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Der Alptraum der Indigenen? - Kurlands Kolonie auf Tobago

Titre: Der Alptraum der Indigenen? - Kurlands Kolonie auf Tobago

Essai , 2011 , 22 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Stefan Noack (Auteur)

Histoire - Amérique
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Résumé Extrait Résumé des informations

„Das eben ist unsere einzige Pflicht der Geschichte gegenüber: Sie nochmals zu schreiben. [...] Haben wir einmal die wissenschaftlichen Gesetze, die das Leben beherrschen, ganz durchforscht, dann werden wir entdecken, dass der einzige Mensch, der mehr in Illusionen befangen ist, als der Träumer, der Tatmensch ist. [...] Jede Kleinigkeit, die wir tun, gerät in die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu Staub zermalmen kann und wertlos macht.“

Dieses Zitat aus Oscar Wildes Stück „Der Kritiker als Künstler“ veranschaulicht ein Problem, dem sich jeder Historiker früher oder später stellen muss. So meisterhaft ihm seine Arbeiten im Moment des Schreibens erscheinen: nach Jahren der fachlichen und persönlichen Entwicklung entpuppen sich viele der Wahrheiten, die er zu kennen glaubte, als Irrtümer. Auch wenn das Werk des Historikers dann immer noch als Standardwerk gelten sollte: um der Verantwortung gegenüber seiner Profession gerecht zu werden, muss er es überarbeiten.

Mit dem Mut des Unwissenden beschloss ich vor zwei Jahren eine Hausarbeit über das Herzogtum Kurland und seine Kolonie auf der Karibikinsel Tobago zu schreiben. Obwohl es mir an Zeit, Sprachkenntnissen, Quellen, Literatur und vor allem Hintergrundwis-sen mangelte, entstand eine Arbeit mit der ich damals sehr zufrieden war. Ich veröffentlichte sie im Grin-Verlag und war erfreut, als ein Online-Abdruck der Arbeit im Wikipedia-Artikel zur kurländischen Kolonialgeschichte verlinkt wurde. Seither habe ich mich weiter mit dem Thema auseinandergesetzt und neue Erkenntnisse gewonnen. Durch Lehrveranstaltungen, u.a. zu den Postcolonial Studies, hat sich mein Blick auf Geschichte im Allgemeinen und koloniale Geschichte im Besonderen gewandelt. In meiner Arbeit finde ich heute viele inhaltliche und methodische Fehler, die ich im Folgenden aufdecken und berichtigen möchte.

In den ersten beiden Abschnitten der vorliegenden Arbeit werden deshalb Quellenlage und Sekundärliteratur zum Thema Kurland und Tobago diskutiert. Danach folgen einige wichtige Korrekturen und Ergänzungen zu meiner Arbeit von 2009. Abschließend möchte ich auf zwei zentrale Problematiken aufmerksam machen, die bei Untersuchungen zur kurländischen Kolonialgeschichte beachtet werden müssen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu den Quellen

3. Sekundärliteratur

4. Korrekturen und Ergänzungen

4.1 Zu Kurland und Tobago

4.2 Zu den kurländischen Kolonien

4.2.1 Die erste Phase

4.2.2 Die zweite Phase

5. Die Indigenen

6. Das Erbe Kurlands

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, frühere Annahmen und methodische Ansätze zur kurländischen Kolonialgeschichte auf Tobago kritisch zu hinterfragen und zu korrigieren. Dabei steht die Dekonstruktion eurozentrischer Narrative sowie die Untersuchung der komplexen Interaktionen zwischen den verschiedenen Akteuren – Siedlern, Indigenen und Sklaven – im Vordergrund der forschenden Auseinandersetzung.

  • Kritische Revision der Quellenlage und existierender Sekundärliteratur
  • Analyse der kurländischen Besiedlungsphasen auf Tobago
  • Untersuchung der Rolle und Perspektive der indigenen Bevölkerung
  • Hinterfragung nationaler Narrative im kolonialen Kontext

Auszug aus dem Buch

5. Die Indigenen

Als Kapitän Willem Mollens anno 1654 auf Tobago landete, legitimierte er Kurlands Inbesitznahme der Insel mit dem Satz „[n]o-one has ruled t[he] island before“. Der Holländer wusste, dass das eine Lüge war, aber wer hätte ihm wiedersprechen sollen? Die Spuren, die Spanier, Engländer, Holländer und Kurländer seit 1492 auf der kleinen Karibikinsel hinterlassen hatten, waren nicht der Rede wert. Das einzige kritische Element waren die Indigenen, die auf Tobago lebten. Wie würden sie auf die Kurländer reagieren? Die „Ureinwohner“, Kariben genannt, hießen die Neuankömmlinge willkommen. Eines ihrer Dörfer soll direkt neben Jakobstadt gelegen haben - ein Hinweis darauf, dass Kurländer und Kariben für gewisse Zeit freundschaftliche Beziehungen pflegten. Das war ganz im Sinne Jakob Kettlers, der den Anführern seiner Tobago-Expeditionen regelmäßig befahl sich die Indigenen zu Verbündeten und nicht zu Feinden zu machen.

Zwar waren die Kurländer den Kariben waffentechnisch überlegen, doch war das Leben auf Tobago für die Nordeuropäer schon beschwerlich und gefährlich genug. Krieg gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind mit hervorragender Geländekenntnis konnten sie sich nicht leisten. Andererseits waren die Indigenen in Auseinandersetzungen mit Spaniern, Holländern und anderen potentiellen Agressoren, wertvolle Verbündete. Dass über die Jahre dennoch heftige Konflikte ausbrachen, lässt sich auf die unterschiedlichen Lebens- und Moralvorstellungen von Kurländern und Indigenen zurückführen, für die ihnen wechselseitig jede Form von Verständnis fehlte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Der Autor reflektiert über die Notwendigkeit, wissenschaftliche Arbeiten nach einer gewissen Zeit kritisch zu überarbeiten, und legt dar, wie sich sein eigener Blick auf die kurländische Kolonialgeschichte durch Postcolonial Studies gewandelt hat.

2. Zu den Quellen: Es wird die problematische Quellenlage zur kurländischen Kolonialgeschichte analysiert, die durch Archivverluste und eine extreme Sprachvielfalt geprägt ist, was eine kritische Distanz zu einseitigen Überlieferungen erfordert.

3. Sekundärliteratur: Das Kapitel bietet eine kritische Würdigung der drei maßgeblichen Historiker Mattiesen, Berkis und Anderson, deren Arbeiten zwar das Fundament der Forschung bilden, jedoch aufgrund ihrer jeweiligen zeitgebundenen, oft nationalistischen Perspektiven hinterfragt werden müssen.

4. Korrekturen und Ergänzungen: Hier werden inhaltliche Fehler früherer Arbeiten korrigiert, insbesondere bezüglich der politischen Struktur des Herzogtums und der verschiedenen Phasen der Besiedlungsversuche auf Tobago.

5. Die Indigenen: Der Fokus liegt auf der Rolle der indigenen Kariben als handelnde Akteure und der Problematik ihrer europäischen Darstellung als „unzivilisiert“, wobei ihre Bedeutung für das Überleben der Siedler hervorgehoben wird.

6. Das Erbe Kurlands: Dieses Kapitel thematisiert die Instrumentalisierung kurländischer Geschichte durch moderne nationale Narrative, insbesondere in Lettland, und hinterfragt die Vorstellung, dass es sich bei den kurländischen Kolonien um rein ethnisch definierte Unternehmungen handelte.

7. Fazit: Der Autor resümiert, dass eine Neuausrichtung der Forschung notwendig ist, um die kurländische Kolonialgeschichte aus ihrem „toten Winkel“ zu holen und durch eine postkoloniale Perspektive zu einer Geschichte der Vielfalt zu transformieren.

8. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Herzogtum Kurland, Tobago, Kolonialgeschichte, Jakob Kettler, Postcolonial Studies, Kariben, Quellenkritik, Eurozentrismus, Historische Narrative, Otto Heinz Mattiesen, Alexander Berkis, Edgar Anderson, Besiedlung, Subalterne, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit ist eine kritische Revision einer früheren Hausarbeit des Autors über das Herzogtum Kurland und seine Kolonien auf der Karibikinsel Tobago, die nun unter neuen methodischen Gesichtspunkten neu bewertet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der Quellenauswertung, der historiographischen Einordnung bisheriger Forschungsergebnisse, der Rolle indigener Bevölkerungsgruppen und der kritischen Dekonstruktion nationaler Mythen rund um die Kolonialgeschichte Kurlands.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, inhaltliche und methodische Fehler der vorangegangenen Arbeit von 2009 zu korrigieren und einen Ansatz für eine postkoloniale, differenzierte Geschichtsschreibung zu bieten, die den "Eurozentrismus" überwindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine methodisch reflektierte Literaturanalyse, kombiniert mit einer kritischen Quellenanalyse, um die subjektiven Verzerrungen und nationalen Narrative in der bisherigen Geschichtsschreibung zu entlarven.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion von Quellen und Sekundärliteratur, eine detaillierte Korrektur der Besiedlungsdaten und -umstände auf Tobago sowie eine Untersuchung der Interaktionen mit den Indigenen und der Rezeption der Kolonialgeschichte durch moderne nationale Narrative.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören "Kurland", "Tobago", "Kolonialgeschichte", "Postcolonial Studies", "Quellenkritik" sowie die Namen der zentralen Historiker Mattiesen, Berkis und Anderson.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Deutschen und Letten bei der Siedlungsfrage eine so große Rolle?

Der Autor stellt fest, dass Historiker die kurländische Geschichte oft für ihre eigenen nationalen Narrative instrumentalisieren, entweder als "deutsche" Leistung oder als lettisches Erbe, wobei die tatsächliche multinationale Zusammensetzung der Kolonie oft vernachlässigt wird.

Inwiefern hat sich die Perspektive des Autors auf die Rolle der Indigenen verändert?

In der früheren Arbeit wurden die Indigenen oft als bloßes "Ärgernis" oder Hintergrundrauschen wahrgenommen; nun erkennt der Autor sie als eigenständige, handelnde Akteure, deren Wahrnehmung und Kultur für das koloniale Projekt entscheidend waren.

Warum nennt der Autor seine Arbeit ein Plädoyer gegen das "hyperreale Europa"?

Der Autor folgt hier Dipesh Chakrabarty und plädiert dafür, die europäische Geschichte zu "provinzialisieren", um zu verhindern, dass europäische Denkstrukturen als universell angesehen werden und andere historische Realitäten – wie die indigene Perspektive – unterdrücken.

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Résumé des informations

Titre
Der Alptraum der Indigenen? - Kurlands Kolonie auf Tobago
Université
Free University of Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Cours
Postcolonial Studies
Note
1,3
Auteur
Stefan Noack (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
22
N° de catalogue
V190191
ISBN (ebook)
9783656151050
ISBN (Livre)
9783656151586
Langue
allemand
mots-clé
alptraum indigenen kurlands kolonie tobago
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Stefan Noack (Auteur), 2011, Der Alptraum der Indigenen? - Kurlands Kolonie auf Tobago, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190191
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Extrait de  22  pages
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