Der Konfuzianismus & sein Einfluss auf die moderne und antike, chinesische Gesellschaft


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 1,2
Anonym

Leseprobe

Im Rahmen der Hausarbeit zum Seminar „Aus Mythen, Philosophie und Geschichte lernen - Rezepte für Managementstrategien heute?“, habe ich beschlossen mich etwas näher mit dem Konfuzianismus zu beschäftigen.

Der Konfuzianismus selbst geht auf die ethisch-politischen Lehren des Meister Kong (551-479 v. Chr.) zurück, der sein Denken in Tradition der Wertvorstellungen des chinesischen Altertums sah. Kungfutse setzte sich nicht wie seine westlichen Kollegen mit der Metaphysik und Sinnfragen auseinander, sondern formulierte in seinen Lehren die Konsequenz dieser: Eine humanistische, konservative Staatsphilosophie. Moral und Gesetz, welche der Zeit standhielten: Der Konfuzianismus war bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches 1912 quasi Staatsdoktrin und beeinflusste auch das asiatische Umland nachhaltig.[1]

Die Lehren des Meister Kung haben erst im 17.Jh, 1678 nach der Veröffentlichung von „Confuzius Sinarum Philosophus“ (zu Deutsch Konfuzius Philosoph der Chinesen) durch die Jesuiten, im Abendland Gehör finden können. Unter dem latinisierten Namen „Konfuzius“ wurden Meister Kongs (Kungfutse, Kungze) Lehren von den europäischen Philosophen der Aufklärung gewürdigt. Als Gelehrter und Moralist hat Konfuzius wie kein anderer über Raum und Zeit gewirkt – in dem Vorwort (der von mir verwendeten Ausgabe) der Lun Yü, einer Sammlung von Aphorismen und Gesprächen Kongfutses mit seinen Schülern, fragt Hermann Hesse danach, „wer dieser Philosoph, dessen Denken ganz auf das Diesseits gerichtet war, der zeitgleich mit Heraklit lebte, […], und noch heute die Chinesen zu bewegen vermag?“, gewesen ist. Mit seiner Frage nimmt er bereits einiges vorweg, was Besucher des Erholungsparks Marzahn nicht vom bloßen Betrachten der Konfuziusstatue; mit dem in Stein gemeißelten „kategorischen Imperativ“ – der goldenen Regel; hätten erahnen können und doch erscheint mir seine Frage an dieser Stelle als mehr als berechtigt. Um die Auswirkungen einer derart komplexen Philosophie, deren Inhalt ich im Vorwort lediglich kategorisiert habe, auf antike und moderne Gesellschaften untersuchen zu können, erscheint es mir als angebracht, sich vorerst mit dem Philosophen selbst und den Umständen die er zu seinen Wirkzeiten vorfand zu befassen.

Dieser Logik folgend wird meine Hausarbeit in ineinander überfließende Sinnabschnitte aufgeteilt werden, welche den zu klärenden Fragen gewidmet sind. Die zu klärenden Fragen an dieser Stelle wären neben Hesses Einwurf natürlich: „Was ist der Konfuzianismus?“, eine allumfassende Frage welche nicht nur auf den Inhalt der Lehre selbst, sondern auch auf ihren historischen Ursprung Bezug nehmen muss; und „Wie ist die Wirkung dieser Lehre auf die in der Überschrift ausgewählten Gesellschaften zu beurteilen?“. Am Ende meiner Untersuchung hoffe ich befriedigende Antworten sowie ein Fazit formulieren zu können.

Teil 1: Konfuzius & der Konfuzianismus

Um Kongzis Wirken wirklich verstehen und wertschätzen zu können, muss man es, wie bereits erwähnt, im historischen Kontext betrachten. Und da sich Kong selbst in der Tradition eines uralten Denkens sah, muss man geschichtlich, noch ein wenig weiter zurückgehen. Nämlich in Zeiten des chinesischen Altertums, der Xia-Dynastie – der ersten dokumentierten, chinesischen Dynastie (ca 2200-1800v. Chr.), in der die Wurzeln chinesischer Kultur wortwörtlich gesät worden sind:

Soweit die vorhandenen Urkunden Einblick ins chinesische Altertum gewähren, scheinen die Verhältnisse relativ primitiv gewesen zu sein. Die Wirtschaftform war agrarisch und die Herrschenden lebten noch keineswegs luxuriös. Im Gegensatz zum Abendland, wo Ländereien überwiegend durch kriegerische Auseinandersetzungen mit Nachbarn eingenommen worden sind, besiedelte man in Zentralasien weitestgehend friedlich weite, unkultivierte Gebiete. Von daher wurde im Okzident der einzelne Krieger, der freie Mann, Träger selbstständigen Rechts und Zelle der Gesellschaft; während in China die äußeren Umstände – gemeinschaftliche Feldbebauung u.a. – eine kollektivistische Wirtschaftsform bildeten, mit der kommunistischen Familie als Grundzelle der gesellschaftlichen Organisation. Da eine einheitliche Leitung der Sippen für eine effiziente Landwirtschaft von Nöten war, bildete sich allmählich das Familienpatriarchat heraus, welches sich dann zum gesellschaftlichen Patriarchat mit dem Fürsten an der Spitze etablierte. Diese Gesellschaftlichen Verhältnisse spiegelten sich natürlich in den ethischen und moralischen Wertvorstellungen wieder: Während im Westen kriegerische Tugenden im Vordergrund standen, so war in China das Augenmerk auf die gewissenhafte Einordnung in den Familien- und Gesellschaftsorganismus gerichtet.[2]

Die Religion hat in China nie die für den Westen typische selbstständige Entwicklung gefunden. Im Altertum galten Namen und das geschriebene Wort als Zaubermittel und noch bis heute gilt die Schrift als etwas Sakrales. Daneben verehren die frühen Chinesen, wie auch andere Antike Hochkulturen Naturgottheiten, etwa den Gott de Himmels und der Erde, oder des Ackerbaus. Natürlich entwickelte sich auch der Ahnenkult bereits im Altertum, eine fast schon logisch notwendige Konsequenz einer Gesellschaft, in der Pietät zu den höchsten Tugenden gehört.[3]

Bereits im Altertum bildete sich nach und nach eine simple Naturphilosophie heraus, deren zentrale Elemente der Dualismus der Urkräfte (yin und yan), eine alles durchdringende göttliche Vernunft (das Tao), die Fünfzahl und die Einteilung alles Bestehenden unter diese. Die damaligen Wissenschaften waren, wie kaum anders zu erwarten von pragmatischer Natur: Es galt die Prinzipien des Tao zu erforschen, damit die menschlichen Tätigkeiten in Harmonie zu diesem gestaltet werden konnten und die anfallenden Arbeiten effizienter verrichtet werden konnten.[4]

Mit dem Verlauf der Zeit und dem Wechsel der Dynastien und der geografischen Streuung und Vermehrung der frühen Zivilisation, entwickelte sich auch die Kultur in verschiedene Richtungen weiter, was zur Folge hatte, dass es kein einheitliches Volksbewusstsein in China gab.

Zu Zeiten von Kongs Geburt, 551 v. Chr. - Zeit der Frühlings- und Herbstannalen der Dschoudynastie (722-481 v. Chr), geriet das alte System allmählich ins Wanken: Die Bedeutung des Hauses Dschou nahm ab, bis die alten Könige schließlich nur noch ein Schattendasein führten; die feudalen Bande lockerten sich und die einzelnen Territorialherrscher erstarkten. Zwischen den kriegerischen Auseinandersetzungen der Fürsten um Vorherrschaft, gingen alte Werte und frühe Kultur allmählich unter; Dekadenz, Anarchie und Usurpation wirkten zwar demoralisierend auf das Volk, regten die chinesische Philosophie jedoch zu einer Blütezeit an.

Kong war seit Kindertagen wissbegierig, eifrig und von Idealen des Altertums fasziniert: Züge welche ihn dazu veranlassten sich das gesamte Wissen seiner Zeit anzueignen. Und während Lao Tse, der bedeutendste Vertreter des Daoismus (Taoismus) und Zeitgenosse Kongzis, empfiehl sich durch Nichthandeln aus den Wirren seiner Zeit rauszuhalten, besann sich Konfuzius auf das Altertum und formulierte seine Moral- und Staatsphilosophie mit dem Ziel die damals bestehenden Verhältnisse zu bessern.

Konfuzius´ Lehre selbst baut auf fünf elementaren Tugenden auf, nämlich:

Jen (etwa Liebe, Güte, Menschlichkeit), Li (Rechtschaffenheit, Gesetzestreue), Yi (Sittlichkeit, Schicklichkeit), Zhi (Klugheit, Weisheit) und Hsiao (Ehrfurcht, Loyalität, kindliche Pietät).

Diese Tugenden sind erstrebenswerte Verhaltensideale, also Pflichten eines jeden nach Harmonie strebenden Menschen, welche sich in den fundamentalen Beziehungen zwischen Mitmenschen; also Freunden, Geschwistern, Eheleuten, Eltern und Kindern, sowie Herrschern und Dienern; verwirklichen. Hier hat jeder die ihm gebührende Rolle einzunehmen, was bedeutet, dass sich beispielsweise die Ehefrau unter den Ehemann einzuordnen hat und der Diener gewissenhaft seine Pflichten gegenüber dem Herrschenden erfüllen solle[5]: „Der Fürst sei Fürst, der Diener sei Diener; der Vater sei Vater, der Sohn sei Sohn“ (Lun Yü XII, 11)

Das Ideal des Konfuzius ist der Junzi, ein moralisch einwandfreier Edler, der alle Tugenden verkörpert. Konfuzius selbst gesteht, dass sein Ideal unerreichbar ist, als er in den Lun Yü darüber klagt, dass er nie wird einen „Gottmenschen“ zu Gesicht bekommen, oder von sich als dem „[…]Mann“, spricht, „der weiß, dass seine Ideen nicht zu verwirklichen sind, aber dennoch nicht davon ablässt“. Interessant ist der letzte Teil dieses Zitates: Selbst wenn das Ideal unerreichbar ist, sollte man nicht davon abkommen danach zu streben, da eben dies den menschlich möglichen Edlen ausmache. „Der Weg ist das Ziel.“, redliches bemühen darum das Ziel zu erreichen, ist das Ziel. An dieser Stelle kommt, als unverzichtbares Mittel für unterwegs, die Bildung, sowie die Erziehung, die Geist und Herz umfasst, ins Spiel.[6]

[...]


[1] http://www.brockhaussuche.de/brockhaus_infothek/detailansicht.php?articleid=786

[2] Vgl. Kungfutse, Gespräche - Lun Yü, Richard Wilhelm S.7

[3] Vgl. Kungfutse, Gespräche - Lun Yü, Richard Wilhelm S.8

[4] Vgl. Kungfutse, Gespräche - Lun Yü, Richard Wilhelm S.9

[5] Vgl. Dtv-Atlas zur Philosophie S. 23

[6] http://www.xn--mnchner-innenstadt-m6b.com/pdf24/9.pdf

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Konfuzianismus & sein Einfluss auf die moderne und antike, chinesische Gesellschaft
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,2
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V190053
ISBN (eBook)
9783656145882
ISBN (Buch)
9783656145431
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hierbei handelt es sich eher um eine kleine Recherche, als um eine ausgereifte Hausarbeit. Sie ist im ersten Semester, freiwillig im Rahmen des Studium Generale entstanden - von daher die großzügige Bewertung.
Schlagworte
Konfuzius, China
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Der Konfuzianismus & sein Einfluss auf die moderne und antike, chinesische Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190053

Kommentare

  • Arina Trofimova am 13.3.2012

    Anonym ist nicht gleich Anonym. Obwohl ich bei dem Design fast wünschte es wär's. Danke Grin. Absolut hochwertig.

Im eBook lesen
Titel: Der Konfuzianismus & sein Einfluss auf die moderne und antike, chinesische Gesellschaft


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden