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Untersuchungen zur künstlerischen Selbstinszenierung der Kaiser von Westrom, Byzanz und Asien um 1000 n. Chr.

Title: Untersuchungen zur künstlerischen Selbstinszenierung der Kaiser von Westrom, Byzanz und Asien um 1000 n. Chr.

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Alexander Tutt (Author)

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Die Auseinandersetzung mit künstlerischen Selbstinszenierungen weltlicher Herrscher ist nicht nur das Sujet der Kunstwissenschaftler. Historiker, Archäologen sowie Sozial-, Politik- und Religionswissenschaftler sorgen auf diesem Gebiet für steten Gedankenaustausch. Dabei bezieht man sich auf geschichtlichen Kontext, ikonographische Symbolhaftigkeit sowie politische und soziale Hintergründe der einzelnen Herrscherhäuser. Mit Blick auf die Erforschung mittelalterlicher Herrscherbilder entbehren diese Einschätzungen jedoch meist eines internationalen Vergleiches. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, eine Gegenüberstellung dreier divergenter Kulturkreise, denen Westroms, Asiens und Byzanz, um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert n. Chr. herzustellen. Hierzu dienen Herrscherbilder Kaiser Ottos III., des oströmischen Kaisers Basileos II. sowie des chinesischen Kaisers Song Taizus (Zhao Kuangyin). Vor der vergleichenden Interpretation dieser Bildnisse stehen folgende Fragestellungen: Waren diese augenscheinlich verschiedenen Kulturkreise bei der Darstellung ihrer weltlichen Führer grundsätzlich verschieden? Gab es neben ideellen Gemeinsamkeiten der Herrschaftslegitimation auch eine künstlerische? Es ist notwendig, bei der Behandlung dieser Fragen den Weg der quellenbasierten Forschung vereinzelt zu verlassen und eine interpretative Arbeitsweise anzuwenden. Bei der Interpretation der Bilder Ottos III. und Basileios’ II. konnte teilweise auf Vorarbeit von Kunsthistorikern wie Anthony CUTLER und Florentine MÜTHERICH zurückgegriffen werden. Bei der Beschäftigung mit der asiatischen Herrscherdarstellung gab die Monographie Dieter KUHNS einen geschichtlichen Überblick und Hinweise auf weiterführende Literatur. Die interpretatorische Auseinandersetzung mit dem Herrscherbild Song Taizus erfolgte, aufgrund fehlender Literatur bzw. sprachlicher Barrieren, ohne die Heranziehung vorheriger Interpretationsansätze. Das Gros der Darstellungen fußt hier auf Auslegungen der Beschreibungen in Wolfram EBERHARDS Standardwerk. Bevor mit der Interpretation der einzelnen Herrscherbilder begonnen wird, sei jedoch zunächst die Grundlage des Vergleiches dargestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herrscherbildinterpretation

2.1 Basileios II.

2.2 Otto III.

2.3 Song Taizu

3. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die künstlerische Selbstinszenierung weltlicher Herrscher aus drei verschiedenen Kulturkreisen – Westrom, Byzanz und Asien – um die Jahrtausendwende zum 11. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, ob sich die ideellen und künstlerischen Ansätze der Herrschaftslegitimation in diesen divergierenden Kulturen grundlegend unterscheiden oder ob Gemeinsamkeiten in der Darstellung erkennbar sind.

  • Vergleichende Analyse der Herrscherbilder von Kaiser Otto III., Basileios II. und Song Taizu.
  • Untersuchung von Ikonographie, Symbolik und politischem Kontext der Darstellungen.
  • Kritische Betrachtung der Herrschaftslegitimation durch sakrale und weltliche Attribute.
  • Gegenüberstellung der unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen und Bildsprachen.
  • Interpretation der Rollen von Kleidung, Gestik und tierischer Symbolik in den Porträts.

Auszug aus dem Buch

2.1 Basileios II. (Cod. Marc. gr. 17 foll. 2v/3r)

Eine Auseinandersetzung mit der Person des byzantinischen Kaisers Basileios II. beginnt in der wissenschaftlichen wie publizistischen Forschung meist mit der Erklärung seines, wenig schmeichelhaften, Beinamens „Bulgaroktonos“ („Bulgarentöter“). Jener nimmt Bezug auf seinen Bulgaren-Feldzug, welcher im Jahre 1018 mit der Annexion Bulgariens endete und gleichsam die größte Reichsexpansion Byzanz’ darstellte. Nach einer Darstellung des zeitgenössischen Chronisten Johannes SKYLITZES ließ Basileios II. im Jahre 1014, nach einer wichtigen Schlacht bei Kleidion, 15.000 besiegte Bulgaren blenden und nach Hause schicken; in Gruppen zu je hundert unter der Führung eines Einäugigen. Ungeachtet dieser, für damalige Zeiten schon als grausam geltenden, Vorgehensweise attestierten Chronisten des 11. Jahrhunderts, wie SKYLITZES oder Michael PSELLOS, Basileios II. in toto positive Eigenschaften als Kaiser und Kriegsherr. Zu den größten innenpolitischen Erfolgen Basileios‘ gehörte die Entmachtung des Adels, was seine Machtposition zunächst entscheidend stärkte. Diese Machtfülle und Führungseigenschaften sucht die im Folgenden zu behandelnde Illustration Basileios’ II. im „Marciana-Psalter“ (fol. 3r) hervorzuheben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, einen internationalen Vergleich der künstlerischen Herrscherdarstellungen um das Jahr 1000 zwischen Westrom, Byzanz und Asien anhand ausgewählter Beispiele durchzuführen.

2. Herrscherbildinterpretation: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten ikonographischen Analyse der Herrscherbilder von Basileios II., Otto III. und Song Taizu unter Berücksichtigung ihrer spezifischen politischen und kulturellen Hintergründe.

2.1 Basileios II.: Hier wird das Porträt des byzantinischen Kaisers im Marciana-Psalter interpretiert, wobei insbesondere die religiöse Symbolik und die militärische Legitimation im Vordergrund stehen.

2.2 Otto III.: Dieses Kapitel analysiert das Kaiserbild im Evangeliar Ottos III. und untersucht die Darstellung des jungen Kaisers im Kontext seiner Renovatio-Politik und des sakralen Machtanspruchs.

2.3 Song Taizu: Die Analyse des Seidenrollbildes des chinesischen Kaisers Song Taizu beleuchtet die spezifische fernöstliche Symbolik sowie die konfuzianisch geprägte Darstellung von Gelehrsamkeit und Harmonie.

3. Fazit: Das Fazit fasst die vergleichenden Beobachtungen zusammen und stellt fest, dass trotz kultureller Unterschiede das zentrale Ziel aller Darstellungen in einer positiven, auf Konventionen beruhenden Inszenierung des Herrschers als gottlegitimiertes oder erhabenes Oberhaupt besteht.

Schlüsselwörter

Herrscherbild, Ikonographie, Basileios II., Otto III., Song Taizu, Mittelalter, Byzanz, Westrom, China, Herrschaftslegitimation, Symbolik, Kunstgeschichte, Renovatio Imperii, Kaiser, Bildinterpretation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der künstlerischen Selbstinszenierung von weltlichen Herrschern um die Jahrtausendwende in drei verschiedenen Kulturkreisen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte, politische Ikonographie und der Vergleich von Herrschaftssymbolik in Westrom, Byzanz und China.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine vergleichende Analyse der Herrscherbilder von Basileios II., Otto III. und Song Taizu, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Darstellung und Legitimation aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine quellenbasierte, interpretative Methode angewandt, die kunsthistorische Analysen mit dem historischen Kontext verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung und Interpretation der jeweiligen Herrscherporträts unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Symbolsprache.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Herrscherbild, Ikonographie, Herrschaftslegitimation, Symbolik und der interkulturelle Vergleich.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Song Taizu von den europäischen Kaisern?

Während die europäischen Kaiserbilder stark von christlicher Ikonographie und militärischen Attributen geprägt sind, betont das Bild von Song Taizu eher konfuzianische Ideale wie Gelehrsamkeit, innere Ausgeglichenheit und Harmonie.

Warum wird im Fazit von einer "Abnahme des ikonographischen Beiwerks" gesprochen?

Der Autor stellt fest, dass die Kaiserbilder von Basileios und Otto stärker auf eine Vielzahl sakraler und menschlicher Komponenten angewiesen sind, während Song Taizu seine Macht scheinbar stärker durch seine bloße Person repräsentiert.

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Details

Title
Untersuchungen zur künstlerischen Selbstinszenierung der Kaiser von Westrom, Byzanz und Asien um 1000 n. Chr.
College
University of Heidelberg  (Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften)
Course
Kaiserdynastie und Krisenbewältigung. Historiographie und Bildzeugnisse um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert
Grade
1,3
Author
Alexander Tutt (Author)
Publication Year
2011
Pages
24
Catalog Number
V190592
ISBN (eBook)
9783656164654
ISBN (Book)
9783656164760
Language
German
Tags
Herrscherbilder Herrscherbildnisse Selbstinszenierung Ikonographie Otto III. Basileios Song Taizu
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Tutt (Author), 2011, Untersuchungen zur künstlerischen Selbstinszenierung der Kaiser von Westrom, Byzanz und Asien um 1000 n. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190592
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