Restarter – Eine zweite Chance für gescheiterte Unternehmer?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EXECUTIVE SUMMARY

2 THEORETISCHE HINTERGRÜNDE BEZÜGLICH DES BEGRIFFS RESTARTER
2.1 DEFINITION/CHARAKTERISTIKA DES BEGRIFFS RESTARTER/ VON RESTARTERN
2.2 CHANCEN UND RISIKEN VON RESTARTERN
2.2.1 Humankapitaltheorie
2.2.2 Signaling-Theorie

3 EMPIRISCHE STUDIEN ÜBER RESTARTER
3.1 RESTARTER - EIN REIN THEORETISCHER BEGRIFF ODER BEREITS EIN WICHTIGER BEITRAG ZUR WIRTSCHAFT? (VERBREITUNG VON RESTARTER)
3.2 ERFAHRUNG ALS ERFOLGSFAKTOR

4 VERGLEICH DER THEORIE UND DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE

5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

6 QUELLENVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: Typen von Einfach- und Mehrfachgründern/Mehrfachgründerinnen

ABBILDUNG 2: Anteile von Gründern/Gründerinnen mit einer früheren unternehmerischen Selbstständigkeit

ABBILDUNG 3: Einkommen von Wiederholungsgründern/Wiederholungsgründerinnen im Vergleich zu Erstgründern/Erstgründerinnen

1 Executive Summary

Im Rahmen dieser Seminararbeit werden die Erfolgschancen von Restartern bei einer erneuten Unternehmensgründung erläutert. Nachdem vorab der Begriff Restarter derzeit noch nicht einheitlich in der Literatur definiert wird, ergeben sich natürlicherweise in der Forschung häufig große Widersprüche über die Chancen und Risiken von Wiederholungsgründern. Um diese Erfolgschancen besser bewertet zu können, wird daher versucht, soweit als möglich die Definition des Restarters zu vereinheitlichen und hierauf zuerst die theoretischen Grundlagen für den künftigen Erfolg anhand der Humankapital- und Signaling-Theorie zu erläutern. Aufbauend auf den theoretischen Rahmenbedingungen sollen dann einige Studien, die bereits rundum den Erfolg von Restartern durchgeführt wurden, vorgestellt werden. Abschließend werden noch die theoretischen Kenntnisse mit den Untersuchungsergebnissen verglichen, wobei sich aufgrund der unterschiedlichen Definitionen und Untersuchungsmethoden divergente Ergebnisse ergaben.

2 Theoretische Hintergründe bezüglich des Begriffs Restarter

2.1 Definition/Charakteristika des Begriffs Restarter/ von Restartern

Der Begriff Restarter fand vor wenigen Jahren Eingang im unternehmerischen Kontext, wobei er landläufig als WiedereinsteigerIn/ NeubeginnerIn interpretiert wird. Tatsächlich gibt es aber bis heute noch keine eindeutige Begriffsdefinition, wodurch auch fundierte Forschungsergebnisse in diesem Bereich noch nicht gefunden werden konnten. Vielmehr zeigen die Forschungen um den Begriff des unternehmerischen Restarters, dass diese noch immer in den Kinderschuhen stecken, wobei dies sowohl auf die deutschsprachige als auch internationale Forschungslandschaft zutrifft.1 Eine direkte deutsche Übersetzung für den Begriff Restarter liegt bis heute nicht vor. Um die bisherigen Forschungen und Forschungsergebnisse korrekt verstehen und nachvollziehen zu können, bedarf es näherer Klärung verschiedener Begriffe, die mit dem Terminus Restarter einhergehen. Eine mögliche Untergliederung des Begriffes GründerIn findet man in Abbildung 1.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNG 1: Typen von Einfach- und Mehrfachgründern/Mehrfachgründerinnen3

Zu Beginn unterscheidet man einmal GründerInnen ohne Selbstständigkeitserfahrung und GründerInnen mit Selbstständigkeitserfahrung. Hierbei versteht man unter Selbstständigkeitserfahrung, dass jemand bereits einmal selbstständig ein Unternehmen geführt hat, wobei es keine Rolle spielt, ob er/sie diese Selbstständigkeit als EinzelunternehmerIn oder mit anderen Mitbegründern/Mitbegründerinnen praktizierte. Im Rahmen dieser Arbeit geht es lediglich darum, ob eben bereits eine Erfahrung aus einer früheren Selbstständigkeit vorliegt oder nicht. GründerInnen ohne Selbstständigkeitserfahrung bezeichnet man auch als ErstgründerInnen, da diese GründerInnen noch eine keine Erfahrung auf dem Gebiet der Selbstständigkeit haben und das erste Mal ein Unternehmen gründen beziehungsweise mit gründen. GründerInnen mit Selbstständigkeitserfahrung werden hingegen als MehrfachgründerInnen bezeichnet, da sie schon mindestens ein Mal als GründerIn Erfahrung gesammelt haben. Die Gruppe der MehrfachgründerInnen kann noch weiter aufgrund der letzten Selbstständigkeit unterteilt werden. Sofern die letzte Selbstständigkeit abgeschlossen wurde und der/die UnternehmerIn neuerlich ein Unternehmen gründet, so spricht man von einem/einer WiederholungsgründerIn. Wurde die letzte Selbstständigkeit jedoch nicht abgeschlossen und läuft parallel zur Neugründung weiter, so handelt es sich um einen/eine PortfoliogründerIn. Am Schluss teilt man wiederrum die WiederholungsgründerInnen in zwei Gruppen hinsichtlich der letzten Selbstständigkeit. Abschließend kann die Gruppe der WiederholungsgründerInnen aufgrund der letzten Selbstständigkeit noch ein Mal unterteilt werden. Wenn die letzte Selbstständigkeit erfolgreich abgeschlossen wurde, spricht man von einem/einer erfolgreichen WiederholungsgründerIn. Wenn die letzte Selbstständigkeit hingegen nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte beziehungsweise gescheitert ist, wird dieser/diese UnternehmerIn bei der neuerlichen Gründung als Restarter bezeichnet.4

Kay et al machen noch eine Unterteilung der Restarter, nämlich in Restarter im engeren Sinn und Restarter im weiteren Sinn. Ein Restarter im engeren Sinn ist ein/eine WiederholungsgründerIn, dessen/deren voriges Unternehmen insolvent wurde. Wenn allerdings das vorige Unternehmen des/der Wiederholungsgründers/Wiederholungsgründerin liquidiert wurde, spricht man von einem Restarter im weiteren Sinn.5 Nachdem das Forschungsgebiet des unternehmerischen Restarters, wie bereits anfangs erwähnt, bisher noch in wenigen Studien untersucht wurde, lag die Konzentration bei manchen nicht auf den oben bereits definierten Begriff der Restarter alleine, sondern es wurden auch erfolgreiche WiederholungsgründerInnen hinzu gezählt. Hierauf soll aber erst bei den empirischen Studien6 näher eingegangen werden.7

Die Tatsache, dass der Begriff „Restarter“ sehr weitläufig verwendet wird, zeigen zwei Forschungen, welche den Begriff des unternehmerischen Restarters genauer untersucht haben. In der 2002 von der Boston Consulting Group erstellten Studie wird ein Restarter als „the most dynamic member of a country´s entrepreneurial population, ... Who were personally responsible for both for the exit of one business - generally in the context of business failure, and for the entry of another“8 definiert. Hier wird der Begriff Restarter ebenfalls als WiederholungsgründerIn definiert, welcher in seinem/ihrem vorigen Vorhaben gescheitert ist. Wagner definierte hingegen 2003 einen Restarter als einen/eine WiederholungsgründerIn oder wieder werdenden/werdende GründerIn, der mit seinem/ihrem vorigen Unternehmen gescheitert ist und das Unternehmen nicht verkauft hat. Während sich beide Definitionen bezüglich des neuen Unternehmertums hinsichtlich der Planung und der Ausführung unterscheiden, sprechen beide Definitionen von einem vorherigen Scheitern. 1993 haben Watson und Everett den Begriff des Scheiterns eines Unternehmens, in der englischen Literatur auch „business failure“ genannt, in vier Dimensionen definiert:9

Beliebige Schwankungen

Insolvenz des Unternehmens Liquidation oder Verkauf Variierende Erträge Die vier Dimensionen des Scheiterns zeigen hier gut auf, dass die Definition des Restarters wiederrum sehr schwammig und unausgereift ist. Während bei der Begriffsbestimmung des Restarters bei der Boston Consulting Group das Scheitern in allen vier Dimensionen laut Watson und Everett möglich ist, wird bei Wagner zwar das Scheitern als Voraussetzung angegeben, wobei hier aber ein Verkauf nicht als Scheitern gesehen wird. Überhaupt lässt die erste Dimension des Scheiterns, also „die Diskontinuität aus einem beliebigen Grund“ sehr viele Gründe zur Beendigung des Unternehmens zu. Der Begriff des Scheiterns kann also als sehr weitläufig betrachtet werden.10

Anhand der bisherigen Untersuchungen rund um den Begriff des Restarters kann also abschließend festgestellt werden, dass es bislang noch keine einheitliche Definition dieses Terminus gibt.11 Bis dato variieren die Forschungen aufgrund der unterschiedlichen Begriffsbestimmung in dem einen oder anderen Punkt, wodurch es schwierig ist klare Schlüsse aus den bisherigen Forschungen zu ziehen.12 Aus diesem Grund habe ich versucht meine eigene Definition des Begriff Restarters unter Berücksichtigung der bisherigen theoretischen Lehrmeinung sowie der aktuellen Forschung zu finden. Meine Definition des Begriff Restarters lautet wie folgt:

„Ein Restarter ist ein/e GründerIn mit Selbstständigkeitserfahrung, welche/r die letzte Selbstständigkeit bereits abgeschlossen hat, nachdem er/sie gescheitert ist.“

2.2 Chancen und Risiken von Restartern

Der Zusammenhang zwischen der Erfahrung des Scheiterns eines Unternehmens und dem künftigen Unternehmenserfolg wurde bisher in zwei bekanten Theorien, nämlich der Humankapital- und der Signaling-Theorie beschrieben. Um die Chancen und Risiken von Restarter besser analysieren zu können, sollen im Folgenden diese beiden Theorien näher erläutert werden.

2.2.1 Humankapitaltheorie

Die Humankapitaltheorie geht davon aus, dass jeder Mensch gewisse „Humankapitalressourcen“ hat, welche seinen Erfolg bestimmen. Das Humankapital setzt sich daher aus dem Wissen, sowie den erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten des jeweiligen Menschen zusammen. Dies bedeutet folglich, dass jede Investition in die Bildung auch eine Investition in das Humankapital darstellt. Das gesteigerte Wissen und die erweiterten Fähigkeiten sollen dann etwa im beruflichen Umfeld zu einem höheren Einkommen führen.

Dennoch kann das Humankapital auch angeboren sein beziehungsweise besitzt jeder Mensch gewisse Talente schon von Geburt an. Dies bedeutet, dass allgemein gewisse Teile des Humankapitals bereits angeboren sind, wobei diese auch erweitert werden können und dass außerdem noch weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten im Laufe des Lebens zur Steigerung des Humankapitals hinzuerworben werden können.13

Die Grundidee der Humankapitaltheorie ist, dass das Humankapital das Leistungsvermögen und die Effizienz einer Person erhöhen kann. Durch die Erfahrung einer Selbstständigkeit, die gescheitert ist, erhöht sich etwa das Humankapital, sowohl um den Vorgang bei einer Gründung eines Unternehmens aber auch mit dem Prozess des Scheiterns. Es ist davon auszugehen, dass ein Restarter diese Erfahrungen bei der nächsten Unternehmensgründung mit einbezieht und daher auch bei ähnlichen Prozessen aufgrund seiner vorherigen Erfahrung ganz anders und vor allem überlegter vorgeht. Ein positiver Effekt des Scheiterns ist also in humankapitaltheoretischer Sicht durch Produktivitätseffekte und durch den Informationsvorsprung vorhanden.14

2.2.2 Signaling-Theorie

Die Signaling-Theorie wurde ursprünglich für den Arbeitsmarkt entwickelt und beschreibt asymmetrische Informationen zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen. Die Theorie beruht darauf, dass der/die ArbeitgeberIn über die Produktivität des/der Arbeitnehmers/Arbeitnehmerin im Vorhinein nicht Bescheid wissen kann und dieser/diese daher ein Signal benötigt, um diesem/dieser ArbeitnehmerIn punkto Produktivität zu vertrauen oder diesen/diese als wertvollen/wertvolle MitarbeiterIn einschätzt. Hierbei können etwa gewisse Ausbildungen oder Berufserfahrungen als Signal angesehen werden. Wenn die Signale und die Erwartungen wiederholt bestätigt werden, spricht man von einem Signaling- Gleichgewicht.15

Diese Signaling-Theorie kann nun auch auf die unternehmerische Ebene übertragen werden, da zwischen den Unternehmern/Unternehmerinnen und den Kreditgebern/Kreditgeberinnen auch immer eine asymmetrische Informationsstruktur besteht.

[...]


1 Vgl. Kranzusch/ Kay (2007), S. 90f.

2 Vgl. Kay et al (2004), S. 5; Kay/ Werner (2006), S. 158.

3 Quelle: in Anlehnung an Kay et al (2007), S. 66.

4 Vgl. Kranzusch/ Kay (2007), S. 90; Kay et al (2007), S. 65.

5 Vgl. Kay et al (2007), S. 67.

6 Für nähere Informationen siehe Kapitel 3.1.

7 Vgl. Kay/ Werner (2006), S. 161f.

8 Kay et al (2004), S. 5.

9 Vgl. Kay et al (2004), S. 5f.

10 Vgl. Kay et al (2004), S. 5ff.

11 Vgl. Kay et al (2004), S. 7.

12 Auf diese Problematik wird in Kapitel 3 noch näher eingegangen.

13 Vgl. Kay et al (2004), S. 30ff; Rese (2004), S. 41f; Kay/ Werner (2006), S. 158.

14 Vgl. Kay et al (2004), S. 30ff; Rese (2004), S. 41f; Kay/ Werner (2006), S. 158.

15 Vgl. Kay et al (2004), S. 32ff.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Restarter – Eine zweite Chance für gescheiterte Unternehmer?
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung)
Veranstaltung
Seminar 1 aus Unternehmensgründung
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V190064
ISBN (eBook)
9783656145875
ISBN (Buch)
9783656145356
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Restarter, Gründer, Erstgründer, Mehrfachgründer, Portfoliogründer, Wiederholungsgründer, Humankapitaltheorie, Signaling-Theorie, Selbstständigkeitserfahrung, Unternehmer
Arbeit zitieren
Michael Walch (Autor), 2010, Restarter – Eine zweite Chance für gescheiterte Unternehmer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190064

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