Irland, die grüne Insel Europas, hat sich über viele Jahre hinweg vom einst bezeichneten Armenhaus Europas, stark geprägt durch den katholischen Glauben, zu einem wahren kapitalistischen Wirtschaftswunder, dem sogenannten „keltischen Tiger“, entwickelt. Es galt jahrelang als das Vorzeigeland Europas für einen erfolgreichen, lang anhaltenden Wirtschaftsboom. Die florierende Wirtschaft, wie auch die Ansiedlung vieler internationaler Firmen seit den Neunzigern, verschleierte den Iren die realistische Wahrnehmung über ihr Land und ihrer realen Kaufkraft.
Mit Einsetzen der globalen Finanzkrise wurde auch Irlands Wirtschaft stark getroffen. Ausgehend von der irischen Immobilienkrise, undurchsichtigen Finanzprodukten der Kreditinstitute, der Gier nach mehr Rendite und Gewinne und viele weitere Aspekte, hat sich die Krise zu einer wachsenden Bedrohung, mit makroökonomischen und sozialen Konsequenzen, für den irischen Staat und für die gesamte Europäische Union entwickelt.
Diese Arbeit analysiert Irlands Wirtschaft, welche Faktoren zu dem enormen Wirtschaftsboom im Land geführt haben und welche Faktoren für die eintretende Krise 2008 verantwortlich waren. Des Weiteren werden die eingeleiteten Maßnahmen der irischen Regierung sowie der EU dargestellt und erörtert, um den erfolgreichen Ausweg aus der Krise zu ermöglichen und einer Vermeidung einer erneuten Krise zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der EU-Beitritt
3. Ausländische Direktinvestitionen
4. Der Immobilienboom
5. Das Stabilitätsprogramm – Irlands Werte 2004-2007
6. Der Weg in die Krise
6.1. Von der Immobilienkrise zur Finanzkrise
6.2. Das Stabilitätsprogramm – Irlands Werte 2008/2009
7. Irlands Rettungspaket
8. Der Ausweg aus der Krise – der EU-Rettungsschirm
9. Langfristige Maßnahmen zur Vermeidung einer erneuten Krise
9.1. Harmonisierung der direkten Steuern innerhalt der EU
9.2. Die allgemeinen Maßnahmen zur Stärkung des Euros
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die wirtschaftliche Entwicklung Irlands vom sogenannten „keltischen Tiger“ bis hin zum Einsetzen der globalen Finanzkrise im Jahr 2008. Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die den enormen Wirtschaftsboom begünstigten, sowie die Ursachen für den darauffolgenden ökonomischen Einbruch und die Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu erörtern.
- Historische Entwicklung Irlands durch den EU-Beitritt
- Die Rolle ausländischer Direktinvestitionen für das irische Wachstum
- Entstehung und Auswirkungen der irischen Immobilienblase
- Analyse des irischen Rettungspakets und der EU-Interventionen
- Zukünftige Strategien zur Krisenvermeidung und fiskalische Harmonisierung
Auszug aus dem Buch
6. Der Weg in die Krise
Im Jahre 2008 wird Irland aus seinem Traum gerissen, dass das stetige Wachstum des keltischen Tigers immer weiter ansteigen würde. Der Boom hat ein sehr abruptes Ende gefunden. Der Ursprung liegt bereits im Jahr 1999 seit der Einführung des Euros und der gleichzeitigen Einführung einem einheitlichen Leitzins. Aus irischer Sicht war dieser festgelegte Zins viel zu niedrig, denn seit der Einführung des Euros war die Teuerung insgesamt vergleichsweise hoch. Ein niedriger Nominalzins und eine relativ hohe Inflation im Land führten zu einem sehr niedrigen Realzins. Die irische Regierung hätte darauf mit Steuererhöhungen oder mit einer Reduzierung der öffentlichen Ausgaben reagieren müssen. Stattdessen heizte die Regierung mit niedrigen Steuersätzen den Konsum und die Konjunktur weiter an. Dieses Geld floss zu einem Großteil in Immobilienprojekte und entwickelte sich zunehmend zu einer stetig wachsenden Immobilienblase.
Die Rezession Irlands ist zum einen auf die globale Finanzkrise, die Situation am Immobilienmarkt sowie auf die Rezessionen bei den zwei wichtigsten Handelspartnern, den USA und Großbritanniens, zurück zu führen. Des Weiteren erschwerten die steigenden Lohnkosten im Land, die damit verbundene sinkende Wettbewerbsfähigkeit sowie der starke Euro Irland zusätzlich den Export in die wichtigsten Märkte und viele Firmen mussten ihre Mitarbeiter entlassen und sogar Insolvenz anmelden. Bereits im Jahr 2005 war ein Anstiegsrückgang der Immobilienpreise spürbar, seit 2007 bestätigte sich ein starker Preisverfall. Ein Haus, das früher noch rund 450.000€ gekostet hatte, kostete 2008 nur noch rund 350.000€. Zwischen den Jahren 1995 und 2006 verdreifachten sich die Fertigstellungen von Immobilen. Es herrschte somit ein Überangebot an Immobilien und die Preise fielen zunehmend. Diese Immobilienkrise führte zu weiteren Entlassungen in der Baubranche und kostet dem Land zusätzlich einige wichtige Prozentpunkte des Gesamtwirtschaftswachstums.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Aufstieg Irlands zum „keltischen Tiger“ und führt in die Problematik der Finanzkrise ein, die das Land ab 2008 schwer traf.
2. Der EU-Beitritt: Dieses Kapitel erläutert, wie der Beitritt zur EG und die Nutzung von EU-Strukturfördergeldern Irland vom Armenhaus Europas zu einem wirtschaftlich aufstrebenden Land wandelten.
3. Ausländische Direktinvestitionen: Es wird untersucht, wie ein niedriger Unternehmenssteuersatz internationale Konzerne anlockte und maßgeblich zum Anstieg von Beschäftigung und Einkommen beitrug.
4. Der Immobilienboom: Das Kapitel beschreibt, wie durch steigenden Wohlstand und günstige Kreditvergaben eine Immobilienblase entstand, die zur treibenden Kraft der irischen Wirtschaft wurde.
5. Das Stabilitätsprogramm – Irlands Werte 2004-2007: Eine Analyse der haushaltspolitischen Situation vor der Krise, in der Irland trotz hohem Wachstum die Maastricht-Kriterien einhielt.
6. Der Weg in die Krise: Die Analyse konzentriert sich auf die Ursachen des abrupten Endes des irischen Wirtschaftsbooms, insbesondere durch zu niedrige Realzinsen und die geplatzte Immobilienblase.
7. Irlands Rettungspaket: Hier wird die Gründung der „Nama“ als staatliche Auffanggesellschaft zur Entlastung der krisengeschüttelten Banken thematisiert.
8. Der Ausweg aus der Krise – der EU-Rettungsschirm: Die Kapitelinhalte behandeln den Hilferuf an die EU und den IWF sowie die damit verbundenen harten Sparmaßnahmen.
9. Langfristige Maßnahmen zur Vermeidung einer erneuten Krise: Es werden europäische Lösungsansätze wie die Finanzmarktregulierung und die Harmonisierung der Steuersysteme diskutiert.
10. Fazit: Das Fazit fasst die noch offenen Fragen zur Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen zusammen und reflektiert den dramatischen Wandel der irischen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Irland, keltischer Tiger, Finanzkrise, Immobilienblase, Europäische Union, EU-Rettungsschirm, Unternehmenssteuer, Bankenkrise, Wirtschaftswachstum, Nama, Strukturfördergelder, Rezession, Haushaltsdefizit, Maastricht-Vertrag, Kapitalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den wirtschaftlichen Aufstieg Irlands zum „keltischen Tiger“ und die anschließenden Ursachen sowie Konsequenzen der schweren Finanz- und Immobilienkrise ab 2008.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung durch EU-Beitritt und Direktinvestitionen, der Entstehung der Immobilienblase, der Rolle des Bankensektors und den Maßnahmen zur Rettung des irischen Staates.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, die Faktoren für den Boom und den Absturz zu ergründen und die Wirksamkeit der Rettungsmaßnahmen sowie Strategien zur zukünftigen Krisenvermeidung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine deskriptive Analyse auf Basis von Wirtschaftsdaten, Stabilitätsprogrammen und aktueller Literatur aus den Jahren 2004 bis 2011.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Betrachtung der Boom-Jahre, die Analyse der Krisenursachen (insbesondere die Immobilien- und Bankenkrise) und die Darstellung der europäischen Rettungsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „keltischer Tiger“, „Finanzkrise“, „Immobilienblase“, „Nama“ und „EU-Rettungsschirm“ definiert.
Welche Rolle spielt der Bankensektor in der irischen Krise?
Banken trugen durch großzügige Kreditvergaben für Immobilieninvestitionen massiv zur Entstehung der Blase bei und mussten später durch staatliche Mittel sowie internationale Hilfe vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.
Warum ist die Harmonisierung der Unternehmenssteuern so umstritten?
Irland hat seinen Erfolg zu einem großen Teil einem niedrigen Steuersatz von 12,5 % zu verdanken. Eine Harmonisierung innerhalb der EU wird von Irland als Gefahr für die eigene Wettbewerbsfähigkeit angesehen.
Wie hat sich die Arbeitslosenquote während der Krise verändert?
Die Daten zeigen einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit von einem sehr niedrigen Niveau vor der Krise bis hin zu einem Wert von 13,70 % im Jahr 2010.
Was bedeutet die Gründung der „Nama“ für das Land?
Die „Nama“ fungierte als „Bad Bank“, die risikoreiche Immobilienkredite von insolventen Instituten übernahm, was den Staat jedoch finanziell stark belastete und zu hohen Defiziten führte.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2011, Irlands Wirtschaft: Analyse und Ausweg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190093