Finales Ziel der Arbeit soll es sein, mithilfe des allgemeinen Überblicks einen individuellen Standpunkt zur Problematik der Leistungsmessung und -bewertung in der Institution Schule einzunehmen und begründen zu können.
Was wird im schulischen Rahmen überhaupt gemessen, was bedeuten in jener Hinsicht Leistung, Kompetenz und Wissen? Ist die Beurteilung ebensolcher Merkmale überhaupt vonnöten, wenn ja, warum? Welche Messinstrumente und Verfahren stehen der Lehrkraft zur Verfügung, welche Kriterien müssen sie erfüllen und wie sinnvoll ist ihr Einsatz? Welche Probleme können beim Messen und Bewerten von Leistungen und Kompetenzen auftreten? Welche Rolle spielt die Person des Lehrers dabei? Und nicht zuletzt stellt sich diese Arbeit eine Frage, die in den letzten Jahrzehnten immer häufiger diskutiert wurde: Ist die immer noch klassische Beurteilung mit Ziffernnoten überhaupt aussagekräftig über die tatsächlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler oder sollten sich alternative Beurteilungsformen (z.B. Verbalbeurteilung oder Selbstbewertung) durchsetzen?
Viele Fragen lassen sich im Zuge des aufgegriffenen Themas stellen, einigen davon soll in dieser Arbeit zumindest ansatzweise auf den Grund gegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Leistungsmessung und –bewertung im schulischen Kontext
2.1 Schulleistung, Kompetenzen, Bildungsstandards oder: Was soll eigentlich beobachtet, gemessen und bewertet werden?
2.2 Messverfahren der Schulleistungsdiagnostik
2.2.1 Objektive Verfahren - Tests und ihre Gütekriterien
2.2.2 Subjektive Verfahren – Oder auch: Der Lehrer als Messinstrument, Beobachter und Urteiler
3. Zu Funktionen und Problemen von Leistungsmessung und –bewertung
3.1 Gesellschaftliche Funktionen
3.2 Pädagogische Funktionen
3.3 Probleme in Hinblick auf die Leistungsbeurteilung
4. Zu möglichen Lösungsansätzen und Überlegungen zu einer neuen Leistungsbewertung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen Verfahren, Funktionen und Problemfelder der schulischen Leistungsmessung und -bewertung unter Berücksichtigung eines erweiterten Leistungsbegriffs.
- Theoretische Grundlagen der Leistungsdiagnostik
- Objektive vs. subjektive Messverfahren und deren Gütekriterien
- Gesellschaftliche und pädagogische Funktionen von Notengebung
- Kritik an der klassischen Ziffernnotengebung
- Alternative Ansätze zur Leistungsbewertung und Prozessorientierung
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Subjektive Verfahren – Oder auch: Der Lehrer als Messinstrument, Beobachter und Urteiler
Die subjektiven Verfahren der Leistungsmessung und Leistungsbewertung umfassen Verhaltensbeobachtungen, alle Formen von Lehrerurteilen (freie, gebundene, Nutzung von vorformulierten Beurteilungen etc.), schriftliche und mündliche Prüfungen wie Klassenarbeiten und Aufsätze und nicht zuletzt die verschiedenen Formen der Notengebung. Trotz großer Fortschritte im Bereich der objektiven, testdiagnostischen Verfahren wird diesen verschiedenen Methoden der Schulleistungsmessung und -bewertung auch in Zukunft weiterhin große Bedeutung zukommen, wobei es in der pädagogischen Diagnostik darum gehen sollte, diese subjektiven Verfahren stetig zu verbessern und vor allem auf den erweiterten Lern- bzw. Leistungsbegriff anzupassen.
Kurt Heller sieht dabei einen Vorteil darin, dass objektive und subjektive Verfahren sich ergänzende, kompatible Methoden der Schülerbeurteilung beinhalten, somit beide einen essentiellen Beitrag zu einer optimalen Leistungsmessung und deren Beurteilung in der Schule leisten können.23
Als positive Möglichkeit der Leistungsbeurteilung im Rahmen subjektiver Verfahren sei zunächst die Beobachtung von Schülerverhalten wie Mitarbeit, Konzentration, Lernmotivation, emotionalem und sozialem Verhalten zu nennen, welche mit Kategorienlisten, Schülerbeobachtungsbögen und sogenannten Schätzskalen (rating scales) festgehalten und bewertet werden können. Bei diesen Beobachtungen eines gegenwärtigen Erscheinungs- und Verhaltensbildes sollten sowohl aktuelle äußere Verhaltensbedingungen des beobachteten Schülers sowie Vorausinformationen über den Wahrgenommenen einbezogen werden, wobei diese nicht zu Vorurteilen führen dürfen. Ein großes Manko der subjektiven Verfahren ist ihre geringere Objektivität, allgemein diskutiert ist der große Einfluss von subjektiven Tendenzen in Lehrerbeurteilungen und ob Lehrer das sehen, was ist oder das, was sie sehen wollen. In diesem Zusammenhang stellt sich die alte erkenntnistheoretische Frage: Wie kann ein Subjekt, das ein Lehrer nun mal ist, von seinen subjektiven zu allgemeingültigen, objektiven Urteilen gelangen? Menschen sind doch kaum in der Lage, den subjektiven Anteil ihrer Urteile auszuschalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die zentrale Rolle der Leistungsbewertung im Schulwesen und die damit einhergehende hohe Verantwortung der Lehrkräfte.
2. Zur Leistungsmessung und –bewertung im schulischen Kontext: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Schulleistung und Kompetenz und unterscheidet zwischen objektiven Testverfahren und subjektiven Lehrerurteilen.
3. Zu Funktionen und Problemen von Leistungsmessung und –bewertung: Hier werden die gesellschaftlichen Selektionsfunktionen den pädagogischen Rückmeldefunktionen gegenübergestellt und grundlegende Probleme der Ziffernnotengebung analysiert.
4. Zu möglichen Lösungsansätzen und Überlegungen zu einer neuen Leistungsbewertung: Das Kapitel diskutiert alternative Bewertungsformen und moderne Konzepte, die den Lernprozess stärker in den Fokus rücken.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass eine Verfeinerung bestehender Bewertungskultur und eine stärkere pädagogische Ausrichtung notwendig sind, da eine komplette Abschaffung von Noten derzeit kaum realisierbar ist.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Leistungsmessung, Schulleistungsdiagnostik, pädagogische Diagnostik, Ziffernoten, Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, Lehrerurteil, Lernprozess, Objektivität, Reliabilität, Validität, Selektionsfunktion, Prozessbewertung, Leistungsbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Verfahren, Funktionen und Problematiken, die mit der Messung und Bewertung von Schülerleistungen im deutschen Schulsystem verbunden sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den verschiedenen Messinstrumenten (objektiv vs. subjektiv), den Funktionen der Leistungsbewertung und der Kritik an traditionellen Notensystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Problematik zu geben und zu begründen, warum eine differenzierte, prozessorientierte Leistungsbewertung für die pädagogische Praxis essentiell ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur sowie der Analyse von Bildungsstandards und verschiedenen Konzepten zur Leistungsbeurteilung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden die theoretischen Grundlagen, die Abgrenzung zwischen objektiven und subjektiven Messverfahren sowie die gesellschaftlichen und pädagogischen Funktionen der Bewertung detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Leistungsbeurteilung, Schulleistungsdiagnostik, pädagogische Diagnostik und den Wandel zum kompetenzorientierten Unterricht geprägt.
Warum sind subjektive Lehrerurteile trotz ihrer Mängel unverzichtbar?
Laut der Arbeit sind sie notwendig, da sie sich sinnvoll durch Beobachtung von Kompetenzen ergänzen, die durch objektive Tests allein nicht erfasst werden können.
Welche Rolle spielt die soziale Bezugsnorm in der Leistungsbewertung?
Sie dient als Vergleichsmaßstab am Klassendurchschnitt, wird aber kritisch gesehen, da sie zur Produktion von "Versagern" beitragen kann und leistungsschwächere Schüler demotiviert.
- Quote paper
- Aniko Seel (Author), 2011, Zu Verfahren, Funktionen und Problemen der Leistungsmessung und Leistungsbewertung im schulischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190025