragt, ob Nachrichtenjournalisten heute überhaupt noch nötig seien. Hierzu führt er eine Analogie an, die den Wegfall von Reisebüros durch selbstständige Online-Buchungen mit dem Wegfall von Journalisten durch Laien, die ihre Nachrichtenartikel selbst schreiben, gleichsetzt. (Vgl. Schönbach 2008: 503) Hierbei stellt sich also unter anderem die Frage nach der Legitimation professioneller journalistischer Angebote, die in der vorliegenden Arbeit geklärt werden soll. Dabei wird in den folgenden Kapiteln vor allem eruiert, inwieweit es sich bei Weblogs überhaupt um eine Form von Journalismus handelt, so dass eine hinreichend gerechtfertigte Analyse des Verhältnisses von Weblogs zum klassischen Journalismus vorgenommen werden kann. Was sind die Besonderheiten von Weblogs? Wie lassen sie sich definieren, systematisieren und abgrenzen? Und wie verhalten sie sich zum professionellen Journalismus? Besteht Konkurrenz oder ergänzt das partizipative Format gar das klassische journalistische Angebot? Inwieweit lassen sich Weblogs integrieren? Diese Fragen werden in den folgenden Kapiteln thematisiert und versucht durch wissenschaftlich fundierte Aussagen und empirische Daten zu klären. Abschließend soll ein Resümee gezogen und ein prospektives Fazit gegeben werden.

2 Weblogs

Innerhalb weniger Jahre haben sich Weblogs weltweit zu einem einflussreichen journalistischen Format entwickelt. Was mit der Einführung neuer Software als persönliches Onlinetagebuch in den 1990er Jahren begann, implementierte sich als neues journalistisches Format mit einem enormen Einfluss auf den traditionellen Journalismus. Diese neue Gattung hat zu Beginn ihrer Entwicklung so einen immensen Boom ausgelöst, dass es im Jahr 2007 schon schätzungsweise 71 Millionen Weblogs gab. (Vgl. Messner/Watson DiStaso 2008: 447)

Diese Tatsache berechtigt die Frage nach der genauen Definition und den Besonderheiten von Weblogs. Die Merkmale von Weblogs können letztlich Aufschluss darüber geben, inwieweit es sich bei diesen partizipativen Formaten um journalistische Angebote hält oder nicht.

2.1 Definition

Weblogs haben in den vergangenen Jahren eine hohe Aufmerksamkeit genossen, dennoch herrscht zwischen Wissenschaftlern, Medienexperten und Bloggern keine Einigkeit über den Begriff des Weblogs (vgl. Ekdale et al. 2010: 218). Auch Zerfaß und Bogosyan stellen fest, dass trotz großer Vertrautheit mit Blogs auch unter fortgeschrittenen Internetnutzern ein unklares Bild über die Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten dieser Online-Anwendungen herrscht (vgl. Zerfaß/Bogosyan 2007: 4). Vorweg ist festzustellen, dass statt des Begriffs „Weblog“ auch häufig das Wort „Blog“ synonym verwendet wird. Betreiber von Weblogs werden als „Blogger“ bezeichnet und die Community, die Blogs betreibt und verfolgt, nennt man „Blogosphäre“. (Vgl. Pleil 2004: 2) Die Bezeichnung Weblog setzt sich aus den Worten „Web“ und „Log“ zusammen. „Log“ kommt von Logbuch und ist als eine journalartig geführte Niederschrift von Ereignissen zu verstehen. (Vgl. Bucher o.J.) Auch in der Blogstudie 2007 von Zerfaß und Bogosyan lässt sich eine ähnliche Definition der Blogs ausmachen: Laut dieser repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2007 verbinden rund ein Drittel der Befragten mit dem Begriff „Blog“ ein digitales Tagebuch und 13,2 Prozent der Befragten verstehen Blogs als ein Forum oder eine Plattform zum Meinungsaustausch. Immerhin jeder Zehnte bringt Blogs mit Journalismus in Verbindung. (Vgl. Zerfaß/Bogosyan 2007: 4)

Vorerst verstand man Weblogs aber generell als kommentierte Linksammlungen, die für spezifische Themenfelder oder Interessen den Nutzern des Internets Hilfe zu Orientierung liefern sollten, welche untereinander vernetzt waren. Mittlerweile verbindet das Phänomen des Weblogs allerdings diverse Kommunikationsformen des World Wide Web wie Diskussionsforen, Newsticker, Suchmaschinen, Linksammlungen, Mailinglisten, Portale oder Onlinetagebücher zu jeweils speziellen Mischungen miteinander. (Vgl. Bucher/Büffel 2005: 90) In formaler Hinsicht definieren Wied und Schmidt Weblogs sehr allgemein als „relativ regelmäßig aktualisierte Websites, die Inhalte in umgekehrt chronologisch sortierten Beiträgen darstellen.“ (Wied/Schmidt 2008: 179)

Kantel fasst all diese Definitionsansätze kompakt zusammen, indem er schreibt:

„Weblogs sind […] Mini-Content-Management-Systeme, die mit beliebigen Inhalten gefüllt werden. Die Inhalte werden nach einem Zeitstrom in umgekehrt chronologischer Reihenfolge sortiert, […]. Womit diese Software gefüttert wird, ist beliebig. Ob es ein Tagebuch ist, eine Rezeptsammlung, ein Magazin oder eben ein klassisches Weblog mit vielen kommentierten Links, das alles ist der Software völlig egal. Die meisten Weblogs sind daher private Seiten mit privaten Meinungsäußerungen. Diese sind vielfältig untereinander verlinkt und bildeten eine der erste Communities im Netz, […].“ (Kantel 2006: 1, Hervorheb. d. Verf.)

Diese Definition liefert letztlich eine umfassende Synthese aus formalen, technischen und inhaltlichen Kriterien, die den Begriff des Weblogs mehrdimensional erfasst.

2.2 Charakteristika

Wie jedes mediale Format zeichnen sich auch Weblogs durch spezifische Eigenschaften aus. Ein allgemein gültiges Merkmal konstituiert sich in der Individualität und Personenbezogenheit: Blogs werden generell nur von Individuen betrieben, sie berichten oder kommentieren aus einer rein subjektiven Perspektive und die Auswahl von Inhalten und Verlinkungen geschieht nach eigenen Aspekten.

Des Weiteren besticht der Weblog auch durch seinen Systemcharakter, der sich durch die enge Vernetzung der Weblogs zur Blogosphäre definiert. (Vgl. Bucher/Büffel 2005: 90)

Da Blogs ein Format des Web 2.0 sind, unterliegen auch sie dessen Eigenschaften, wozu Multimedialität, Interaktivität, permanente Aktualisierbarkeit und Archivierung zählen (vgl. Neuberger 2006: 108).

Aber auch Eigenheiten wie der leichte Zugang zum Autor, die Meinungsvielfalt und intensive Diskussionen innerhalb der Blogosphäre sind typische Charakteristika der Blogs (vgl. Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009: 181).

Systematisiert man schließlich die kommunikativen Funktionen von Blogs, so lassen sich spezifische Merkmale ausmachen: Weblogs individualisieren Kommunikation und sie bestechen durch Reflexivität bezüglich der Medienkommunikation und Verlinkung. Die Webkommunikation ist dabei gekennzeichnet durch Vernetzung. Außerdem lassen sich Blogs durch Filterung und Selektion der Medienkommunikation, durch Interaktivität aller Nutzer und vor allem durch die Grenzaufhebung zwischen Rezipient und Produzent und somit auch zwischen Professionellen und Laien beschreiben. (Vgl.: Bucher/Büffel 2005: 91)

Genau dieser Aspekt ist für die vorliegende Arbeit zentral, da die Produktion journalistischer Angebote nun nicht mehr nur noch durch professionelle Journalisten, sondern nun auch durch einfache Bürgern erfolgt (User-generated-Content). Die „Dezentralisierung klassischer journalistischer Handlungsmuster“ (ebd.: 94) erlaubt also die Frage nach der Abgrenzung von Weblogs zum Journalismus.

2.3 Abgrenzung

Um zu klären, inwieweit Weblogs eine Art des professionellen Journalismus darstellen, bedarf es einer probaten Definition des klassischen Journalismus. Die Schwierigkeiten dieser Definition sind hinlänglich bekannt, denn die Abgrenzungskriterien variieren je nach gesellschaftlichen oder kommunikationswissenschaftlichen Hintergründen. Auch die Anwendung diverser Journalismuskonzepte auf das Internet erweist sich selten als einfach. (Vgl. Eilders et al. 2010: 65)

Prutz, beispielsweise, liefert schon 1845 eine den Weblogs recht nahe kommende Definition von Journalismus: So stelle sich Journalismus als das Selbstgespräch dar, welches die Zeit über sich selbst führe. Er sei die tägliche Selbstkritik, welcher die Zeit ihren eigenen Inhalt unterwerfe, dem Tagebuch gleichsam, in welches sie ihre laufende Geschichte in unmittelbaren, augenblicklichen Notizen einträge. (Vgl. Prutz 1845, zit. n. Löffelholz 2004: 36) Diese Definition unterstreicht den Tagebuchcharakter von Weblogs, der auch dem Journalismus im weitesten Sinne entspricht. Auch die Unmittelbarkeit der Notizen, also die Aktualität als journalistisches Merkmal, wird hier als notwendige Bedingung für Journalistisches manifestiert.

Weischenberg hingegen, definiert Journalismus eher aus systemtheoretischer Perspektive, indem er schreibt, dass die Aufgabe des Journalismus darin bestehe „Themen aus den diversen sozialen Systemen (der Umwelt) zu sammeln, auszuwählen, zu bearbeiten und dann diesen sozialen Systemen (der Umwelt) als Medienangebote zur Verfügung zu stellen.“ (Weischenberg 1998: 42) Diese Anforderung erfüllen viele Weblogs de facto, doch Neuberger betont, dass dieses herkömmliche Verständnis von Journalismus per se nicht mehr auf die innovativen Angebote des World Wide Web anwendbar seien (vgl. Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009: 174). Während einige Forscher „Weblogs ganz selbstverständlich als journalistische Form“ (Fisch/Gscheidle 2008: 356) verstehen, gehen andere Wissenschaftler kritischer mit der Systematisierung und Einordnung von Blogs um. So lasse sich laut Neuberger Journalismus im Internet nicht mehr nur über jene Strukturmerkmale wie die redaktionelle Organisiertheit, die berufliche Ausübung oder über bestimmte Medientypen abgrenzen, die bisher dafür ausreichend waren. Auch eine andere Journalismusdefinition von Weischenberg verdeutlicht eingehend, worin die Schwierigkeit des Bezugs von Weblogs auf den klassischen Journalismus besteht, indem er schreibt:

„Die Medien liefern Wirklichkeitsentwürfe; ihre Journalisten konstruieren Wirklichkeit. Sie tun dies freilich nicht willkürlich, sondern auf der Grundlage von Regeln, die sie gelernt haben und über die innerhalb des Systems Journalismus Konsens besteht; dieses System existiert nicht im luftleeren Raum, sondern ist Teil einer sozial konstruierten Wirklichkeit.“ (Weischenberg 2004: 61, Hervorheb. d. Verf.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Weblogs und Journalismus
Untertitel
Eine Beziehung zwischen Konkurrenz, Ergänzung und Integration
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (IfK)
Veranstaltung
Internetjournalismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V189796
ISBN (eBook)
9783656140986
ISBN (Buch)
9783656141006
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Journalismus, Weblogs, neue Medien
Arbeit zitieren
Juliane Rietzsch (Autor), 2010, Weblogs und Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189796

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Titel: Weblogs und Journalismus



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