Michael Agricola: Reformator und Vater der finnischen Literatursprache


Seminararbeit, 2011

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Quellenproblematik

2 Agricolas Kindheit und Jugend
2.1 Geburt und Herkunft
2.2 Schulausbildung

3 Politische und religiöse Situation
3.1 Das Stockholmer Blutbad
3.2 Das Reich unter der Regierung von König Gustav I. Wasa
3.3 Der Umschwung der Kirche durch schwedische Reformatoren
3.4 Martin Skytte als neuer Bischof in Turku
3.5 Das Reformation beginnt im Bistum Turku

4 Agricola und Luther
4.1 Studium in Wittenberg
4.2 Rückkehr nach Turku

5 Agricolas als Reformator Finnlands
5.1 Rektor der Turkuer Schule
5.2 Agricolas Werk als Vater der finnischen Literatursprache
5.3 Bischof von Turku
5.4 Die Zeit der Nachfolger

6 Resümierendes Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Michael Agricola, Reformator und Begründer der finnischen Schriftsprache. Als Theologe und Reformator verehrt und als Vater der finnischen Literatursprache ausgezeichnet, prägt sein Name noch heute das finnische Volk und wird auch in Zukunft nicht vergessen werden. Doch was macht diesen Mann zu einem unvergesslich menschlichen Unikat? Was hat Agricola in den Zeiten der Reformation bewirkt, was keiner anderer erreicht hat?

1.2 Quellenproblematik

Die Hauptquelle ist nur das Buch Michael Agricola von Jaakko Gummerus, welcher als Theologe zu einem der bedeutendsten Personen der finnischen Kirche dazuzählt. Die Biografie über Agricola erschien 1908 zum ersten mal in deutscher Übersetzung. Es mag eventuell verwunderlich sein, dass lediglich ein minimaler Bestand der deutschen Übersetzungen vorhanden ist. Die zeitlichen Umstände haben diese Knappheit mit sich gezogen. Erinnerungen an die russische Truppenbesetzung in Finnland mit der dadurch herrschenden Zerstörungswut sowie der Brand von Turku, bei dem die Universitätsbibliothek einen vollständigen Verlust aller dort bewahrten Bücher hinnehmen musste, geben zu verstehen, dass die Quellen auf das Minimum begrenzt sind.1

Dennoch ist die Bedeutsamkeit des Mannes, Michael Agricola, nicht zu untermauern. Auch mit nur wenigen evidenten Beweisgrundlagen lässt sich seine Wichtigkeit für die Geschichte Finnlands hervorheben und benennen.

2 Agricolas Kindheit und Jugend

2.1 Geburt und Herkunft

Michael Agricola war der Sohn des Bauern Olav Laurentii. Sie lebten auf dem Gutshof Särkilahtis in Pernaja an der Südspitze Finnlands.2 Unter besonderen Einfluss der Kirche, wuchs er als pflichtgemäßer Jüngling im Katholizismus auf. Der Bauernhof lag in dem kleinen Dorf Torsby im ländlichen Gebiet Uusimaa, welches zum westlichen und historischen Teil Finnlands gehört. In Uusimaa, das bis 1997 noch eine Provinz war, lebten finnischsprachige und schwedischsprachige Einwohner. Bis heute haben Forscher nicht beweisen können, welche Muttersprache Agricola prägte. Simo Heininen ist der Überzeugung nahe, dass Agricola schwedischsprachig aufwuchs, wohingegen Jaakko Gummerus anderer Meinung ist. „Die Erforschung seiner literarischen Arbeit hat jedoch wahrscheinlich gemacht, dass seine Muttersprache finnisch war.“3 So ungewiss wie sein sprachlicher Einfluss ist auch sein Geburtsjahr. Nachforschungen können nur vermuten, dass er zwischen 1508 und 1512 geboren sein muss.4

2.2 Schulausbildung

„Seine Studienjahre fielen in eine Zeit, in der das reine Evangelium schon in Finnland gepredigt wurde“5 Es gibt keine Belege dafür, wann Michael Agricola angefangen hat zu lernen. Lediglich das Jahr 1520 lässt Annahmen darüber treffen, dass er eine Ausbildung begonnen haben muss. An der Lateinschule in Viipuri, dem heutigen Wiborg, war Agricola Lehrling unter der Direktion des Rektors Johannes Erasmi. Der Rektor erkannte das leistungsfähige Potential schnell und versuchte Agricola so gut es geht zu unterstützen. Agricola war als kluger und geistreicher Schüler an seiner Lehranstalt bekannt.6 In der Zeit von Agricolas Lehrjahren war der Umschwung in der Kirche Finnlands sowie der allgemeinen gesellschaftlich politischen Situation evident. Darauf wird im nächsten Kapitel dieser Arbeit detailliert eingegangen.

3 Gesellschaftliche Situation

Die Kalmarer Union existierte bereits seit 1397 und verbündete die drei Reiche, Dänemark, Schweden-Finnland und Norwegen-Island, zu einem Skandinavischen Großreich einst unter der Regierung von Königin Margarete I. Alle drei Reiche führen somit eine gemeinsame Außenpolitik sowie die gemeinsame Thronfolgerregelung in einem Dauerbündnis der Personalunion Schwedens, indem jedes Reich seine eigenen Gesetze beibehält.7 Doch die Zeit der Kalmarer Union war wahrlich keine Blütezeit in der skandinavischen Geschichte. Als Erich von Pommern VII. Nachfolger von Königin Margarete I. wurde, wollte er Dänemark zu einem Einheitsstaat der Union umformen, was ihm letztlich aber nicht gelang, da Schwedens Machtoberhäupter sich gegen Dänemark zu wehren und behaupten wussten. Schweden hatte den starken Drang nach Unabhängigkeit und wurde teilweise durch Reichsverweser regiert. Die Union blieb erhalten und der König zog sich aus seinem Amt zurück.8 Erst als Christian II. ab 1513 den Regierungsantritt in Dänemark unternahm, wendete sich die Zeit radikal. Unionskönig Christian II. war seiner Zeit einer der furchtlosesten und brutalsten Herrscher über Dänemark.

3.1 Das Stockholmer Blutbad

Die Machtkämpfe zwischen Schweden und Dänemark wuchsen immer mehr, sodass sich die schwedischen Reichsverweser der Familie Sture immer mehr gegen die dänischen Könige aufbrüsteten. Auch die schwedische Kirche, welche die Union förderte, hatte Unterdrückungen und Ausbeutungen zu erleiden und musste um ihre Freiheit von Kirche sowie Geistlichkeit kämpfen. Mit der Nachfolge Gustav Trolles als Erzbischof sollte unvorhergesehen der letzte schwedische Erzbischof die Kirche führen. Schweden hatte sich zu diesem Zeitpunkt aus der Kalmarer Union lösen können. Als Christian II. jedoch 1520 nach Schweden einmarschierte, besiegte er den letzten Reichsverweser Sten Sture den Jüngeren. Nachdem Christian II. den Triumph über die Reichsverweser sowie die Herrschaft Schwedens feierte und am 4. November 1520 zum Unionskönig gekrönt wurde, folgte eine mörderische Episode der Gewaltherrschaft, das Stockholmer Blutbad. Es begann ein Ketzerprozess, bei dem Erzbischof von Trolle dem König verhilft, die Anhänger des letzten Reichsverwesers der Ketzerei zu beschuldigen. Auch der Vater von Gustav I. Wasa9 war einer der über 100 zu ermordenden Angeklagten.10 „In den folgenden Hinrichtungen verloren zwei Bischöfe, mehrere Unionsgegner aus dem Adel sowie eine große Zahl von Stockholmer Bürgern ihr Leben.“11

Auch der Bischof von Turku, Arvid Kurki, schloss sich mit seinem Gefolge der Freiheitsbewegung Schwedens an, konnte aber den Sieg über die Tyrannen nicht mehr miterleben. Der Bischof von Turku starb 1522 auf seiner Flucht mit gesamter Eskorte. Er ertrank „in den Wogen des Bottnischen Meerbusens“12. Dieser Verlust des Bischofs für Finnland bewirkte einen großen Einfluss auf die katholische Kirche. Gustav I. Wasa erhielt 1523 den Königstitel im Domkapitel von Strängnäs und verteidigt Schweden weiterhin gegen die Tyrannen. Christian II. wurde aus dem Land vertrieben, was er für sich und seinen Willen auf die schwedische Krone nicht akzeptierte. Erst das Verteidigungsbündnis zwischen Lübeck und Schweden drängte die grausamen dänischen Gegner aus den besetzten finnischen Burgen, dem Wiburger Schloss und aus Stockholm zurück. Somit war in Finnland wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt.13

3.2 Das Reich unter der Regierung von König Gustav I. Wasa

Das Stockholmer Blut hatte Schutzlosigkeit und Armut in die Länder gebracht, nur ist gewiss, dass die Kirche nach wie vor Reichtümer in sich trägt. An eben diese wollte der junge König Gustav I. Wasa gelangen, der sich schneller als gedacht, als Unglücksstifter für Finnland erwies. Nur durch die Besitznahme der kirchlichen Kapitalien schien es Gustav I. Wasa möglich zu sein, die Schuldenlast gegenüber Lübeck zu begleichen. Angefangen mit Ausleihen von kirchlichen Mitteln, erstreckte sich die finanzielle Ausbeutung der Kirche bis hin zu einer Kirchenbesteuerung. Pfarrer sollten eine Art Zins pro Jahr an den Staat abgeben. Mit Ausbruch einer verständlichen Frustration der Kleriker sprach Gustav I. Wasa von einem allgemeinen Wohl für das gesamte Volk als Ausrede für seinen Egoismus. Auf dem Reichstag zu Västeras 1527, den Gustav I. Wasa überhaupt erstmalig einführte, bedrohte er seine Untertanen damit, die Krone abzugeben,14 „wenn man ihm nicht das gesetzliche Recht zugestehe, Macht und Einkünfte der Kirche zu reduzieren, so wie er es als notwendig für den Staat halte.“15

Gustav I. Wasas Ziele, die politische Macht der Kirche zu bändigen und in eine Staatskirche umzuformen, wurden im Jahre 1527 auf dem Reichstag wahr, indem er anstelle des Papstes zum Oberhaupt der Kirche ernannt wurde und sogleich alle Besitztümer der Kirche in seine Hände nahm. Laurentius Andreae, Vorsteher des Domkapitels von Strängnäs und Kanzler des Königs, unterstütze Gustava I. Wasa bei dem Versuch die Kirche zu reformieren. Olaus Petri, erster Student der lutherischen Glaubenslehre, lernte bereits den neuen Glauben des Neuen Testaments an der deutschen Universität in Wittenberg und wurde somit Anhänger des obersten Prälaten vom Domkapitel. Zusammen wollten beide die Reformation in Schwedens Kirche verkünden.16 Bereits 1526 war das Neue Testament ins Schwedische übersetzt worden und Olaus Petri ermöglichte es, erste Messen auf schwedisch abzuhalten. Viele Mönche suchten sich Arbeit in diversen Berufen und gingen aus den Klöstern fort. In Finnland jedoch konnten die Messen noch nicht in der Landessprache gehalten werden.17 Doch wie begann das Zeitalter der Reformation dort fruchtbar zu werden?

3.3 Martin Skytte

Martin Skytte lebte von 1457 bis 1550 in Finnland. Mit der gebräuchlichen Lehre wuchs er auf und mit den traditionellen Lebensweisen des alten Glaubens war er vertraut. Skytte selbst war ein treuer Gottessohn der bekannten Sitten und Bräuche der Mönche, interessierte sich jedoch trotzdem für die neuen Lehren. Mit 70 Jahren erst wurde er eigens durch den König zum Predigermönch berufen. Ohne päpstliche Bestätigung bekam Skytte 1528 den Bischofstitel von Turku zugesprochen.

[...]


1 Vgl. Jaakko Gummerus: Michael Agricola. Der Reformator Finnlands. Sein Leben und sein Werk. Helsinki: Luther- AgricolaGesellschaft. 1941. S. 7-8.

2 Vgl. Simo Heininen/ Markku Heikkilä: Kirchengeschichte Finnlands. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht. 2002. S. 60.

3 Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 25.

4 Vgl. Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 25.

5 Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 25.

6 Vgl. Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 25.

7 Unbekannter Autor: das Weltreich der Mongolen. 13./ 14. Jahrhundert. In: Chronik der Menschheit. Hrsg. von Prof. Dr. Michael Erbe u.a. Gütersloh/ München: Chronik Verlag im Bertelsmann- Lexikon Verlag GmbH 1997; S. 342-343.

8 Schröter, Harm G.: Geschichte Skandinaviens. München: C.H. Beck oHG 2007. S. 33-38.

9 Gustav Wasa organisiert einen Bauernaufstand in Dalarne gegen die dänische Fremdherrschaft. Vgl. Unbekannter Autor: Das Zeitalter der Glaubensspaltung. 16./ 17. Jahrhundert. In: Chronik der Menschheit. Hrsg. von Prof. Dr. Michael Erbe u.a. Gütersloh/ München: Chronik Verlag im Bertelsmann- Lexikon Verlag GmbH 1997; S. 400.

10 Vgl. Lars Ericson Wolke: Stockholms blodbad. Stockholm: Prisma. 2006. S.137-143.

11 Simo Heininen/ Markku Heikkilä: Kirchengeschichte Finnlands. S. 56.

12 Simo Heininen/ Markku Heikkilä: Kirchengeschichte Finnlands. S. 59.

13 Vgl. Simo Heininen/ Markku Heikkilä: Kirchengeschichte Finnlands. S. 52-57.

14 Vgl. Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 28-29.

15 Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 29.

16 Vgl. Simo Heininen/ Markku Heikkilä: Kirchengeschicht Finnlands. S. 58.

17 Vgl. Jaakko Gummerus: Michael Agricola. S. 33-34.

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Details

Titel
Michael Agricola: Reformator und Vater der finnischen Literatursprache
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Finnland zwischen Ost und West
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V190731
ISBN (eBook)
9783656154280
ISBN (Buch)
9783656154419
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
michael, agricola, reformator, vater, literatursprache
Arbeit zitieren
Caro Tornow (Autor), 2011, Michael Agricola: Reformator und Vater der finnischen Literatursprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190731

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