Two Dogmas of Empiricism: Eine kritische Betrachtung


Seminararbeit, 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe

Prolog

I. Die Unterscheidung analytischer und synthetischer Aussagen
1. Die analytisch/synthetische Unterscheidung
2. Die Kritik Quines an der analytisch/synthetischen Unterscheidung
3. Reaktionen auf Quines Kritik

II. Reduktionismus und Holismus
1. The Verification Theory and Reductionism
2. Quines Holismus
3. Kritik an Quines Holismus
4. Die Verbindung von Lakatos und Quine

III. Literaturverzeichnis

Prolog

„Two Dogmas of Empiricism“ wurde 1951 von Willard van Orman Quine in der Zeitschrift „Philosophical Review“ veröffentlicht, später erschien der Aufsatz in dem Sammelband „From a Logical Point of View“ (1953). Der Aufsatz greift die weit verbreitete Auffassung an, man könne analytische und synthetische Aussagen unterscheiden.

Gemäß dem Titel kritisiert Quine zwei zentrale Annahmen des Empirismus:

I. Die klare Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Sätzen. Analytische Sätze sind allein aufgrund der verwendeten Teilausdrücke wahr, synthetische Sätze sind jedoch nur in Verbindung mit der Welt als wahr zu erkennen.

II. reductionism, jede Theorie lässt sich in einzelne Aussagen zerlegen, die jede für sich (!) empirisch überprüft werden können.

Die Motivation dieser Studienarbeit liegt darin, beide Annahmen des Empirismus zu beleuchten, Quines Argumentation präzise darzulegen und einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Gegen Ende wird Quines Holismus mit dem Ansatz I. Lakatos zur Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme verbunden.

I. Die Unterscheidung analytischer und synthetischer Aussagen

1. Die analytisch/synthetische Unterscheidung

Viele Philosophen greifen heutzutage die analytisch/synthetische Unterscheidung auf, vor allem für logische Empiristen wie A. Ayer oder Carnap ist sie von zentraler Bedeutung. Seinen Ursprung hat die analytisch/synthetische Unterscheidung bei den Philosophen D. Hume und I. Kant. Hume unterscheidet in Enquiry Concerning Human Understanding Aussagen, die auf Grund der in ihnen enthaltenen Ideen wahr oder falsch sind, und Aussagen, die aufgrund bestehender Tatsachen wahr oder falsch sind1. Kant grenzt in seiner Kritik der reinen Vernunft Sätze, bei denen das Prädikat (schon) im Subjekt enthalten ist, von Sätzen ab, bei denen dies nicht der Fall ist. Sätze der ersten Art nennt er „analytisch“, Sätze der zweiten Art „synthetisch“ (KrV B 10ff).

Heute verstehen wir die Unterscheidung analytischer und synthetischer Sätze meist so: Aussagen wie „Bernd Lahno ist Professor der Frankfurt School of Finance and Management“ oder „Gold ist schwerer als Wasser“ sind Tatsachenwahrheiten (wahre synthetische Sätze). Weshalb sind sie wahr? Sind wahr, weil in der Welt bestimmte Dinge der Fall sind. Sie lassen sich überprüfen, indem man empirische Untersuchungen anstellt. Aufgrun jener Untersuchung lassen sie sich verifizieren (wie die beiden Beispielsätze). Was ist demnach ein analytisch wahrer Satz? Bei den Aussagen wie z.B. „Großväter sind männlich“ oder „Junggesellen sind unverheiratet“ handelt es sich um Bedeutungswahrheiten (wahre analytische Sätze). Die Wahrheit jener Sätze hängt nicht von empirischen Untersuchungen ab, sondern sie ergibt sich bereits aus den Bedeutungen der in ihnen vorkommenden Ausdrücke.

2. Die Kritik Quines an der analytisch/synthetischen Unterscheidung

Für viele Philosophen ist die analytisch/synthetische Unterscheidung von zentraler Bedeutung. W.V.O. Quine weist diese Unterscheidung entschieden zurück; Grundlage seiner Kritik sind zwei Behauptungen:

(I) Der Begriff „analytisch“ lässt sich nicht informativ erklären.

(II) Es gibt keinen einzigen analytischen Satz

Versuchen wir zunächst die Argumentation zu verstehen warum die Behauptung (I) gegen die analytisch/synthetische Unterscheidung spricht. Die Behauptung (I) beruht auf dem Prinzip, dass eine informative Erklärung des Begriffes „analytisch“ ohne Begriffe auskommen muss, die unklar sind. „Analytisch“ ist ein ebenso unklarer Begriff wie „Bedeutung“. Deswegen hilft uns die erste Erklärung „Eine Aussage ist analytisch, wenn sie auf Grund von Bedeutungen und unabhängig von Tatsachen wahr ist“ (FLPV 21) nicht weiter. Quine besinnt sich angesichts der Bedürftigkeit einer Erklärung auf präzise Begriffe der Logik und schlägt vor: Analytisch wahre Sätze sind nichts anderes als logisch wahre Sätze.

Was ist der Unterschied zwischen einem analytisch wahren und logisch wahren Satz? Nun, ein logisch wahrer Satz ist allein aufgrund der in ihm vorkommenden logischen Ausdrücke wie „und“, „oder“ oder „nicht“ wahr. Es ist für einen logisch wahren Satz unerheblich welche deskriptiven Begriffe wir verwenden. Verdeutlichen wir uns den Unterschied an einem Beispiel:

(1) „Alle unverheirateten Männer sind unverheiratet.“

Dieser Satz ist logisch wahr, und zwar nur aufgrund seiner logisch gebildeten Ausdrücke. Das heißt konkret, dass die Bedeutung der Ausdrücke „unverheiratet“ oder „Mann“ für die logische Wahrheit des Satzes unerheblich ist.

Quine erkennt, dass sein erster Vorschlag sich zwar als richtig, für den Praxisgebrauch jedoch als wenig brauchbar erweist. Ziehen wir nämlich beispielsweise den Satz

(2) „Alle Junggesellen sind unverheiratet“

heran, so haben wir einen analytischen Satz vor uns. Die Wahrheit hängt hier allerdings sehr wohl von der deskriptiven Bedeutung ab. Der Ausdruck „Junggesellen“ bezeichnet, wie wir alle wissen, unverheiratete Männer. Es gilt also dieses Wissen in unsere Überlegungen mit einzubinden. Wir stellen ebenfalls fest, dass der Satz über eine gewisse synthetische Komponente verfügt. Quine bezeichnet sie als „second class analytic statement“. Der Satz (1) bei dem wir nicht über die Bedeutung von „unverheiratet“ oder „Männern“ Bescheid wissen müssen wäre demnach ein „first class analytic statement“.

„Fist class analytic statements“, so Quine, sind unproblematisch. Lassen sich nun analytische Sätze besser erklären? Quines zweite Erklärung: Ja, sie lassen sich in eine logische Wahrheit verwandeln, wenn man in ihr Ausdrücke durch synonyme Begriffe ersetzt. Im Englischen Original heißt es dort noch deutlicher: „The characteristic of such a statement is that it can be turned into a logical truth by putting synonyms for synonyms [...]“ (FLPV 23)

Erscheint uns jedoch der Begriff „synonym“ nicht ebenso so unklar wie „analytisch“?

In der Tat. Doch Quine sieht eine mögliche Lösung für das Problem. Die Synonymie zwischen „Junggeselle“ und „unverheirateter Mann“ ergibt sich aus der Definition des ersten Ausdrucks durch den zweiten. Es ist nicht viel mehr als der Blick in ein Lexikon, wenn wir einen uns unbekannten Begriff nachschlagen. Bei dieser lexikalischen Definition müssen wir uns einem neuen Problem stellen: Lexikalische

Definitionen werden von (empirisch arbeitenden!) Linguisten erstellt. Uns ist es offenbar unmöglich die Praxis der Linguisten zu erklären ohne den Ausdruck „synonym“ zu verwenden; Quine schlussfolgert also, dass nicht Synonymien aus Definitionen ruhen, sondern vielmehr auf „preexisting synonymy“. (FLPV 25) Carnaps Begriff der Explikation hilft auch nur bedingt. Zwar versucht eine Explikation ein Explikandum (der zu explizierende Begriff) durch ein Explikat (den schärferen Begriff) zu ersetzen. Dennoch gibt uns das Werkzeug keine Möglichkeit, sog. preexisting synonymy zu erklären. Auch Quines zweiter Vorschlag scheint unseren Kriterien nicht zu genügen. Können wir „Synonymie“ auch noch anders erklären?

Alternativ schlägt Quine vor, den Ausdruck „Synonymie“ in Sinne von „Interchangeability“ (Austauschbarkeit) zu verwenden. Die Idee geht auf den dritten Ansatz des Identitätsprinzips von Leibnitz zurück und wird mit salva vertitate abgekürzt2 Präzise lässt sich der Gedanke folgendermaßen ausdrücken: Zwei Ausdrücke sind genau dann synonym, wenn sie sich in allen Kontexten gegenseitig ersetzen lassen und sich der Wahrheitswert der betroffenen Sätze sich nicht ändert3.

Vergegenwärtigen wir uns das Prinzip anhand eines Beispiels:

(3) der längste Fluss der Welt

(4) der Nil

Setzen wir nun in den Satz

(5) „Der Nil fließt durch Ägypten“ den Ausdruck (3) der längste Fluss der Welt ein so erhalten wir den (richtigen) Satz:

(6) „Der längste Fluss der Welt fließt durch Ägypten.“

Das Problem entsteht dadurch, dass salva vertitate nur in extensionalen Sprachen uneingeschränkt gilt. Die deutsche Umgangssprache ist allerdings eine intensionale Sprache. Daher können Probleme wie Folgende auftreten:

(7) Jens glaubt, dass der längste Fluss durch Ägypten fließt.

(8) Jens glaubt, dass der Nil durch Ägypten fließt.

Satz (8) ist wahr. Wenn Jens allerdings nicht weiß, dass der Nil der längste Fluss der Welt ist, so könnte ohne weiteres Satz (7) auch falsch sein. Genau dies dürfte allerdings nicht passieren, wenn zwei Ausdrücke den gleichen Gegenstand bezeichnen.4

[...]


1 EHU Abschnitt IV, §1

2 Das lateinnische Original lautet: „ Eadem sunt quae sibi ubique substitui possunt, salva veritate “ („Dieselben sind, die sich überall ersetzen können, bei Wahrung von Wahrheit“)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Two Dogmas of Empiricism: Eine kritische Betrachtung
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V190182
ISBN (eBook)
9783656145523
ISBN (Buch)
9783656146100
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quine, Dogmas of Empiricsm, Lakatos
Arbeit zitieren
Jens Krzyzanowski (Autor), 2011, Two Dogmas of Empiricism: Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190182

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