Jedes Jahr investieren deutsche Unternehmen Milliarden Euros in Weiterbildungsprogramme. Nach Kellner (2006) verlassen sich die Mehrheit der Personalentwickler und Trainer darauf, dass sich der Erfolg nach Seminaren und Trainings schon automatisch einstellen werde (vgl. Kellner 2006, S. 14). Doch in der Praxis findet sich ein anderes Bild wieder. Nur rund zehn bis 20 Prozent von dem, was in Trainings faktisch gelernt wird, wird auch nachhaltig am Arbeitsplatz angewandt (vgl. Geißler 2010a, S. 24; vgl. auch Kauffeld 2010, S. 110). Seit langem beklagt die Trainingsforschung, dass Gelerntes vielfach gar nicht oder nur unzureichend ein- bzw. umgesetzt wird, wenn die Teilnehmer einer Weiterbildungsmaßnahme an den täglichen Arbeitsplatz zurückkehren (vgl. Solga 2011, S. 339, vgl. auch Seufert 2008, S. 101). Somit ist eines der größten Herausforderungen das Transferproblem, „d.h. das Problem, dass das, was in einer Weiterbildungsmaßnahme gelernt worden ist, anschließend viel zu wenig in der Praxis angewendet wird“ (Geißler 2011, S. 123). Die Ursache dafür liegt vorwiegend in der unzureichenden Unterstützung in der Transferphase, die als eine eigenständige Lernphase verstanden werden muss. Für eine erfolgreiche Implementierung und Umsetzung einer Weiterbildungsmaßnahme und dessen Lerntransfer ist somit eine nachhaltige personelle Unterstützung von besonderer Bedeutung. Nach Geißler (2010) lässt sich das Problem des Transfers durch Coaching als Prozessbegleitung lösen. Dabei bieten sich zwei Varianten an. Zum einen kann die Unterstützung durch ein traditionelles face-to-face-Coaching erfolgen. Zum anderen wird das sogenannte ‚Virtuelle Transfercoaching‘ (VTC) als Lösung für das Problem gesehen (vgl. Geißler 2011, S. 123). Beide Varianten dienen der individuellen Nachbereitung der Teilnehmer von Weiterbildungsmaßnahmen. Dabei erfolgt eine Integration von Seminar und Coaching, um die Nachhaltigkeit von Maßnahmen zu erhöhen. Aus diesem Grund beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit das Konzept des sogenannten Transfercoaching zur Lösung des Transferproblems beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Zugang zur Thematik des Transferproblems in der Weiterbildung
2.1. Definition von Lerntransfer
2.2. Das Problem des Lerntransfers
3. Transfercoaching
3.1. Virtuelles Transfercoaching (VTC)
3.2. Transfercoaching der SICK AG
3.3. Transfercoaching: Ein Fazit
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Transferproblem in der beruflichen Weiterbildung, bei dem in Seminaren erworbenes Wissen oft nicht nachhaltig am Arbeitsplatz angewendet wird. Das primäre Ziel ist es, das Konzept des Transfercoachings als Interventionsmethode zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Verzahnung von Training und Prozessbegleitung – insbesondere durch virtuelle Formate – der Praxistransfer nachhaltig gesichert werden kann.
- Grundlagen des Lerntransfers und Barrieren in der Praxis
- Analyse der Ursachen für unzureichende Transfererfolge
- Methodische Ansätze des Transfercoachings
- Virtuelles Transfercoaching (VTC) als hybrides Programmkonzept
- Fallbeispiel: Pilotprojekt der SICK AG
Auszug aus dem Buch
3.1. Virtuelles Transfercoaching (VTC)
Beim VTC steht das Leistungsversprechen im Mittelpunkt, um das Transferproblem zu lösen und somit die Nachhaltigkeit und den Wirkungsgrad von Weiterbildungsmaßnahmen zu steigern. Das Konzept besteht aus zwei Komponenten, dem Einzelcoaching als Telefoncoaching sowie dem Internetprogramm und gliedert sich in zwei Module auf. Dabei soll der Teilnehmer angeleitet werden, für seinen Lerntransfer eine individuelle Planung anzufertigen und diese Umsetzung zielgerichtet über einen langen Zeitraum zu beobachten. Daraus sollen Konsequenzen für den weiteren Prozess des Transfers gezogen werden (vgl. Geißler 2010a, S. 24). Das Format des VTC gliedert sich in zwei Phasen, der Präsensphase des Gruppentrainings und in der darauffolgenden zweiten Phase, die durch das internetbasierte Einzelcoaching gekennzeichnet ist. Dem VTC liegt folgendes Ablaufdesign zugrunde (siehe Anhang Abb. 1): In der Präsenzveranstaltung der Weiterbildungsmaßnahme erfolgt die Auseinandersetzung der Lerninhalte unter Anleitung des Trainers. Gegen Ende der ersten Phase vereinbart der Trainer mit dem Teilnehmer einen Termin für das erste Telefoncoaching, welches einige Tage später stattfinden sollte. Der Inhalt ist dabei die individuelle Transferplanung jedes einzelnen Teilnehmers. Mit Hilfe des Internetprogramms wird das Telefoncoaching durch den Klienten vorbereitet. Dabei stellt das Programm dem Teilnehmer Fragen zur Planung seines Lerntransfers, die schriftlich im Programm beantwortet werden müssen. Zur Vorbereitung auf das Telefoncoaching liest sich der Coach die Antworten online durch. Ziel des Telefoncoachings ist die gemeinsame, kritische Überprüfung des vom Klienten schriftlich vorbereiteten Transferplans. Die daraus entwickelte und überarbeitete Planung soll der Klient in den nächsten ein bis zwei Wochen umsetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik, dass trotz hoher Investitionen in Weiterbildung nur ein geringer Teil des Gelernten tatsächlich am Arbeitsplatz Anwendung findet, und führt in die Fragestellung des Transfercoachings ein.
2. Ein Zugang zur Thematik des Transferproblems in der Weiterbildung: Dieses Kapitel definiert den Begriff Lerntransfer, erläutert dessen verschiedene Dimensionen und analysiert die Ursachen für das Transferproblem, wie etwa fehlende Unterstützung oder psychologische Barrieren.
3. Transfercoaching: Dieser Hauptteil beschreibt das Transfercoaching als Lösungsansatz, wobei sowohl klassisches face-to-face Coaching als auch das moderne virtuelle Transfercoaching (VTC) inklusive des Praxisbeispiels der SICK AG detailliert dargestellt werden.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Notwendigkeit professioneller Unterstützung bei der Implementierung von Gelerntem und unterstreicht das Potenzial des Transfercoachings als qualitätssicherndes Instrument für Unternehmen.
Schlüsselwörter
Lerntransfer, Transferproblem, Weiterbildung, Transfercoaching, Virtuelles Transfercoaching, VTC, Personalentwicklung, Praxistransfer, Nachhaltigkeit, Blended Learning, Trainingseffektivität, Prozessbegleitung, Coaching, SICK AG, Wissenstransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, dass in beruflichen Trainings vermittelte Inhalte oft nicht dauerhaft im Arbeitsalltag umgesetzt werden, und evaluiert Methoden zur Verbesserung dieses Lerntransfers.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Lerntransferdefinitionen, die Identifikation von Transferhindernissen sowie die Implementierung von unterstützenden Coaching-Methoden zur Nachbereitung von Weiterbildungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung des Konzepts "Transfercoaching" als hybrides Instrument, um die Lücke zwischen Seminarinhalten und der praktischen Anwendung am Arbeitsplatz zu schließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die durch die Betrachtung eines konkreten Pilotprojekts (SICK AG) sowie bestehender Fachliteratur und Programmkonzepte fundiert wird.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Darstellung des Transfercoachings, insbesondere der Differenzierung zwischen persönlichem face-to-face Coaching und dem technologiegestützten Virtuellen Transfercoaching (VTC).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit beschreiben?
Wesentliche Begriffe sind Lerntransfer, Transfercoaching, Virtuelles Transfercoaching (VTC), Nachhaltigkeit und berufliche Weiterbildung.
Was zeichnet das Pilotprojekt der SICK AG im Vergleich zu herkömmlichen Trainings aus?
Die SICK AG ergänzt das klassische Seminar um ein zweistufiges Coaching, das aus einem vor dem Seminar stattfindenden Einstiegscoaching und einem darauffolgenden Veränderungscoaching besteht, um eine kontinuierliche Lernentwicklung zu gewährleisten.
Wie unterscheidet sich das Virtuelle Transfercoaching (VTC) von traditionellen Methoden?
Das VTC nutzt moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, um Coachingprozesse kostengünstiger und räumlich flexibler anzubieten, wobei es ein strukturiertes Internetprogramm mit Telefoncoaching kombiniert.
- Quote paper
- Carolin Bengelsdorf (Author), 2011, Das Problem des Lerntransfers in der Weiterbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190601