Oswald Spenger - Der Untergang des Abendlandes

Analyse des dritten Kapitels "Makrokosmos" hinsichtlich einer Urseele


Seminararbeit, 2012
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

Die Welt der Symbole

Das Raumkonzept

Die Urseele als treibende Kraft

Apollonische und faustische Seele

Kunst als Ausdruckssprache

Kritische Betrachtung

Weiterführende Literatur

Einleitung

Oswald Spengler fasst die Geschichte der Menschheit als einzelne Geschichten von Kulturen auf. Sein Ansatz besteht im Wesentlichen darin, neben der kausalen, mechanischen Geschichtsschreibung eine physiognomische, organische Beschreibung darzustellen. Die morphologische Beobachtung von Kulturen nach Spengler geht davon aus, dass die Geschichte Ausdruck, Form und Zeichen sichtbar gewordenen Symbole der Urseele sei, welche sich durch die Menschen und ihre Stile ausdrücken würde. Eine Kultur wird in dem Moment geboren, in dem eine Gemeinschaft erwacht, die Urseele erschaut und stirbt ab, wenn die Seele alle Möglichkeiten der Gestaltung ausgeschöpft hat.

Die Welt der Symbole

Die gesamte Natur mit all "...ihren Wäldern, Triften, Herden, Wolken Sternen, mit Mondnächten und Gewittern, Blühen und Welken, Nähe und Ferne ist sinnbildlicher Eindruck des Kosmischen auf uns..."[1] 1 Damit stellt Spengler fest, dass eine Urseele existiert und auf uns Einfluss nimmt. Diese Urseele wird aus der "mütterlichen Landschaft" heraus geboren und nimmt einen massiven Einfluss auf die dortige Kultur. Die dort entwickelte Kultur ist durch die Landschaft und die Natur geprägt und in ihrem Handlungsrahmen auf die vorherrschenden Bedingungen beschränkt. Ein Mensch aus einer hauptsächlich aus Wüsten bestehenden Natur denkt und handelt anders als ein Mitteleuropäer. Die Natur als Gesamtheit determiniert als treibende Kraft den gesamten Verlauf der Entwicklung. Genau wie die gesamte Welt sich in einem ständigen Wandel befindet, der vom Entstehen über die Blüte bis zum Vergehen geht, verhält es sich mit Kulturen. Dieses Schema kann gut an einer Pflanzen verdeutlicht werden. Sie bohrt sich kraftvoll aus der Erde nach oben, wächst und bildet Knospen aus, um kurz darauf in voller Pracht aufrecht ihre Blütenvielfalt in den hellen Raum zu strecken, nur um schließlich wieder zu vergehen und eins zu werden mit der Natur. Dieser Wandel ist gleichzeitig auch symbolisch aufzufassen. Mit jeder Stufe der Entwicklung der Pflanze wird auf der einen Seite die vorangegangenen Stufe negiert, aber gleichzeitig steht dies aktuelle Stufe auch für einen Zustand der Pflanze. Die Blüte symbolisiert die volle Entfaltung innerhalb der möglichen Entfaltungsmöglichkeiten. Nach dem Erreichen der maximalen Entfaltung kann es keinen weiteren Höhepunkt mehr geben, ein Zerfall ist unausweichlich. Die morphologische Auffassung von den Geschichten der Kulturen beinhaltet diese organische Entwicklung einer Kultur.

In den Anfängen jeder Kultur spielen Symbole noch eine untergeordnete Rolle, man fühlt sich dem Schicksal und auch der Natur hilflos ausgeliefert und die geheimnisvolle Ordnung des Kosmischen besitzt noch keine Bedeutung. In dieser mysteriösen Zeit werden die Religionen geboren, ein Versuch, die geheimnisvollen Vorgänge durch einen allmächtigen Schöpfer plausibel zu erklären. Erst in einem reiferen Stadium einer Kultur bekommen die Symbole der Welt eine tiefere Bedeutung. "Symbole sind sinnliche Zeichen, letzte, unteilbare und vor allem ungewollte Eindrücke von bestimmter Bedeutung".[2] Sie wirken daher auf uns, ohne dass wir bewusst Einfluss nehmen können. Diese wahrnehmbaren Zeichen sind Sinnbild für einen Vorgang, eine Handlung oder einen Zustand, welche für im Moment nicht Wahrnehmbares stehen. Die Symbole lassen sich verstandesmäßig nicht erklären, aber trotzdem versteht man ihre Bedeutung, das Größere, das damit gemeint wird. "Ein dorisches, früharabisches, frühromanisches Ornament, die Gestalt des Bauernhauses, der Familie, des Verkehrs, Trachten und Kulturhandlungen, aber auch Antlitz, Gang und Haltung eines Menschen, ganzer Stände und Völker, die Sprecharten und Siedlungsformen..." [3] sind Ausdrücke und Symbol des, wie Spengler es formulierte "...des Kosmischen auf uns" [4]. Dieses "Kosmische" prägt uns als wachende Lebewesen. Der Makrokosmos als Gesamtgefüge hat einen bestimmten Einfluss auf die Menschen, indem man das Hier lebt und das Dort erlebt. Zwischen dem Hier und dem Dort zerdehnt sich der Raum und schafft neue Möglichkeiten. Dieses Zerdehnen zwischen den zwei Polen schafft ein neues Bewusstsein und lässt das Raumkonzept, den Makrokosmos, aufblühen.

Jede Kultur besitzt ihre eigenen Grundsymbole, welche nicht einfach mit in eine andere Kultur übernommen werden können. Diese Grundsymbole und deren Bedeutung enden mit dem Untergang einer jeden Kultur. Sie sind nicht für immer, auch wenn sie eine Kultur überdauern. Die alten Fragmente aus längst vergangenen Zeiten sind immer noch in einer großen Zahl vorhanden, aber die tiefere, innere Bedeutung ist längst unwiederbringlich verloren. Aus diesem Gedanken heraus kann nachvollzogen werden, dass zwar einzelne Wörter die Kulturen überleben können. Dazu führt Spengler als markantes Beispiel den Begriff des Raumes an, aber die wesentliche Bedeutung bleibt zurück. Innerhalb einer Kultur versteht man unter dem Begriff Raum, trotz aller möglichen Unterschiede, in etwa dasselbe. Den Begriff Raum fasst die faustische Seele beispielsweise ganz anders auf, so dass "...kein Helene, kein Ägypter, kein Chinese hätte (so) etwas gleichartig (nach) gefühlt,..." [5] Alles innerhalb einer Kultur ist nicht nur Ausdruck der Urseele sondern auch Symbol dieser. Die Symbolik entwickelt sich mit dem Heranreifen einer Kultur und sogar in der starren Welt der kausalen Vorgänge und der mathematischen Statik, findet man immer wieder Symbole. "Dies ist die Idee des Makrokosmos, der Wirklichkeit als dem Inbegriff aller Symbole in bezug auf eine Seele." [6]

Das Raumkonzept

Durch das Erkennen der Räumlichkeit der Welt erschließen sich dem Menschen auch ungeahnte Möglichkeiten bis hin zur Unendlichkeit. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Ausdehnung natürlich immer schon ein bekannter Begriff war. Auch der antike Mensch war nicht in seinem unausgedehnten Raum gefangen, aber es geht Spengler um einen wesentlich weiteren Begriff der Räumlichkeit. Die Raumerfahrung und auch Raumgestaltung sind abhängig von der Urseele und deren Beschaffenheit. Die antike Auffassung von Raum, war eine recht beengte, denn der Raum umschloss den antiken Betrachter und engte ihn förmlich ein. Daraus entstehen die Stile der schlichten Formgebung. Hingegen das faustische Verständnis von Raum als einen unendlicher Raum und die magische Auffassung als eine Art Höhle, die zudeckt. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen des Raumes sind direkt in der Architektur, als auch Kunst, Religion oder Politik sichtbar geworden. Der abendländische, kriegerische Mensch überschritt regelmäßig die nationalen Grenzen, um sein Reich zu vergrößern und somit dem gottähnlichen Zustand der Unendlichkeit nahe zu kommen.Mit dem Erwachen des Menschen, dem klare Schauen der Urseele, entwickelt sich auch das Konzept von Raum. Der Raum der Erde und die Urseele trennen sich, zerdehnen sich von einander. "Das Hier leben, das Dort erleben wir, jenes ist eigen, dieses ist fremd".[7]. Aus der vielleicht schöpferischten Zeit einer Kultur, die Anfänge, in der ein Suchen und ein Finden sich abzeichnen, erwächst mit einer Reihe von Graden ein Bewusstsein von "...den Uranfängen kindlich-dumpfen Schauens, in denen es noch keine klare Welt für eine Seele und keine ihrer selbst gewisse Seele inmitten einer Welt gibt, zu den höchsten Arten durchgeistigter Zustände, deren nur Menschen ganz reifer Zivilisation fähig sind." [8]. Diese Entwicklung geht auch mit der Erweiterung jeglicher Symbolik Hand in Hand. Die Idee des Makrokosmos, jenes Raums, welcher aufgrund seiner Größe von den Menschen nicht einfach wahrgenommen werden kann, besteht aus dem Bezug aller Symbole auf eine Seele. Mit dem Erkennen des Todes, wird dieser Prozess in Gang gesetzt. Der antike Mensch wollte den Leichnam noch verbrannt, vernichtet sehen, während andere Kulturen einen regelrechten Kult um den Tod machten. Mit Eintreten des Todes stirbt das Vorwärtsstreben, der Körper ist nur mehr Raum, aber nicht mehr in der Zeit. Mit dem Verstehen von Tod, mit der Erkennung oder Hoffnung, dass nach dem irdischen Leben ein Übergang in eine Unendlichkeit bevorsteht, entwickelt sich ein Bewusstsein für den Raum. Die ägyptische Seele lässt sich mit dem Symbol des Weges umschreiben, was sich auch insbesondere bei den Grabkammern, den in die Landschaft gesetzten, aus massivem Stein bestehenden Pyramiden ausdrückt. Die Pyramiden sind gänzlich anders gegliedert, die Raumaufteilung erfolgt nach dem Schema des Weges und dreht sich nicht um einen Mittelpunkt herum.

Der Mensch ist das einzige Wesen, das den Tod erkennen kann, alle anderen Lebewesen werden nur älter, wissen aber nicht, dass am Ende der Tod wartet. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit öffnet neue Möglichkeiten, allerdings wird dadurch auch der Handlungsspielraum eingeengt. Man wird nicht einfach nur älter, sondern man alternd dem Tod entgegen. Diesen Prozess versteht Spengler als Erwachung der Seele und in dem Moment jetzt setzt auch ein Totenkult ein. "Der ägyptische Stil beginnt mit den Totentempeln der Pharaonen, der antike mit dem geometrischen Schmuck der Graburnen, der arabische mit den Katakomben und Sarkophagen, der abendländische mit dem Dom, in welchem sich der Opfertod Jesu unter den Händen der Priester täglich wiederholt" [9] Hier setzt nun ein Prozess ein, der einem die Vergänglichkeit sichtbar macht und somit dem Horizont einen historischen Verlauf öffnet. Der Mensch hebt sich nun vom Tier ab, welches nur Zukunft besitzt. Der Mensch hingegen erkennt, dass es weit mehr als nur eine offene Zukunft gibt, nämlich auch eine Vergangenheit. Auf einmal ist die Erkenntnis erwacht, dass alles seine Geschichte besitzt, einen Anfang und auch ein Ende. Und nicht nur der Mensch wird sterben, mit ihm auch seine Bedeutung, auch die Kultur bewegt sich von Anfang an auf ein Ende zu. Sämtliche Ausdrücke, Merkmale, Bedeutungen einer jeglichen Kultur sind irgendwann für immer verloren. Ein Aufleben dieser tieferen Bedeutung ist nicht mehr möglich. Der Makrokosmos als die unendliche Entfaltungsmöglichkeit, als das, was auf uns wirkt und uns antreibt, bekommt nun eine weitere Bedeutung. Zwischen dem Hier, der Moment, den ich lebe, und dem Fremden da draußen, breitet sich ein Raum aus, der sich, um es mit Spengler's Worten zu sagen, sich immer weiter zerdehnt.[10] Die Urseele, als das, was eine Kultur antreibt und erschafft, verbindet und zerdehnt sich in einem laufenden Prozess. Es gibt nach Spengler nur eine wahre Dimension des Raumes, die Richtung, von dem Jetzt zu dem Zukünftigen, vom Hier zum Dort. Und zwischen den beiden Polen halten die Symbole die Verbindungen aufrecht.

[...]


[1] vgl. SEITE 212

[2] ZITAT Seite211

[3] VGL Seite 212

[4] VGL Seite 212

[5] VGL SEITE 232

[6] ZITAT Seite 213

[7] ZITAT Seite 212.

[8] VGL Seite 213

[9] ZITAT Seite 216

[10] VGL Seite 212

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Oswald Spenger - Der Untergang des Abendlandes
Untertitel
Analyse des dritten Kapitels "Makrokosmos" hinsichtlich einer Urseele
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
2
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V190318
ISBN (eBook)
9783656147527
ISBN (Buch)
9783656148029
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oswald Spengler, Urseele, Philosophie, Der Untergang des Abendlandes, Gesellschaft, Kultur, Seele, Abendland, fautsich, Symbole, Kraft, Kunst, Ausdruck
Arbeit zitieren
Markus Hahn (Autor), 2012, Oswald Spenger - Der Untergang des Abendlandes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190318

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