Wohl kaum eine Kunstschaffene Deutschlands wird, vor allem im eigenen Land, derart kontrovers rezipiert und diskutiert wie Frau Riefenstahl und derart verlogen von der Medienlandschaft verklärt.
Zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Mythos und Realität, zwischen Nazianhängerin und deutschem Kulturgut, Leni Riefenstahl wird so präsentiert, wie es die Medien gerade brauchen, doch wird ihr dies gerecht?
Dies möchte ich auf Grundlage meines Essays „Die beiden großen deutschen R – Riefenstahl und Rammstein“ und ausgewählter Literatur beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leni Riefenstahl – Zwischen Genie und Wahnsinn
2.1 Leni Riefenstahls Aufstieg – Ein Mädchen erobert die Herzen Deutschlands
2.2 Leni und Adolf – Ein Zwecksbündnis oder politisches Engagement?
2.2.1 Triumph des Willens – Ein Sieg wider der Vernunft?
2.2.2 Riefenstahls Olympiafilme – Ästhetisches Meisterwerk oder faschistisierende Ideologiesierung?
3. Die Stunde Null der Riefenstahl
3.1 Riefenstahls Neuanfänge und die Last der Vergangenheit
3.2 Leni und die Nuba
4. Das Erbe der Riefenstahl
4.1 Bewertung durch deutsche Kritiker
4.1.1 Während der NS-Zeit
4.1.2 Nach dem Neuanfang und posthum
4.1.3 Rammstein und die Riefenstahl – Eine neuerliche Nazi-Debatte
4.2 Bewertung durch die internationale Filmgemeinschaft
4.3 Riefenstahls Einfluss auf die Filmwelt – alles nur überbewertet?
5. Wer Nazi ist, bestimmen wir! Die Verlogenheit des deutschen Fernsehens
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kontroverse Rezeption der Regisseurin Leni Riefenstahl, deren Werk zwischen technischer Brillanz und ihrer Verstrickung in die NS-Propaganda oszilliert. Die Forschungsfrage widmet sich der Problematik, wie Filmschaffende der NS-Zeit bewertet werden können und inwieweit die heutige Medienlandschaft inkonsequent oder gar verlogen mit diesem Erbe umgeht, wobei der Fokus insbesondere auf der Instrumentalisierung ihrer Ästhetik durch moderne Medienformate liegt.
- Die ästhetische Genialität und die politische Belastung von Leni Riefenstahls Filmen.
- Unterscheidung zwischen NS-Propagandafilmen und unbedenklichen Werken aus der NS-Zeit.
- Die Rezeption von Riefenstahl in Deutschland im Vergleich zur internationalen Wahrnehmung.
- Die Kontroverse um die Verwendung von Riefenstahl-Ästhetik in modernen Musikvideos (z.B. Rammstein).
- Kritik an der Doppelmoral und der tendenziösen Berichterstattung in deutschen Medien.
Auszug aus dem Buch
2.1 Leni Riefenstahls Aufstieg – Ein Mädchen erobert die Herzen Deutschlands
„Wer war Leni Riefenstahl, die Frau, die wohl jeder kennt, aber über die doch kaum jemand wirklich etwas weiß? Geboren ist sie [am] 22. August 1902, also noch im deutschen Kaiserreich, einer sehr autoritär geprägten Gesellschaft, in Berlin. Schon früh schien sich heraus zu kristallisieren, dass ihr eine künstlerische Karriere bestimmt sei.
So studierte sie „Malerei und begann ihre künstlerische Laufbahn als Tänzerin. Schon nach ihrem ersten Tanzabend wurde sie so berühmt, daß Max Reinhardt sie für sein Deutsches Theater engagierte.“ (Riefenstahl 2004)“ (Weigel 2011: 3)
Die ersten Schritte der Leni Riefenstahl können getrost noch als unpolitisch beschrieben werden. Der heilige Berg (1926), Der große Sprung (1927), Das Schicksal derer von Habsburg (1928), Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929, laut ihrer offiziellen Homepage Riefenstahls liebster, nicht selbst inszenierter Film), Stürme über dem Mont Blanc (1930), und Der weiße Rausch – neue Wunder des Schneeschuhs (1931) ebneten ihr den Weg als Schauspielerin, sie spielte sich in die Herzen der Menschen und gewann immer mehr an Popularität, sodass sie nun den nächsten Schritt wagen konnte. So folgten ab nun Produktionen, welche sie sowohl als Schauspielerin, als auch als Regisseurin und teilweise Produzentin begleitete. Schon früh zeigte sich dabei, welchen Wert Riefentahl dabei auf die Ästhetik und das Zusammenspiel und -wirken der Bildersprache mit dem Inhalt legte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der kontroversen Wahrnehmung von Leni Riefenstahl ein, die zwischen ihrem Status als technisches Filmgenie und ihrer Rolle als NS-Regisseurin schwankt.
2. Leni Riefenstahl – Zwischen Genie und Wahnsinn: Hier wird der biografische Aufstieg Riefenstahls beleuchtet, von ihrer frühen Karriere als Tänzerin und Schauspielerin bis hin zur zunehmenden Verflechtung ihrer filmischen Arbeit mit dem NS-Regime.
3. Die Stunde Null der Riefenstahl: Dieses Kapitel thematisiert Riefenstahls berufliche Neuanfänge nach 1945, insbesondere ihre Arbeit als Fotografin und ihre Dokumentationen über die Nuba, wobei sie sich zeit ihres Lebens mit der Last ihrer Vergangenheit konfrontiert sah.
4. Das Erbe der Riefenstahl: Es wird die sehr unterschiedlich ausfallende Rezeption ihres Werkes durch deutsche Kritiker und die internationale Filmgemeinschaft analysiert sowie die anhaltende Debatte über ihren Einfluss auf moderne Medienformate geführt.
5. Wer Nazi ist, bestimmen wir! Die Verlogenheit des deutschen Fernsehens: Der abschließende Teil kritisiert die selektive und teils heuchlerische Vorgehensweise der deutschen Medienlandschaft bei der Bewertung von Riefenstahl und anderen brisanten historischen oder politischen Themen.
Schlüsselwörter
Leni Riefenstahl, NS-Propaganda, Filmästhetik, Triumph des Willens, Olympiafilme, Nationalsozialismus, Medienkritik, Rammstein, Rezeption, Stunde Null, Dokumentarfilm, deutsche Filmgeschichte, Bildsprache, politische Instrumentalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zwiespältige Person und das Werk von Leni Riefenstahl sowie deren komplexe und oft widersprüchliche Rezeption in der deutschen Öffentlichkeit und Medienlandschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die filmhistorische Einordnung Riefenstahls, die Unterscheidung zwischen künstlerischer Leistung und NS-Propaganda sowie die Untersuchung medialer Doppelmoral.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, wie man heute mit Filmen aus der NS-Zeit umgehen sollte und warum Riefenstahl von der Medienlandschaft extrem unterschiedlich, teils sogar verlogen, präsentiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine essayistische Herangehensweise unter Einbeziehung von Fachliteratur, Filmkritiken und einer detaillierten Analyse zeitgenössischer medialer Diskurse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Analyse, die kritische Würdigung ihrer Filme, die Diskussion ihres Nachkriegs-Erbes und eine scharfe Kritik an heutigen medialen Berichterstattungspraktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Riefenstahl, NS-Propaganda, Filmästhetik, Rezeptionsgeschichte und mediale Verlogenheit.
Wie bewertet der Autor Riefenstahls Rolle im Nationalsozialismus?
Der Autor ordnet Riefenstahl während der NS-Zeit klar als aktive Nationalsozialistin ein, betont jedoch, dass diese historische Tatsache nicht dazu führen sollte, alle ihre Werke pauschal als rein faschistisch zu verdammen.
Warum wird im Dokument explizit auf die Band Rammstein eingegangen?
Rammstein dient als Fallbeispiel, da die Band durch die Nutzung von Bildmaterial Riefenstahls in ihren Videos ins Visier der Kritik geriet, was die Inkonsequenz der Medien im Umgang mit Riefenstahls Erbe verdeutlicht.
- Quote paper
- Marcel Weigel (Author), 2011, Wer Nazi ist, entscheiden wir! - Die mediale Entnazifizierung und die Verlogenheit der deutschen Medienlandschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190399