Eleonore von Aquitanien und ihre Nachkommen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die soziale Stellung der Frau im Mittelalter

3. Das Leben der Eleonore von Aquitanien

4. Die Nachkommen der Königin der Troubadoure
4.1 Johanna von Sizilien
4.2 Eleonores Einfluss auf ihre Nachkommenschaft in ausgewählten Beispielen
4.2.1 „The Sicilian Interlude“
4.2.2 „Blanche and Isabella“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Wenn man sich mit der Geschichte der Frauen im Mittelalter beschäftigt, fällt sehr schnell auf, dass das Quellenmaterial in den meisten Fällen ungenügend und einseitig ist. Frauen werden entweder gar nicht oder nur als Ehefrau an der Seite ihres Mannes erwähnt. Über den privaten Bereich geben die Quellen so gut wie keine Auskunft und da die meisten Personen weiblichen Geschlechts nicht in der Öffentlichkeit standen, erfährt man auch nichts über sie. Allerdings gibt es im Mittelalter durchaus Frauen, die eine eigene Persönlichkeit entwickelt haben, die sehr mächtig waren und über deren Leben wir auch noch in der heutigen Zeit Auskunft bekommen können. Eine dieser Frauen ist Königin Eleonore von Aquitanien, die „Königin mit den zwei Kronen“. Über ihr Leben und auch dem ihrer Nachkommen soll es in dieser Arbeit gehen.

Zunächst werde ich kurz darstellen, welche Möglichkeiten der Lebensgestaltung eine mittelalterliche Frau hatte.

Als nächstes möchte ich mich mit Königin Eleonore auseinandersetzen und an einigen ausgewählten Beispielen deutlich machen, wie einflussreich sie auch noch am Ende ihres langen Lebens war. Am Ende werde ich die Arbeitsergebnisse dann noch einmal kurz zusammenfassen.

2. Die soziale Stellung der Frau im Mittelalter

In der ersten Hälfte des Frühmittelalters herrschten die Merowinger, ihnen gehörte das Königtum im fränkischen Reich. Die Gesellschaft war patriarchalisch geprägt und die Rolle der Frau bestand darin, sich dem Mann, der die Geschlechtsvormundschaft über die Frau hatte, unterzuordnen. Allerdings hatten die Frauen je nach sozialem Stand verschiedene Handlungsspielräume, wobei sie zum Teil auch sehr viel Macht ausübten und ihre Ziele durchsetzen konnten, wie im Folgenden anhand ausgesuchter Beispiele noch deutlicher wird. Die Frauen, die der Unterschicht angehörten, hatten keinerlei politische Macht. Zu ihren Aufgaben gehörte das Gebären und Erziehen von Kindern, aber vor allem auch die Bewirtschaftung des Gartens und die Versorgung des Haushaltes.[1] Anders dagegen sah es bei den Damen aus adligen Kreisen aus, denn diese hatten mehr Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Allgemein kann man sagen, dass sie keine schwere körperliche Arbeit verrichten mussten, sondern meistens für die Verwaltung des Haushaltes und der grundherrschaftlichen Betriebe zuständig waren.[2] Allerdings waren nur die Männer erbberechtigt und somit gab es keine Königin, die alleine ohne ihren Mann regieren konnte. Die Ehefrauen der merowingischen Herrscher kamen entweder aus anderen Königshäusern oder aus dem Hochadel, diese Ehen waren Muntehen. Die Lage änderte sich, wenn der König verstarb, denn als Witwe konnte sich die Frau besser durchsetzen und die Regentschaft für den unmündigen Sohn übernehmen.[3] Für das folgende Beispiel ist es wichtig zu wissen, dass die französischen Königinnen seit dem 11. Jahrhundert ihrem Mann bei der Ausübung der Herrschaft zur Seite standen, sie waren bei Hof- und Gerichtsversammlungen anwesend, nahmen am Empfang ausländischer Gesandter teil oder nahmen zusammen mit dem König den Treueid der Lehnsleute entgegen.[4]

Eine Alternative zu dem Leben als Ehefrau an der Seite ihres Mannes bestand im klösterlichen Leben. Dort konnte auch eine Frau so etwas wie Karriere machen, indem sie Ämter übernahm und sogar Äbtissin werden konnte, aber dennoch war sie von vielen Ämtern ausgeschlossen, denn genauso wie heute gab es auch im Mittelalter zum Beispiel keine Priesterin.[5]

3. Das Leben der Eleonore von Aquitanien

Eleonore von Aquitanien wurde um 1122 als Tochter von Herzog Wilhelm X. von Aquitanien und Eleonore von Chatellerault geboren. Der aquitanische Hof war das Zentrum der Dichtkunst und des Minnegesangs in Frankreich, wofür vor allem Eleonores Großvater, Wilhelm IX. sorgte. Die Königin der Troubadoure, wie Eleonore auch genannt wird, genoss eine sehr gute Erziehung und Schulbildung und ihr Interesse galt vor allem der Musik sowie der Literatur. Schon früh wurde sie in die Aufgaben eines Herrschers eingeführt, denn ihr Bruder war schon früh verstorben. So reiste sie mit ihrem Vater, zu dem sie eine enge Beziehung gehabt haben soll, durch Aquitanien, wo sie verschiedene Residenzen kennen lernte. Auf einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela im Jahre 1137 verstarb ihr Vater jedoch plötzlich und die erst fünfzehnjährige Eleonore erbte Aquitanien. Ihr Vater hatte König Ludwig VI. von Frankreich noch vor seinem Tod zum Treuhänder seiner Tochter ernannt und den Wunsch geäußert, Eleonore mit seinem Sohn zu verheiraten.[6] Im Juli 1137 kam es dann zur Hochzeit der beiden jungen zukünftigen Herrscher Frankreichs. Das Paar wird als äußerst gegensätzlich beschrieben, denn Eleonore sei sehr selbstbewusst und schön gewesen und habe sich nicht durch die Großen des Landes, die bei der Hochzeit anwesend waren, einschüchtern lassen.[7] Zugleich sei sie aber auch temperamentvoll, herrschsüchtig, verwöhnt und genussfreudig gewesen.[8] Ihr Ehemann dagegen wird als „schmächtiger Jüngling“[9] beschrieben, was einen Hinweis darauf geben könnte, dass er vielleicht noch zu jung war, um seine Aufgaben als Herrscher erfüllen zu können. Ist man sich jedoch im Klaren darüber, dass der ernste und zu Schwermut neigende junge Mann eine geistliche Ausbildung erhalten hatte und nur deswegen zum Erben bestimmt wurde, weil sein älterer Bruder gestorben war, liegt die Vermutung nahe, dass er nicht König werden, sondern sein Leben im Kloster verbringen wollte.[10] Nachdem Ludwig VI. gestorben war, wurden Eleonore und ihr Gatte zu Königin und König gekrönt. In Paris befand sich der Sitz des französischen Herrschers. Eleonore fand sich schnell am dortigen Hof zurecht, ihr wurde Verschwendungssucht vorgeworfen[11], weil sie den Palast mit bunten Teppichen schmückte, gerne große Feste veranstaltete und außerdem die Kunst der Troubadoure, mit der sie aufgewachsen war, am Königshof einführen wollte.[12] Das junge Mädchen hatte allerdings zunächst noch Schwierigkeiten damit, Kinder zu bekommen, denn nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte, sollte es noch einige Jahre dauern, bis sie 1145 ihre erste Tochter, die spätere Marie von der Champagne, gebar[13] und erst fünf Jahre danach wurde die Tochter Alice geboren.[14]

Auf die Politik Frankreichs hat sie keinen oder nur wenig Einfluss genommen, denn ihr Mann übertrug ihr beispielweise nicht die Macht, wenn er auf Reisen ging und ihr Name taucht nur in 21 von 276 Urkunden ihres Mannes aus der Zeit, während der sie Königin von Frankreich war, auf. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Schenkungsurkunden für Fontevrault oder Klöster in Poitiers und Saintes.[15] Als Ludwig VII. im Jahre 1147 am Kreuzzug teilnahm, begleitete Eleonore ihn, wobei nicht ganz klar ist, warum sie dies tat. Möglicherweise war sie gespannt auf die Abwechslung, die sich ihr durch eine solche Reise bieten würde. Ein weiterer Grund könnte darin bestanden haben, dass sie ihren Onkel Raimund, der nur etwa sieben Jahre älter war als sie, wiedersehen wollte.[16] Weil die beiden viel Zeit mit Gesprächen zusammen verbrachten, kamen schon bald Gerüchte über ein Verhältnis zwischen Eleonore und Raimund auf. Als Ludwig VII. seine Reise nach Jerusalem fortsetzen wollte, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und seiner Frau, die sich weigerte, ihn zu begleiten. Ihre persönliche Macht war scheinbar zu gering, um sich durchsetzen zu können und so zog sie an der Seite des französischen Königs nach Jerusalem.[17] Als sie 1149 zurückkehrten, wollten beide eine Trennung, allerdings gab der Papst dafür sein Einverständnis nicht. Erst drei Jahre später wurde die Ehe wegen zu naher Verwandtschaft für ungültig erklärt.[18] Nur wenige Monate danach heiratete die damals 30 Jahre alte Eleonore Heinrich von Anjou, der der Sohn Gottfrieds des Schönen von Anjou und Mathilde, der Tochter Heinrichs I. von England und erst 18 Jahre alt war.[19] Ihm gebar sie vier Söhne und drei Töchter: 1153 wurde Wilhelm geboren, 1155 Heinrich, 1156 Mathilde, 1157 Richard Löwenherz, 1161 Eleonore, 1165 Johanna und 1166 schließlich Johann Ohneland.[20]

In dieser Zeit, als Eleonore Königin von England sowie Herzogin von Aquitanien und der Normandie war, wurden die Gattinnen der englischen Könige geweiht und gekrönt. Sie erlangten eine bessere Stellung, denn sie hatten eigene Einnahmen, einen eigenen Haushalt sowie Beamte und wenn der König außer Landes war, übten sie die Regentschaft aus.[21] So konnte Eleonore zum Beispiel Verfügungen erlassen, die in der Regel ihren eigenen Haushalt oder den ihrer Kinder betrafen und während der Abwesenheit Heinrichs II. hatte sie richterliche Gewalt.[22] Außerdem gründete sie ein Hospiz in Surrey, welches sie durch regelmäßige Zahlungen unterstützte.[23] Auch wenn sie Macht ausüben konnte und ihren Mann bei verschiedenen Gelegenheiten vertrat, wurde sie zwischen 1163 und 1165, als sie sich zusammen mit ihrem Gatten in England aufhielt, nicht in politische und rechtliche Entscheidungen einbezogen.[24]

Nachdem Kaiserin Mathilde, die Mutter Heinrichs II., 1167 verstorben war, kam es zu einer Entfremdung zwischen Eleonore und ihrem Mann.[25] Vier Jahre später wurde ihr Sohn Richard volljährig und Eleonore wollte, dass er als Herzog von Aquitanien anerkannt wird. Als er dann zum Abt von Saint - Hilaire erhoben wurde, war sein Vater nicht anwesend, die Vermutung, dass Eleonore an dieser Stelle ihre eigene Macht ausübte, liegt nahe.[26]

[...]


[1] Hilsch, Peter: Das Mittelalter - die Epoche, Konstanz 2006, S. 20 (im Folgenden zitiert als: Hilsch, Das Mittelalter).

[2] Affeldt, Werner: Lebensformen für Frauen im Frühmittelalter. Probleme und Perspektiven ihrer Erforschung, in: Ursula A. J. Becher und Jörn Rüsen (Hg.), Weiblichkeit in geschichtlicher Perspektive. Fallstudien und Reflexionen der historischen Frauenforschung, Frankfurt am Main 1988, S. 66 (im Folgenden zitiert als: Affeldt, Lebensformen für Frauen).

[3] Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, München 1985, S. 52 (im Folgenden zitiert als: Ennen, Frauen im Mittelalter).

[4] Vones-Liebenstein, Ursula: Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen, Göttingen u. Zürich 200, S. 21 (im Folgenden zitiert als: Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien).

[5] Affeldt, Lebensformen für Frauen, S. 67.

[6] Baier, Ronny: Art. Eleonore von Aquitanien, in: Biographisch – Bibliographisches Kirchenlexikon 25 (2005), Sp. 314-373 (im Folgenden zitiert als: Baier, Eleonore von Aquitanien).

[7] Pernoud, Regine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien, München 2000, S. 9 (im Folgenden zitiert als: Pernoud, Königin der Troubadoure).

[8] Siegel, Monique R.: Frauenkarrieren zwischen Tradition und Innovation. Führungsfrauen der Geschichte, Stuttgart 1991, S. 54.

[9] Pernoud, Königin der Troubadoure, S. 9.

[10] Schnith, Eleonore von Aquitanien, S. 218.

[11] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 20.

[12] Schnith, Eleonore von Aquitanien, S. 218.

[13] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 27.

[14] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 119.

[15] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 22.

[16] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 29.

[17] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 33.

[18] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 38.

[19] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 43.

[20] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien S. 119-120.

[21] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 46.

[22] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 49.

[23] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 47.

[24] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 50.

[25] Vones-Liebenstein, Eleonore von Aquitanien, S. 52.

[26] Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien, S. 61.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Eleonore von Aquitanien und ihre Nachkommen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V189809
ISBN (eBook)
9783656140924
ISBN (Buch)
9783656141075
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen in Quellen des Mittelalters
Arbeit zitieren
Jennifer A. (Autor), 2008, Eleonore von Aquitanien und ihre Nachkommen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189809

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