Die Hansestadt Braunschweig: Darstellung Literatur und Quellen über die Rolle Braunschweigs als Hansestadt


Ausarbeitung, 2010
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Chronologischer Gang der Forschung
2. Forschungsstand & Vergleich
a) Braunschweig innerhalb der Hanse
b) Der Sächsische Städtebund und die Hanse
c) Die Braunschweiger Gewerbe

III. Ergebnisse

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im Braunschweiger Stadtbild ist das Mittelalter nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nur noch anhand weniger Bauten für den interessierten Betrachter sichtbar und damit auch dinglich erlebbar. Neben dem mittelalterlichen Burgplatz, an dem die Burg Dankwarderode, der Braunschweiger Dom und die überregional bekannte Löwenstatue zu finden sind, ist an dieser Stelle vor allem auch der Altstadtmarkt zu erwähnen, an dem gleich zwei Gebäude symbolhaft für die im Mittelalter erlangte, weitreichende Unabhängigkeit der Stadt stehen: Das Gewandhaus und das Altstadtrathaus. Ersteres diente der Gilde der Gewandschneider als Lager-, Verkaufs- und Gildehaus, letzteres war eines der fünf Rathäuser Braunschweigs, die es dort aufgrund der fünf Weichbilder, aus denen die Stadt bestand, gab.

Beide Gebäude führen den Betrachter also unmittelbar in die mittelalterliche Hanse, in deren Rahmen auch der Braunschweiger Rat und die Braunschweiger Händler tätig waren. Dabei hatte Braunschweig unter den sächsischen Hansestädten sicherlich eine, wenn nicht gar die Führungsrolle inne. So wurde die Löwenstadt 1554 eine der vier Quartiers-vororte der Hanse[1].

In dem vorliegenden Forschungsbericht soll nun dargestellt werden, welche Literatur und Quellen über die Rolle Braunschweigs als Hansestadt vorliegen. Dabei wird allerdings – in Anbetracht des Umfangs des Themas und seiner Ausdehnbarkeit – kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Deswegen werden auch nur drei Forschungsbereiche vertiefend betrachtet. Dies sind zum einen die Rolle Braunschweigs innerhalb der Hanse, zum anderen die Beziehungen zwischen der Hanse und dem sächsischen Städtebund und die zwei wichtigsten mittelalterlichen Wirtschaftszweige der Stadt, nämlich das Textilgewerbe und die Metallverarbeitung.

Dazu wird der Verfasser des Forschungsberichtes zunächst chronologisch die Entwicklung der historischen Forschung im Bezug auf die Geschichte Braunschweigs als Hansestadt betrachten und anschließend den Forschungsstand in den drei bereits erwähnten Feldern kurz zusammenfassen. Dabei erfolgt auch ein Vergleich mit der Forschung in anderen Hansestädten, vor allem im Bezug auf die unterschiedlichen von den Forschern eingesetzten Methoden. Am Ende der vorliegenden Arbeit sollen dann zum einen die von den Historikern eher stiefmütterlich behandelten Bereiche der Braunschweiger Hansegeschichte, aber auch bisher nicht oder nur in einem geringen Umfang verfolgte Forschungsansätze dargestellt werden.

Da der Forschungsstand und die Bewertung desselben Inhalt dieser Arbeit sind, sei an dieser Stelle nur auf die wichtigsten Quelleneditionen verwiesen. An erster Stelle stehen dabei die 26 Bände umfassenden Hanserezesse, die von 1870 bis 1970 vom Verein für hansische Geschichte herausgegeben wurden.[2] Selbiger Verein veranlasste auch die Veröffentlichung der Hansischen Urkundenbücher, die Urkunden aus den Jahren 975 bis 1500 beinhalten.[3] Für die Stadt Braunschweig im Speziellen zu erwähnen ist das mittlerweile acht Bände umfassende Urkundenbuch der Stadt Braunschweig und die Jahre 1031 bis 1400 umfasst.[4]

II. Hauptteil

1. Chronologischer Gang der Forschung

Mit dem allgemein angenommenen Beginn der Geschichtsschreibung über die Hanse[5], den man auf das Erscheinen des ersten Bandes der „Geschichte des Hanseatischen Bundes“ von Georg Sartorius im Jahr 1802 datiert, erfolgt auch die erste Erwähnung Braunschweigs in diesem Zusammenhang. Das Werk erschien in drei Bänden[6] von 1802 bis 1808.

Im ersten Band, der von der Entstehung der Hanse im 13. Jahrhundert bis zum Frieden der Hansestädte mit Waldemar III. von Dänemark im Jahr 1370 reicht, wird die erstmalige, urkundlich nachweisbare Mitgliedschaft Braunschweigs als Hansestadt auf das Jahr 1361 datiert.[7] Auch die Verhansung[8] Braunschweigs um das Jahr 1292 – die 1980 durch Matthias Puhle widerlegt wurde – findet hier ihre erste Erwähnung[9], ebenso wie die Vorreiterrolle Braunschweigs und Magdeburgs unter den sächsischen Städten.[10]

Auch im zweiten Teil dieses Werks, das die Zeit zwischen dem Frieden mit Dänemark 1370 und dem allgemeinen Landfrieden 1495 umfasst, finden sich zwei Begebenheiten, die immer wieder in der Forschung rezipiert wurden und werden: Zum einen handelt es sich dabei um die Unterstützung Hildesheims für die in den Jahren 1492 bis 1494 von den beiden welfischen Herzögen belagerte Stadt Braunschweig, die durch die Hanse initiiert worden sein soll und letztlich zu einem günstigen Frieden für die Löwenstadt führte.[11] Zum anderen wird zum ersten Mal die Verbannung Braunschweigs aus der Hanse im Rahmen der sogenannten „Großen Schicht“, die von 1374 bis 1380 stattfand, erwähnt. Diese hatte ihren Ursprung in einem Aufstand der Gilden, der zu einem Exodus der Ratsherren und Kaufleute in andere Hansestädte führte. Daraufhin wurde Braunschweig vom hansischen Handel ausgeschlossen. Dies führte letztlich unter anderem zu einer teilweisen Restaurierung der alten Ordnung.[12] Diese Episode braunschweigisch-hansischer Geschichte wird in nahezu jeder Darstellung der Hanse rezipiert.

Der dritte und letzte Band der Hansegeschichte Sartorius‘ bewegt sich zeitlich zwischen dem allgemeinen deutschen Landfrieden und der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Hierbei wird der schleichende Zerfall der Hanse dokumentiert, der unter anderem dazu führte, dass sich die Mitgliedsstädte vermehrt auf regionale Strukturen fokussierten, wie zum Beispiel Braunschweig auf die sächsischen Städte.[13] Mit der Einteilung der Hanse in vier Quartiere Mitte des 16. Jahrhunderts wird Braunschweig Vorort des sächsischen Quartiers.[14] Im Folgenden zählt Sartorius noch weitere Beispiele auf, in denen kurzfristige Bündnisse zwischen einzelnen Hansestädten die Hanse als solche immer mehr verdrängen.[15] Am letzten Hansetag, der 1669 stattfand, nahmen auch Vertreter aus Braunschweig teil – ein Umstand, der ebenfalls in nahezu allen historischen Werken über die Hanse erwähnt wird.[16]

Bei seiner Darstellung der Hansegeschichte stützt sich Sartorius vor allem auf Urkunden, die er in allen drei Bänden verzeichnet. Diese Darstellung ist die Ausgangsbasis aller Literatur über die Hanse, in der auch Braunschweig erwähnt wird. Fast alle Episoden, in deren Zusammenhang die Stadt zumeist erwähnt wird, finden schon in diesem Werk Erwähnung.

Im 1830 von Johann Martin Lappenberg herausgegebenen Werk des zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Georg Sartorius über den urkundlichen Ursprung der deutschen Hanse[17] findet neben der Verhansung Braunschweigs im Jahr 1292 als Beispiel für den Druck, den die Seestädte der Hanse auch auf die innere Verfassung der Landstädte ausübten[18], auch der Beschluss der Städte Braunschweig, Lübeck, Goslar, Hamburg, Rostock, Stralsund und Wismar zum Boykott des Handels mit Flandern aus dem Jahr 1358 Erwähnung. Ursache dafür waren die Beschwerden einzelner Kaufleute über ihnen in Flandern zugefügtes Unrecht. Der Boykott dauerte bis 1360 und umfasste den Handel mit den Flamen, den Brabantern und den Mecheln.[19] Wie bereits im Titel angedeutet, nutzt Sartorius auch in diesem Buch vor allem ihm zugängliche Urkunden, zum größten Teil Chroniken aus Lübeck und Hamburg.[20]

Ein erster Beitrag zur Hansegeschichte der Stadt Braunschweig im Speziellen findet sich in der erstmals 1861 erschienenen „Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter“ von Hermann Dürre.[21] Neben den Verhansungen Braunschweigs Anfang der 1290er Jahre[22] und im Rahmen der Großen Schicht von 1374 bis 1380[23] finden hier erstmals ausführlicher die Bündnisse zwischen den sächsischen Städten Erwähnung: So führte 1252 die Klage über die Lähmung der Reichsgewalt in Norddeutschland zu einem Bündnis der Städte Hamburg, Bremen, Stade, Lüneburg, Hannover, Hildesheim, Braunschweig, Goslar, Helmstedt, Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode.[24] Etwa 175 Jahre später, am 21. April 1426 kam es dann zu einer „großen Union der Hansestädte in Niedersachsen [sic!]“[25]. Auch die wichtigsten Handelswaren Braunschweigs werden an dieser Stelle zum ersten Mal erwähnt: Die Stadt importierte aus Flandern Tuche, sowie aus dem Harzraum Metalle und Schiefer, während sie nach Flandern Wolle, Wachs, Kupfer und Getreide exportierte.[26]

Drei Jahre später, 1874, beschäftigte sich Ludwig Hänselmann mit den Handelsbeziehungen zwischen der Stadt Braunschweig und den Harz- und Seegebieten.[27] In diesem Werk verweist er nicht nur auf die Handelsprivilegien, die Braunschweig an unterschiedlichen Handelsplätzen an Nord- und Ostsee besaß, sondern auch auf die Ursachen für die starke wirtschaftliche Stellung der Stadt: Demnach wurde Braunschweig durch Privilegien, die Heinrich der Löwe, Otto das Kind und Otto IV. ausstellten, mit Handelsvorrechten in Bremen und Wisby ausgestattet und von allen Abgaben im Reich befreit. Dadurch und durch ihre im Hinblick auf den Handelsverkehr sowohl in nördlicher als auch in westlicher Richtung günstige Lage konnte die Stadt an die Spitze aller Sachsenstädte aufsteigen.[28] Des Weiteren erwähnt Hänselmann erstmalig die Gründung des Sächsischen Städtebundes durch Braunschweig, Hildesheim, Hannover, Helmstedt, Halberstadt, Quedlinburg, Aschersleben und Einbeck am 13. Juli 1384, dessen Mittelpunkt die Löwenstadt war. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurden innerhalb dieses Bündnisses regelmäßige Bundestage abgehalten.[29] Der Anschluss des sächsischen Städtebundes an die Hanse erfolgte dabei über Braunschweig und Magdeburg.[30] Neben der inhaltlichen Darstellung verweist der Autor noch auf weitere Quellen, die sich die historische Forschung zunutze machen sollte: Neubürgerverzeichnisse, Geburtsbriefe, Leumundszeugnisse und Fürschreiben aller Art zwischen Handwerkern und Kaufleuten.

Ulrich Kleist vertiefte 1892 die Forschungen über die Städtebünde zwischen den sächsischen Städten in einem Aufsatz.[31] Ihm zufolge kam es im 14. Jahrhundert zu ersten Bündnissen zwischen sächsischen Städten, die als Vorläufer des großen sächsischen Städtebundes gelten können, dessen Führung durch Braunschweig und Magdeburg übernommen wurde. Dieser wiederum war zwar auf der einen Seite ein wichtiger Teil der Hanse, auf der anderen jedoch ein eigenständiger politischer Faktor.[32] Dabei diente die Hanse vor allem dem Handel der sächsischen Städte, die Beziehungen unter diesen waren jedoch enger und beinhalteten über den Handel hinausgehende Verpflichtungen.[33]

Die 1901 erschienene Dissertation[34] Erich Eschebachs beschäftigt sich ebenfalls mit der Beziehung der niedersächsischen Städte zur Hanse. Auch in diesem Fall stützt sich der Autor auf Urkunden. Er erwähnt unter anderem die beiden Verhansungen Braunschweigs[35], den Boykott Flanderns von 1356 bis 1360[36] und die Gründung des Sächsischen Städtebundes am 13. Juli 1384[37].

[...]


[1] Selzer, Stephan: Die mittelalterliche Hanse, Darmstadt 2010, S. 118.

[2] Verein für Hansische Geschichte (Hrsg.): Hanserecesse, Leipzig u. a. 1870–1970.

[3] Verein für Hansische Geschichte (Hrsg.): Hansisches Urkundenbuch, Halle an der Saale u. a. 1876–1916.

[4] Hänselmann, Ludwig u. a. (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Braunschweig, Braunschweig u. a. 1873 ff.

[5] Selzer: Hanse, S. 6.

[6] Sartorius, Georg: Geschichte des Hanseatischen Bundes. Erster Theil, Göttingen 1802; Sartorius, Georg: Geschichte des Hanseatischen Bundes. Zweyter Theil, Göttingen 1803; Sartorius, Georg: Geschichte des Hanseatischen Bundes. Dritter Theil, Göttingen 1808.

[7] Sartorius: Geschichte I, S. 95.

[8] Der Begriff Verhansung bezeichnet den Ausschluss einer Stadt aus der Hanse. In diesem Fall erfolgte sie durch den Ausschluss der Braunschweiger Händler vom gemeinschaftlichen Handel in Flandern und den übrigen Städten. Damit sollte die Restauration der Verhältnisse vor der Absetzung des Braunschweiger Rats erreicht werden.

[9] Sartorius: Geschichte I, S. 112–113.

[10] Ebd., S. 119.

[11] Sartorius: Geschichte II, S. 205.

[12] Ebd., S. 217–219; „Durch diesen Bann wurde ihr [Braunschweigs] Verkehr gelähmt, die Arbeit stand still, und der Hunger, was auch immer Demagogen sagen mochten, blieb doch ein mächtigerer Trieb, als der Hang zur Freyheit.“ (Ebd., S. 218).

[13] Sartorius: Geschichte III, S. 564.

[14] Ebd., S. 592–593.

[15] Ebd., S. 629–631.

[16] Ebd., S. 637–639.

[17] Sartorius, Georg Friedrich: Urkundliche Geschichte des Ursprunges der deutschen Hanse, herausgegeben von Johann Martin Lappenberg, Band I, Hamburg 1830.

[18] Ebd., S. 29.

[19] Ebd., S. 243–253.

[20] Ebd., S. IX.

[21] Dürre, Hermann: Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter, Nachdruck der Ausgaben Braunschweig 1861, Hannover 1974 (Beiträge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde von Niedersachsen und Bremen, Serie A: Nachdrucke (Reprints), Band 8).

[22] Ebd., S. 118–122.

[23] Ebd., S. 161–167; Als Motiv für die Verhansung erwähnt Dürre die antiaristokratische Herrschaft innerhalb Braunschweigs, die den aristokratischen Seestädten ein Dorn im Auge gewesen sei (S. 163).

[24] Ebd., S. 103.

[25] Ebd., S. 210 / 626.

[26] Ebd., S. 625.

[27] Hänselmann, Ludwig: Braunschweig in seinen Beziehungen zu den Harz- und Seegebieten, Leipzig 1874 (Hansische Geschichtsblätter III).

[28] Ebd., S. 10–13.

[29] Ebd., S. 24–34.

[30] Ebd., S. 25.

[31] Kleist, Ulrich: Die sächsischen Städtebünde zwischen Weser und Elbe im XIII. und XIV. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 20 (1892), S. 1–101.

[32] Ebd., S. 100–101.

[33] Ebd., S. 11.

[34] Eschebach, Erich: Die Beziehungen der niedersächsischen Städte (zwischen Magdeburg, Hildesheim und Erfurt) zur Deutschen Hanse bis 1477 und 1478, Dissertation, Halle 1901.

[35] Ebd., S. 14 / 27–30.

[36] Ebd., S. 21–22.

[37] Ebd., S. 34.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Hansestadt Braunschweig: Darstellung Literatur und Quellen über die Rolle Braunschweigs als Hansestadt
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V189993
ISBN (eBook)
9783656144007
ISBN (Buch)
9783656143857
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Braunschweig, Hanse, Hermen Bote, Hermann Bote, Forschungsbericht, Hänselmann, Quellen, Forschungsstand, Handwerker, Verhansung
Arbeit zitieren
Sven-Friedrich Pape (Autor), 2010, Die Hansestadt Braunschweig: Darstellung Literatur und Quellen über die Rolle Braunschweigs als Hansestadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189993

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