Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag aus Sicht der Medien

Wie wird das Thema Burnout in der Berichterstattung von ausgewählten Zeitungen seit 2008 thematisiert und wie spiegeln diese Inhalte Aspekte des psychologischen Arbeitsvertrages und dessen Wandel wider?


Bachelorarbeit, 2011

46 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemhintergrund
1.2 Erläuterung der Forschungsfrage
1.3 Ziel der Arbeit
1.4 Aufbau

2. Stand der Forschung
2.1 Das Konzept und die Definition von Burnout
2.2 Das Konzept des psychologischen Arbeitsvertrages
2.3 Zusammenführung der beiden Konzepte

3. Methode und Stichprobe
3.1 Auswahl und Stichprobe der Zeitungen und Artikel
3.2 Begründung der Auswahl

4. Ergebnisse
4.1 Inhaltliche (Nicht-) Erwähnungen von Burnout
4.2 Rhetorische Beschreibungen
4.3 Schreibstil und Perspektiven
4.4 Auslöser von Burnout
4.5 Folgen von Burnout
4.6 Beweggründe der Artikel
4.7 Ursachenzuschreibung von Burnout und der Wandel des psychologischen Vertrages

5. Interpretation der Ergebnisse

6. Conclusio
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Datenbasis der Analyse

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Burnout-Symptomatik nach Burisch

Abb. 2: 8 Phasen nach Golembiewski

Abb. 3: Vertragsarten

Abb. 4: Reaktionen auf Vertragsverletzungen

Abb. 5: Auswahl der Zeitungen

Abb. 6: Eigenschaften der Medien

Abb. 7: Auslöser von Burnout

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem gesellschaftlichen Phänomen, und zwar mit dem Burnout-Syndrom. Dieses Syndrom ist seit den 1970er Jahren eines der am häufigsten beschriebenen psychischen Krankheiten. Burnout ist in aller Munde und findet daher auch zunehmenden Eingang in alle möglichen Medien. Ein besonderes Medium, das sich weltweit sehr intensiv mit diesem Thema auseinander setzt, ist das Printmedium. Zeitungen aller Art behandeln die verschiedenen Facetten dieses komplexen Syndroms. Interessant dabei ist vor allem, ob sich die jeweiligen Artikel vorwiegend mit dem Individuum beschäftigen oder ob auf das betriebliche Umfeld als Auslöser von Burnout eingegangen wird.

Das Thema Burnout erobert die Welt im Sturm, da es niemanden ausschließt. Dieses Syndrom wurde mittlerweile sogar schon bei etwa 60 Berufen und Personengruppen beschrieben (Burisch, 2006, S.21). Gründe für Burnout sowie dessen Symptome sind zwar oft unterschiedlich, die negativen Auswirkungen dieser psychischen Krankheit haben sie allerdings gemeinsam. Das Interesse an dieser „Modekrankheit“ wird immer größer. Diese Angelegenheit ist natürlich auch für Betriebe von höchster Relevanz. Sieht man vom ethischen Aspekt der Hilfe an die eigenen Angestellten ab (Stichwort social responsibility, oder auch psychologischer Arbeitsvertrag), steht gleichfalls ein ökonomischer Grund im Mittelpunkt. Denn mit den Produktivitätseinbußen und Fehlzeiten der unter Burnout leidenden Personen sind auch finanzielle Konsequenzen verbunden.

1.1 Problemhintergrund

Ausgangspunkt und die Idee für diese Arbeit bildet das extreme Beispiel des größten französischen Kommunikationsanbieters, nämlich France Telecom. In einem Artikel des Spiegels über diverse Vorfälle bei der France Telecom wird über die unglaublich hohe Selbstmordrate berichtet (Der Tagesspiegel, 2009). Durch das äußerst schlechte Betriebsklima und das organisationale Umfeld begingen 24 Mitarbeiter/innen in nur 18 Monaten (seit Mitte 2008) Selbstmord. Dies war aber nicht das erste Mal, dass jenes französische Großunternehmen solch einen unrühmlichen Eingang in die Berichterstattung der Zeitungen fand. In den Jahren 2002 und 2003 nahmen sich gleich 51 Mitarbeiter/innen des Kommunikationsanbieters das Leben. Als Auslöser für diese große Anzahl an Suiziden wird immer wieder das miserable Betriebsklima genannt. Eine Atmosphäre aus hohem Stress und Angst führte bei vielen Beschäftigten zu einer schier unerträglichen Belastung.

Dieses Beispiel zeigt sehr eindeutig wie sehr sich die organisationalen Bedingungen auf Burnout auswirken können. Über die Definition des Burnout Konzeptes herrscht in der wissenschaftlichen Literatur zwar keine Einigkeit, dennoch haben die unterschiedlichen Definitionen von Burnout folgende Elemente gemein: den Zustand der totalen Erschöpfung und eine emotionale Entleerung, die beide als Folge eines fortschreitenden Prozesses betrachtet werden (Burisch, 2010: S. 2). Die zusätzliche Negativkultur beim französischen Kommunikationsanbieter führte bei vielen Mitarbeitern/innen zu einer inneren Kündigung.

Diese innere Kündigung ist ein elementarer Teil eines weiteren psychologischen Konzeptes, und zwar des psychologischen Arbeitsvertrages. Das psychologische Austauschverhältnis zwischen Arbeitgebern/innen und Arbeitnehmern/innen, wie es bei Rousseau (1995) beschrieben wird, stellt die Identifikation, das Commitment und das Zugehörigkeitsgefühl einer Person dar (Rousseau, 1995: S. 1). Wird dieser Arbeitsvertrag gestört, so hat das sowohl für die Organisation als auch für das Individuum meist negative Konsequenzen. Schafft es eine Organisation nämlich nicht, wie es ganz eindeutig der Fall bei France Telecom war, diesen freiwilligen und daher innerlichen Vertrag zu erhalten folgt die innere Kündigung. Schlagartig verschwinden alle zuvor beschriebenen Merkmale des psychologischen Arbeitsvertrages. Die klassische Bedeutung des psychologischen Arbeitsvertrages ist heutzutage generell brüchig geworden. Innere Kündigung und weniger Engagement sind die Folge (Richter, 2000: S. 197). Darum sind die Bekämpfung von Burnout und die Erhöhung der Motivation nicht nur für Organisationen, sondern auch besonders für die Personen notwendig. Ansonsten kann als Konsequenz daraus Burnout entstehen und im allerschlimmsten Falle begehen die Betroffenen sogar Suizid.

In den letzten Jahrzehnten fand eine Umorientierung in den meisten modernen Unternehmen der Welt statt. Die Mitarbeiter/innen wurden nicht mehr lediglich als ein Faktor von vielen betrachtet, sondern wurden zu einer Hauptressource. Das Leistungspotenzial der Angestellten eines Unternehmens wird als entscheidender Wettbewerbsfaktor angesehen. In dieser modernen Betrachtung werden die Mitarbeiter/innen als Humankapital beschrieben (Kasper/Loisch/Mühlbacher/Müller, 2009, in Kasper und Mayrhofer, 2009: S. 354). In ihnen steckt ein Wissen, das für das ganze Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist. Daher ist es besonders wichtig diese Hauptressource mit seinen individuellen Bedürfnissen zu berücksichtigen.

Diese Arbeit beschäftigt sich ebenso mit der Behandlung von Angestellten in Organisationen in den Medien. Die Medien haben nämlich eine große Beeinflussungskraft auf die Bevölkerung. Darum bezeichnet man auch die Medien im Volksmund neben Legislative, Exekutive und Judikative als vierte Macht im Staat. Überdies hinaus genießen speziell die Printmedien, trotz erhöhter Konkurrenz von Fernsehen und Internet, die größte Glaubhaftigkeit (ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommunikation, 2011: S. 6).

Diese Analyse der Printmedien ist das genaue Ziel. Obwohl das Thema Burnout ein bereits sehr häufig diskutiertes ist (siehe dazu Burisch 2010, Freudenberger 1974, Haslinger 2002 oder Lobmeyr 2004), unabhängig davon ob in den Medien oder in der Wissenschaft, fand bisher noch keine Auswertung der Zeitungen bezüglich Burnout und der Verbindung mit dem Konzept des psychologischen Vertrages statt. Die zu beantwortende Forschungsfrage lautet daher:

Wie wird das Thema Burnout in der Berichterstattung von ausgewählten Zeitungen seit 2008 thematisiert und wie spiegeln diese Inhalte Aspekte des psychologischen Arbeitsvertrages und dessen Wandel wider?

1.2 Erläuterung der Forschungsfrage

Die beiden Kernelemente der Forschungsfrage und damit auch der Arbeit sind die Themen Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag. Diese Konzepte eignen sich sehr gut für eine gemeinsame Analyse. Der psychologische Vertrag und Burnout haben nämlich etliche Gemeinsamkeiten. Die beiden Konzepte weisen zwar auch einige Unterschiede auf, darüber hinaus stellen sie aber ein verwandtes Forschungsfeld der wissenschaftlichen Psychologie dar (Lauck, 2003: S. 45). Um einen neuen Zugang zu diesen Themen zu finden werden bestimmte Zeitungen mit Berichten zum Thema Burnout auf ihre Inhalte analysiert. Der Fokus wird dabei vor allem darauf gelegt, ob die Ursache für dieses Syndrom der Organisation oder dem Individuum zugeschrieben wird. Damit ist gemeint inwiefern einerseits die organisationalen Rahmenbedingungen, die Atmosphäre oder die Organisationskultur Einfluss auf die Entstehung von Burnout haben. Andererseits wird auch das Individuum, die Person, in das Zentrum der Analyse gestellt, ob es also persönliche Faktoren sind welche der Anlass für das Burnout Syndrom sind. Die Zeitungsartikel werden also auf ihre formale Struktur und inhaltlich ausgewertet.

Bei der Auswahl von Zeitungen beschränkt sich diese Arbeit auf Titel, die einen gewissen Qualitätsstandard aufweisen. Welche Zeitungen genau ausgewählt wurden wird später beim Kapitel Methoden erklärt und beschrieben. Aufgrund der wesentlich besseren und einfacheren Archivierung von Zeitungen und Artikeln im Onlinebereich werden grundsätzlich nur Berichte von Onlineausgaben auf ihre Inhalte untersucht.

Die analysierten Artikel stammen aus dem Zeitraum zwischen 2008 und 2011. Für diese Beschränkung gibt es zwei Gründe. Auf der einen Seite sind die Berichte zum Thema Burnout natürlich wesentlich aktueller und bieten somit eine bessere Grundlage für diese Arbeit. Auf der anderen Seite bildet der Vorfall beim oben beschriebenen französischen Unternehmen France Telecom nicht nur den Ausgangspunkt und Anstoß zu dieser Arbeit. Er führte auch zu einer neuen medialen Welle der Berichterstattung und zu weltweiter Aufmerksamkeit das Syndrom Burnout betreffend.

1.3 Ziel der Arbeit

Anhand der beiden Konzepte Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag sollen ausgewählte Printmedien analysiert werden. Die Analyse der unterschiedlichen Berichte orientiert sich dabei an genauen Vorgaben hinsichtlich der Auswertung von Dokumenten. Es werden also Kriterien für eine wissenschaftliche Analyse von Zeitungen eingehalten.

Das Ergebnis dieser Untersuchung der verschieden auf Burnout bezogenen Artikel soll zeigen, von welcher Perspektive aus die Zeitungen (das gleichzeitig auch ein repräsentativer Wert für alle Medien ist) dieses Phänomen betrachten. Schlussendlich sollen Aussagen darüber gemacht werden können ob die Verantwortung für das Entstehen von Burnout in den Printmedien dem Individuum oder der Organisation zugeschrieben wird.

Als Nebenfragen werden auch andere Elemente der Onlineberichte analysiert. Dazu gehört der eigentlich Beweggrund der Zeitungen überhaupt darüber zu schreiben. Außerdem wird der psychologische Vertrag zwischen Individuum und Organisation betrachtet, wie sich dieser im Laufe der Zeit ändert und was die konkreten Gründe dafür sind.

1.4 Aufbau

Anschließend an die Einleitung und somit der Hinführung zu dieser Arbeit wird der Stand der Forschung auf diesem Gebiet dargelegt. Dazu gehört eine grundlegende Beschreibung und Definitionen der beiden Konzepte Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag. Des Weiteren erfolgt eine Zusammenführung der beiden Themen, also inwiefern eine Verbindung zwischen den beiden Konzepten besteht.

In Kapitel drei werden die Methoden zur Auswertung der unterschiedlichen Berichte zum Thema Burnout erklärt. Außerdem werden die ausgewählten Zeitungen vorgestellt. Dazu kommt eine kurze Begründung, wieso sich diese Arbeit ausschließlich mit den Printmedien beschäftigt und warum in dieser Kategorie ein paar gewisse Blätter Eingang in die Analyse gefunden haben.

Auf all dem aufbauend erfolgt die Präsentation der aus den Auswertungen stammenden Ergebnisse. Diesbezüglich werden die Ergebnisse in sieben Kategorien eingeteilt. Zusätzlich zum Hauptaugenmerk der Analyse, und zwar der Ursachenzuschreibung sowie der Beobachtung des Wandels des psychologischen Vertrages, werden auch noch andere Elemente geklärt. Neben der Methode der Dokumentenanalyse nach Rapley werden die verschiedenen Artikel ebenfalls hinsichtlich der Auslöser und Konsequenzen von Burnout sowie der Beweggründe der Beiträge ausgewertet.

Die Zusammenfassung schließt die gesamte Arbeit ab. Hier werden die Themen und Ergebnisse noch einmal zusammengefasst, die Forschungsfrage beantwortet und ein paar kritische Anregungen sowie der weitere Forschungsbedarf angeführt.

2. Stand der Forschung

Der folgende Abschnitt befasst sich mit der grundlegenden Theorie hinter der Forschungsfrage. Darin sind die wesentlichen Elemente der beiden Themenfelder Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag enthalten. Da beide Forschungsrichtungen sehr groß sind, werden vor allem jene Kernelemente präsentiert, welche besondere Relevanz für diese Arbeit haben. Die Zusammenführung der beiden Theorien bildet den Abschluss dieses zweiten Kapitels.

2.1 Das Konzept und die Definition von Burnout

Burnout ist ein in der wissenschaftlichen Literatur (vor allem in Fachzeitschriften über Psychologie und in Fachbüchern zum Thema Burnout) sehr beliebtes Thema. Gibt man bei der bekannten Internetsuchmaschine Google scholar den Begriff Burnout ein, so erscheinen beinahe 258.000 verschiedene Ergebnisse. In der Tat wurde das Burnout Syndrom bis heute bei nicht weniger als 60 Berufen und Personengruppen beschrieben (Burisch, 2010: S. 21). Im Verhältnis zu ersten Beobachtungen dieses psychischen Phänomens existiert der Name Burnout an sich noch nicht lange. Abgesehen davon gibt es in der Geschichte der Menschheit zahlreiche Fälle dieser psychischen Krankheit. Dies geht sogar bis ins Alte Testament bei den Propheten Elias und Moses zurück (Burisch, 2010: S.4).

Die allererste Berufsgruppe bei der das Thema Burnout aufgegriffen und empirisch erforscht wurde waren die Sozialberufe. Bei ihnen stellte man schon 1959 einen unerklärlichen Motivationsverlust fest. Das Wort Burnout, das seit der ersten Verbalisierung eine steile Karriere hinter sich hat, wurde vom Psychoanalytiker Herbert Freudenberger 1974 in die eingängige Literatur integriert (Burisch, 2010: S. 6). Es war allerdings niemand geringerer als William Shakespeare am Ende des 16. Jahrhunderts der das Verb „to burn out“ als erstes verwendete. Übersetzt man den Begriff Burnout in das Deutsche werden zumeist die Worte Aus- oder Durchbrennen benützt. Diese Metapher ist jedoch bei genauerer Betrachtung nicht besonders geeignet, da beides sehr schnell und prompt von statten geht. Während die Krankheit an sich ein langwieriger Prozess ist (Burisch, 2010: S. 7).

Paradoxer weise (im Vergleich zu den Mengen an wissenschaftlichen Arbeiten aus diesem Bereich) gibt es bis heute keine geeignete Definition von Burnout. Bisherige Versuche erwiesen sich als entweder viel zu spezifisch oder gegenteilig zu umfassend. Die gleiche Ungenauigkeit auf diesem Gebiet findet sich bei den Symptomen als wie auch bei den Anfängen bzw. Auslösern von Burnout wieder (Burisch, 2010: S. 16). Eine bekannte Forscherin zu diesem Thema ist Maslach (1982). Ihre Definition bezieht sich zwar nur auf die helfenden Berufe, aber dennoch definiert sie Burnout wie folgt: „…ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf die chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonders, wenn diese in Not sind oder Probleme haben“ (Maslach, 1982, in Burisch, 2010: S.17).

Wie oben bereits kurz erwähnt gibt es ein großes Durcheinander verschiedener Beschreibungen bezüglich der Symptome von Burnout. Burisch (2010) fasst diese in sieben Kategorien zusammen (Burisch, 2010: S. 25). Anschließend erfolgt die Aufzählung der Kategorien und deren Hauptelemente:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Burnout-Symptomatik nach Burisch (2010: S. 26)

Da dies eine allgemeine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Literatur ist gibt es einige Limitationen. Es müssen unter anderem nicht alle Symptome auftreten und einige dieser Symptome können sich sogar gegenseitig ausschließen. Außerdem gibt diese Aufstellung das Gefühl einer zeitlichen Reihung (Burisch, 2010: S. 27).

Zwei besondere Anknüpfungspunkte zu dieser Arbeit liefern die Punkte 2 und 3 dieser Symptomatik. Das reduzierte Engagement für die Arbeit ist nämlich der erste Schritt zur weiter unten beschriebenen inneren Kündigung. Der psychologische Vertrag zwischen Arbeitnehmern/innen und Arbeitgebern/innen wird gestört und kann in weiterer Folge sogar ganz zerstört werden. Hinsichtlich der emotionalen Reaktion gibt es zwei Möglichkeiten für den Betroffenen mit sich selbst und der Umwelt umzugehen. Dies ist eine Frage der Ursachenzuschreibung. Gibt sich der/die Betroffene selbst die Schuld so führt dies zu Depressionen. Aggressionen bilden sich hingegen wenn die Umwelt oder andere Personen beschuldigt werden (Burisch, 2010: S. 32).

Ganz generell stellt sich oft die Frage (da es ja keine genaue Definition gibt) wie man nun Burnout messen soll. Der am bekanntesten und weit verbreitetesten Fragebogen wurde 1982 von Maslach entwickelt. Hierbei handelt es sich um das Maslach Burnout Inventory (MBI) (Maslach, 1982, in Burisch 2010: S. 34). Dieses System besteht aus insgesamt 22 Items, die in drei Skalen unterteilt sind:

- Emotionale Erschöpfung (Emotional Exhaustion)
- Depersonalisation
- Leistungs(un)zufriedenheit (Personal Accomplishment)

Das MBI besitzt nicht nur die Vorherrschaft in der Empirie, sondern wurde bereits von einigen Psychologen/innen und anderen Wissenschaftlern/innen adaptiert. Darunter auch Golembiewski (1983), der dieses Instrument als Basis seiner Phasentheorie verwendete. Das Maslach Burnout Inventory hat allerdings auch einige Kritikpunkte. Maslach beschäftigt sich meistens mit den sogenannten helfenden Berufen, daher müsste dieses Konzept für andere Berufsgruppen und Personen angepasst werden. Außerdem sind 22 Items eine sehr geringe Anzahl und dieses Instrument besitzt noch keine klare Konzeption darüber, ab welchem Zeitpunkt eine Person Burnout zugeschrieben wird (Burisch, 2010: S. 36).

Wie bereits oben erwähnt benutzte Golembiewski das MBI als Basis für sein Acht Phasen Modell. Die Abbildung zwei zeigt, dass die acht Phasen aus verschiedenen Kombinationen (+ steht für hoch und - für niedrig) von hohen und niedrigen Werten der drei Skalen bestehen. Des Weiteren ist jede Phase eine Steigerung des Burnoutprozesses. Dieser Prozess reicht von der niedrigsten Phase (I) bis zum höchsten Burnoutstadium (VIII). Wiederum steht es allerdings nicht fest, dass eine Person alle diese acht Phasen wirklich durchläuft (Golembiewski, 1983, in Burisch, 2010: S. 41).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: 8 Phasen nach Golembiewski

In der Literatur gibt es viele weitere bekannte Phasenmodelle von Burnout. Wenn sie auch unterschiedliche Konzeptionen verfolgen so haben sie es doch gemeinsam, dass Burnout als ein schleichender Prozess betrachtet wird (Burisch, 2010: S. 39). Zwei ebenfalls sehr bekannte Phasentheorien sind jene von Lauderdale und Maslach (1981). Beide gliedern ihre Modelle in jeweils drei Phasen. Lauderdales Einteilung besteht aus den Elementen Verwirrung, Frustration und Verzweiflung (Lauderdale, 1981, in Burisch, 2010: S. 40). Die Phasentheorie Maslachs setzt sich hingegen aus Emotionaler und Physischer Erschöpfung, Dehumanisierung und dem Terminalen Stadium zusammen (Maslach, 1983, in Burisch, 2010: S. 40).

Es sind auch diese beiden Wissenschaftler/innen, welche die bekanntesten Theorien zum Thema Auslöser verfasst haben. Die Relevanz für diese Arbeit steckt in den unterschiedlichen Zugängen und Ursachenzuschreibungen. Lauderdale sieht die Differenz zwischen Erwartungen einer Person an eine Rolle und der tatsächlichen Realität als auslösendes Moment von Burnout (Lauderdale, 1981, in Burisch, 2010: S. 45). Die Ursache wird also dem Individuum zugeschrieben. Auf der anderen Seite schreibt Maslach der Organisation die Ursache zu der Auslöser für diese psychische Krankheit zu sein. Schließlich sieht sie Burnout als eine Funktionsstörung innerhalb der Organisation (Maslach, 1983, in Burisch, 2010: S. 52).

Sehr nah verbunden mit Burnout (aber nicht ident!) ist Stress. Stress wird mehrheitlich als ein Kernsymptom von Burnout gesehen (Burisch, 2010: S. 76). Stress wird in drei Stadien unterteilt: Alarm-, Resistenz- und Erschöpfungsphase. Dieses Schlüsselphänomen von Burnout ist auch etwas sehr individuelles. Stressoren wirken auf jeden Menschen unterschiedlich und jeder geht anders damit um (Burisch, 2010: S. 85). Stress ist, wie jedem bekannt ist, fast immer am Arbeitsplatz anzufinden. Dies wird wiederum für Kapitel vier dieser Arbeit wichtig sein.

Ebenso immanent ist, wie oben bereits ein paar Mal erwähnt, die Zuschreibung der Ursachen. Trägt nun das Individuum selbst oder die Umwelt (hier: Unternehmen) die Verantwortung für das Burnout Syndrom. Die Wissenschaft ist sich zu diesem Thema nicht ganz einig. Generell wird eine Wechselwirkung zwischen Arbeitsbedingungen und Person angenommen, die schließlich in ihrer Kombination zu Burnout führt (Burisch, 2010: S. 199). Man kann die Zuschreibung der Ursachen daher meist nicht auf einen konkreten Faktor reduzieren. Das heißt, es müssen immer zwei Komponenten zusammentreffen. Es entsteht also ein Misfit zwischen gefährdeten Individuum und gefährdenden Umweltbedingungen (Burisch, 2010: S. 198). Auf individueller Ebene sind es vor allem jene Faktoren die zum Burnout beitragen die mit Neurotizismus verbunden sind. Darunter fallen mangelnde Selbstachtung, Ängstlichkeit und die Neigung zu Depressionen (Burisch, 2010: S. 201). Was die Umwelt der Person anbelangt, so sind die empirischen Belege relativ rar. Allgemein kann man jedoch sagen, dass vernachlässigte Bedürfnisse sowie die Unter- oder Überforderung eines Individuums stark zum Burnout beitragen (Burisch, 2010: S. 214).

Die Einflussfaktoren auf Burnout werden generell auf zwei wesentliche Elemente zurückgeführt: Arbeitsanforderungen und Arbeitsressourcen. Unter den Arbeitsanforderungen werden die körperlichen, mentalen, sozialen und organisationalen Aspekte der Arbeit verstanden. Dazu gehören vor allem der Arbeitsdruck und die emotionalen Anforderungen, welche die Arbeit mit sich bringt. Die Arbeitsanforderungen betreffen dabei hauptsächlich jenes Verhalten, das durch den Arbeitsvertrag genau beschrieben und auch verlangt wird (sogenanntes Rollenverhalten) (Bakker/Demerouti/Verbeke, 2004: S. 4).

Den zweiten Haupteinflussfaktor auf das Burnout Syndrom stellen die Arbeitsressourcen dar. Diese können auf den Ebenen der Organisation, sozialen Beziehungen, Arbeitsorganisation und der Aufgabe selbst ausgemacht werden. Beispiele für die jeweiligen Ebenen sind die Jobsicherheit, Arbeitsklima, Partizipationsmöglichkeiten und Aufgabenautonomie. Bei den Arbeitsressourcen spielt die Organisation eine große Rolle, da ohne ihre Unterstützung die meisten dieser Ressourcen nicht zur Verfügung stehen können (/Demerouti/Verbeke, 2004: S. 4). Diese Arbeitsressourcen sind für den Angestellten besonders notwendig um die Arbeitsziele zu erreichen und sich selbst entwickeln zu können. Des Weiteren wirken sich diese Ressourcen vor allem auf das Extrarollenverhalten aus, welches in weiterer Folge für den psychologischen Arbeitsvertrag von entscheidender Bedeutung ist.

Zwischen diesen beiden Einflussfaktoren besteht eine negative Korrelation. Das bedeutet, dass ein negativer Zusammenhang zwischen den Arbeitsanforderungen und den Arbeitsressourcen herrscht. Burnout entsteht nämlich besonders häufig bei großen Anforderungen auf der einen Seite und nur limitierten Ressourcen auf der anderen. Die Konsequenzen der beiden Einflussfaktoren auf das Burnout Syndrom beziehen sich dabei auf physische als auch psychische Folgen. Durch zu große Arbeitsanforderungen kann auf der körperlichen Ebene ein für das Burnout typischer Erschöpfungszustand entstehen. Auf der mentalen Ebene hingegen führen zu geringe Ressourcen zu einem Rückzug von der Arbeit (Bakker/Demerouti/Verbeke, 2004: S. 9).

[...]

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag aus Sicht der Medien
Untertitel
Wie wird das Thema Burnout in der Berichterstattung von ausgewählten Zeitungen seit 2008 thematisiert und wie spiegeln diese Inhalte Aspekte des psychologischen Arbeitsvertrages und dessen Wandel wider?
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (VOM)
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
46
Katalognummer
V189954
ISBN (eBook)
9783656143499
ISBN (Buch)
9783656143246
Dateigröße
2126 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Interdisziplinäres Verhaltenswissenschaftlich orientiertes Management
Schlagworte
burnout, arbeitsvertrag, sicht, medien, thema, berichterstattung, zeitungen, inhalte, aspekte, arbeitsvertrages, wandel
Arbeit zitieren
Martin Hinterwallner (Autor), 2011, Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag aus Sicht der Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189954

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Burnout und psychologischer Arbeitsvertrag aus Sicht der Medien



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden