Tourismusmarketing einer Weltstadt am Beispiel von London


Seminararbeit, 2008

43 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Die Weltstadt London
2.1 Begriff der Weltstadt
2.2 Charakterisierung der Stadt London
2.2.1 Basisdaten und Stadtgliederung
2.2.2 Historische Entwicklung

3 Tourismusmarketing
3.1 Definition Tourismus
3.2 Definition Marketing
3.3 Definition Tourismusmarketing
3.3.1 Die Entwicklungsstufen des (Tourismus-)marketings
3.3.2 Das ganzheitliche Tourismusmarketing
3.3.3 Push-Marketing im Tourismus
3.3.4 Pull-Marketing im Tourismus

4 Das Tourismusmarketing 2008 der Stadt London (nach Visit London)
4.1 Hintergrundinformationen zum Tourismus in London
4.2 Marketingaktivitäten für den Freizeitmarkt
4.2.1 Geographische Märkte
4.2.2 Sektorale Zielgruppen
4.2.3 Aktivitäten
4.3 Marketingaktivitäten für den Business-Bereich
4.3.1 Geographische Märkte
4.3.2 Aktivitäten
4.4 Die konkreten Tourismus-Marketingaktivitäten der Stadt London 2008
4.4.1 Der europäische Markt im Bereich Freizeit
4.4.1.1 Die Ausgangssituation
4.4.1.2 Die Ziele
4.4.1.3 Die Marketingaktivitäten
4.4.2 Der europäische Markt im Bereich Business
4.4.2.1 Die Ausgangssituation
4.4.2.2 Die Ziele
4.4.2.3 Die Marketingaktivitäten
4.4.3 Der US-amerikanische Markt im Bereich Freizeit
4.4.3.1 Die Ausgangssituation
4.4.3.2 Die Ziele
4.4.3.3 Die Marketingaktivitäten
4.4.4 Der US-amerikanische Markt im Bereich Business
4.4.4.1 Die Ausgangssituation
4.4.4.2 Die Ziele
4.4.4.3 Die Marketingaktivitäten

5. Fazit

6. Literatur

7. Abbildungsverzeichnis

8. Anhang

Anlage 1: Cited Major Cities

Anlage 2: Cities in world city research

Anlage 3: Weltstädte

Anlage 4: Boroughs in London

Anlage 5: Entwicklungsstufen des (Tourismus-)marketings (nach Freyer)

Anlage 6: Ganzheitliches Tourismusmarketing (nach Freyer)

Anlage 7: Ansatzpunkte der Gestaltung eines ökologieorientierten Tourismus-Marketing-Mix (nach Freyer in Anlehnung an Meffert)

Anlage 8: Londoner Visitor Index

Anlage 9: World outbound travel by region 1990-2005

Anlage 10: Zielgruppen und -märkte der Marketingaktivitäten im Freizeitbereich

Anlage 11: Ökonomischer Gewinn durch Marketingaktivitäten

1. Einführung

Der weltweite Tourismus hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Zu den klassischen Reisezielen sind eine ganze Reihe von neuen Destinationen für Urlauber und Geschäftsreisende vor allem in den sogenannten „Emerging Markets“ hinzugekommen.

In diesem schwieriger werdenden Wettbewerbsumfeld können sich auch weltbekannte Reiseziele, wie zum Beispiel die großen Städte der Welt, nicht mehr alleine auf ihren Bekanntheitsgrad und ihre Anziehungskraft verlassen, sondern müssen gezieltes Tourismusmarketing betreiben, wollen sie ihre Besucherzahlen halten oder steigern.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie und in welchem Umfang eine Weltstadt wie London Tourismusmarketing betreibt, welche Zielsetzungen erreicht werden sollen und welche Maßnahmen dabei zum Einsatz kommen. Zunächst soll die Frage beantwortet werden, welche Kriterien eine Stadt erfüllen muss, um als Weltstadt zu gelten. Dazu werden die vorhandenen Ansätze zur Definition des Weltstadt-Begriffs analysiert. Nach einer kurzen Charakterisierung der Stadt London wird der Begriff des Tourismusmarketing diskutiert, bevor auf die Zielsetzungen und konkreten Maßnahmen des Tourismusmarketing der Stadt London eingegangen wird.

Als Methode dient eine ausführliche Literaturanalyse.

2. Die Weltstadt London

Im folgenden Abschnitt wird sowohl der Begriff der Weltstadt diskutiert, als auch London kurz charakterisiert.

2.1. Begriff der Weltstadt

Es herrscht in der Literatur Übereinstimmung, dass das Problem einer allgemeingültigen Definition des Begriffs Weltstadt darin besteht, Einigkeit über die notwendigen Eigenschaften, die ein Weltstadt charakterisieren, und deren Wertigkeit herzustellen. Als mögliche Kriterien werden immer wieder folgende Attribute genannt:

Zum einen sollte die Stadt weltoffen sein und einen großen Einfluss auf den Rest der Welt ausüben können. Eine Weltstadt sollte mit globalen Aktivitäten präsent sein und eine multikulturelle Population beherbergen. Zudem sollte die Stadt eine hohe Lebensqualität aufweisen, touristische Attraktionen sowie ein großes kulturelles Angebot besitzen. Die Möglichkeit des Ausbaus internationaler Geschäftsbeziehungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten gelten als weitere Voraussetzung. Dazu gehören zum Beispiel international hoch anerkannte Bildungseinrichtungen. Außerdem sollte die Stadt Unternehmertum jeglicher Art fördern und als internationaler Marktplatz dienen. Nicht zuletzt sind ein hohes Wirtschaftswachstum und eine dynamische Population unabdingbar, um sich als Weltstadt bezeichnen zu dürfen. (Vgl. Corporation of London 2005: 62, OQ1) Eine grobe Zusammenfassung der genannten Kriterien liefert folgende Definition:

„ Weltstadt , im Allgemeinen eine Gro ß stadt, zumeist Millionenstadt, die ü ber den Rahmen des jeweiligen Staates hinaus f ü r Kontinente oder die ganze Erde bestimmte politische und ökonomische Funktionen erf ü llt (etwa als Sitz internationaler Organisationen), Knotenpunkt wirtschaftlicher Verflechtungen ist und kulturelle Ausstrahlung besitzt.

Der in der Stadtforschung verwendete englische Begriff Global City bezeichnet hoch entwickelte Metropolregionen, in denen sich ö konomische und finanzwirtschaftliche Organisations-, Koordinierungs- und Kontrollfunktionen von globaler Bedeutung konzentrieren. In diesen St ä dten finden sich zahlreiche Hauptsitze international bedeutender, weltweit operierender Unternehmen. Als Global Citys in diesem Sinne gelten v. a. New York, London, Paris und Tokio. “

(Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG 2007: 1, OQ2 )

Um das Definitionsproblem zumindest teilweise zu lösen, wurde mehrfach versucht, statistisch erfassbare Kriterien für die Bedeutung einer Stadt zusammenzustellen, wie nachfolgende Übersicht der Globalization and World Cities Study Group & Network (GaWC) der Loughborough Universität in Großbritannien zeigt.

In der Literatur zur Definition von Weltstädten (vgl. Anlage 1) kristallisiert sich für die Klassifizierung von Städten ein zentrales Kriterium heraus: Die geographisch-ökonomische Macht im Weltsystem.

Ungeachtet dessen existieren unterschiedliche Meinungen bezüglich der Qualifikation einer Stadt zur Weltstadt, wie die Tabelle in Anlage 2 veranschaulicht.

Vier Hauptansätze dominieren die Literatur, die im folgenden näher erläutert werden. (Vgl. Beaverstock, J.V./ Smith R.G./ Taylor, P.J. 1999, OQ3 )

1.) Cosmopolitan Characteristics and the Multinational Corporate Economy

(Kosmopolitische Charakteristika und die multinationale Wirtschaft)

Die ersten Arbeiten der frühen Weltstadt-Forschung gehen von einer strategischen Vorherrschaft gewisser Weltstädte im Weltsystem aus, indem örtliche Präferenzen gesetzt und die Rolle der multinationalen Headquarter in der „entwickelten Welt“ analysiert wurde. Hall, Hymer und Heenan gingen so vor.

Später folgten Patrick Geddes 1915 sowie Hall mit seiner Analyse der Städte London, Paris, Randstad, Rhine-Ruhr, Moskau, New York und Tokio 1966, die Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen der Städtehierarchie war. Für Hall waren die Kriterien globales funktionales Können, Macht und Einfluss in den Bereichen Politik, Handel, Kommunikation, Finanzen, Bildung, Kultur und Technologie der Weltstädte. (Vgl. Beaverstock, J.V./ Smith R.G./ Taylor, P.J. 1999, OQ3 )

2.) World Cities and The New International Devision of Labour (Weltstädte und die neue internationale Arbeitsteilung)

In den späten 1970ern wird die Weltstadtforschung vor allem von Cohen (1981), Friedmann und Wolff (1982), Friedemann (1986), Glickman (1987), Feagin und Smith (1987), Godfrey und Zhou (1999) und Knox und Thrift (1989) dominiert. Zwei Arbeiten waren in dieser Periode von Bedeutung. Die erste Arbeit war die Klassifizierung der 198 größten nicht-US- amerikanischen Gesellschaften in die globale Hierachie von Cohen mit Tokio und London an der Spitze (siehe Anlage 1), gefolgt von New York als die drei vorherrschenden Weltzentren bezüglich des Finanzwesens. Unter anderem Osaka, Rhine-Ruhr, Chicago, Paris, Frankfurt und Zürich bezeichnete er als Weltstädte zweiten Levels.

Die zweite wesentliche Arbeit dieser Epoche war die Weltstadt-Hierachie nach Friedemann, der zwischen primären, sekundären und semi-peripheren Ländern differenzierte. Herzstück seines Hierarchiegedankens war die Idee von bedeutenden Städten als Kontrollzentren des Kapitals in der neuen internationalen Arbeitsteilung. Sie basierte auf mehreren Schlüssel- Kriterien: bedeutendes Finanzzentrum, Anzahl der Headquarters, Anzahl der internationalen Institutionen, Wachstum im Dienstleistungssektor, Status als wichtiges Produktionszentrum, bedeutender Transportknotenpunkt und Größe der Population. Friedemann hierzu: [ N, d. Verf]ot all criteria were used in every case, but several criteria had to be satisfied before a city could be identified as a world city of particular rank. “ (Vgl. Beaverstock, J.V./ Smith R.G./ Taylor, P.J. 1999, OQ3 )

3.) The Internationalisation, Concentration and Intensity of Producer Services (Die Internationalisierung, Konzentration und Intensität der Dienstleistung)

Der dritte Ansatz beschäftigt sich mit der Intensität, mit der Städte die Internationalisierung, die Konzentration und die Steigerung von Produktion und Dienstleistung vorantreiben. Saskia Sassen ist in diesem Kontext zu nennen, die in ihren Werken „The Global City“ (1991) und „Cities in a World Economy“ (1994) New York, London und Tokio als Triade der Weltstädte in der globalen Wirtschaft bezeichnet, da „ ...these cities now function...as highly

concentrated command points in the organisation of the world economy...as key locations for finance and for specialist service firms...as sites of...production of innovations...and...as markets for the products and innovations produced. “ (Beaverstock, J.V./ Smith R.G./ Taylor, P.J. 1999, OQ3, zit. n. Sassen 1991) Für Sassen sind im Konzept der Weltstädte zwei zusammenhängende Faktoren von Bedeutung: Die Globalisierung der wirtschaftlichen Aktivität und neue Organisationsstrukturen in der Produktions- und Finanzindustrie. Denn die Internationalisierung im Produktions- und Dienstleistungssektor und im Finanzsystem machen Städte zu vitalen Zentren für das Management. Desweiteren nennt Sassen das Wachstumstempo, die Spezialisierung und Anhäufung von Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, sowie die Position der Finanzindustrie als Kriterium für die Qualifikation als Weltstadt. Die hohe Konzentration von Produktions- und Dienstleistungsunternehmen in London, New York und Tokio erklärt Sassen mit der Existenz einer ausreichend großen Zahl an potentiellen Kunden in diesen Städten.

4.) World Cities as International Financial Centres (Weltstädte als internationale Finanzzentren)

Der vierte Ansatz bestimmt die Bedeutung der Städte aufgrund der Qualität beziehungsweise Hierachie ihrer internationalen Finanztätigkeit. Als Pionier ist hier Howard Reed (1981) zu nennen, der anhand mehrerer Variablen fünf hierachische Levels von Finanzzentren bestimmte.

a) Supranational Financial Center (London)
b) Supranational Financial Centers of the First Order (New York und Tokio)
c) Supranational Financial Centers of the Second Order (beispielsweise Amsterdam)
d) International Financial Centers (29 Städte)
e) Host International Financial Centers (39 Städte)

Neueste Analysen sehen neben London auch New York und Tokio als „supranational financial centers“ (siehe Anlage 1).

Auch das Magazin „The Economist“ bekräftigt in seiner Serie „Capitals of Capitals“ 1998 diese Polarisierung der supranationalen Zentren London, New York, Tokio, Hong Kong, Paris, Frankfurt und Singapur.

Die Tabelle der 79 Städte, bestimmt durch 15 Quellen, in Anlage 2 setzt sich aus diesen vier Forschungsansätzen zusammen. (Vgl. Beaverstock, J.V./ Smith R.G./ Taylor, P.J. 1999, OQ3 )

Ungeachtet der umfangreichen Literatur zum Weltstadtbegriff besteht Einigkeit darin, dass die Weltstadtforschung erst am Anfang steht und die Methoden und die Datenerhebung der Verfeinerung bedürfen.

2.2. Charakterisierung der Stadt London

“ There is no city like London. It is a wonderfully diverse and open city providing a home to hundreds of different nationalities from all over the world. I can ’ t think of a better place than London to hold an event that unites the world. ” (Nelson Mandela commenting on London ’ s successful Olympic bid) (Corporation of London 2005, OQ1)

In einer umfassenden Literaturanalyse von 1999 wurde London als eine von vier Weltstädten neben New York, Los Angeles, Paris und Hong Kong dargestellt, da die Stadt alle Kriterien, die im ersten Abschnitt zum Begriff der Weltstadt genannt wurden, erfüllt (Vgl. Corporation of London 2005: 62, OQ1) Anlage 3 im Anhang zeigt die eben erwähnten Weltstädte im Vergleich der Kriterien Grad an Internationalität, Höhe der Population, Anzahl der Migranten, Zahl der internationale Touristenbesuche, Zahl der Headquarters, Größe des finanziellen Marktvolumens, Zahl der Top 100 Universitäten.

Unter anderem zeigt die Graphik, dass die Internationalität Londons verglichen mit den anderen vier Weltstädten am größten ist, da ein persönlicher Kontakt während der Geschäftszeiten sowohl mit Japan im Osten als auch mit der pazifischen Küste von Nordamerika im Westen möglich ist. Damit sind 99% der weltweiten Wirtschaftsleistung wegen der günstigen Zeitzone von London aus erreichbar. Außerdem bildet London die äußerst wichtige Brücke zu den osteuropäischen Staaten. Ein weiterer Indikator für die Attraktivität der Stadt ist die Anzahl der Migranten. Hier liegt London auf Platz drei hinter New York und L.A. Bezüglich der Touristenbesuche führen Hong Kong und London. Ein weiteres Kriterium ist die Anzahl der Headquarters international operierender Firmen; 89% der 500 größten Unternehmen sind in den fünf genannten Weltstädten angesiedelt, New ork und London führen hier die Statistik an.

Damit bestätigt diese Untersuchung die Statistiken der Globalization and World Cities Study Group & Network (GaWC). (Vgl. Corporation of London 2005: 62ff, OQ1

2.2.1. Basisdaten und Stadtgliederung

London ist die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland mit einer Fläche von 1580 Quadratkilometern und etwa siebeneinhalb Millionen Einwohner. London ist Sitz des englischen Königshauses, der Regierung, des Parlaments, der obersten Gerichtshöfe, der diplomatischen Vertretungen und wichtigsten Behörden. Außerdem gilt London als der führende Finanz-, Handels- und Börsenort, ist Sitz bedeutender Industrieunternehmen und Schiffahrtslinien.

Der Kern der Hauptstadt wird als City of London bezeichnet und war Ausgangspunkt der historischen Entwicklung Londons. Die zwölf am nächsten gelegenen Stadtbezirke ( boroughs ) heißen Inner London , also die Innenstadt Londons, die zu fast gleichen Teilen um das nördliche und südliche Ufer der Themse angesiedelt ist. Outer London hingegen besteht aus zwanzig boroughs und besteht aus den Counties of Middlesex und Teilen der Grafschaften Surrey, Essex, Kent und Hertfordshire. Inner und Outer London zusammen bilden Greater London , also Groß-London. Jedes der 32 boroughs ist eine eigene Großstadt mit 140 000 bis 340 000 Einwohnern, deren Einwohner mit Vorliebe in Einfamilien- oder Reihenhäusern mit Garten wohnen. So erklärt sich unter anderem die enorme Flächenausdehnung Greater Londons . Um dem raschen Bevölkerungswachstum standhalten zu können, entstanden um Greater London herum die New Towns Basildon, Bracknell, Crawley, Harlow, Hatfield, Hemel Hampstead, Milton Keynes, Stevenage und Welwyn Garden City. In Anlage 4 im Anhang ist eine Übersicht der boroughs in London zu finden. Groß-London wurde bis 1986 vom Greater London Council geführt, seit dessen Auflösung sind die einzelnen Stadtbezirke aber eigenständig. Die City of London wird unabhängig von Greater London verwaltet, sie wird vom Lord Mayor of London regiert. Bezüglich der Fläche ist City of London der kleinste Stadtbezirk, seine Grenzen stimmen immer noch mit denen aus dem Mittelalter überein. (Vgl. o.V. 1991: 27ff)

2.2.2. Historische Entwicklung

Die Stadtgeschichte Londons beginnt im Jahre 43 n. Chr., als der römische Kaiser Claudius im Zuge der Besetzung der ursprünglich von Kelten besiedelten Britischen Insel auch die strategisch günstig gelegene Hafensiedlung an der Themse unterwirft und an der Stelle der heutigen „City of London“ den römischen Handelsplatz „Londinium“ gründet. Im 5. Jahrhundert n. Chr. ziehen sich die Römer mehr und mehr aus Britannien zurück und die Angelsachsen besetzen die Insel. In London entstehen währenddessen zahlreiche Geschäfte und Privathäuser. 886 n. Chr. erobert schließlich der Angelsachse Alfred der Große die Stadt und befreit sie von den Wikingern, die 842 in London eingefallen waren und die Stadt geplündert hatten.

Die letzte Eroberung Londons datiert auf das Jahr 1066 n. Chr., als die Normannen mit Wilhelm dem Eroberer (William the Conqueror) die Angelsachsen unterwirft und London zu seinem Regierungssitz macht. In der Westminster Abbey lässt sich William am Weihnachstag des gleichen Jahres zum König der Engländer krönen. Er lässt zum Schutz vor erneuten Angriffen der Wikinger an der Themse drei Festungen errichten, darunter den Tower of London.

Zwischen 1343 und 1349 fordert eine Pest mit ca. 30.000 Opfern die Hälfte der damaligen Bevölkerung Londons.

Im weiteren Verlauf des Mittelalters wuchs London nach und nach zum Zentrum für Parlament, Königshaus und Handel aus den beiden Zentren „Westminster“ und „City“ heran. Diese Zusammenwachsen aus Teilen bzw. das Fehlen einer systematischen Stadtplanung unterscheidet London von anderen Weltstädten und erklärt die enorme Flächenausdehnung.

Eine erste wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebt London unter Königin Elizabeth I., in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Im 17. Jahrhundert dezimieren zwei Ereignisse die Einwohnerzahl Londons erneut, nämlich die Pest von 1665, bei der ca. 100.000 Menschen sterben, sowie nur ein Jahr später ein Großbrand („Great Fire of London“ 1666), in dem vier Fünftel der Stadt niederbrennt. Trotz dieser Rückschläge erholt sich die Stadt relativ schnell und zählt um 1810 bereits eine Million Einwohner.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert erlebt London unter Königin Victoria eine weitere Blütezeit. Die industrielle Revolution lockt viele Immigranten aus den Kolonien (v. a. aus der Karibik) sowie aus Kontinentaleuropa in die Hauptstadt, die Einwohnerzahl steigt von 2,6 Millionen im Jahr 1851 auf 6,5 Millionen im Jahr 1901. London ist damit bis in das 20. Jahrhundert hinein die bevölkerungsreichste Stadt der Welt und Zentrum des weltumspannenden britischen Imperiums. Daneben ist von Bedeutung, dass sich in dieser Zeit durch die hohe Zahl der Immigranten und der Tatsache, daß die Zuwanderer ihre eigenen sozialen Netze aufbauten und Teile ihrer Traditionen bewahrten, London zu einer kosmopolitischen Stadt entwickelt (und dies bis heute geblieben ist).

Im zweiten Weltkrieg werden weite Teile Londons durch deutsche Luftangriffe zerstört, vor allem der Osten der Stadt war betroffen. Nicht wenige Einwohner verlassen die Stadt. Die Bevölkerungsverluste werden aber nach dem Krieg durch Zuwanderer aus den Kolonien und Kontinentaleuropa wieder ausgeglichen. (Vgl. Hohmann, Rolf 2007, OQ5)

3. Tourismusmarketing

Im folgenden Abschnitt soll der Begriff des Tourismusmarketing definiert werden. Zuvor werden die Bestandteile dieses Begriffs „Tourismus“ und „Marketing“ definiert.

3.1. Definition Tourismus

Die Tourismuslehre befasst sich generell mit dem Phänomen der Ortsveränderung von Personen. Personen verlassen ihr Zuhause, um ihre Zeit an einem anderen Ort zu verbringen. (Vgl. Freyer 2007: 3)

Zunächst soll der Begriff Tourismus in seiner Grundbedeutung dargelegt werden und von verwandten Begriffen wie „Reise“, „Reiseverkehr“, „Fremdenverkehr“ oder „Touristik“ abgegrenzt werden.

Tourismus umfasst „ alle Reisen, unabh ä ngig von ihren Zielen und Zwecken, (..), die den zeitweisen Aufenthalt an einem anderen als den Wohnort einschlie ß en und bei denen die R ü ckfahrt Bestandteil der Reise ist. “ (Mundt 2001: 3) Beispiele hierfür sind Geschäftsreisen, der Besuch von Freunden und Verwandten, ein Urlaub in der Südsee oder der Besuch einer Kulturveranstaltung in einem entfernten Ort mit geplanter Übernachtung. (Vgl. Mundt 2001: 2f)

Die Reise hingegen, bezeichnet ausschließlich das Aufbrechen beziehungsweise Wegfahren von einem Ort und inkludiert nicht automatisch das Wiederzurückkommen. Die Aktivität des Auswanderns fällt laut Definition somit ebenfalls unter den Begriff des Reisens. Der Reiseverkehr „ umfasst alles Verlassen des eigentlichen bzw. urspr ü nglichen Wohnortes. “ (Mundt 2001: 2) Ereignisse wie Umzug, Auswandern oder Flucht werden somit dem Begriff des Reiseverkehrs zugeordnet.

Ähnlichkeit besteht zwischen den Begriffen „Fremdenverkehr“ und „Tourismus“. Fremdenverkehr bezieht sich in Deutschland vor allem auf die Aufnahme internationaler Gäste in Städten und Gemeinden. Prof. Dr. Jörn Mundt, Leiter der Studienrichtung Tourismusbetriebswirtschaft und Reiseverkehrsmanagement der Berufsakademie Ravensburg bezeichnet diesen Vorgang in seinem Standardwerk „Einführung in den Tourismus“ als „incoming“. Unter Tourismus versteht er das „ zeitweilige Verlassen des Wohnortes f ü r eine - meist in das Ausland gehende - Reise (outbound). “ (Mundt 2001: 3) Die Touristik bezeichnet einerseits den Wirtschaftsbereich des Tourismus, das heißt die Aktivitäten von Reiseveranstaltern und Reisebüros, andererseits die Abteilung eines Reisebüros, in der Veranstalterreisen vermittelt werden. (Vgl. Mundt 2001: 3)

Als Tourist werden diejenigen Personen bezeichnet, die zeitweilige Besucher eines Landes sind, die sich für mindestens 24 Stunden an einem anderen als ihrem Wohnort aufhalten. (Vgl. Mundt 2001: 4)

Der Tourismus besitzt vor allem eine betriebswirtschaftliche Bedeutung, da die BWL die mit der Leistungserstellung der Reise beschäftigten Betriebe beschreibt und analysiert. Zu diesen gehören unter anderem Reiseveranstalter, Vermittler, touristische Transportbetriebe und Tourismusverbände. All diese Betriebe sind an der Bereitstellung und Durchführung von touristischen Reiseangeboten an verschiedenen Orten und in unterschiedlichem Umfang beteiligt. Da die meisten Tourismusbetriebe meist Dienstleistungen und selten Sachgüter herstellen, ist eine große Ähnlichkeit der Tourismus-BWL zur BWL von Dienstleistungsunternehmen gegeben. (Vgl. Freyer 2007: 6)

Der Tourismus besitzt auch insofern eine volkswirtschaftliche Seite, als die einzelbetrieblichen Aktivitäten und internen Abläufe im Rahmen der BWL des Tourismus nur im gesamten volkswirtschaftlichen Umfeld zu verstehen sind. Durch das Reisen entstehen verschiedene gesamtwirtschaftliche Effekte und auch umgekehrt lassen sich Rückwirkungen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf den Tourismus ziehen. (Vgl. Freyer 2007: 8)

3.2. Definition Marketing

Aus der großen Zahl an Marketing-Definitionen sei hier zunächst die wohl am häufigsten genannte der American Marketing Association (AMA) von 1985 zitiert:

Marketing „ ist der Planungs- und Durchf ü hrungsproze[ss, d. Verf] der Konzipierung, Preisfindung, Förderung und Verbreitung von Ideen, Waren und Dienstleistungen, um Austauschprozesse zur Zufriedenstellung individueller und organisationeller Ziele herbeizuf ühren. “ (Richter, Michael o. J., OQ7)

Marketing heute ist eine umfassende Aufgabe des Managements eines Unternehmens, das sein Handeln primär auf den Markt mit seinen Veränderungen ausrichtet und gesellschaftliche Werte in diesem Zuge miteinbezieht. Somit besitzt das Marketing eine Philosophiefunktion und eine funktionelle Bedeutung. Die Philosophiefunktion beschäftigt sich vor allem in einer normativen Diskussion mit der übergeordnete Bedeutung des Marketings innerhalb eines Unternehmens. Die funktionelle Bedeutung sieht das Marketing als Teilbereich des gesamten Managements, wobei diesem normative, strategische sowie operative Aufgaben zukommen.

Heute sieht das moderne Marketing drei unterschiedliche Aufgabenbereiche vor: Das normative Marketing beschäftigt sich mit den normativen Werten im Marketing, die unter anderem in der Unternehmensphilosophie oder der Corporate Identity (CI) zum Ausdruck kommen. Das strategische Marketing bestimmt die langfristige Entwicklung mit Strategien und Konzepten. Das operative Marketing plant die Maßnahmen im Rahmen des Marketingmix und die weitere operative Ausgestaltung. (Vgl. Freyer 2007 36) Damit unterscheidet sich das moderne Marketing, deutlich vom alten, traditionellen Marketing, welches sich primär auf den Verkauf von Sachgütern und Dienstleistungen mit absatzfördernden Instrumenten spezialisierte. Das moderne Marketing wird heute „ als eine Konzeption der Unternehmensf ü hrung, als eine Unternehmensphilosophie, Denkrichtung, Leitidee oder Maxime angesehen, bei der im Interesse der Erreichung der Unternehmensziele alle betrieblichen Aktivit ä ten konsequent auf die gegenw ä rtigen und k ü nftigen Erfordernisse der M ä rkte ausgerichtet werden. “ (Freyer 2007: 41)

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Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Tourismusmarketing einer Weltstadt am Beispiel von London
Hochschule
Universität Salzburg  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Medien - Kultur - Tourismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
43
Katalognummer
V190402
ISBN (eBook)
9783656149194
ISBN (Buch)
9783656148999
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtmarketing, Tourismus, Marketing, Kultur
Arbeit zitieren
Anja Kloss (Autor), 2008, Tourismusmarketing einer Weltstadt am Beispiel von London, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190402

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