Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung der Unternehmenstätigkeiten
gewinnt die Aufstellung und Prüfung von vergleichbaren Unternehmensabschlüssen
zunehmend an Bedeutung.1 Vor allem multinational agierende Konzerne haben den
Wunsch, sich internationale Kapitalmärkte zur Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital
zu erschließen.2 Der Wunsch an internationalen Börsen zu notieren, ist aufgrund der
verbesserten Eigenkapitalaufnahme, der Börsengröße und der erhöhten Liquidation als
auch durch den Aufbau eines internationalen Standings bei diesen Unternehmen stark
verbreitet. Eine Zulassungsbedingung stellt nur der US-amerikanische Kapitalmarkt,
welcher bis 2007 ausschließlich die Rechnungslegung nach US-GAAP zuließ. Die Bilanzierung
nach IFRS ist durch die SEC aktuell nur von nicht US-amerikanischen Unternehmen
erlaubt. Eine Vielzahl an Unternehmen mied bis dato die Notierung an der
US-amerikanischen Börse, die momentan die stärkste Marktkapitalisierung aufweist,
aufgrund der umständlichen und kostspieligen Anpassung ihrer Rechnungslegung an
US-GAAP.3Für den Investor stellt die Vergleichbarkeit der Bilanzen die Basis für seine
Anlageentscheidung dar. Unterschiedliche Rechnungslegungsnormen beeinträchtigen
die Vergleichbarkeit der Unternehmensabschlüsse und somit auch die Effizienz der Kapitalmärkte.
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Die richtige Positionierung im Markt ist maßgeblich für den Erfolg eines Unternehmens
verantwortlich. Ausschlaggebend für seinen Erfolg sind u.a. die Unternehmensgröße,
das Know-How und das vorhandene Potential des Unternehmens. Ein Unternehmenszusammenschluss
kann bei einer Neupositionierung oder Erschließung neuer Märkte eine
Schlüsselrolle spielen. Vorhandenes und erworbenes Potential kann konsolidiert werden,
um die Unternehmensentwicklung und den Unternehmenswachstum zu fördern.
Für einen gewinnversprechenden Unternehmenszusammenschluss ist es wichtig, dass das richtige Unternehmen akquiriert wird. Die Vergleichbarkeit der Bilanzen ist dafür
hochgradig relevant. Eine Fehleinschätzung kann einen existenziellen Schaden für ein
Unternehmen bedeuten.
Auch Banken fordern vermehrt Informationen nach internationaler Rechnungslegung
für ihre Entscheidungen über Kreditvergaben und ihre Ausgestaltungen.5 Die internationale
Finanzkrise verdeutlicht dramatisch wie wichtig eine transparente und vergleichbare
Rechnungslegung nach weltweiten Standards ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Themenhinführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Definitorische Grundlagen
2.1 IFRS
2.2 IFRS 3 (2008)
2.3 Unternehmenszusammenschluss und Geschäftsbetrieb
2.4 Vermögenswert und Schulden nach Rahmenkonzept des IASB
2.5 Beizulegender Zeitwert (Fair Value)
2.6 Firmenwert
3. Wesentliche Änderungen im IFRS 3 (2008)
3.1 Ursachen zur Einführung des neuen Standards
3.2 Definition Unternehmenszusammenschluss
3.3 Anwendungsbereich
3.4 Ansatz und Bewertung nach der Akquisitionsmethode
4. Kritik und Ausblick
4.1 Kritik am IFRS 3 (2008)
4.2 Ausblick auf Änderungen der IFRS
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Veränderungen und Neuerungen durch den IFRS 3 (2008) im Vergleich zum vorherigen Standard IFRS 3 (2004) bei Unternehmenszusammenschlüssen. Ziel ist es, die Ursachen für die Neuregelungen zu ergründen sowie deren Auswirkungen auf die Bilanzierungspraxis in Unternehmen zu analysieren, wobei ein besonderer Fokus auf der Vergleichbarkeit der Abschlüsse für Investoren liegt.
- Vergleichende Analyse von IFRS 3 (2004) und IFRS 3 (2008)
- Definition und Anwendungsbereich von Unternehmenszusammenschlüssen
- Ansatz und Bewertung nach der Akquisitionsmethode
- Diskussion der Full-Goodwill-Methode und der Bewertung nicht beherrschender Anteile
Auszug aus dem Buch
3.4 Ansatz und Bewertung nach der Akquisitionsmethode
Im neuen Standard 2008 erfolgt die begriffliche Änderung von Erwerbsmethode auf Akquisitionsmethode. Daraus wird deutlich, dass nicht nur der Erwerb eines Unternehmens zu einem Unternehmenszusammenschluss führt. Folglich ändert sich der Begriff „Erwerbszeitpunkt“ auf „Akquisitionszeitpunkt“. Auf Beschluss des IASB ist nach IFRS 3 (2008) ein Unternehmenszusammenschluss nach der Akquisitionsmethode zu bilanzieren. Diese Methode entspricht den Bilanzierungsanforderungen von Unternehmenszusammenschlüssen, bei der ein Unternehmen die Beherrschung über das andere Unternehmen oder über ein oder mehrere Geschäftsbetriebe erhält. Die Akquisitionsmethode lässt sich in vier Schritte unterteilen:
1. Identifizierung des Erwerbers
2. Bestimmung des Akquisitionszeitpunktes
3. Ansatz und Bewertung der identifizierbaren erworbenen Vermögenswerte, übernommenen Schulden und nicht-beherrschenden Anteilen
4. Ansatz und Bewertung des Goodwills bzw. Erfassung des Gewinns aus einer vorteilhaften Akquisition.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Themenhinführung: Erläutert die wachsende Bedeutung international vergleichbarer Abschlüsse durch die Globalisierung und begründet die Relevanz einer einheitlichen Rechnungslegung für Investoren und Kapitalmärkte.
2. Definitorische Grundlagen: Schafft ein Verständnis für die zentralen Begriffe der IFRS-Rechnungslegung wie Geschäftsbetrieb, Fair Value und Firmenwert im Kontext von Unternehmenszusammenschlüssen.
3. Wesentliche Änderungen im IFRS 3 (2008): Analysiert die Ursachen für die Neufassung des Standards, definiert den Unternehmenszusammenschluss neu und erläutert die Anwendung der Akquisitionsmethode.
4. Kritik und Ausblick: Diskutiert kritisch das Wahlrecht zur Anwendung der Full-Goodwill-Methode und beleuchtet künftige Entwicklungen hin zur Konvergenz internationaler Standards.
Schlüsselwörter
IFRS 3, Unternehmenszusammenschluss, Akquisitionsmethode, Geschäftsbetrieb, Fair Value, Firmenwert, Goodwill, IASB, Rechnungslegung, Kapitalmarkt, Bilanzierung, Konvergenz, Minderheitenanteile, Beherrschung, Finanzberichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der wesentlichen Neuerungen des Rechnungslegungsstandards IFRS 3 (2008) im Bereich der Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen zählen die Definition des Unternehmenszusammenschlusses, die Anwendung der Akquisitionsmethode sowie die Bewertung von Vermögenswerten und Schulden beim Erwerb eines Unternehmens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen der Standardänderungen auf die Unternehmensbilanzierung darzustellen und zu evaluieren, inwiefern diese zur angestrebten Vergleichbarkeit von Abschlüssen beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende und analysierende Methode, indem sie die Neuregelungen des IFRS 3 (2008) systematisch mit dem alten Standard IFRS 3 (2004) gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen für die Standardänderung, die präzise Definition von Unternehmenszusammenschlüssen, den Anwendungsbereich sowie die detaillierte Darstellung der vier Schritte der Akquisitionsmethode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie IFRS 3, Akquisitionsmethode, Firmenwert, Fair Value und internationale Rechnungslegung charakterisieren.
Was ist das Besondere an der Full-Goodwill-Methode nach IFRS 3 (2008)?
Sie ermöglicht es Unternehmen, den Goodwill zu 100 % auszuweisen, unabhängig vom Anteil am Mutterunternehmen, was im Vergleich zur beteiligungsproportionalen Methode ein Wahlrecht darstellt und kritisch diskutiert wird.
Wie unterscheidet sich die Akquisitionsmethode von der Erwerbsmethode?
Die Akquisitionsmethode stellt eine begriffliche und methodische Weiterentwicklung dar, die eine präzisere Identifizierung des Akquisitionszeitpunktes und eine vereinheitlichte Bewertung von Vermögenswerten und Schulden fordert.
- Citation du texte
- Maren-Rabea Bogdan (Auteur), 2011, Die Neuregelung von Unternehmenszusammenschlüssen – wesentliche Neuerungen im IFRS 3 2008, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190566