Im Rahmen der Hausarbeit (...), habe ich beschlossen mich etwas näher mit dem Konfuzianismus zu beschäftigen.
Der Konfuzianismus selbst geht auf die ethisch-politischen Lehren des Meister Kong (551-479 v. Chr.) zurück, der sein Denken in Tradition der Wertvorstellungen des chinesischen Altertums sah. Kungfutse setzte sich nicht wie seine westlichen Kollegen mit der Metaphysik und Sinnfragen auseinander, sondern formulierte in seinen Lehren die Konsequenz dieser: Eine humanistische, konservative Staatsphilosophie. Moral und Gesetz, welche der Zeit stand hielten: Der Konfuzianismus war bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches 1912 quasi Staatsdoktrin und beeinflusste auch das asiatische Umland nachhaltig.
Die Lehren des Meister Kung haben erst im 17.Jh, 1678 nach der Veröffentlichung von „Confuzius Sinarum Philosophus“ durch die Jesuiten, im Abendland Gehör finden können. Unter dem latinisierten Namen „Konfuzius“ wurden Meister Kongs (Kungfutse, Kungze) Lehren von den europäischen Philosophen der Aufklärung gewürdigt. Als Gelehrter und Moralist hat Konfuzius wie kein anderer über Raum und Zeit gewirkt – in dem Vorwort (der von mir verwendeten Ausgabe) der Lun Yü, einer Sammlung von Aphorismen und Gesprächen Kongfutses mit seinen Schülern, fragt Hermann Hesse danach, „wer dieser Philosoph, dessen Denken ganz auf das Diesseits gerichtet war, der zeitgleich mit Heraklit lebte, […], und noch heute die Chinesen zu bewegen vermag?“, gewesen ist. Mit seiner Frage nimmt er bereits einiges vorweg, was Besucher des Erholungsparks Marzahn nicht vom bloßen Betrachten der Konfuziusstatue; mit dem in Stein gemeißelten „kategorischen Imperativ“ – der goldenen Regel; hätten erahnen können und doch erscheint mir seine Frage an dieser Stelle als mehr als berechtigt. Um die Auswirkungen einer derart komplexen Philosophie, deren Inhalt ich im Vorwort lediglich kategorisiert habe, auf antike und moderne Gesellschaften untersuchen zu können, erscheint es mir als angebracht, sich vorerst mit dem Philosophen selbst und den Umständen die er zu seinen Wirkzeiten vorfand zu befassen.
Dieser Logik folgend wird meine Hausarbeit in ineinander überfließende Sinnabschnitte aufgeteilt werden, welche den zu klärenden Fragen gewidmet sind. Die zu klärenden Fragen an dieser Stelle wären neben Hesses Einwurf natürlich: „Was ist der Konfuzianismus?“ und „Wie ist die Wirkung dieser Lehre auf die in der Überschrift ausgewählten Gesellschaften zu beurteilen?“.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1: Konfuzius & der Konfuzianismus
Teil 2: Die Auswirkung des Konfuzianismus auf die chinesische Gesellschaft – damals & heute
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Ursprung und die Entwicklung des Konfuzianismus sowie dessen tiefgreifenden Einfluss auf die antike und moderne chinesische Gesellschaft, um die bleibende Bedeutung dieser Lehre im heutigen Kontext zu ergründen.
- Historische Herleitung des Konfuzianismus aus dem chinesischen Altertum
- Analyse der zentralen moralischen und staatsphilosophischen Lehren des Meister Kong
- Gegenüberstellung des klassischen Konfuzianismus mit späteren Interpretationen und Strömungen
- Untersuchung der gesellschaftlichen Auswirkungen auf Arbeitsweise und Familienwerte
- Beurteilung der Rolle konfuzianischer Ethik in der modernen chinesischen Marktwirtschaft
Auszug aus dem Buch
Teil 1: Konfuzius & der Konfuzianismus
Um Kongzis Wirken wirklich verstehen und wertschätzen zu können, muss man es, wie bereits erwähnt, im historischen Kontext betrachten. Und da sich Kong selbst in der Tradition eines uralten Denkens sah, muss man geschichtlich, noch ein wenig weiter zurückgehen. Nämlich in Zeiten des chinesischen Altertums, der Xia-Dynastie – der ersten dokumentierten, chinesischen Dynastie (ca 2200-1800v. Chr.), in der die Wurzeln chinesischer Kultur wortwörtlich gesät worden sind:
Soweit die vorhandenen Urkunden Einblick ins chinesische Altertum gewähren, scheinen die Verhältnisse relativ primitiv gewesen zu sein. Die Wirtschaftform war agrarisch und die Herrschenden lebten noch keineswegs luxuriös. Im Gegensatz zum Abendland, wo Ländereien überwiegend durch kriegerische Auseinandersetzungen mit Nachbarn eingenommen worden sind, besiedelte man in Zentralasien weitestgehend friedlich weite, unkultivierte Gebiete. Von daher wurde im Okzident der einzelne Krieger, der freie Mann, Träger selbstständigen Rechts und Zelle der Gesellschaft; während in China die äußeren Umstände – gemeinschaftliche Feldbebauung u.a. – eine kollektivistische Wirtschaftsform bildeten, mit der kommunistischen Familie als Grundzelle der gesellschaftlichen Organisation. Da eine einheitliche Leitung der Sippen für eine effiziente Landwirtschaft von Nöten war, bildete sich allmählich das Familienpatriarchat heraus, welches sich dann zum gesellschaftlichen Patriarchat mit dem Fürsten an der Spitze etablierte.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1: Konfuzius & der Konfuzianismus: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext und die Wurzeln des Konfuzianismus im chinesischen Altertum sowie die Entwicklung der fünf elementaren Tugenden und das moralische Ideal des Junzi.
Teil 2: Die Auswirkung des Konfuzianismus auf die chinesische Gesellschaft – damals & heute: Hier wird der bleibende Einfluss der konfuzianischen Ethik auf die soziale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklung des modernen Chinas analysiert.
Schlüsselwörter
Konfuzianismus, Meister Kong, chinesische Gesellschaft, Staatsphilosophie, Ethik, Junzi, Tugenden, Ahnenkult, Marktwirtschaft, Familienpatriarchat, Lun Yü, Tradition, Harmonie, Moral, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konfuzianismus als ethisch-politischer Lehre und untersucht, wie diese das gesellschaftliche Leben und die Werteordnung Chinas von der Antike bis heute maßgeblich geprägt hat.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentral sind die historische Entstehung der Lehre, die ethischen Tugenden (Jen, Li, Yi, Zhi, Hsiao), das Ideal des edlen Menschen (Junzi) sowie der Wandel und die Persistenz dieser Werte in der Moderne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wirkungsweise der konfuzianischen Philosophie zu durchleuchten und zu beurteilen, inwiefern sie trotz politischer Veränderungen in China weiterhin als gesellschaftliches Fundament fungiert.
Welche wissenschaftliche Vorgehensweise wählt die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche, insbesondere der Analyse der „Lun Yü“ (Gespräche des Konfuzius), sowie der Einbeziehung philosophischer und politikwissenschaftlicher Sekundärliteratur, wie etwa von Francis Fukuyama.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophischen Grundlagen und die Lebensweise des Meister Kong sowie die nachfolgende Diskussion über die Übertragbarkeit und Beständigkeit seiner Ideen auf die moderne chinesische Gesellschaft.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konfuzianismus, Ethik, Harmonie, Familienwerte, Staatsphilosophie und gesellschaftliche Ordnung charakterisiert.
Warum unterscheidet sich die chinesische Entwicklung laut Autorin von der westlichen?
Die Autorin hebt hervor, dass in China eine kollektivistische Wirtschaftsform und das Familienpatriarchat die gesellschaftliche Zelle bildeten, während im Westen das Individuum und der kriegerische Aspekt stärker im Vordergrund standen.
Inwiefern beeinflusst der Konfuzianismus das moderne China heute noch?
Obwohl der politische Konfuzianismus als Staatsdoktrin offiziell abgeschafft wurde, bleibt seine ethische Grundessenz als kulturelle Prägung erhalten, was sich laut Arbeit unter anderem in Disziplin und Familienpflichten zeigt.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2010, Der Konfuzianismus & sein Einfluss auf die moderne und antike, chinesische Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190053