Erstellung eines Deutschen Rapkorpus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Korpus
2.1 Anspruch
2.2 Größe
2.3 Auswahl
2.3.1 Das Problem eines fehlenden Kanon
2.3.2 Stilistische Grenzgänger und Randgruppen
2.3.3 Auswahl der Songtitel
2.4 Textgewinnung
2.4.1 Redigierung
2.4.2 Transkription
2.4.3 Konventionen

3. Analyse
3.1 Softwarelösung
3.2 Vorbemerkungen
3.3 Adjektive
3.4 Komposita
3.5 Verben

4. Zusammenfassung
4.1 Sprachliche Integration
4.2 Grenzen des Korpus

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hip Hop ist zweifelsohne eine der wichtigsten subkulturellen Strömungen des zwanzigsten Jahrhunderts und die Rapmusik, als seine Form des musikalischen Ausdrucks, ist eines der Hauptfundamente. Dass diese Musikrichtung auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht höchst interessant ist, dürfte jedem klar sein der sich einmal eingehender damit beschäftigt hat und sich nicht von der, zugegebenermaßen meist oberflächlichen, Vermarktung durch die Musikindustrie und all ihren im Zeitalter der Globalisierung fast täglich neu aufkommenden Auswüchsen abschrecken lässt.

Aus germanistischer Sicht birgt diese Musikrichtung noch aus einem ganz anderen Grund enormes Potential, denn fast nirgendwo sonst treffen zwei Sprachkulturen auch heute noch so unverdünnt aufeinander. Auf der einen Seite die der (afro-)amerikanischen Gründerväter, auf der anderen Seite die der deutschen Nachahmer, denn zumindest in den Anfangstagen lief es darauf hinaus. Das beste Beispiel hierfür sind nach wie vor Die Fantastischen Vier, ein Musikerkollektiv aus dem Raum Stuttgart, welches in den frühen Achtzigern durch die in und um die Baden-Württembergische Landeshauptstadt stationierten amerikanischen Besatzungskräfte in direkten Kontakt mit einer damals noch fast ausschließlich den Amerikanern vorbehaltenen Subkultur kam. Was daraus resultierte war ein sich schnell in ganz Deutschland verbreitender Drang diese subkulturellen Wertvorstellungen nicht nur nachzuahmen sondern auch auf die eigene, in den meisten Fällen doch recht anders geartete Realität zu übertragen.

Dies führte letztlich auch sprachlich zu der Herausforderung etwas in fremden Worten vorgefasstes auf das Deutsche zu übertragen, in das Deutsche zu integrieren. Einer recht großen Herausforderung, da so ziemlich die gesamte Terminologie einer an sozio-kulturellen Hintergründen und Ritualen so reichen Subkultur wie dem Hip Hop dem Deutschen Sprachschatz fremd ist. Die Arten mit dieser Herausforderung umzugehen sind höchst unterschiedlich und reichen von Ablehnung, über sinnvolle Integration bis hin zu fast bedingungsloser Akzeptanz.

Zweifelsohne ist der Integrationsprozess englischer Lehnwörter in die deutsche Reimsprache eine höchst komplexe Angelegenheit. Einige Aspekte dieses Prozesses, wie etwa die kreative Rolle von Anglizismen oder deren Gebrauch durch die Fantastischen Vier, wurden bereits in vorhergehenden Arbeiten analysiert und erwiesen sich als höchst ertragreich. Es bietet sich daher eine weitere Untersuchung zur Rolle diese Lehnwörter in der deutschen Rapmusik an. Jedoch erlaubt die Größe dieses Projekts eine breiter angelegte Analyse, ein Vorteil dem an späterer Stelle Rechnung getragen werden soll.

Diese Arbeit verfolgt zweierlei: zum einen soll dokumentiert werden wie das zugrunde liegende Korpus der Deutschen Rapmusik erstellt wurde, zum anderen sollen sprachwissenschaftliche Analysen an diesem Korpus vollzogen werden. Im folgenden Kapitel werden daher zuerst die Ansprüche des Korpus dargelegt und es wird erläutert, wie der Textkörper daraufhin konzipiert wurde. Das nächste Kapitel widmet sich der Analyse des gesammelten Materials und beleuchtet auf welche Art und Weise und mit welchen Ergebnissen verschiedene diachrone wie auch synchrone Untersuchungen angestellt wurden. Abschließend werden diese Befunde dann in einem etwas weiteren Kontext zusammengefasst.

2. Das Korpus

2.1 Anspruch

Vor der Unternehmung ein Korpus der Deutschen Rapmusik aufzubauen, müssen zu aller erst die Ansprüche festgesetzt werden, die ein solches Korpus erfüllen sollte. Wie der Name bereits andeutet ging es bei der Konzeption dieses Korpus darum, die Deutsche Rapmusik zu repräsentieren. Da die Repräsentativität in der Korpuslinguistik meist erstrebenswert bleibt, selten erreicht wird, wurde dieser Anspruch konkretisiert und alsdann zum Ziel, diese Musikrichtung in ihrer zeitlichen, räumliche und stilistischen Ausdehnung abzubilden.

2.2 Größe

Wie bereits angesprochen existiert diese Musikrichtung in Deutschland schon seit mehr als zwei Jahrzehnten, in deutscher Sprache seit den frühen Neunzigern. Dieser Zeitraum brachte eine mittlerweile fast unüberschaubare Anzahl an Künstlern, Gruppierungen und losen Kollektiven zutage, förderte aber auch zahlreiche Gegenbewegungen, Geisteshaltungen und musikalischer sowie stilistischer Ansichten. All dem Rechnung zu tragen käme wahrlich einer Lebensaufgabe gleich und so musste der Entschluss gefasst werden, die Zahl der im Korpus enthaltenen Texte auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Überhaupt musste erst einmal entschieden werden, ob es denn primär Lieder oder Künstler sein sollten mit Hilfe derer der Textkörper konzipiert werden würde.

Die Auswahl nach Künstlern sprach schon rein aus Gründen der Effizienz für sich und die Zahl Einhundert schien weder zu groß, noch zu gering, erlaubte es eine ausreichende Anzahl von Musikern, und damit auch an sozio-kulturellen Hintergründen, berücksichtigen zu können. Da ein Musikstück je Protagonist jedwede Art von künstlerischer Weiterentwicklung vernachlässigen würde, zehn Titel den Arbeitsumfang zu sehr anwachsen lassen würden, schien die Zahl Drei recht vernünftig. Drei Musikstücke erlaubt eine zumindest skizzenhafte Abbildung des musikalischen Schaffens eines Künstlers, kann die Früh-, die Hoch- und die Spätphase, oder auch die aktuelle Phase, widerspiegeln. Die nächste Entstehungsphase des Korpus war die Konkreteste, aber auch die Schwierigste, weil Willkürlichste, nämlich die Auswahl der aufzunehmenden Künstler.

2.3 Auswahl

2.3.1 Das Problem eines fehlenden Kanon

Einen all diese Jahre abdeckenden Maßstab, wie etwa einen Kanon oder auch nur eine unabhängige Auflistung von Veröffentlichungen und/oder Verkaufszahlen, gibt es leider nicht und so blieb nur die eigene, durch mehr als ein Jahrzehnt der intensiven Beschäftigung mit dieser Musikrichtung erworbene Urteilskraft um eine Auswahl zu treffen.

Dies mag recht subjektiv anmuten, dennoch wurde die Willkür dieser Auswahl dadurch gemindert, dass der persönliche Geschmack von Anfang an außer Acht gelassen wurde. Auch gab der im Vorfeld formulierte Anspruch der räumlichen, zeitlichen und stilistischen Ausdehnung eine weitere, nicht zu unterschätzende Hilfestellung, denn durch diese drei Faktoren konnten Fixpunkte generiert werden innerhalb derer eine möglichst ausgeglichene Auswahl möglich war. So war beispielsweise der zeitliche Faktor wichtig um festzulegen, dass Musikstücke aus 19 Jahren verwendet werden sollen und nicht nur aus der jüngsten Vergangenheit oder der sogenannten Goldenen Ära, mit der man gemeinhin die Zeitspanne von der Mitte der Neunziger bis zur Jahrtausendwende bezeichnet. Der räumliche Faktor half, nicht nur Künstler aus den Großstädten und/oder Ballungsgebieten dieser Musikrichtung zu verwenden. Hamburg, Stuttgart und besonders Berlin haben beispielsweise alleine in den späten Neunzigern mehr Rapmusiker hervorgebracht als Städte wie Köln und München in den letzten zwei Jahrzehnten.

Jedoch musste auch bei diesen beiden Punkten letztlich die eigene Urteilskraft den Vortritt erhalten, denn das andere Extrem, das Gegenteil der Schwerpunktauswahl, wäre eine automatische Verteilung auf Jahre und Orte gewesen, eine Auswahl die zwar auf den ersten Blick höchst logisch anmuten mag, aber eigentlich das Korpus verfälscht hätte, denn genauso wenig wie in den frühen Neunzigern die gleiche Anzahl an Rapstücken veröffentlicht wurde wie, beispielsweise, zur Jahrtausendwende, sind Rapkünstler gleichmäßig über Deutschland verteilt. Alleine in dem bisherigen Kalenderjahr wurde bisher, grob geschätzt, die gleiche Anzahl an Titeln veröffentlicht wie in der Zeit von 1991 - 1993 und auf einer Raplandkarte Deutschlands gibt es nach wie vor große, unbesiedelte Gebiete in denen sich nun einmal keine Künstler oder Gruppen finden.

2.3.2 Stilistische Grenzgänger und Randgruppen

Soweit zu den Faktoren Zeit und Raum, noch übrig blieb der Stil, das zugleich schwierigste der drei Kriterien. Denn waren zeitliche und räumliche Faktoren immer nur Nebengrößen in der eigenen Beschäftigung mit dieser Musik, so waren stilistische Vorlieben meistens ausschlaggebend für die Selektion gewesen, bestimmte Vertreter bestimmter Grenzauslegungen dieser Musikrichtung, zumeist das was von den Massenmedien mit Hilfe künstlicher Images vermarktet wird, blieben komplett ungehört. Diese Gruppen und Künstler jedoch außen vor zu lassen hieße auch ihnen jegliche Relevanz abzusprechen und das wäre in erster Linie ein Trugschluss. Denn auch wenn Musiker wie Bushido, Sido und Massiv, um ein paar der Bekannteren zu nennen, zumeist inhaltlich glaub- und auch oft fragwürdige Musik machen, so drücken sie der Musikszene dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen, ihren Stempel auf und mögen auf diese Weise so manche Gegenbewegung losgetreten oder angetrieben haben.

Doch nicht nur Kunstprodukte des Mainstreams, zu welchem sich die Hip Hop-Kultur als eine Bewegung des Untergrunds per se in Ablehnung befindet oder es zumindest sollte, mussten noch mit einbezogen werden, sondern auch solche Musiker deren Kunstverständnis mit dem eigenen in, teilweise krassen, Widerspruch steht. Künstler wie der Berliner MC Basstard verkörpern eine deutsche Abwandlung des ursprünglich in den Vereinigten Staaten generierten und stark von dunkleren Musikstilen und deren Gedankengut beeinflussten Horrocoreraps. Andere Berliner wie etwa Taktloss und auch ein früher Kool Savas konzentrierten sich in ihren Texten zumeist auf die bloße Aneinanderreihung von Beleidigungen und Verunglimpfungen nicht näher benannter Dritter.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Erstellung eines Deutschen Rapkorpus
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
HS "Korpuslinguistik"
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V190761
ISBN (eBook)
9783656153948
ISBN (Buch)
9783656154358
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rapmusik, Korpuslinguistik, Korpusanalyse, Anglizismus
Arbeit zitieren
Florian Arleth (Autor:in), 2010, Erstellung eines Deutschen Rapkorpus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190761

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