Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit in der ökonomischen Bildung "Schuldenfalle Handy"


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Ökonomische Bildung als Allgemeinbildung

Einbettung der Unterrichteinheit

Planung einer Unterrichteinheit

Unterrichtsplanung

Konkretisierte Darstellung

Rollenspiel: Lukas in der Klemme

Tatsächlicher Verlauf/ Rückblick

Stellungnahme

Literaturverzeichnis

Prolog

„Ich möchte Lehrer werden“ lautet häufig der intrinsisch motivierte Berufswunsch zahlreicher Studierender. In einem sechssemestrigen Bachelor- und einem zweisemestrigen Masterstudium ist jedoch bekannter Weise verhältnismäßig wenig Spielraum für praxisorientierte Lernmodule. An dieser Stelle setzt bereits die erste Anforderung an eine professionelle, kompetente Lehrkraft an, denn das Wissen anderer aus Büchern zu zitieren ist nicht allein das, was einen jungen Menschen dazu befähigt, das Berufsfeld des Lehrers auf qualitativer Ebene zu erschließen. Es gilt also nicht vor der Praxis zu fliehen, sondern den Charakter des Feldes im Vorfeld des Referendariats kennen zu lernen. An diese Sichtweise anknüpfend habe ich mich entschlossen, gelerntes und erschlossenes, für mich jedoch allein theoretisches Wissen, in der Praxis zu erproben. Hierzu galt es eine schulische Institution zu finden, die einen direkten Einstieg ermöglicht um eine Unterrichtseinheit zu planen und durchzuführen. Nach einem einmaligen Telefonat war es uns geglückt, die Städtische Realschule von Preußisch Oldendorf für ein „Kurzpraktikum“ mit einem praktischen Teil des Umfangs einer Schulstunde im Bereich der Sozialwissenschaften zu gewinnen. Die folgende Ausarbeitung soll nun zunächst auf die Kernpunkte der allgegenwärtigen Debatte „mehr ökonomische Bildung im Unterricht“ und auf das Ziel eines „Integrationsfach Sozialwissenschaften“ eingehen. Nach der Schaffung dieses methodischen Zugangs erfolgt eine kurze (exemplarische) Charakteristik des betreffenden Wahlpflichtkurses der Klassenstufe 7. Im weiteren Verlauf wird die eigentliche Stundenplanung, wie auch Durchführung und letztlich eine subjektive Einschätzung erfolgen.

Ökonomische Bildung als Allgemeinbildung

Zahlreiche Debatten umranken die Thematik der Einführung einer ökonomischen Bildung als „geregelten“ Unterrichtsbestand und lassen daraus eine schier neue Wissenschaft entstehen. Zunächst möchte ich an dieser Stelle das Plädoyer des pädagogischen Ansatzes vorstellen und ergänzend jenes des ökonomischen Ansatzes hinzuziehen.[1] Der pädagogische Ansatz Krol`s verfolgt das Ziel einer „Formung von Wissen und Werten als Kernelemente der Persönlichkeitsbildung“ und sieht die Rolle der Erziehungswissenschaft darin, ein zu „Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung“[2] geformtes Individuum zu entwickeln. Die normative Befähigung liegt also darin, den „Verlockungen“ alltäglicher Situationen mit einer abwägenden, abschätzenden und erkennenden Haltung entgegen zu treten und gegebene Bedrohungen abzuwenden. Der ökonomische Ansatz versucht sich an einem Perspektivenwechsel. Im Fokus der Betrachtung steht nicht das Individuum, welchem mehr Wissen von Wirtschaft vermittelt werden soll, sondern die Makroperspektive, welche davon ausgeht, dass „Menschen[…] in ihren unterschiedlichen Rollen reagieren und (…) in systematischer und damit vorhersagbarer Weise auf eine Veränderung der Handlungsbedingungen“ anschlagen.[3] Dies verdeutlicht die Tatsache, dass Individuen stets darauf bedacht sind, ihren individuellen Nutzen zu maximieren und eine Verschlechterung des Nutzens wissentlich abzuwehren. Dieser Bestand so Krol, ist nicht automatisch damit verbunden, eine „Schlechterstellung anderer“ zu erwirken. Nach Darlegung beider Ansätze wird deutlich, dass trotz differenter Ausgangslagen ein Ziel verfolgt wird. In groben Zügen dargestellt bedeutet die ökonomische Bildung eines Individuums daher nicht allein eine persönliche Wissensbereicherung, sondern erwirkt eine zusätzliche Stärkung auf der Basis der Makroebene (Gesellschaft). An dieses Sichtweise bzw. Darlegung lässt sich der Beitrag Reinhold Hedtkes zu dem Bezugsfeld „Ökonomisches Lernen“[4] anknüpfen. Hierbei sollen verschiedene Argumentationstypen dafür plädieren, „mehr und besseres ökonomisches Lernen an öffentlichen Schulen“ durchzusetzen und als Kernelemente der Bildung anzusehen.[5] Aufbauend auf den vorherig skizzierten wirtschaftlichen Ansatz Krol`s lässt sich das Argument (1) „Die Wirtschaftsordnung sei vital darauf angewiesen, dass die in ihr lebenden und handelnden Wirtschaftsbürgerinnen sie verstehen, akzeptieren, die vorgesehenen Rollen in ihr übernehmen und ausfüllen[…]“[6] anknüpfen. Eine starke marktwirtschaftliche Strömung wird auch bei dem Argument der „Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft“ deutlich, bei deren Sicherung ein „fundiertes und differenziertes ökonomisches Wissen aller Bürger unverzichtbar ist“[7]. Anlehnend an diese befürwortende Argumentationsführung darf die Darlegung einer ablehnenden Position nicht fehlen. So ist es fraglich, ob Allgemeinbildung nicht zweckfrei sein sollte und einen klaren Unterschied zu einer späteren Berufsausbildung mit dem Ziel der Einkommenserzielung darstellen müsste. Zum anderen werden Grenzen in Bezug auf die Interdisziplinarität eines speziellen eigenen Unterrichtsfaches deutlich, denn Ökonomie als Eigenständige Disziplin ist unmöglich, schließlich ist sie eng verflochten mit politischen Prozessen.[8] Lediglich als Wahlpflichtkurs kann gemäß persönlicher Interessen ein Zugang zu wirtschaftspolitischen Themen gewählt werden, doch diese Möglichkeit steht bei der beschriebenen Debatte nicht im Fokus, denn schließlich geht es um ein „Wissen für alle“ in Form eines Integrationsfaches. Jenes Wissen hat die schwierige Aufgabe, einen Spagat zwischen lebensweltlichen Bezügen und Nuancen darüber zu erreichen und letztlich zudem eine Überforderung des „normalen wirtschaftlichen Akteurs zu vermeiden. Interdisziplinarität und Integratives sozialwissenschaftliches Lernen bedeutet nicht allein ein komprimiertes Wissen auf engem zeitlichem Raum sondern es birgt zusätzliche „Tücken im Detail“, denn das nötige Wissen des Lehrenden wird stets außer Acht gelassen. Hierbei sollte die Tatsache nicht unterschätzt werden, dass ein klares, umfassendes und stets übergreifendes Wissen von Nöten ist, um einem verschmolzenen Unterrichtsfach wie dem der Sozialwissenschaften gerecht zu werden. Nach Aufzählung dieser verschiedenen Ansichten ist es nun von Nöten, zu der Ausgangslage der Praxiserfahrung zurückzukehren. Die Mannigfaltigkeit der Argumentationsstrukturen ist ein unabdingbares Wissen, jedoch zählt die Erfahrung in der Praxis für eine angehende Lehrkraft in gleichem Maße. Im Folgenden soll die praktische Erfahrung und Erprobung in einem Wahlpflichtkurs der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaft vorgestellt werden.

Der Wahlpflichtkurs Sozialwissenschaften „Wirtschaft“ Klassenstufe 7

Es handelt sich hierbei um eine Wahlpflichtveranstaltung, welche mit zwei Stunden in der Woche belegt ist und sich nach den Richtlinien des Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss (Degöb 2004) richtet und an die „Konzeption für die ökonomische Bildung als Allgemeinbildung von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe II“ anknüpft.[9]. Eine wählbare Alternative hierzu ist ein Angebot aus dem Bereich Technik. Die Charakteristik der uns spontan zugeteilten Klasse lässt sich grundlegend als sehr homogen beschreiben. Die Schülerschaft bestand aus 17 Teilnehmern wobei Mädchen einen etwas größeren Anteil von neun Personen ausmachten. Der Altersdurchschnitt lag zwischen 12 und 13 Jahren. Kinder mit türkischem, kurdischem oder südeuropäischem Migrationshintergrund waren nicht vertreten, jedoch besitzen acht Schüler und Schülerinnen einen osteuropäischen Ursprung. Von einem Schüler ist bekannt, dass er durch familiäre Umstände sehr häufig fehlt und letztlich gezielt innerhalb der Stunde angesprochen werden muss um dem Geschehen zu folgen. Seine Mutter leidet an einer psychischen Erkrankung und ihm obliegt täglich die gesamte Verantwortung für Haushalt, Geschwister und für sich selbst. Da Schulleitung und Lehrerschaft über diese Umstände informiert sind, konnte eine Versetzung auf die Hauptschule bisher verhindert werden. Der Unterrichtraum ist gleichzeitig Informatikraum und mit 14 Computerplätzen ausgestattet, welche stets für die Ergebnissicherung genutzt werden. Da bereits zu Beginn der 5. Klasse der Umgang mit neuen Medien gelehrt wird, kann hier von einem sicheren Umgehen mit Word, Excel und später auch Power Point ausgegangen werden bzw. hat sich dies im Verlauf der Stunden bestätigt.

Einbettung der Unterrichtseinheit in das Themenfeld „Geld“

Um eine „bedürfnisorientierte“ Schulstunde planen zu können, ist es notwendig, voran gegangene Inhalte und Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen zu kennen und diese einschätzen zu können. Anknüpfend an dieses Faktum war es wichtig, innerhalb des zeitlichen Rahmens von drei Schulstunden (2.März 1.Stunde, 4. März 6.Stunde, 9.März 1. Stunde) eine Hospitation durchzuführen. Kriterien bzw. Beobachtungsgegenstände waren hierbei inhaltlicher aber auch sozialer Natur. Es war wichtig zu wissen, welche Grundkompetenzen bereits vorhanden sind und wie ausgeprägt das Verständnis in Bezug auf das Thema „Geld“, in diesem Falle Währungsreform, Geldtransfer, Dispositionskredit und Kredite im allgemeinen innerhalb Deutschlands ist. Die soziale Komponente war hierbei nicht unerheblich, denn in einer solch kurzen Verweildauer ist es dennoch wichtig, gegebene soziale Strukturen zu erkennen, um letztlich auch soziale Betroffenheit zu vermeiden. Welcher Schüler erweist sich als besonders leistungsstark, welcher ist eher in sich gekehrt; Gibt es eine starke Gruppenbildung oder eher „Paare“; Mit diesen Ansätzen war es möglich, das wie bereits erwähnte, relativ homogene, Klassenbild einzuschätzen. Unter dieser Prämisse lag es nahe, dass letztlich jene von uns selbst gestaltete Schulstunde einen thematischen Bezug zu dem vorherigen Thema herstellen musste und dennoch, so war es unser Begehren, lebensnahe Aspekte beinhalten sollte. Im folgenden soll die Zielsetzung und Herangehensweise an unsere Schulstunde verdeutlicht werden.

Planung einer Unterrichteinheit

Nach den gewonnen Eindrücken des Klassenbildes galt es, eine strukturierte Planung zu erstellen. Ich möchte mich daher zunächst auf unser persönlich favorisiertes Leitbild beziehen. Es geht hierbei um „Handlungsorientiertes Lernen“[10]. Unter dem Begriff des simulativen Handelns haben wir zunächst beschlossen, dem reformpädagogischen Ansatz „Macht die Schule auf, lasst das Leben rein“[11] zu folgen. Da, wie bereits erwähnt, das Themenfeld Kredite und Schulden behandelt wurde, lag es nahe, einen lebensnahen

Bezug herzustellen. Da es bekannt ist, dass Jugendliche bereits sehr früh ein Handy besitzen und dies in nicht wenigen Fällen zu einer Schuldenfalle werden kann, planten wir einen Problemaufriss hinsichtlich dieses Themas. Im folgenden soll nun zunächst unser Problem, die Zielsetzung, sowie die geplanten Methoden vorgestellt werden.

Das Problemfeld:

In den ökonomischen Kontext des Themas „Geld“ eingebettet, soll die Einheit die Problematik der „Schuldenfalle Handy“ behandeln. Der übergeordnete Titel soll „Lukas in der Klemme“ lauten und somit einen fiktiven Protagonisten schaffen, der letztlich einer persönlichen Identifikation dienen möge.

Die Zielsetzung:

Ziel der Unterrichtsstunde soll es sein, eine Sensibilisierung in Bezug auf Handykonsum, Statussymbole und Schulden zu erreichen, da der verständnisvolle Umgang mit Geld ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Bildung ist. Um gefestigt und eigenständig Leben zu können, sollte ein junger Mensch auf Risiken und Verlockungen vorbereitet sein. Im gleichen Maße jedoch muss gewährleistet sein, dass ein lösungsorientiertes Handeln in Problemsituationen ebenso gefestigt ist.

[...]


[1] Gerd-Jan Krol, 2001:

„Ökonomische Bildung“ ohne „Ökonomik“?

Zur Bildungsrelevanz des ökonomischen Denkansatzes

http://www.sowi-onlinejournal.de/2001-1/krol.html

[2] Vgl. Gerd-Jan Krol, 2001. S. 3

[3] Ebd.

[4] Hedtke, Reinhold, 2003:

„ökonomisches Lernen“

htttp://www.uni-bielefeld.de/soz/ag/hedtke/publikation.html

[5] Vgl. Hedtke, Reinhold, 2003. S. 2

[6] Vgl. Kaminski, 2001b. S. 9

[7] Vgl. Hedtke, Reinhold, 2003. S. 2

[8] Vgl. Hedtke, Reinhold, 2003. S. 1

[9] Vgl. Ansatz von Kaminski, Eggert u. A. Burkard 2008 i.A. BdB http://www.schulbank.de/wirtschaftswissen/Gutachten080421.pdf (26.06.2010)

[10] Weber, Birgit 1997. Didaktisch-methodische Konzeption:Handlungsorientierung im Rahmen ökonomischer Bildung aus Handlungsorientierte ökonomische Bildung: Nachhaltige Entwicklung und Weltwirtschaftsordnung. S. 212f

[11] Weber, Birgit 1997, S. 215 (Zitat)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit in der ökonomischen Bildung "Schuldenfalle Handy"
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V190482
ISBN (eBook)
9783656162957
ISBN (Buch)
9783656163893
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterricht, Ökonomie, Sekundarstufe I
Arbeit zitieren
Franziska Müller (Autor), 2009, Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit in der ökonomischen Bildung "Schuldenfalle Handy", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190482

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