Brot - Spiele - Gewalt: Das pompejanische Amphitheater


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Gegenwartsbezug des Amphitheaters

2. Der Aufbau des pompejanischen Amphitheaters

3. „Panem et circensis“ - Brot, Spiele und Euergetismus

4. Dicionem et circensis - Gewalt und Spiele

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

„Es ist viel Unglück in der Welt geschehen, aber wenig, das der Nachwelt so viel Freude gemacht hätte.“

- Johann Wolfgang von Goethe,

Tagebuch Italienreise (Besichtigung Pompejis), 1787.

1. Gegenwartsbezug des Amphitheaters

Der enorme Einfluss sportlicher Großveranstaltungen auf das menschliche Individuum, auf soziale Gruppen und die Politik ist in der Gegenwart beinahe täglich erlebbar. Immer wieder lassen sich dabei besondere Phänomene, vor allem im Massenverhalten, erkennen. Menschen zeigen sich als „Fans“ und legen teilweise Verhaltensweisen an den Tag, die im Widerspruch zu sozialen Normen stehen. Gewaltausbrüche, wie sie momentan z.B.im Vorfeld der Fußballeuropameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine zu beobachten sind, stellen eine Herausforderung dar, nicht nur für Vereine und Politiker, sondern für die gesamte Gesellschaft.[1] Eine ausgedehnte Berichterstattung der Medien leistet ihren Beitrag dazu, dass sportliche Erfolge oftmals überschätzt werden und lokale Hysterien hervorbrechen bzw. verstärkt werden.[2]

Daneben wurden und werden sportliche Großveranstaltungen als politische Instrumente genutzt. Man denke dabei an die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die den Nationalsozialisten als Propagandaforum dienten. In jüngster Vergangenheit kann das Beispiel der Sommerspiele in Peking 2008 genannt werden, welche trotz kontroverser Diskussionen bezüglich der dortigen Situation der Menschenrechte durchgeführt wurden und den Machthabern dazu dienten, die „Volksrepublik“ gegenüber dem Ausland als modernen und weltoffenen Staat zu präsentieren.

Dass alles bisher Genanntejedoch keine neuzeitliche Erscheinung ist, wird deutlich wenn man seinen Fokus auf das Amphitheater der Antike richtet.

Am Beispiel des pompejanischen Amphitheaters, welches sich nach wie vor in einem gut erhaltenen Zustand befindet und bereits - in Verbindung mit der Stadt Pompeji - mehrfach Gegenstand diverser wissenschaftlicher Untersuchungen war, soll im Rahmen dieser Arbeit die Bedeutung des Bauwerks sowie der in ihm veranstalteten Gladiatorenspiele, Wettkämpfe und Aufführungen im Zeitraum von 27 v. Chr. bis 79 n. Chr., also vom Beginn der römischen Kaiserzeit bis zum Ausbruch des Vesuv, aufgezeigt werden.

Einmal steht dabei die Nutzung im Rahmen des Euergetismus im Vordergrund, welcher Erlangung und Erhalt politischer Macht und sozialer Anerkennung diente. Daran anknüpfend soll die Frage beantwortet werden, wie die Veranstaltungen im Amphitheater den kommunalen Machthabern im Rahmen von Machterhalt und Machterweiterung dienlich waren.

Neben der politischen Nutzung waren die Spiele im Amphitheater von immenser Bedeutung für die Freizeitgestaltung des Volkes. Die Massenveranstaltungen waren für den Einzelnen eine gern genutzte Chance um sich vom Alltag abzulenken. Die Leidenschaft für Gladiatorenspiele kann an dieser Stelle mit der Begeisterung für Fußballspiele in der heutigen Zeit verglichen werden.[3] Dass das Gemeinschaftserlebnis in der Arena auch negative Folgen, etwa die Ausgrenzung und Bekämpfung „gegnerischer“ Gruppen, zur Folge haben kann, ist bekannt. Dieses Phänomen des Auftretens von Gewalt im Umfeld sportlicher Veranstaltungen, zu denen die Gladiatorenspiele auf Grund ihres Wettkampfcharakters zu zählen sind, trat bereits in der Antike auf:

Der Gewaltexzess im Jahre 59n. Chr., bei dem sich Pompejaner und Nucerianer bekämpften, dient hierbei als Beispiel. Die Nutzung von Theorien zum Thema Gewalt im Sport soll die Auseinandersetzung im Amphitheater verständlich machen und Gründe, auch im Vergleich mit der Moderne, für tätliche Auseinandersetzungen und Entartungen brutaler Art im Umfeld der Gladiatorenspiele aufzeigen.

Zur verwandten Literatur zählen somit Werke der Geschichtswissenschaft und der Archäologie, die Informationen über das Bauwerk an sich und die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im antiken Pompeji und Rom liefern. Daneben werden Veröffentlichungen aus dem Bereich der Sportwissenschaft genutzt, die mit Hilfe soziologischer und psychologischer Theorien Erklärungen zur Entstehung und Ausübung von Gewalt im Sport liefern können.

Die zahlreichen Parallelen zwischen antiker und moderner Welt sollen am Ende nocheinmal zusammengefasst und ausgewertet werden.

2. Der Aufbau des pompejanischen Amphitheaters

Vor einer Betrachtung der Veranstaltungen und Besucher des Amphitheaters soll zunächst eine Darstellung des Bauwerkes selbst stehen. Diese ist notwendig, da schon am Aufbau des Gebäudes wichtige Kriterien bezüglich der späteren Verwendung erkennbar werden.

Grundlegend betrachtet stellt das Amphitheater von Pompeji eine römische Neukonstruktion dar, die weder auf griechische noch auf sonstige Vorbilder zurückgreift. Des weiteren ist das Gebäude von besonderer Bedeutung, da es das Erste seiner Art ist,[4] der Urtyp des römischen Amphitheaters also und gleichzeitig das älteste noch gut erhaltene Bauwerk in dem Gladiatorenspiele ausgerichtet wurden.[5] Wie bei den meisten öffentlichen Gebäuden der römischen Kaiserzeit der Fall, waren Bau, Unterhalt und Reparatur des Amphitheaters nur durch munificentiaprivata wohlhabender Bürger möglich.[6]

Interessanterweise stellte schon die Stiftung des Amphitheaters durch die beiden Beamten Gaius Quinctius Valgus und Marcus Poricus einen politischen Akt dar. Beide ließen das Gebäude, laut Bauinschrift, auf eigene Kosten im Jahre 65 oder 70v. Chr.[7] zu Ehren der Kolonie und ihrer Bewohner errichten:

,,C. Quinctius C.f. Valgus M. Porcius M.f duovir(i) quinq(uenalles) coloniai honoris caussa spectacula de suapeq(unia) fac(iunda) coer(arunt) et coloneis locum inperpetuom deder(unt).“[8]

Das sich der Einsatz der beiden Männer karrieretechnisch für diese gelohnt haben dürfte, lässt sich an der Bezeichnung duumviri quinquennales erkennen: Das Amt der „Fünfjahresbeamten“ war nur sehr wenigen Pompejanern zugänglich. Die bis heute erhaltene Inschrift diente auch als fortwährende, zukünfitge Erinnerung für die Stadtbevölkerung und sicherte das Ansehen der Familien der Stifter, auch nach deren Tod. Die Söhne der beiden erhielten weiterhin eine Art „Vorschuss“, soll heißen ihre Karriere und Ansehen konnte durchaus durch die Stiftung des Amphitheaters gefördert werden.[9]

Als Bauplatz wählte man ein freies Gelände im Südosten der Stadt. Dieses Gebiet war nur dünn besiedelt und bot weiterhin die Möglichkeit einen Teil der Stadtmauer in das 140 mal 105 m große Amphitheater zu integrieren um Baumaterial zu sparen. AufPompeji bezogen war das Bauwerk vollkommen überdimensioniert, da es eine Aufnahmekapazität von bis zu 20000 Menschen besaß, also circa doppelt so viele wie die Stadt Einwohner zählte. Eine logische Erklärung besteht darin, dass Gäste aus den umliegenden Städten, eventuell auch aus ganz Kampanien, regelmäßig zu den in Pompeji abgehaltenen Spielen kamen. Das offene Umfeld war geeignet größeren Menschenmassen den An - und Abmarsch sowie selbstverständlich den Aufenthalt zu ermöglichen. Das gesamte Gebiet um das Amphitheater herum glich während der mehrtägigen Spiele wahrscheinlich einer Art Jahrmarkt.[10] Den fliegenden Händlern, welche sich unter den an das Amphitheater angebauten Arkaden aufhielten, machten dort außerdem nur wenige ortsansässige Verkäufer Konkurrenz.[11] Einen Platz erhielten die temporär anwesenden Händler nur, wenn sie die dafür notwendige Erlaubnis erhielten, wovon folgende Inschrift zeugt:

„Permissu aedilium Cn. Aninius Fortunatus occup(at).“[12]

Ganz im Sinne einer kostensparenden Bauweise war auch, dass nur wenige Erdarbeiten nötig waren.[13] Die Arena mit einer Größe von 66,80 mal 35, 40 m wurde außerdem unterhalb des Straßenniveaus angelegt. Das Heranschaffen von Füllmaterial für die Aufschüttung der Westseite war somit nicht mehr notwendig. Die Abgrenzung zu den Rängen bildete eine umlaufende, ca. 2,50 m hohe Kalksteinmauer, welche von den zwei großen Zugangstoren, den Haupteingängen, unterbrochen wurde. Der Grundriss des Amphitheaters entspricht einer unregelmäßigen Ellipse, bedingt durch die erfolgte Integration der Stadtmauer wurde die Ostseite sozusagen „deformiert“.[14] Als Zugang zum oberen Umgang wurden an der Nord - und Nordwestseite zwei Treppen mit doppelten Rampen errichtet, dazu kamen zwei weitere mit einfachen Rampen an der Nord - und Südseite. Alle Treppen waren noch von außen an den Mauerring des Amphitheaters angebaut. Das Unvermögen der Baumeister Treppen in den Baukörper zu integrieren ist mangelnden Kenntnissen im Bau dieses Gebäudetypus zu schulden. Ebenso sucht man beim pompejanischen Amphitheater vergebens nach Quergängen oder durchlaufenden, ringförmigen Korridoren. Genau wie technische Raffinessen, z. B. sich öffnende Bodenluken, wurden diese architektonischen Besonderheiten erst in später errichten Amphitheatern eingeführt. Gladiatoren und Tiere mussten so vor der Arena, z. T.in Käfigen, zurückgehalten werden und konnten nur durch die bereits erwähnten großen Haupttore hinein gelangen.[15]

[...]


[1] Siehe dazu: Die Zeit Online: Der Krakauer Fußballkrieg, URL: http://www.zeit.de/sport/2011-02/hooligans-polen-krakau- em2012, Stand: 14.09.2011. Spiegel Online: Hooligans in Krakau. Mit Messern und Macheten, http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,784247,00.html, Stand: 19.09.2011.

[2] Wange, Willy B.: Der Sport im Griff der Politik. Von den Olympischen Spielen der Antike bis heute, Köln 1988, S69.

[3] Coarelli, Filippo (Hg.): Pompeji. Archäologischer Führer, Bergisch Gladbach 1990, S. 327.

[4] Etienne, Robert: Pompeji. Das Leben in einer antiken Stadt, Stuttgart 31982, S. 394.

[5] Coarelli (Hg.): Pompeji, Archäologischer Führer, S. 322.

[6] Dickmann, Jens - Arne: Pompeji. Archäologie und Geschichte, München 2005, S. 72.

[7] Etienne: Pompeji. Das Leben in einer antiken Stadt, S. 396.

[8] Coarelli (Hg.): Pompeji. Archäologischer Führer, S. 321.

[9] Dickmann: Pompeji. Archäologie und Geschichte, S. 68.

[10] Dickmann: Pompeji. Archäologie undGeschichte, S. 71.

[11] Coarelli: Pompeji, Archäologischer Führer, S. 322. Etienne: Pompeji. Das Leben in einer antiken Stadt, S. 394 - 397.

[12] Coarelli (Hg.): Pompeji, Archäologischer Führer, S. 322.

[13] Etienne: Pompeji. Das Leben in einer antiken Stadt, S. S396.

[14] Coarelli (Hg.): Pompeji, Archäologischer Führer, S. 325. Etienne: Das Leben in einer antiken Stadt, S. 397.

[15] Coarelli (Hg.): Pompeji, Archäologischer Führer, S. 322, 325. Etienne: Das Leben in einer antiken Stadt, S. 398f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Brot - Spiele - Gewalt: Das pompejanische Amphitheater
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geschichte)
Veranstaltung
Ein Moment für die Ewigkeit. Der konservierte Alltag von Pompeji und Herculaneum
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V190010
ISBN (eBook)
9783656143925
ISBN (Buch)
9783656144496
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amphitheater, Gladiatoren, Sport, Gewalt, Pompeji, Rom, Euergetismus
Arbeit zitieren
Nils Wöhnl (Autor), 2011, Brot - Spiele - Gewalt: Das pompejanische Amphitheater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190010

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