Der Fall zu Guttenberg hat erneut gezeigt, dass „die Medien“ in der heutigen Zeit immer noch so große Macht haben, um politische und gesellschaftliche Debatten zu beeinflussen. Bereits bei den früheren politischen Auseinandersetzungen und bei der 68er-Bewegung im Besonderen konnte man dies beobachten, wie die nachfolgenden Unterrichtsbeispiele darlegen werden. Das Thema der hier geplanten fiktiven Unterrichtsreihe lautet Die 68er-Bewegung in den Massenmedien, unter besonderer Betrachtung des Schah-Besuchs 1967 und des Tods Benno Ohnesorgs. Das für den Geschichtsunterricht gewählte Medium ist die (Tages-)Zeitung, die sich besonders gut für den Einsatz im Unterricht eignet, weil sie einerseits einen konkreten Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler1 darstellt, ihnen andererseits nicht als historische Quelle bewusst ist, Zeitungen viele Bereiche und Themenfelder des gesellschaftlichen Lebens abdeckt und weil Zeitungen Abwechslung zu den üblichen Medien und Quellen im Geschichtsunterricht bieten. Gerade weil Medien heutzutage als quasi vierte Macht im Staat fungieren, kann man durch die Behandlung dieser im Unterricht eine Medienkompetenz bei den SuS fördern und sie so in die Lage versetzen sich kritisch mit Medien, ihren Inhalten und Absichten auseinander zu
setzen. Diese Arbeit geht zunächst der geschichtliche Entwicklung des Mediums Zeitung von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zur modernen Massenpresse nach. Im Anschluss daran soll auf die Bedeutung der Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht eingegangen werden und, aufgrund ihrer herausragenden Stellung am deutschen Zeitungsmarkt, werden kurz einige wichtige Merkmale der „Bild-Zeitung“ erläutert. Danach wird die Zeitung als Quelle für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe II für das Thema Die 68er- Bewegung in den Massenmedien behandelt. Dazu werden, neben einem thematischen Überblick, zwei Vorschläge zum konkreten Einsatz der Zeitung als historische Quelle in der Schule vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Zeitung
2.1 Das 16. und 17. Jahrhundert
2.2 Das 18. Jahrhundert
2.3 Das Zeitalter der Massenpresse
3. Die Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht
3.1 Definition und Funktion einer Zeitung
3.2 Historischer „Wert“ einer Zeitung für den Unterricht
3.3 Multiperspektivische Einsichten
4. Die "Bild-Zeitung"
4.1 Charakteristika der "Bild-Zeitung"
4.2 Marktanteile und Leserschaft
5. Die Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht in der Sek. II
5.1 Thematischer Überblick
5.2 Unterrichtsvorschlag 1
5.3 Unterrichtsvorschlag 2
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Zeitungen als historische Quellen im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II, insbesondere zur Förderung der Medienkompetenz anhand des Beispiels der 68er-Bewegung. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Schüler durch die multiperspektivische Analyse zeitgenössischer Presseberichte über den Schah-Besuch 1967 und den Tod von Benno Ohnesorg ein tieferes Verständnis für mediale Einflussnahme und historische Ereignisse entwickeln können.
- Historische Entwicklung der Zeitung vom 16. Jahrhundert bis zur Massenpresse
- Methodik der Quellenarbeit mit Zeitungen im Geschichtsunterricht
- Analyse der spezifischen Charakteristika und der politischen Ausrichtung der „Bild-Zeitung“
- Didaktische Umsetzung der 68er-Bewegung durch kontroverse Medienberichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Funktion einer Zeitung
Während das Wort Zeitung vor dem 16. Jahrhundert ein neues Ereignis, eine eingehende Nachricht bedeutete, bezeichnete es ab jenem Zeitpunkt „ein in regelmäßiger Folge erscheinendes, grundsätzlich jedermann zugängliches Medium, das aktuelle Informationen aus allen Lebensbereichen verbreitet“. Des Weiteren gibt es vier Kriterien, die diese Definition beinhaltet und die Zeitungen weitergehend definieren: die Aktualität, Publizität, Periodizität und die Universalität. In demokratischen Regierungssystemen fungieren Zeitungen bzw. die Medien allgemein über eine Kontrollfunktion der staatlichen Organe und insbesondere der Regierungen. Diese Funktion nehmen sie dadurch wahr, dass Zeitungen einerseits Nachrichten verbreiten, zu diesen Stellung nehmen und kommentieren sowie kritisieren. Joachim Sauer weist außerdem noch darauf hin, dass Zeitungen natürlich auch beeinflussen (wollen). Neben verlagseigenen Interessen können Zeitungen je nach Art auch Interessen von Werbekunden unterstützen oder von staatlichen Organen bzw. Parteien genutzt werden, um gezielt Informationen zu lancieren und die Meinung der Bevölkerung zu beeinflussen. Gerade sogenannte Boulevardzeitungen versuchen sich am Interesse der Leser zu orientieren, um ein breit gefächertes Angebot anzubieten, um so ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Boulevardzeitungen sind im Vergleich zu normalen Zeitungen eine besondere Gattung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, Medienkompetenz durch die Analyse von Zeitungsquellen am Beispiel der 68er-Bewegung zu fördern.
2. Geschichte der Zeitung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Presse von den frühen Messrelationen des 16. Jahrhunderts bis hin zur modernen Massenpresse nach.
3. Die Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht: Hier werden theoretische Grundlagen zur Definition von Zeitungen, ihrem Wert als Unterrichtsmedium und der Bedeutung multiperspektivischer Analyse erörtert.
4. Die "Bild-Zeitung": Das Kapitel analysiert die Spezifika der „Bild-Zeitung“, ihre ökonomischen Imperative und ihre bewusste parteiliche Positionierung.
5. Die Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht in der Sek. II: Der Hauptteil verknüpft die theoretischen Ansätze mit einer konkreten Unterrichtskonzeption zur 68er-Bewegung und deren medialer Aufarbeitung.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Zeitung, 68er-Bewegung, Bild-Zeitung, Medienkompetenz, Historische Quelle, Schah-Besuch, Benno Ohnesorg, Boulevardpresse, Multiperspektivität, Quellenarbeit, Massenmedien, Journalistische Sorgfalt, Axel Springer Verlag, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Zeitungen als historische Quellen im Geschichtsunterricht zur Förderung der Medienkompetenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Mediengeschichte, die didaktische Quellenanalyse und die Berichterstattung über die 68er-Bewegung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Schülern durch die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Zeitungsberichten ein tieferes Verständnis für die Macht der Medien zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse von Zeitungsartikeln mit dem Fokus auf Multiperspektivität und den Vergleich von Redaktionslinien angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Presse, die Charakteristika der Boulevardpresse (am Beispiel der Bild-Zeitung) sowie konkrete Unterrichtsvorschläge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Medienkompetenz, 68er-Bewegung, Boulevardisierung und multiperspektivische Geschichtsdidaktik.
Warum wird die „Bild-Zeitung“ so detailliert betrachtet?
Die „Bild-Zeitung“ wird analysiert, da sie den deutschen Markt dominiert und als Paradebeispiel für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Emotionalisierung fungiert.
Welche Rolle spielte die Berichterstattung beim Schah-Besuch 1967?
Die Berichterstattung war laut Arbeit von einer parteilichen Hetzkampagne der Springer-Presse geprägt, welche die Konfrontation zwischen Studenten und Staatsorganen verschärfte.
- Citar trabajo
- Stefan Westkemper (Autor), Laura Schmitz (Autor), 2011, Eine Unterrichtskonzeption zum Thema Schah-Besuch in Deutschland und Tod von Benno Ohnesorg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190839