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Das Verhältnis von Staat und Geschlecht aus feministischer Perspektive

Titel: Das Verhältnis von Staat und Geschlecht aus feministischer Perspektive

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2000 , 25 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Manja Wiesner (Autor:in)

Soziologie - Beziehungen und Familie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Der Staat ist Männersache“ – dieser Ausspruch erscheint einem auf den ersten Blick
als unglaublich und irrelevant für heutige politische und soziale Verhältnisse. Doch
auch im 20. Jahrhundert sind tradierte Rollenvorstellungen und –zuweisungen keine
Seltenheit. Ausschlaggebend für Ungleichbehandlung, Ungerechtigkeit und dem
niederen sozialen Status der Frau ist ihr biologisches Geschlecht, welches im
historischen gesellschaftlichen und politischen Prozeß zu einer Kategorie des
Ausschlusses wurde. In über vierzigjähriger Frauen- und später auch
Geschlechterforschung, konnte die gesellschaftliche Konstruktion der Kategorie
Geschlecht und der Ausschluß der Frauen aus allen öffentlichen Bereichen analysiert
werden. Trotz weitreichender wissenschaftlicher Untersuchungen und Lösungsansätzen
existiert das patriarchale Herrschaftssystem zwischen Frau und Mann, die Dominanz
der Männer im privaten und öffentlichen Bereich, weiter.
Die grundlegende Problemstellung dieser Arbeit liegt in dem Verhältnis von
feministischer Staatsanalyse zur Strukturkategorie „Geschlecht“. Da eine Politik- und
Staatstheorie handelnde Subjekte und deren Repräsentation im politischen System
voraussetzt, soll zunächst das Problem der Subjektbildung aus feministischer
Perspektive spezifiziert werden. Subjekte und Identitäten werden in diskursiven
Prozessen gebildet, weshalb eine abschließende und gültige Definition ad absurdum
führt. Die Debatte um das Subjekt im Hintergrund behaltend, sollen Ziele und Inhalte
der Politikwissenschaft aus feministischer Sicht zu dem Hauptschwerpunkt „Staat und
Geschlecht“ leiten. Die vorgestellten Grundannahmen feministischer
Politikwissenschaft begründen die Existenz von Geschlechterhierarchie und werden in
den folgenden Kapiteln reflektiert.
Wie konnte im historischen Prozeß der Staatenbildung die Ungleichheit der
Geschlechter institutionalisiert und reproduziert werden? Wie wurden von
Staatstheortikern der Aufklärung Differenzen zwischen den Geschlechtern begründet?
Das dritte Kapitel zeigt hierfür Denkmuster und Verhaltenszuschreibungen auf und legt
im folgenden Motive für die Konstanz der Geschlechterasymmetrie und Dominanz
„männlicher“ Herrscher dar. Ein peripherer Exkurs soll abschließend mögliche
feministische Lösungsansätze zur Veränderung staatlicher Strukturen mit dem Ziel der
Auflösung von Geschlechterhierarchie vorstellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Zum Gegenstand der Hausarbeit

1.1. Problemstellung

1.2. Begriffserläuterungen

2. Feministische Politikwissenschaft und das feministische Subjekt

2.1. Das feministische Subjekt und seine Repräsentation in der Politik

2.2. Feministische Politikwissenschaft im Überblick

3. Staat und Geschlecht im feministischen Diskurs

3.1. Die Ausblendung des Geschlechts in neuzeitlichen Theorien

3.2. Feministische Sichtweisen aus der Staats- und Patriarchatsforschung

3.2.1. Gewalt und Militär

3.2.2. Der Männerbund

4. Dezentralisierung, Entstaatlichung oder Staatsorientierung – Lösungsansätze zur Veränderung der Geschlechterasymmetrie im politisch-administrativen System

5. Schlußfolgerungen und offene Fragen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von feministischer Staatsanalyse zur Strukturkategorie „Geschlecht“. Ziel ist es, die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterhierarchien sowie deren Institutionalisierung in staatlichen Strukturen kritisch zu beleuchten und mögliche Lösungsansätze für eine Veränderung der bestehenden Geschlechterasymmetrie im politisch-administrativen System zu diskutieren.

  • Feministische Staatskritik und Subjektbildung
  • Die Rolle von Gewalt und Militarismus bei der Konstituierung von Staatsstrukturen
  • Die Bedeutung von Männerbünden für die Exklusion von Frauen aus politischen Machtbereichen
  • Kritische Analyse neuzeitlicher politischer Theorien unter dem Aspekt der Geschlechterasymmetrie
  • Transformationsmöglichkeiten und feministische Reformstrategien

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Ausblendung des Geschlechts in neuzeitlichen Theorien

Theorien politischer Philosophie beschäftigen sich (m.E.) mit Herrschaftsverhältnissen und der Frage der Legitimierung von Herrschaft, Macht und der daraus resultierenden Bedeutung für die politische Ordnung. Bis zum Mittelalter wurde die Legitimität (bzw. die Rechtfertigung der Ungleichheit unter den Menschen) mit der ungleichen Verteilung von Vernunft und „naturgegebenen“ Fähigkeiten erklärt (vgl. Benhabib/Nicholson 1987). Das änderte sich im Zuge ökonomischen, politischen, sozialen und wissenschaftlichen Fortschritts – die Aufklärung setzte auf Rationalität.

Innerhalb aufklärerischer Entwürfe über den politischen Menschen (den Bürger) und die Funktion/Ordnung des Staates mußte die unterschiedliche Behandlung von Menschen verschiedenen Geschlechts und Standes erklärt werden. Denn der aufklärerische Mensch mit den Eigenschaften eines freien und selbständig denkenden Selbst traf in der Realität nur auf das weiße, männliche Besitzbürgertum zu. Herrschaft und Macht wurde von den Philosophen dieser Zeit mit der „Idee der Gerechtigkeit“ (vgl. ebd.: 513) legitimiert. Die politische Ordnung basierte auf rationalen Gesetzen, denen alle unterworfen sind.

Mit dem Anspruch auf einen privaten Bereich (Moral, Religion, Familie) wurde für das „autonome bürgerliche Subjekt“ eine Sphäre „außerhalb der Jurisdiktion staatlicher Autorität“ geschaffen, die demzufolge als vor-politisch galt (vgl. ebd.: 514). Im Zuge der voranschreitenden Zentralisierung von Staat und Kirche, mit dem Ergebnis der Konsolidierung des Nationalstaates, konnte die Trennung ökonomischer/politischer vs. reproduktiver/häuslicher Bereich institutionell und vor allem als Geschlechtsrollenzuschreibung gefestigt werden (vgl. ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zum Gegenstand der Hausarbeit: Einleitung in die Problematik des Ausschlusses von Frauen aus öffentlichen Bereichen und Definition der zentralen Termini.

2. Feministische Politikwissenschaft und das feministische Subjekt: Debatte über Identitätskonstruktionen innerhalb der Politikwissenschaft und die Herausforderung eines universellen Subjektbegriffs.

3. Staat und Geschlecht im feministischen Diskurs: Untersuchung der historischen und theoretischen Ursachen für die Androzentrik staatlicher Herrschaftsstrukturen.

4. Dezentralisierung, Entstaatlichung oder Staatsorientierung – Lösungsansätze zur Veränderung der Geschlechterasymmetrie im politisch-administrativen System: Diskussion verschiedener feministischer Ansätze zur Transformation der Geschlechterverhältnisse.

5. Schlußfolgerungen und offene Fragen: Kritische Reflexion der Möglichkeiten einer geschlechtergerechten Staatsgestaltung und Ausblick auf zukünftige Anforderungen an die Sozialwissenschaften.

Schlüsselwörter

Staatstheorie, Feminismus, Geschlecht, Patriarchat, Herrschaft, Geschlechterasymmetrie, Männerbund, politische Repräsentation, Staatsanalyse, Identitätskategorie, Macht, Androzentrismus, Geschlechterhierarchie, Dezentralisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen dem modernen Staat und der Kategorie Geschlecht aus einer kritischen feministischen Perspektive.

Welche Themenfelder sind zentral?

Zentrale Themen sind die Subjektbildung, die Geschichte der Staatsbildung, die Rolle von Gewalt und Militär sowie die Wirksamkeit von Männerbünden bei der Exklusion von Frauen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich der Staat als geschlechtshierarchische Institution erhalten hat und welche Ansätze existieren, um diese Asymmetrien zu überwinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine feministische Diskursanalyse, um androzentrische Denkmuster in der Politikwissenschaft zu dekonstruieren und zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Ausblendung des Geschlechts in neuzeitlichen Staatstheorien, der Bedeutung des Militärs als „Schule der Männlichkeit“ und der Funktion informeller Männerbünde.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Staatstheorie, Geschlechterasymmetrie, Patriarchat, Subjektbildung, Macht und feministische Politikwissenschaft.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Männerbundes für den Staat?

Sie sieht im Männerbund eine strukturelle Komponente zur Festigung männlicher Dominanz, die informelle Beziehungsnetzwerke nutzt, um Frauen den Zugang zu einflussreichen Positionen zu erschweren.

Warum sind Lösungsansätze wie die Dezentralisierung relevant?

Sie dienen dazu, starre, zentralisierte männliche Organisationsstrukturen aufzubrechen und Frauen durch eine Stärkung kommunaler oder subsistenzorientierter Räume mehr Handlungsspielraum zu verschaffen.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Verhältnis von Staat und Geschlecht aus feministischer Perspektive
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Das Subjekt des Feminismus
Note
1,3
Autor
Manja Wiesner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
25
Katalognummer
V19059
ISBN (eBook)
9783638232753
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis Staat Geschlecht Perspektive Subjekt Feminismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Manja Wiesner (Autor:in), 2000, Das Verhältnis von Staat und Geschlecht aus feministischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19059
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Leseprobe aus  25  Seiten
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