Irlands Wirtschaft: Analyse und Ausweg


Hausarbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der EU-Beitritt

3. Ausländische Direktinvestitionen

4. Der Immobilienboom

5. Das Stabilitätsprogramm - Irlands Werte 2004-2007

6. Der Weg in die Krise
6.1. Von der Immobilienkrise zur Finanzkrise
6.2. Das Stabilitätsprogramm - Irlands Werte 2008/2009

7. Irlands Rettungspaket

8. Der Ausweg aus der Krise - der EU-Rettungsschirm

9. Langfristige Maßnahmen zur Vermeidung einer erneuten Krise
9.1. Harmonisierung der direkten Steuern innerhalt der EU
9.2. Die allgemeinen Maßnahmen zur Stärkung des Euros

10. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Irland, die grüne Insel Europas, hat sich über viele Jahre hinweg vom einst bezeichneten Ar- menhaus Europas, stark geprägt durch den katholischen Glauben, zu einem wahren kapitalis- tischen Wirtschaftswunder, dem sogenannten „keltischen Tiger“, entwickelt. Es galt jahrelang als das Vorzeigeland Europas für einen erfolgreichen, lang anhaltenden Wirtschaftsboom. Die florierende Wirtschaft, wie auch die Ansiedlung vieler internationaler Firmen seit den Neun- zigern, verschleierte den Iren die realistische Wahrnehmung über ihr Land und ihrer realen Kaufkraft.

Mit Einsetzen der globalen Finanzkrise wurde auch Irlands Wirtschaft stark getroffen. Ausgehend von der irischen Immobilienkrise, undurchsichtigen Finanzprodukten der Kreditinstitute, der Gier nach mehr Rendite und Gewinne und viele weitere Aspekte, hat sich die Krise zu einer wachsenden Bedrohung, mit makroökonomischen und sozialen Konsequenzen, für den irischen Staat und für die gesamte Europäische Union entwickelt.1

Diese Arbeit analysiert Irlands Wirtschaft, welche Faktoren zu dem enormen Wirtschaftsboom im Land geführt haben und welche Faktoren für die eintretende Krise 2008 verantwortlich waren. Des Weiteren werden die eingeleiteten Maßnahmen der irischen Regierung sowie der EU dargestellt und erörtert, um den erfolgreichen Ausweg aus der Krise zu ermöglichen und einer Vermeidung einer erneuten Krise zu gewährleisten.

2. Der EU-Beitritt

Irland trat 1979, im Zuge der europäischen Norderweiterung, der EG2 bei. Bevor Irland der EG beitrat, galt es als das Armenhaus Europas. Die Arbeitslosigkeit war hoch und das Ein- kommen der Menschen schwach, was viele Iren über Jahrzehnte hinweg zum Auswandern bewegte. Mit Hilfe von EU-Geldern, sog. Strukturfördergelder der EU für wirtschaftlich rück- ständige Länder, wurde die Infrastruktur im Land verbessert, sowie in Hochschulen und in das Sozialsystem investiert. Seit der Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion (vorgelegt im Maastricht Vertrag) und der damit verbundenen gemeinschaftlichen Währung, führte auch Irland 1999 den Euro ein.3 Die Mitgliedschaft Irlands in die Europäische Gemeinschaft mach- te die grüne Insel zu dem Land mit dem zweithöchsten Pro-Kopf Einkommen der EU.4 Irland steigerte das Bruttosozialprodukt binnen 10 Jahre über 80%. Die EU schaffte im Vergleich nur 25%, Deutschland hingegen sogar nur 16%.5

Weitere Gründe für diese positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes waren die ausländischen Direktinvestitionen; die Entwicklung des EU-Binnenmarktes, durch die Abschaffung von Handelsbarrieren; sowie die demografische Entwicklung des Landes.

3. Ausländische Direktinvestitionen

In Irland wurde in den letzten Jahrzehnten ein sehr hoher Zufluss von ausländischen Direktin- vestitionen verzeichnet, was nicht zuletzt auf den niedrigen Unternehmenssteuersatz von 12,5%, zurückzuführen ist. Im Vergleich aller 31 OECD Staaten hat Irland den niedrigsten Unternehmenssteuersatz.6 Irland lockte damit viele internationale Firmen, wie Dell, Pfizer, IBM und z.B. Intel an, die sich in Irland ansiedelten, um von den gut ausgebildeten Arbeits- kräften, der gut ausgebauten Infrastruktur und um von den niedrigen Steuern dieser Region zu profitieren.7

Die guten Wirtschaftsjahre und der damit verbundene Anstieg der Beschäftigung im Land brachten auch mittelfristig eine Einkommenssteigerung der privaten Haushalte mit sich, die im Jahre 2006/2007 als weiterer Wachstumsmotor fungierten. Der Wochenlohn in der Industrie lag 1998 noch 50% geringer als in 2006.8 Allerdings wurde bereits vor einigen Jahren prognostiziert, dass die Dynamik der Nettoexporte, wegen den gestiegenen Lohnstückkosten gebremst wird und sich somit die Wettbewerbssituation der irischen Exporte verschlechtert.9 Zudem kam noch die Tatsache, dass das Preisniveau jährlich zwischen 2% und 5% stieg und somit die Inflationsrate weit über dem Durchschnitt der EU-Länder lag.10

4. Der Immobilienboom

Der stetige Wirtschaftsboom, die Expansionen der dort angesiedelten Firmen und die damit verbundenen steigenden Nominallöhne, brachten in Irland auch einen Boom in der Bauindust- rie mit sich. Mit dem erreichten Wohlstand wuchs in Irland die Begehrlichkeiten und der Wunsch nach Eigenheimen, was neben der Ansiedlung und Expansion vieler Firmen, zu ei- nem enormen Zuwachs der Bauindustrie führte und auch einer der Hauptantreiber des irischen Wachstums waren. Der Trend ging sogar zum Zweithaus.11 In Irland leben rund 83% aller Iren in Eigenheimen, was nicht zuletzt daraus resultiert, dass die klassischen Mietwohnungen, die es z.B. in Deutschland gibt, dort nicht üblich sind und die Mietpreise in Irland als exorbi- tant teuer gelten.12 Zudem kam, dass Irland, im Gegensatz zu anderen EU-Ländern keine Grundsteuer veranschlagt hat. Zwischen 1996 und 2006 verdreifachten sich die Immobilien- preise. Die Iren, die sich an das stetig steigende Einkommen gewöhnt hatten, sahen daher sehr geringe Risiken in einer Verschuldung und nahmen immer weiter Kredite auf, um in Immobi- lien zu investieren.

Der Immobilienmarkt florierte und die irische Baubranche wuchs in 2004 um 10%.13 Das Baugewerbe expandierte in Irland und trug auch zu einer beträchtlichen Ausweitung der Beschäftigung bei. Die Arbeitslosenquote blieb allerdings bei 4,5%, da der Anstieg der Beschäftigung gleichzeitig auch mit einer Zunahme der Zuwanderung der Erwerbstätigen einherging.14 Obwohl die Bauindustrie über die Jahre kontinuierlich expandierte, war bereits im Jahre 2005 eine Verlangsamung des Preisanstiegs zu verzeichnen.

5. Das Stabilitätsprogramm - Irlands Werte 2004-2007

Mit Beginn der Wirtschafts- und Währungsunion ist die Geld- und Wechselkurspolitik aus der nationalen in die gemeinschaftliche europäische Verantwortung übergegangen und um real- wirtschaftliche Verwerfungen innerhalb des europäischen Binnenmarktes zu vermeiden und um die Stabilität des Euros zu gewährleisten, sieht der europäische Vertrag eine haushaltspoli- tische Überwachung der jeweiligen Mitgliedstaaten vor. Irland konnte in dem Zeitraum 2004- 2007 ein stetig steigendes BIP-Wachstum verzeichnen (4,8% in 2006). Irland gehörte im Jahr 2006, neben Griechenland und Luxemburg, zu den Regionen mit den höchsten Wachstumsra- ten. Irland erzielte auch im Vergleich zu den anderen Euro-Mitgliedstaaten15 gute und stabile Werte im Hinblick auf den Verschuldungsgrad des Landes und der öffentlichen Haushaltsdefizite. Die Schuldenstandsquoten lagen im Jahr 2005 bei ca. 30,1% und das Haushaltsdefizit bei 0,8%. Die im Maastrichtvertrag zugrunde gelegten Referenzwerte16 wurden über viele Jahre hinweg deutlich unterschritten.17

6. Der Weg in die Krise

Im Jahre 2008 wird Irland aus seinem Traum gerissen, dass das stetige Wachstum des kelti- schen Tigers immer weiter ansteigen würde. Der Boom hat ein sehr abruptes Ende gefunden. Der Ursprung liegt bereits im Jahr 1999 seit der Einführung des Euros und der gleichzeitigen Einführung einem einheitlichen Leitzins. Aus irischer Sicht war dieser festgelegte Zins viel zu niedrig, denn seit der Einführung des Euros war die Teuerung insgesamt vergleichsweise hoch. Ein niedriger Nominalzins und eine relativ hohe Inflation im Land führten zu einem sehr niedrigen Realzins. Die irische Regierung hätte darauf mit Steuererhöhungen oder mit einer Reduzierung der öffentlichen Ausgaben reagieren müssen. Stattdessen heizte die Regie- rung mit niedrigen Steuersätzen den Konsum und die Konjunktur weiter an. Dieses Geld floss zu einem Großteil in Immobilienprojekte und entwickelte sich zunehmend zu einer stetig wachsenden Immobilienblase.18

Die Rezession Irlands ist zum einen auf die globale Finanzkrise, die Situation am Immobili- enmarkt sowie auf die Rezessionen bei den zwei wichtigsten Handelspartnern, den USA und Großbritanniens, zurück zu führen.19 Des Weiteren erschwerten die steigenden Lohnkosten im Land, die damit verbundene sinkende Wettbewerbsfähigkeit sowie der starke Euro Irland zu- sätzlich den Export in die wichtigsten Märkte und viele Firmen mussten ihre Mitarbeiter ent- lassen und sogar Insolvenz anmelden. Bereits im Jahr 2005 war ein Anstiegsrückgang der Immobilienpreise spürbar, seit 2007 bestätigte sich ein starker Preisverfall.20 Ein Haus, das früher noch rund 450.000€ gekostet hatte, kostete 2008 nur noch rund 350.000€. Zwischen den Jahren 1995 und 2006 verdreifachten sich die Fertigstellungen von Immobilen.21 Es herrschte somit ein Überangebot an Immobilien und die Preise fielen zunehmend. Diese Im- mobilienkrise führte zu weiteren Entlassungen in der Baubranche und kostet dem Land zu- sätzlich einige wichtige Prozentpunkte des Gesamtwirtschaftswachstums.22

Ein weiterer Aspekt, der Irland in die Krise geführt hat, ist die Tatsache, der ungleichen Ver- teilung des Wohlstandes im Land. Die Ansiedlungen internationaler Firmen und Investoren in Irland beließen nur einen geringen Teil der Wertschöpfung, in Form von Löhnen und Steuern, im Land selbst. Der größte Teil des erwirtschaften Geldes floss ins Ausland zurück. Der An- teil der Löhne am BIP sank bis Ende der neunziger kontinuierlich ab. Die Leistungsbilanz Irlands wies Anfang der 90iger hohe Exportüberschüsse aus, diese wurden jedoch durch ähn- lich hohe Gewinntransfers an die ausländischen Investoren ausgeglichen. Trotz der unglei- chen Verteilung der Wohlstandsgewinne im Land, stieg das Einkommen und nicht zuletzt das Gefühl der Iren, dass das Einkommen auch in Zukunft weiter ansteigen würde. Nach dem gewaltigen Immobilienboom zwischen 1995 und 2006, war das irische Wachstum nun stärker durch die Binnennachfrage bestimmt. Der Handelsbilanzüberschuß fiel von 2002 bis 2007 um fast 40%. Dennoch hielten die Gewinntransfers an die ausländischen Investoren weiter an (jährlich betrugen diese rund 14% des BIP) rutschte die Zahlungsbilanz ab 2005 kräftig ab. Das Land begann in dieser Phase also über seine Verhältnisse zu leben. Der Staat blieb zwar weitgehend sparsam, was an den Werten der Stabilitätsprogramme oben deutlich wurde, al- lerdings lebte der private Sektor über seinen Verhältnissen. Mit Schuld daran sind die Banken, die großzügig Kredite verteilten und den Menschen das vermeintliche Gefühl gaben sich so- mit mehr leisten zu können und eher wenige Probleme in der Refinanzierung der internationa- len Kapitalmärkte sowie in den Risiken der Schuldner sahen.23

6.1.Von der Immobilienkrise zur Finanzkrise

Irlands jahrelanger Wirtschaftsaufschwung, die Ansiedlung vieler internationaler Konzerne lockte auch die internationale Finanzwelt. Viele Banken gründeten Zweckgesellschaften in Irland, um die riskanten Geschäfte aus den heimischen Bilanzen auszulagern und um von der geringen Finanzaufsicht im Land zu profitieren. Auch deutsche Banken eröffneten Depen- dancen in Dublin.24

Der jahrelange Boom in der Bauindustrie war auf „Pump“ finanziert. Die irische Bankenkrise ist die Folge des Immobilienbooms. Der irische Zentralbankenchef Patrick Honohan sagte: „zwischen 2003 und 2007 importierte das irische Bankensystem Gelder, die mehr als die Hälfte des BIPs entsprachen, um in die Immobilienblase zu investieren“.25 Viele Banken rie- ten ihren Kunden überteuerte Appartements zu 120% zu finanzieren.

[...]


1 Vgl. Dabrowski, M. (2010), S. 38ff

2 Mit dem Maastrichtvertrag 1992/1993 wurde die EG in EU umbenannt

3 Vgl. Die EU im Überblick: Wirtschafts- und Währungsunion

4 Vgl. o.V. (2009)

5 Vgl. WiWi-treff (2005)

6 Vgl. o.V. (2010) c

7 Vgl. o.V. (2009)

8 Vgl. Dauderstädt, M. (2010)

9 Vgl. OECD Wirtschaftsausblick ( 2005)

10 Vgl. Dauderstädt, M. (2010)

11 Vgl. Feldenkirchen, M. (2010)

12 Vgl. irish-net

13 Vgl.irelandjobs.de

14 Vgl. OECD Wirtschaftsausblick (2005)

15 Siehe Anhang

16 Maastricht Referenzwerte: Finanzierungssaldo in Relation zum BIP in %: -3%; Schuldenstand in Relation zum BIP in %: 60%)

17 Vgl. Monatsbericht BMF (2005)

18 Vgl. Schultz, S. (2010)

19 Vgl. BMF: Stabilitäts- und Konvergenzprogramme 2008/2009

20 Vgl. OECD Economic Survey Ireland (2009), S. 9

21 Vgl. Dauderstädt, M. (2010)

22 Vgl. Tauber, A. (2008)

23 Vgl. Dauderstädt, M. (2010)

24 Vgl. Gatzke, M. (2010)

25 Vgl. Pauly (2010)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Irlands Wirtschaft: Analyse und Ausweg
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Economics
Note
1,7
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V190093
ISBN (eBook)
9783656145752
ISBN (Buch)
9783656146162
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
irlands, wirtschaft, analyse, ausweg
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Irlands Wirtschaft: Analyse und Ausweg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190093

Kommentare

  • Gast am 5.3.2012

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