Diskussion des Begriffs 'Aufgeklärter Absolutismus'

Der ‚Aufgeklärte Absolutismus’ am Beispiel Brandenburg-Preußens – Bloßes Konstrukt oder treffendes Etikett seiner Zeit


Essay, 2010
3 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Der ‚Aufgeklärte Absolutismus’ am Beispiel Brandenburg-Preußens – Bloßes Konstrukt oder treffendes Etikett seiner Zeit

Schon allein der Begriff des „Absolutismus“ ist in der Geschichtsforschung ein streitbarer Begriff. Der „Aufgeklärte Absolutismus’ ist demnach ein Begriffspaar, an dem sich so mancher Historiker stößt. Doch inwiefern ist der „Aufgeklärte Absolutismus“ für die Herrschaftsform des 17. Und 18. Jahrhunderts eine zutreffende Begrifflichkeit, inwiefern überschneiden sich fürstliche Darstellungsansprüche, monarchische Idealvorstellungen und tatsächliche Umsetzung aufklärerischer Vorhaben im enggesteckten Rahmen absolutistischer Politik?

Zunächst sollte eine allzu moderne Interpretation des „Aufgeklärten Absolutismus“ verworfen werden und zugunsten einer zeitgenössischen ersetzt werden. So bedeutete der Begriff nämlich nichts anderes als den Ausbau des monarchischen Herrschaftssystems, „dem die Aufklärung als stabilisierende Ideologie diente.“ Folglich habe eine freiwillige Beschränkung der fürstlichen Machtsphäre nie stattgefunden, sondern sei lediglich zwangsläufig aus der staatlichen Umstrukturierung hervorgegangen. Die Bemühungen um soziale Disziplinierung der Bevölkerung zum Ausbau monarchischer Strukturen seien der Punkt, an dem sich Absolutismus und Aufklärung überschneiden würden.

Das Fürstenselbstverständnis des 17. Und 18. Jahrhunderts beruhte auf einer ganz eigenen Ideologie: Der Monarch verstand sich nicht nur als uneingeschränkter Alleinherrscher, seine Position war zudem gottgewollt. Diese Wertevorstellung auf einem Idealtypus beruhend birgt an sich schon die Problematik in sich, dass eine Person allein schwerlich uneingeschränkte Macht ausüben kann. So hatte ein Monarch doch immer ein System, welches er weitgehend zu instruieren suchte, aber die Ausübung seiner Macht konnte ein Herrscher kaum allein bewerkstelligen.

Kritisch stehen dieser Vorstellung von „Absolutismus“ weiter die Stände als gewichtiger Machtfaktor im „absolutistischen“ Staat gegenüber. Die Stände finanzierten nicht nur den Staatshaushalt mit und stellten hohe Ämter am Fürstenhof, sie bildeten ferner den bedeutendsten Sektor der Erhaltung eines monarchischen Staats: den militärischen Stab. Folglich ist es zu hinterfragen, inwiefern ein Monarch im Sinne des Absolutismus wirklich absolutistisch sein konnte und losgelöst von den Ständen überhaupt regierungsfähig hätte sein können. Hinzukommt, dass den Ständen ganze Gebiete unterstanden, in denen sie die Patrimonialgerichtsbarkeit inne hatten. Landesrecht war demnach das Recht des Landesfürsten und nicht des Monarchen. Absolute Herrschaftsstrukturen eines Monarchen sind daher kaum in dieser idealisierten Form denkbar, da die Stände zwar innerhalb mit unterschiedlicher Gewichtung, aber ein keineswegs unbedeutendes Mitbestimmungsrecht hatten.

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Details

Titel
Diskussion des Begriffs 'Aufgeklärter Absolutismus'
Untertitel
Der ‚Aufgeklärte Absolutismus’ am Beispiel Brandenburg-Preußens – Bloßes Konstrukt oder treffendes Etikett seiner Zeit
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar BM-RE Friedrich und die Aufklärung
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
3
Katalognummer
V190784
ISBN (eBook)
9783656154174
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich II., Preußen, Absolutismus, Aufgeklärter Absolutismus, Absolutist, Antimachiavellismus, Anti-Machiavell, Friedrich der Großen
Arbeit zitieren
Julia Neubert (Autor), 2010, Diskussion des Begriffs 'Aufgeklärter Absolutismus', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190784

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