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Macht und Recht bei Thukydides

Title: Macht und Recht bei Thukydides

Examination Thesis , 2010 , 88 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Raoul Hansche (Author)

World History - Early and Ancient History
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Der Peloponnesische Krieg von Thukydides ist ein Geschichtswerk, das letztlich wegweisend für alle ihm nachfolgenden historischen Darstellungen geworden ist. Nicht ohne Grund gilt Thukydides vielen Experten als Vater der „politischen“ oder „realistischen“ Geschichtsschreibung . Für diese Einschätzung können eine ganze Anzahl von Aspekten herangeführt werden, allen voran ist wohl aber die bis dahin beispiellose Methodik in der Darstellung und Analyse der Ereignisse zu nennen. Thukydides trägt nicht nur zusammen und gibt wieder, er hinterfragt, analysiert und komponiert ein Geschichts- und Lehrwerk, das für sich selbst zu sprechen vermag, das den Autor hinter der Darstellung so weit verschwinden lässt, dass man ihn oft nur noch erahnen, aber nicht mehr eindeutig benennen und verorten kann. Objektivität scheint ihm oberstes Kriterium, und wenn er urteilt, dann urteilt er letztlich über die menschliche Natur und die Fehler, die die eine wie die andere Seite der Kriegsparteien begeht. Er hinterfragt die Dinge wie keiner vor ihm, wenn er zwischen Anlass und Ursache unterscheidet, wenn er jedem Argument ein Gegenargument, jeder Rede eine ebenbürtige gegenüberstellt, um den Leser schließlich selbst entscheiden zu lassen.
Diese Dialektik in der Darstellung möchte ich in der nachfolgenden Arbeit auch in Hinblick auf zwei wesentliche Augenmerke des thukydideischen Werkes untersuchen, die dieses wie ein roter Faden durchziehen: Die Darstellung der Macht und des Rechts und das Verhältnis und die Bedeutung in dem Thukydides diese beiden wiedergibt und gegenüberstellt.

Die Arbeit wird ein eigenständiges Urteil darüber finden, in welchem Licht Thukydides den Krieg, die Kriegsparteien Athen und Sparta, und darin verwoben Werte wie Moral und Recht sieht und welche Konsequenzen sich aus diesem Urteil für die Zukunft der Griechen ableiten lassen. In diesem Sinne erscheint das thukydideische Werk gerade heute wieder aktueller den je...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Methodik

3.) Kurzer Überblick: Forschungsstand

4.) Macht und Recht vor Beginn des Krieges

4.1) Der Konflikt Kerkyra – Korinth

4.1.2) Zusammenfassung

4.2) Die Reden: Korinth, Athen und Sparta

4.3) Geschichte der 50 Jahre (Pentekontaetie, 1,89-118)

4.4) Zusammenfassung: Macht und Recht vor Beginn des Krieges

5.) Macht und Recht bei Perikles

5.1) Der Epitaphios des Perikles

5.1.2) Interpretation des Epitaphios

5.2) Die Pest

5.3) Die Trostrede des Perikles

5.4) Die Würdigung des Perikles

5.5) Zusammenfassung: Macht und Recht bei Perikles

6.) Macht und Recht nach Perikles

6.1) Mytilene – Vorgeschichte

6.2) Exkurs Sparta / Brasidas als Befreier der Hellenen

6.3) Die Mytilene – Debatte

6.3.1) Die Rede des Kleon

6.3.2) Die Rede des Diodotus

6.4) Exkurs: Der Plataia-Konflikt

6.5) Bürgerkrieg in Kerkyra (Pathologie des Krieges)

6.6) Der Melierdialog

6.7) Fazit Melierdialog

6.8) Zusammenfassung: Macht und Recht nach Perikles

7.) Fazit

8.) Thukydides und die Sophistik (Appendix)

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Macht und Recht im Geschichtswerk des Thukydides über den Peloponnesischen Krieg. Das zentrale Ziel ist es, die These zu untermauern, dass Thukydides nicht als reiner Machtanalytiker zu verstehen ist, sondern eine ethisch-moralische Dimension in sein Werk einwebt, die den Niedergang Athens als Folge einer zunehmenden Abkehr von rechtsstaatlichen Prinzipien hin zu einer unkontrollierten Machtpolitik (Hybris) interpretiert.

  • Untersuchung der Dialektik zwischen Machtstreben und rechtlichen Normen
  • Analyse der Rolle der Reden als Mittel der Charakterisierung und Bewertung
  • Gegenüberstellung von perikleischer Führung und deren Entartung unter Nachfolgern
  • Diskussion des Einflusses der Sophistik auf das Machtverständnis der Akteure
  • Bewertung von Thukydides als Historiker mit ethischem Bewusstsein

Auszug aus dem Buch

4.1) Der Konflikt Kerkyra – Korinth

Der erste Anlass des Krieges, den Thukydides ausführlich schildert, ist der Konflikt zwischen Korinth und Kerkyra. In dieser Darstellung des Thukydides zeichnet sich bereits vorab und quasi beispielhaft im Kleinen der grundsätzliche Verlauf ab, den der Peloponnesische Krieg dann im Großen nimmt, denn schon hier ist es vor allem die Frage nach Macht und Recht, die den Konflikt durchzieht.

In der dargestellten Zuspitzung dieses Konfliktes (I,24-59) zeigt sich zudem schon die Eigenständigkeit der Macht, die sich ab einem gewissen Zeitpunkt der Kontrolle der Inhaber zu entziehen und quasi zu verselbständigen scheint. Die Anlässe für den kerkyrisch-korinthischen Konflikt sind verworren und wie bei den übergeordneten Antagonisten, Athen und Sparta letztlich machtbedingt. Beide sind nicht unschuldig an der kriegerischen Auseinandersetzung, sondern steigern sich vor allem auch emotional hinein. Kerkyra behandelt Korinth, die Mutterstadt, im Angesicht seiner Geldmacht und militärischen Stärke nur noch mit Geringschätzung, wie uns Thukydides mitteilt (I,25) und hilft auch der eigenen Tochterstadt Epidamnos nicht, als die in inneren Konflikten (Bürgerkriegen) gefangen, sich hilfesuchend an Kerkyra wendet.

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Einleitung: Einführung in die Methodik des Thukydides und Vorstellung der These, dass Macht und Recht als roter Faden durch sein Geschichtswerk führen.

2.) Methodik: Kritische Untersuchung des Methodensatzes von Thukydides in Bezug auf die Authentizität der im Werk enthaltenen Reden.

3.) Kurzer Überblick: Forschungsstand: Überblick über die wissenschaftliche Diskussion zur „thukydideischen Frage“ und zur Interpretation des Macht-Recht-Verhältnisses.

4.) Macht und Recht vor Beginn des Krieges: Analyse der Ursachen des Kriegsausbruchs unter besonderer Berücksichtigung des Konflikts zwischen Korinth und Kerkyra.

5.) Macht und Recht bei Perikles: Bewertung der Führungsrolle des Perikles und seiner Selbstdarstellung im Epitaphios im Kontrast zur politischen Realität.

6.) Macht und Recht nach Perikles: Darstellung der Radikalisierung des attischen Imperialismus und der Sittenverderbnis in der Zeit nach dem Tod des Perikles.

7.) Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der thukydideischen Position zu Macht, Recht und Moral im Kontext der menschlichen Natur.

8.) Thukydides und die Sophistik (Appendix): Kurzer Exkurs zur Bedeutung sophistischer Lehren für das Machtdenken in der griechischen Polis.

Schlüsselwörter

Thukydides, Peloponnesischer Krieg, Macht, Recht, Hybris, Perikles, Sophistik, Imperialismus, Gerechtigkeit, Nomos, Physis, Politik, Ethik, Geschichtsschreibung, Mytilene-Debatte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der antike Historiker Thukydides das Verhältnis von Macht und Recht in seinem Werk über den Peloponnesischen Krieg darstellt und bewertet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die Dialektik zwischen politischem Machtstreben und rechtlichen Normen, die Rolle des Perikles als Idealbild sowie die Radikalisierung der athenischen Außenpolitik nach seinem Tod.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu widerlegen, dass Thukydides lediglich ein nüchterner Machtanalytiker war, und aufzuzeigen, dass er eine deutliche moralisch-ethische Kritik am Verfall von Recht und Anstand in Athen übt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine textkritische Analyse der thukydideischen Reden und zentralen Episoden (wie den Melierdialog oder die Pestschilderung) durch und vergleicht diese mit dem Forschungsstand der Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen vor Beginn des Krieges, die Ära des Perikles und die Zeit nach Perikles, wobei jeweils die Entwicklung des athenischen Machtbewusstseins interpretiert wird.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Macht, Recht, Hybris, Pleonexie, Sophistik, Nomos und Physis.

Welche Rolle spielt die „thukydideische Frage“ in der Interpretation?

Die Arbeit diskutiert, inwiefern Widersprüche oder Nuancen im Werk auf die unvollendete Natur des Textes oder eine bewusste inhaltliche Vielschichtigkeit des Historikers zurückzuführen sind.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Perikles?

Perikles wird als eine ambivalente Figur gesehen: Einerseits wird er als maßvoller Führer gelobt, andererseits als jemand erkannt, der Athen in eine Machtposition geführt hat, deren Eigendynamik (Hybris) nach seinem Tod außer Kontrolle geriet.

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Details

Title
Macht und Recht bei Thukydides
College
Free University of Berlin
Grade
1,0
Author
Raoul Hansche (Author)
Publication Year
2010
Pages
88
Catalog Number
V189965
ISBN (eBook)
9783656149835
Language
German
Tags
peloponnesischer krieg Athen und Sparta Archidamische Krieg Thukydides Sophistik Griechische Geschichte Perikles Brasidas Kleon Diodotus Stasis Nikias
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Raoul Hansche (Author), 2010, Macht und Recht bei Thukydides, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189965
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