Texte verfassen zu literarischen Schreibanlässen: Arbeit am Wortmaterial zu Ilse Klebergers Gedicht „Sommer“


Praktikumsbericht / -arbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1 Bedingungsfeldanalyse
1.1 sozial-kulturell
1.2 situativ
1.3 anthropologisch-psychologisch

2 Sachanalyse

3 Didaktische Analyse

4 Lernziele

5 Methodische Überlegungen

6 Unterrichtsstunde

7 Reflexion
7.1 Formulierung der Zielstellung
7.2 Analyse und Reflexion der einzelnen Unterrichtsphasen
7.3 Ausgewählte Schwerpunkte

8 Anhang

Literaturverzeichnis Plakate

1 Bedingungsfeldanalyse

1.1 Sozial-kulturell

Die ****-Schule Erfurt ist eine Ganztagsschule und liegt im Südosten Erfurts. 320 Schüler und Schülerinnen besuchen die Schule in 13 Klassen. Es sind 18 Lehrerinnen, zwei Lehrern sowie 2 Lehramtsanwärter und 14 Erzieherinnen angestellt. Die Schüler beschäftigen sich gemeinsam mit dem Leben und Werken der Schriftstellerin Astrid Lindgren und auch die Klassenräume sind nach Namen aus deren Kinderbüchern benannt.

1.2 Situativ

Die Klasse 3c besuchen 23 Schüler. Davon sind 14 Mädchen und neun Jungen. Drei Kinder sind Verweiler, die drei Schuljahre für die Schuleingangsphase benötigten. Ein Junge und zwei Mädchen haben einen Migrationshintergrund, der aber zu keinen Problemen in der Klasse führt. Die Schüler sitzen in drei Reihen frontal zur Tafel an Zweierbänken, für Gruppenarbeiten werden diese jedoch zu vier Gruppentischen zusammen gestellt. Der Klassenraum mit dem Namen ,Villa Kunterbunt‘ ist mit Arbeiten der Schüler geschmückt, relativ groß und beherbergt auch Bücherregale, einen Computer, einen Overheadprojektor und eine Ecke mit einem Lernteppich, der sich gut für Sitzkreise eignet.

1.3 Anthropologisch-psychologisch

Die Klasse wird im Deutsch-Unterricht immer wieder mit literarischen Texten und im Besonderen Gedichten konfrontiert. Den Schülern sind verschiedene Gedichtformen wie Elfchen oder Schneeballgedicht bekannt. Sie haben schon des Öfteren selbst Gedichte zu aktuellen Stundenthemen (Jahreszeit, zur behandelten Geschichte etc.) verfasst, haben Wissen über die Regeln und Merkmale von Gedichten und können die Texte auf zentrale Aussagen reduzieren und den Inhalt wiedergeben (Sachkompetenz). (vgl. Lehrplan Grundschule Deutsch, S.12) Außerdem können sie eigene Gedanken und Gefühle zu den Texten darlegen (Sozialkompetenz) und geeignete Lesestrategien zum Analysieren der Texte anwenden (Methodenkompetenz). (vgl. Lehrplan Grundschule Deutsch, S.13)

Die drei Verweiler gehören auch weiterhin zu den leistungsschwächeren Schülern der Klasse und benötigen besondere Aufmerksamkeit. Außerdem gibt es noch zwei weitere schwächere Mädchen. Die Klasse hat jedoch eine starke Spitze mit je drei sehr starken Jungs und Mädchen, die immer konzentriert und aufmerksam arbeiten. Der Großteil der Klasse gehört zum starken Mittelfeld, das motiviert mitarbeitet und gute Leistung erbringt. Vor allem einige Mädchen halten sich aber vollkommen im Hintergrund, reden und melden sich nicht viel und fragen leider bei Verständnisproblemen nicht nach.

2 Sachanalyse

„Kinder brauchen Gedichte. Kinder lieben Gedichte. Sie erfahren sie mit allen Sinnen, fühlen sich wohl mit ihnen, auch oder gerade, wenn sie sie nicht so schnell verstehen.“ (Böttcher, S.57) Ein großer Teil von Lyrik, die für Kinder verfasst wurde, basiert auf einem Spiel mit Wörtern und Klängen. (vgl. Franz, S.65) So auch bei dem Gedicht „Sommer“ von Ilse Kleberger, was die Arbeitsgrundlage für die Unterrichtsstunde bildet. Hier trifft man genau auf diese bildliche und lautmalerische Sprache.

Gedichte im Allgemeinen sind Darstellungen der Wirklichkeit, ermöglichen verschiedene Perspektiven der Betrachtung und sprechen alle Sinne an. Besonders ist dies der Fall, wenn in einem Gedicht Bilder und Metaphern verarbeitet werden, die man im Alltag nur durch die Sinne wahrnehmen kann, also z.B. der Geruch von Blumen oder bunte Farben.

Gedichte schaffen es, in nur wenigen Zeilen, Emotionen zu wecken und zum Nachdenken anzuregen. Man spricht von der ,lyrischen Kürze‘, durch die es in der Lyrik im Gegensatz zu dramatischen oder epischen Stücken auf die Qualität statt der Quantität ankommt. (vgl. Elit, S. 16) Während bei den anderen beiden literarischen Gattungen sich dem eher ausführlichen Erzählen widmen, konzentrieren sich lyrische Stücke auf das Beschreiben und Vergegenwärtigen eines Themas mithilfe möglichst bildhaften Ausdrücken durch einen unbestimmten Sprecher. (vgl. Elit, S. 17) Es wird eine Situation beschrieben und mit bewusst gewählten Worten ausgeschmückt, sodass man sie in Gedanken wiedererleben kann.

Das Gedicht „Sommer“ adressiert in jeder Strophe einen Sinn des Lesers: in der ersten den Geruch, in der zweiten das Schmecken und in der dritten Strophe das Hören. Dabei werden besonders viele einfache Nomen verwendet, die mit dem Sommer assoziiert werden, wie z.B. Waldbeeren, Sonne, Badehose oder Eis. Der Umfang des verwendeten Wortschatzes ist beschränkt und der Altersstufe angemessen. (vgl. Franz, S. 62) Das macht es zu einem gut lesbaren, leicht erfassbaren Werk für Kinder. Kleberger arbeitet mit kindgerechten Bildern, die jedem geläufige Eindrücke des Sommers beschreiben: es wird u.a. an Blumen und Früchte, Situationen und Eindrücke aus Sommerurlauben oder an das sonnige Wetter erinnert. Diese Reihe „evokationsmächtiger Nomina“ (Killy, S.34), auch lyrische Addition genannt, lenken die Gedanken des Lesers in die gewollte Richtung. Nur in ihrer ,Masse‘ ergibt sich die gewünschte Wirkung, alleinstehend hätten Nomen wie ,Sonne‘ nicht diese tiefgreifende Erweckung von sensorischen Empfindungen. (vgl. Killy, S.37)

Schon in der ersten Strophe von ,Sommer‘ tritt eine Art Synästhesie mehrerer Sinneseindrücke auf: In der Frage der ersten Strophe wird der Geruchssinn angesprochen. Geantwortet wird in der zweiten und dritten Zeile jedoch u.a. mit den Früchten Birne und Apfel, welche eigentlich eher im ersten Moment den Geschmackssinn des Lesers ansprechen. Doch durch die Frage gelenkt, stellt man sich unweigerlich auch den Duft frisch aufgeschnittener Früchte oder auch den Duft der Baumblüten vor. Diese Verbindung mehrerer Sinne setzt sich dann weiter fort. Noch in der ersten Strophe wird ,heißer Sand‘ und die ,kühle See‘ genannt: Temperaturen nimmt man jedoch durch den Tastsinn war. Man erinnert sich auch automatisch an das Rauschen von Wellen und Knirschen von Sand. Durch die eingangs gestellt Frage nach dem Geruch wird die olfaktorische Vorstellung durch das harmonische Zusammenspiel mit den anderen Sinnen also noch verstärkt. Das gleiche Empfinden wird auch durch die ,nasse‘ Badehose in der ersten Strophe ausgelöst. Auch in der zweiten Strophe findet man miteinander verbundene Sinneseindrü>Beeren, ,halb versteckt zwischen Gras und Moosen‘. Letzteres ist eine eindeutige visuelle Erläuterung, die hier aber nur umschreibend und unterstützend eingesetzt wird, da man sich als Rezipient auf die Vorstellung des Geschmacks der Beeren konzentriert.

Des Weiteren vereint Kleberger in diesem Gedicht mehrere Gegensätze. In der dritten Zeile der ersten Strophe nennt sie den Duft der Vergissmeinnicht. In der nächsten Zeile lässt sie die Blumen jedoch welken. Die Trockenheit ist ein eher unbeliebter Aspekt des Sommers, doch dadurch, dass der Rezipient sich den Duft vorstellt, wird das Welken nicht als negativ wahrgenommen, sondern der Duft sich durch den Welkvorgang noch verstärkt vorgestellt. In der nächsten Zeile stehen sich die Gegensätze ,heißer Sand‘ und ,kühle See‘ gegenüber. Hier dient die Vorstellung des kalten Wassers als Rettung von schmerzenden Füßen im heißen Sand. Diese Vorstellung weckt die Emotion der Erleichterung im Leser. In der letzten Zeile der ersten Strophe stehen sich ,Straßenstaub‘ und ,Rosen‘ gegenüber. Wieder wird ein eher unschöner Aspekt des Sommers, der Straßenstaub, der durch die Trockenheit entsteht und aufgewirbelt wird, mit einem beliebteren Eindruck, dem Duft blühender Rosen, verbunden. Da es Straßenstaub jedoch nur in der Hitze des Sommers gibt, kann man mit diesem Geruch auch die Sehnsucht nach Sommer ausdrücken, was diesen eigentlichen Gegensatz abschwächt. Der letzte Satz des Gedichtes dient als Zusammenfassung der Grundstimmung des Gedichtes, also Zufriedenheit, Glücksmomente und schöne Erinnerungen bezüglich des Sommers. Ein vorher aufgewecktes Kind hält inne, genießt den Moment und träumt. Kleberger lässt somit auch den Leser mit träumenden Gedanken an den Sommer zurück.

Die synästhetischen Bilder, die Kleberger im Gedicht verarbeitet, entwickeln jedoch erst in der Wechselbeziehung mit den anderen Parametern des lyrischen Werks ihre ästhetische Wirkung (vgl. Wanner-Meyer, S. 27). Durch die strukturellen Elemente des Gedichtes, welche im Folgenden untersucht werden, wirkt es erst gegliedert und in sich schlüssig.

Das Gedicht ist in drei Strophen mit je acht Zeilen aufgeteilt. Dabei stützt es sich immer auf eine Art Frage-Antwort-Spiel. Der Beginn jeder Strophe wird dem Rezipienten die Frage „Weißt du, wie der Sommer riecht/schmeckt/klingt?“ gestellt, welche im Laufe der folgenden Zeilen beantwortet wird. Diese Art der Wiederholung von Textfragmenten nennt man Anapher. Durch diesen Parallelismus, also der „Beibehaltung des syntaktischen Musters“ ( Franz, S. 69), erhält das Gedicht eine nachvollziehbare Gliederung, da die Fragen immer zu einem neuen Sachverhalt überleiten. Das Kind als Rezipient wird durch das Ansprechen mit ,du‘ in den Fragen direkt in das Geschehen einbezogen und kann sich leichter mit dem lyrischen Ich identifizieren. (vgl. Franz, S. 69f)

Das Gedicht ist in einem relativ freien Rhythmus geschrieben, hat also kein einheitliches Metrum. Das kann man erkennen, da es sowohl den Jambus, z.B. dreihebig in der zweiten Zeile, als auch einen Trochäus, z.B. vierhebig in der ersten und dritten Zeile gibt.

Das verwendete Reimschema erinnert an den Kreuzreim (a, b, a, b, c, d, c, d). Die jeweils fünfte und siebte Zeile der Strophen stechen jedoch als Waisen aus diesem Konzept heraus, da sie sich nicht reimen. Das Reimen ist in der Kinderlyrik zwar ein notwendiger Bestandteil, da er Kindern als eine Gedächtnisstütze dient. (vgl. Franz, S. 75) Dennoch reichen Kindern auch ,ungenügende Übereinstimmungen‘, sodass unreine Reime wie hier öfter in Gedichten für Kinder auftreten. (vgl. Franz, S. 76)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Texte verfassen zu literarischen Schreibanlässen: Arbeit am Wortmaterial zu Ilse Klebergers Gedicht „Sommer“
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V189963
ISBN (eBook)
9783656143420
ISBN (Buch)
9783656143178
Dateigröße
2823 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kleberger, Sommer, Gedicht, Schreibanlässe, Deutsch, Unterrichtsplanung
Arbeit zitieren
Victoria Tutschka (Autor), 2011, Texte verfassen zu literarischen Schreibanlässen: Arbeit am Wortmaterial zu Ilse Klebergers Gedicht „Sommer“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189963

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