Sexualität und Gewalt: Sexueller Missbrauch von Kindern


Seminararbeit, 2009

37 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von sexuellem Missbrauch

3. Häufigkeiten

4. Formen

5. Signale
5.1. Verbale Signale
5.2. Averbale Signale
5.3. körperliche Signale
5.4. Unterschiede

6. Folgen
6.1. Kurzzeitfolgen
6.2. Langzeitfolgen

7. Rechtliche Aspekte

8. Interventionskonzept - Tierpatenschaft
8.1. Theoretische Überlegungen
8.1.1. Bedarfsanalyse
8.1.2. Transfer auf die regionale Situation
8.2. organisatorischer Rahmen
8.3. Zielgruppenanalyse
8.3.1. Individuelle und anthropologische Voraussetzungen
8.3.2. Soziokulturelle Voraussetzungen nach Baacke
8.4. Zielformulierungen
8.4.1. Richtziel ersten Grades
8.4.2. Richtziel zweiten Grades
8.4.2.1. Grobziele
8.5. Methodisches Vorgehen
8.5.1. Handlungskonzept
8.5.2. Arbeitsformen
8.5.3. Techniken und Verfahren
8.5.4. Ablauf
8.5.5. Leitungsstil und Gruppenprozesse
8.5.6. Nachbetreuung
8.6. Evaluation

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verteilung der Opfer nach Altersgruppen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Erfasste Fälle von sexuellem Missbrauch in Berlin, Brandenburg und Sachsen

Tabelle 2: Opfer nach Alter und Geschlecht

Tabelle 3: Signale anhand einer Altersstufeneingrenzung

Tabelle 4: Unterschiede im Erleben sexuellem Missbrauchs zwischen Mädchen und Jungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich das Thema „sexueller Missbrauch von Kindern“ näher beleuchten.

Ich habe dieses Thema gewählt, weil es ein sehr aktuelles Thema ist. Regelmäßig wird in den Medien von Fällen sexueller Misshandlung berichtet, wie zuletzt in dem Fall in Nieder-Olm.1 Bewegt man sich durch das Internet scheinen, subjektiv wahrgenommen, die Berichte über sexuellem Missbrauch an Kindern zuzunehmen.

Die Täter und Täterinnen kommen fatalerweise hauptsächlich aus der eigenen Familie und dem nahen Umfeld. Da das Opfer den Täter oder die Täterin trotz der Misshandlung meist weiterhin liebt, ist es dem Kind in der Regel nahezu unmöglich, sich einer anderen Person anzuvertrauen. So steht das Kind beim familiären Missbrauch unter einem Geheimhaltungsdruck, der es zur Sprachlosigkeit, Wehrlosigkeit, Hilflosigkeit verurteilt - meist viele Jahre lang, wenn nicht sogar für immer. Die Untersuchung dieser Problemstellung bildet den Hauptteil der Arbeit. Außerdem wird sexueller Missbrauch definitorisch geklärt, die Häufigkeiten von Missbrauch anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PSK) aufgezeigt, Formen, Signale, Folgen und die rechtlichen Aspekte definiert und erklärt.

Ein mögliches Interventionskonzept in Form einer Tierpatenschaft wird im Punkt acht näher erläutert. Der Punkt neun bezieht sich auf mein persönliches Fazit zu dem vorliegenden Thema.

2. Definition von sexuellem Missbrauch

Bei der Auseinandersetzung mit der Problematik stößt man in der gängigen Literatur als erstes auf das Problem einer nicht einheitlichen Definition von sexuellem Missbrauch an Kindern. Oftmals wird die Beschreibung „gegen den Willen des Kindes“ verwendet, doch dieses Kriterium geht nicht genug auf die reale Macht- und Hilflosigkeit des Kindes ein.2

Es finden sich viele verschiedene grundlegende Aspekte, welche für die Definition sexuellen Missbrauchs maßgebend sein können. Die begriffliche Bestimmung von sexuellem Missbrauch unterscheidet sich nach psychologischen, soziologischen und juristischen Hintergründen.3

Eine genaue und allgemeingültige Definition zu formulieren fällt somit sehr schwer. Daher erfolgt der Versuch einer Definition anhand des § 176 StGB.

§ 176 StGB

„(1) Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind dazu bestimmt, dass es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder von einem Dritten an sich vornehmen lässt...“4

Dieser Paragraf verdeutlicht, wie eine sexuelle Handlung in Deutschland bestraft werden kann.

Des Weiteren beschreibt die Literatur, dass der Täter immer eine bestimmte Absicht verfolgt und die Tat ein bewusstes Vorgehen ist. Oftmals werden Situationen zur sexuellen Misshandlung von Kindern durch den Täter aktiv gesucht und selbst arrangiert.5

„Sexueller Mißbrauch beginnt dort, wo Männer sich bewusst am Körper eines Kindes befriedigen oder sich befriedigen lassen.“6 Weiterhin unterscheidet die Fachliteratur zwischen Hands-on- und Hands-off- Handlungen. So zählen zu den Hands-on-Handlungen all diejenigen Delikte wie Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Pädophilie und Inzest. Hierbei findet immer ein körperlicher Kontakt zwischen dem Opfer und dem Täter statt. Zu den Hands-off- Handlungen zählen Beispielsweise die Herstellung von Kinderpornografie oder die Anleitung zur Prostitution.7

Daher ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen immer eine Form der Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB.

3. Häufigkeiten

Nachfolgend werden die Häufigkeiten von sexuellen Übergriffen anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2007 und aus dem Kurzbericht für das Jahr 2008 dargelegt. Die komplette PKS für das Jahr 2008 wird voraussichtlich erst Mitte August veröffentlicht. Hierbei ist anzumerken, dass es sich bei der Statistik nur um die Zahlen des Hellfeldes handelt. Die Grenzen zwischen Hell- und

Dunkelfeld verändert sich Beispielsweise aufgrund des Anzeigeverhaltens der Bevölkerung oder durch die Verfolgungsintensität der Polizei.

Tabelle 1: Erfasste Fälle von sexuellem Missbrauch in Berlin, Brandenburg und Sachsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im gesamten Bundesgebiet sind 2007 12 772 Fälle erfasst worden, darunter 1 763 Fälle in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Anhand dieser Zahlen lässt sich erkennen, dass die erfassten Fälle seit 2005 leicht sinken. Wie bereits erwähnt verschieben sich die Zahlen aufgrund diverser Faktoren. Dieser Rückgang in der Statistik ist kein Garant für einen tatsächlichen Rückgang der Misshandlungsfälle.

Tabelle 2: Opfer nach Alter und Geschlecht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verteilung der Opfer nach Altersgruppen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

(Quelle: Vgl. Kurzbericht PKS 2008)

Anhand dieser Abbildung soll gezeigt werden, dass die Opfergruppe der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden, sexueller Übergriffe bei über 50% liegt. Hierbei entfallen auf Kinder bis 14 Jahren 10,6 %, auf Jugendliche von 14- 21 Jahren 29,6% und auf Heranwachsende 14,5% der Misshandlungen.

4. Formen

Generell muss zwischen verschiedenen Formen des sexuellen Missbrauchs unterschieden werden. Es werden physische und psychische Misshandlung, Vernachlässigung und sexueller Missbrauch getrennt.

Die physische Form sexuellen Kindesmissbrauchs sind beispielsweise Zungenküsse, das Berühren des Kindes an den Geschlechtsteilen, Aufforderung zu Handlungen am Täter oder der Täterin, am eigenen Körper, an anderen Kindern, oraler, vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr, Einführen von Fingern oder Gegenständen. Die physische Vernachlässigung hingegen charakterisiert sich durch die nicht Absicherung des Kindes in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit, Pflege, Ernährung und Wohlergehen.8

Weitere physische Misshandlungen sind jede Art der Körperverletzung, die an einem Kind vorgenommen werden. Hierzu gehören Beispielsweise Ohrfeigen, Schläge mit der Hand oder Verbrennungen.9 Anders als die physische, ist die psychische Misshandlung im ersten Moment nicht sichtbar. Psychische Misshandlungen des Täters, ins besondere der Eltern, sind beispielsweise Einschüchtern oder Drohen, ständig Kritik ausüben oder Isolation des Kindes.10

Psychische Formen kann ein Kind weiterhin durch sexualisierte Bemerkungen, Exhibitionismus, Vorführung oder Herstellung pornographischer Bilder oder Filme erleiden. Daher ist sexueller Missbrauch nicht nur körperliche Gewalt, sondern zusätzlich schwerste seelische Gewalt. Die psychische Vernachlässigung bedeutet, dass die Eltern ihrem Kind gleichgültig gegenüber treten, es vergessen, „links liegen“ lassen oder dem Kind „leere“ Versprechungen machen.11

Wie bereits im Punkt 1 erwähnt, wird bei dem sexuellen Missbrauch zwischen den Hands-on und den Hands-off- Handlungen unterschieden.12

Bei all diesen Taten geht es in erster Linie um das Ausleben von Macht - und Dominanzgefühlen. Zu dem sexuellen Missbrauch kommen ein erheblicher Vertrauensmissbrauch und die totale Verwirrung der kindlichen Gefühle. Der sexuelle Missbrauch durch einen Erwachsenen ist wohl die zutiefst in die Persönlichkeit eingreifende Störung, die einem Kind widerfahren kann. Es ist eine unglaubliche Leistung, diese Schädigung seelisch, geistig und körperlich zu überleben.

5. Signale

Kinder welche Opfer sexuellen Missbrauchs wurden, senden verbale, nonverbale und/oder körperliche Signale aus, welche im Folgenden erklärt und definiert werden. Durch ein aufmerksames Umfeld können diese Signale wahrgenommen werden.

5.1. Verbale Signale

Ein Kind erzählt oder macht Andeutungen gegenüber einer Person, zu der es großes Vertrauen hat (z.B. Mutter, Verwandtschaft, Lehrerin etc.). Oft sind diese Andeutungen recht zaghaft, da das Kind sich selbst nicht sicher ist, was da mit ihm passiert ist. Die Kinder haben auch oft Formulierungsschwierigkeiten wenn sie über das Erlebte sprechen wollen. In der Folge hängt es dann von der Vertrauensperson ab, ob der Missbrauch aufgedeckt bzw. beendet werden kann.13

„Wichtig ist aber auch hier zu erwähnen, dass dies nicht immer bedeuten muss, dass Kinder ihr Wissen durch einen eigenen Missbrauch erworben haben. Die jeweiligen Verhaltenssymptome sind häufig altersabhängig.“14

Dies bedeutet, dass die Kinder Dinge wiedergeben die sie irgendwo einmal gehört haben.

5.2. Averbale Signale

Bei den averbalen Signalen versucht das Kind sich in der Umwelt Gehör für das Problem zu verschaffen. Wenn es scheitert wird es Signale setzen, die auf den Missbrauch aufmerksam machen sollen.

[...]


1 Vgl. Care Child, Menschen für Kinder, 2009.

2 Vgl. Hartwig, Luise; Hensen, Gregor: Sexueller Missbrauch und Jugendhilfe. Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischen Handels im Kinderschutz. 2. Ausgabe. München: Juventa Verlag 2003 S.18.

3 Vgl. Barbaras, K. Friedrich: Sexualität und Recht. Ein Leitfaden für Sozialarbeiter, Pädagogen, Juristen, Jugendliche und Eltern. Frankfurt am Main: Fachhochschulverlag 1998 S. 27.

4 Vgl. Stascheit, Ulrich: Gesetze für Sozialberufe. Die Gesetzessammlung für Studium und Praxis. 15. Auflage. Frankfurt am Main: Fachhochschulverlag 2007 S.1664.

5 Vgl. Braecker, Solveig; Wirtz- Weinrich, Wilma: Sexueller Mißbrauch an Mädchen und Jungen. Handbuch für Interventions- und Präventionsmöglichkeiten. 3. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1992 S. 21- 23.

6 Braecker, Solveig; Wirtz- Weinrich, Wilma: Sexueller Mißbrauch an Mädchen und Jungen. Handbuch für Interventions- und Präventionsmöglichkeiten. 3. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1992 S. 21.

7 Vgl. Amelang, Manfred; Krüger Claudia: Misshandlung von Kindern. Gewalt in einem sensiblen Bereich. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1995 S. 16.

8 Vgl. Engfer, Anette: Kindesmißhandlung. Ursachen Auswirkung Hilfen. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag 1986 S. 14-17.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Vgl. Amelang, Manfred; Krüger Claudia: Misshandlung von Kindern. Gewalt in einem sensiblen Bereich. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1995 S. 15-19.

12 Ebd.

13 Vgl. http://www.basta-dueren.de, letzer Download 17.08.09.

14 Engfer, Anette: Sexueller Missbrauch. In: Montada, Leo; Oerter, Rolf. Entwicklungspsychologie. 4. Auflage. Weinheim: Psychologie Verlags Union 1998 S. 1013.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Sexualität und Gewalt: Sexueller Missbrauch von Kindern
Hochschule
Fachhochschule Lausitz  (Sozialwesen)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
37
Katalognummer
V190741
ISBN (eBook)
9783656153122
ISBN (Buch)
9783656153757
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexueller Missbrauch von Kindern, Missbrauch, Sex, Gewalt, Kriminologie
Arbeit zitieren
Heike Kurz (Autor), 2009, Sexualität und Gewalt: Sexueller Missbrauch von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190741

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