Vermittlung der Schulsportart Leichtathletik im primarspezifischen Bereich

Kindgerechte Vermittlung der leichtathletischen Disziplinen


Bachelorarbeit, 2010

35 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Problemstellung

3 Rahmenlehrplan Brandenburg für das Fach Sport
3.1 Rahmenvorgabe für das Themenfeld „Laufen, Springen, Werfen - Leichtathletik“ in den Jahrgängen eins bis sechs
3.2 Pädagogische Perspektiven in der Leichtathletik
3.3 Kompetenzerwerb durch Leichtathletik

4 Leichtathletik in der Grundschule
4.1 Unterrichtsziele in der Leichtathletik
4.2 Leichtathletikspezifische koordinative und konditionelle Fähigkeiten
4.3 Aufgabe der Leichtathletik im Grundschulsport - Was bedeutet kindgerecht?
4.4 Umsetzung der Schulsportart Leichtathletik - Vermittlungsformen
4.4.1 Spielleichtathletik
4.4.2 Kinderleichtathletik
4.4.3 Differenzielles Lehren und Lernen
4.5 Technikvermittlung im Grundschulalter

5 Wettkampf- bzw. Wettbewerbsformen
5.1 Bedeutung von Wettkämpfen bzw. Wettbewerben in der Grundschule
5.2 Mögliche Wettkampf- bzw. Wettbewerbsformen

6 Diskussion

7 Ausblick

8 Literaturverzeichnis

9 Internetquellenverzeichnis..

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit zum Thema Vermittlung der Schulsportart Leichtathletik im primarspezifischen Bereich - kindgerechte Vermittlung der leichtathletischen Disziplinen, wird dargestellt, welche möglichen Ansätze einer kindgemäßen Leichtathletik den GrundschullehrerInnen zur Verfügung stehen und welche grundlegenden Eigenschaften sie bei der Vermittlung der Schulsportart Leichtathletik berücksichtigen müssen.

In der Sonderausgabe der Zeitschrift „Sport Praxis“ (2001) haben sich mehrere Autoren, unter anderem auch Hans Katzenbogner, zu dem Thema „spielerische Leichtathletik“ geäußert und verschiedene Übungsformen vorgestellt. Speziell Hans Katzenbogner (2010) hat in Kooperation mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in dem Buch „Kinder- Leichtathletik - spielerisch und motivierend üben in Schule und Verein“ das Thema ausgiebig erörtert und einen umfangreichen Übungskatalog erstellt. Er stellt darin die Spielleichtathletik und Kinderleichtathletik vor und schildert die wichtigen leichtathletikspezifischen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten. Des Weiteren wurde von Wolfgang Schöllhorn et al. in „Sportunterricht“ (2009) der Ansatz des „Differenziellen Lehrens und Lernens“ diskutiert und von Thomas Auras in „Sportpädagogik“ (2009) praktische Untersuchungen zu diesem Ansatz dargestellt.

Nach einer kurzen Darstellung des Problems werden unter Berücksichtigung des Rahmenlehrplans Brandenburg für die Grundschule (2004) die Standards der Schulsportart Leichtathletik und die zu erreichenden Kompetenzen aufgezeigt. Im nächsten Abschnitt werden neue Ansätze für die Leichtathletik, die auch in der Grundschule anwendbar sind, vorgestellt. Im Vorfeld werden noch die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die SchülerInnen bei Schulbeginn besitzen, dargestellt. Am Ende des Abschnitts wird über eine Technikvermittlung im frühen und späten Schulkindalter diskutiert. Inwieweit in der Primarstufe Wettkämpfe einsetzbar sind und was für eine Bedeutung diesen zukommen, wird im darauf folgenden Abschnitt behandelt. Zum Schluss wird auf eine mögliche Zusammenarbeit von Schule und Verein eingegangen.

2 Problemstellung

Die Leichtathletik zählt heutzutage in den Schulen nicht mehr zu den bevorzugten Sportarten. Da den Kindern in den meisten Schulen die einzelnen Disziplinen lediglich sehr undifferenziert gelehrt werden und sich die Klassenkammeraden gegenseitig messen, wird ihnen nicht ermöglicht, sich in ihrer eigenen Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Durch den stetigen Zuwachs neuartiger Sportarten, den so genannten Trendsportarten beispielsweise, schwindet das Interesse der Kinder an der Leichathletik, da ihnen diese attraktiver erscheinen. Somit kommt es bei den Leichtathletikvereinen zu Schwierigkeiten, ihre Mitgliederzahl aufrecht zu erhalten. Schon in den 80er Jahren stand die Leichtathletik vor diesem Problem, mit der Konsequenz, dass immer wieder neue Wege und Methoden, speziell in der Kinderleichtathletik, entwickelt wurden (Gerster, 2010). Ein weiteres Problem liegt bei den Grundschulen. Viele LehrerInnen müssen Sport unterrichten, obwohl sie gar nicht speziell dafür ausgebildet sind. Das liegt bei den Grundschulen unter anderem an dem Klassenlehrerprinzip (SPRINT-Studie, 2005). Diesen LehrerInnen muss geholfen werden, die Leichtathletik für die SchülerInnen sinngemäß zu vermitteln. Wie kann man die Leichtathletik für Kinder also wieder attraktiv gestalten? Und wie kann da in der Grundschule ein besserer Ansatz gefunden werden? Inwieweit man die Leichtathletik attraktiver gestalten kann und wie sie in der Grundschule einsetzbar ist, soll im Folgenden erarbeitet werden.

3 Rahmenlehrplan Brandenburg für das Fach Sport

3.1 Rahmenvorgabe für das Themenfeld „Laufen, Springen, Werfen - Leichtathletik“ in den Jahrgängen 1-6

Allgemein gibt der Rahmenlehrplan als Aufgabe vor, dass der Sportunterricht in der Grund- schule die Kinder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung fördern soll. Sergio Ziroli (2006) fasste es so zusammen, dass die Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden, indem man als Leh- rerIn ihre Gesundheit und die körperliche Leistungsfähigkeit positiv beeinflusst. Als weitere Aufgaben formuliert er, dass die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt wer- den müssen und ihnen mögliche Aktivitäten in der Freizeit vorgestellt werden sollen.

Speziell unter dem Themenfeld „Laufen, Springen, Werfen - Leichtathletik“ stehen folgende Standards, die die SchülerInnen bis zum Ende der sechsten Klasse erreicht haben sollen. Sie sollen in der Lage sein, leichtathletische Grundformen in verschiedenen Handlungssitua- tionen auszuführen und wichtige Bewegungsmerkmale verstanden haben. Zusätzlich sollen sie die Kompetenz besitzen mit sich selber, mit anderen, mit den Materialien, Übungsstätten und der Umwelt verantwortungsbewusst umzugehen. Verantwortungsbewusstes Handeln der SchülerInnen soll nicht nur beim Üben, sondern auch in den Wettkämpfen Anwendung finden. Eigene Leistungsergebnisse müssen von ihnen eigenständig dokumentiert werden (Rahmenlehrplan, 2004).

In jeder Jahrgangsstufe, Klasse eins bis sechs, ist das Themenfeld Laufen, Springen, Werfen - Leichtathletik zu behandeln. Aufgabe dieses Themenfeldes ist es, dass das einseitige leistungsorientierte Verständnis der Leichtathletik didaktisch aufgelöst und mit pädagogischen Bezugspunkten konsequent verbunden wird. In allen Jahrgangsstufen soll mit Hilfe der Leichtathletik das Messen und Schätzen von Zeiten und Weiten, das Akzeptieren von Sieg oder Niederlage in Wettkampfsituationen, das Anerkennen und Beachten der eigenen Leistung und die der anderen, als auch das Herrichten von Übungsund Wettkampfformen erlernt werden (ebd., 2004).

Zu den Anforderungen in den Jahrgangsstufen eins bis sechs zählen das Schnell-, Dauer-, und Hindernislaufen, das Weit- und Hochspringen als auch das Schleudern, Stoßen und Werfen. Der Rahmenlehrplan lässt in allen Jahrgangsstufen eine vielfältige Umsetzung der Inhalte zu (ebd., 2004).

3.2 Pädagogische Perspektiven in der Leichtathletik

In den meisten Rahmenlehrplänen, wie auch im Rahmenlehrplan für die Grundschulen für das Land Brandenburg vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin (2004), wird von einem mehrperspektivischen Sportunterricht gesprochen. Hinter dem Begriff der Mehrperspektivität steht das Verständnis der SportlehrerInnen, dass Sporttreiben nicht nur aus ihren Perspektiven zu sehen und diese zu lehren, sondern dass sie den SchülerInnen andere Perspektiven des Sporttreibens vermitteln und begreifbar machen (Horn, 2009). Der Schulsport, hier die Leichtathletik, soll also mit verschiedenen sinnhaften Zielen belegt werden und den Schülern dabei helfen, sich eventuell für die Sportart zu entscheiden.

Der Schulsport hat zum einen zur Aufgabe, die Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur zu erschließen und zum anderen, die Entwicklung der Kinder durch Bewegung, Spiel und Sport zu fördern (Rahmenlehrplan, 2004). Mit Hilfe der pädagogischen Perspektiven können sich die genannten Aufträge des Schulsports entfalten. Sie setzen bei den Beweggründen zum Sporttreiben von Kindern und Jugendlichen an und zeigen die verschiedenen Blickwinkel auf, aus denen das Fach Sport erzieherisch gesehen werden kann.

„ Die Perspektiven bieten Möglichkeiten an, unter denen die Inhaltsbereiche des Schulsports zum Thema werden können und der Schulsport einen Beitrag zum Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule liefern kann (Kurz 1998, S. 143). “

Zu den pädagogischen Perspektiven gehören nach Angabe des Rahmenlehrplans Grundschule Brandenburg (2004) die Sinnrichtungen Körper- und Bewegungserfahrung, Gestalten, Wagnis, Leisten, Kooperieren und Gesundheit.

Dober (2002) stellte für die Leichtathletik fest, dass sich die pädagogischen Perspektiven hervorragend für den Sportunterricht durchdenken und anwenden lassen. Die folgenden erläuterten pädagogischen Perspektiven beziehen sich auf seine Aussagen.

Die pädagogische Perspektive Körper- und Bewegungserfahrung versteht er so, dass bei SchülerInnen durch verschiedene Bewegungserfahrungen und Sinneseindrücke die Wahrnehmungsfähigkeit gesteigert und eine Förderung der koordinativen Fähigkeiten gewährleistet wird. In der Leichtathletik können dazu verschiedene Techniken vermittelt werden, so dass zum Beispiel beim Erlernen des Hochsprungs auch der Schersprung und vielleicht der Wälzer als mögliche Formen angeboten werden. Unterschiedliche Anlaufrichtungen oder das Abspringen von einem beziehungsweise beiden Beinen geben den SchülerInnen auch schon eine Vielzahl von Bewegungserfahrungen.

Gestalten ist eine pädagogische Perspektive, die vorsieht, Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers zu erproben und zu reflektieren. Den SchülerInnen soll dabei geholfen werden, ihre bisher erlernten Bewegungsmuster zu erweitern. Sie sollen in der Lage sein, über Bewegungen zu sprechen und so mit anderen darüber zu kommunizieren. Das Gestalten eigener Bewegungen wird auch zu den Aufgaben in der Leichtathletik gezählt.

Unter Wagnis versteht Dober (2002), seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu erfahren und einschätzen zu können. Die Selbsteinschätzung der SchülerInnen wird durch diese Perspektive geschult. Sie sollen zu ihren Ängsten stehen können und auch in die Situation kommen, ihre Ängste überwinden zu können. Wenn sich ein/eine SchülerIn zum Beispiel nicht von Anfang an traut, über die Hochsprunglatte zu springen, doch durch mehrfaches Üben über die Zauberschnur eine bestimmte Höhe erreicht, dann steigt seine/ihre Selbsteinschätzung und er/sie wird sich in der Lage fühlen, über die Latte zu springen.

SchülerInnen sollen in ihrer Lern- und Leistungsbereitschaft gefördert werden. Sie sollen eine gewisse Art von Anstrengung entwickeln und sich Leistungsanforderungen stellen. Wichtig dabei ist, dass der Fortschritt individueller Leistungen gegenüber dem Leistungsvergleich zu anderen SchülerInnen Vorrang hat. Jede/jeder einzelne SchülerIn soll in die Situation kommen, seine eigenen Leistungen verbessern zu wollen. Diese Punkte zählt Dober (2002) zu der pädagogischen Perspektive Leistung.

Den SchülerInnen wird mit der pädagogischen Perspektive Kooperieren kooperatives Verhalten vermittelt, indem dazu von den LehrerInnen geeignete Aufgabenstellungen angeboten werden. Es ist auch in der Leichtathletik von Bedeutung, dass Probleme selbstständig, fair und verantwortungsvoll geregelt werden. Es soll ein Miteinander und kein Gegeneinander unter den SchülerInnen herrschen.

Die Gesundheit spielt in der heutigen Zeit eine große Rolle, daher ist das Aufzeigen des Zusammenhanges von sportlichem Handeln und Gesundheit sehr wichtig. Die SchülerInnen sollen verstehen, dass sich durch sportliche Aktivitäten die Gesundheit verbessert. Ihnen muss ein gesundheitsbewusstes Verhalten vermittelt werden. Wenn SchülerInnen merken, dass sich ihre Ausdauer und Leistungsfähigkeit durch die Leichtathletik verbessert, dann verstehen sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Zusammenhang zwischen sportlichem Handeln und Gesundheit besser. Mit den zuvor beschriebenen Ausführungen erklärt er die pädagogische Perspektive Gesundheit.

3.3 Kompetenzerwerb durch Leichtathletik

Das Lernen in der Schule verfolgt das Ziel, die Handlungskompetenz der SchülerInnen zu erweitern beziehungsweise erst einmal auszubilden. Die Handlungskompetenz umfasst die Sachkompetenz, die Methodenkompetenz sowie die soziale und personale Kompetenz. Um diese Kompetenzen zu erreichen, wird von den SchülerInnen ein Zusammenwirken von kognitiven und sozialen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Gewohnheiten und Einstellungen erfordert. Jedes einzelne Fach, und somit auch das Fach Sport mit dem Themenfeld Laufen, Werfen, Springen - Leichtathletik, trägt zum Erwerb von Kompetenzen bei (Rahmenlehrplan, 2004).

Die Sachkompetenz kann sich bei SchülerInnen entwickeln, indem ihnen die Möglichkeit geboten wird, sich mit Inhalten, Aufgaben und Problemen auseinanderzusetzen. Daher muss darauf geachtet werden, dass zuerst ein systematischer Aufbau von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten stattfindet, um diese anschließend mit vielfältigen Handlungszusammenhängen zu erweitern (ebd., 2004). Speziell in der Leichtathletik kann die Sachkompetenz entwickelt werden, indem den SchülerInnen angeboten wird, die Bewegungen in verschiedenen Situationen und unter unterschiedlichen Bedingungen, umsetzten zu können. So kann man zum Beispiel das Weitspringen in der Sportstunde als Übung oder im Wettkampf als Herausforderung durchführen lassen. Das Angebot, zum Beispiel die Disziplin Weitsprung in der Halle oder im Freien ausführen zu dürfen, ist beim Erlangen der Sachkompetenz ebenfalls von Bedeutung, da durch die Vielfalt von leichtathletischen Übungsformen und deren mehrfache Durchführung den SchülerInnen ermöglicht wird, ihre koordinativen und konditionellen Fähigkeiten zu erweitern und taktische Fähigkeiten anzueignen. Ferner wird den SchülerInnen ein sachgerechter Umgang mit den Geräten vermittelt, indem in der Leichtathletik auch Materialen, wie zum Beispiel verschiedene Arten von Wurfgeräten, zum Einsatz kommen.

Allgemein schließt die Methodenkompetenz das Anwenden von Verfahrensweisen und Arbeitstechniken ein. Hierbei lernen SchülerInnen, Aufgaben planvoll und zielgerichtet umzusetzen und Zusammenhänge herauszufinden und herzustellen (ebd., 2004). In der Leichtathletik lässt sich die Methodenkompetenz beispielsweise durch den Einsatz von Bänken, Bananenkartons oder Schaumstoffquadern als Hilfsmittel für einen methodischen Lernweg, den die SchülerInnen eigenständig anwenden, erwerben. Den SchülerInnen muss die Möglichkeit gegeben werden, sich die Bewegungen von den anderen anzuschauen und daraufhin ihre eigenen Bewegungen zu korrigieren. Wenn sie ihre eigenen Bewegungen korrigieren können, sollen sie auch in der Lage sein, ihre eigenen Leistungen zu dokumentieren.

Bei der Entwicklung der sozialen Kompetenz hat man als Ziel, dass die SchülerInnen sich in andere einfühlen, auf deren Argumente eingehen und Probleme lösen können (ebd., 2004). In der Leichtathletik ist alles geregelt und genormt, was den SchülerInnen hilft, sich anzupassen und sich an Regeln zu halten. Um in der Klasse ein Wir-Gefühl zu erlangen, und somit einen gemeinschaftlichen und respektvollen Umgang unter den Schülern zu erreichen, kann man kleine Wettkampfformen durchführen. Hierbei ist darauf zu achten, dass immer mehrere SchülerInnen gemeinsam für den Sieg kämpfen.

Eigene Stärken und Schwächen erkennen, Wahrnehmen und Genießen von Erfolgen, das Verkraften von Misserfolgen und umgehen mit eigenen Ängsten beschreibt die personale Kompetenz (ebd., 2004). Auch hier sind kleine leichtathletische Wettkampfformen förderlich. Die SchülerInnen müssen sich mit ihren eigenen Leistungen auseinandersetzten und versuchen, die Misserfolge positiv zu verarbeiten. Das gemeinsame Erreichen des Sieges, fordert die SchülerInnen dazu auf, dass sie mit anderen SchülerInnen kooperieren und sie ihre eigenen Leistungen so einsetzen, wie es der Gemeinschaft am dienlichsten ist.

4 Leichtathletik in der Grundschule

4.1 Unterrichtsziele in der Leichtathletik

Die Leichtathletik steht in der Grundschule unter dem Themenfeld Laufen, Werfen und Springen. Das bedeutet für die Leichtathletik, dass sie ein Training für die grundlegenden Bewegungsfähigkeiten darstellt und zugleich mit ihren konditionellen und koordinativen Herausforderungen eine Grundlage für vielerlei Sportarten ist. Die mitgebrachten Fähigkeiten des Laufens, Werfens und Springens der Kinder werden in der Grundschule als erstes gefördert. Da diese Fähigkeiten bei jedem/jeder SchülerIn individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sind, muss von den LehrerInnen aus diesem Grund ein differenziertes Angebot zur Förderung der Fähigkeiten angeboten werden. Mit Hilfe der Leichtathletik können die heterogenen SchülerInnen somit in ihrer Entwicklung sehr gut gefördert werden.

Mit den Zielsetzungen für den Leichathletikunterricht in der Grundschule hat sich auch Dombrowski (1994) auseinandergesetzt. Sie erachtet es als wichtig, dass an die grundsätzliche Freude der Kinder beim Laufen, Werfen und Springen angeknüpft wird und mit spielerischen Variationen die leichtathletischen Grundformen weiterentwickelt werden. Entstehende Bewegungsprobleme sollen nicht kritisiert, sondern als Bewegungserfahrungen genutzt werden. Jeder/Jede SchülerIn soll die Möglichkeit haben, eigene individuelle Lösungsverfahren anzuwenden, die vom Lehrer akzeptiert und geachtet werden müssen. Kreativität und Spontanität von Seiten der SchülerInnen darf für die Leichtathletik in der Grundschule kein Tabu sein, ganz im Gegenteil sollte es mit in den Unterricht einbezogen werden. Für die SchülerInnen sind Abweichungen von Techniken keine Absicht, viel mehr entwickeln sie unterschiedliche individuelle Lösungen, um das Ziel zu erreichen. Als letzten Punkt erwähnt Dombrowski (1994) das Wohlbefinden durch die Leichtathletik. Den SchülerInnen soll verständlich gemacht werden, dass leichte Belastungen nicht krank machen, sondern vielmehr für ein besseres Wohlbefinden sorgen.

Sieland (2003) beschreibt die Aufgabe von LehrerInnen im Grundschulsport folgendermaßen:

„ Lehrer/innen im Grundschulsport fällt die Aufgabe zu, umfassende Grundlagen zu legen, indem sie die Vielfältigkeit des Laufens, Springens und Werfens erlebbar machen und Kindern somit die Möglichkeit zu unterschiedlichen und vielgestaltigem Bewegen und Sporttreiben eröffnen “ (S. 350).

Es muss also auch darauf geachtet werden, dass man sich nicht von den leichtathletischen Disziplinen einengen lässt. Für Grundschulkinder wäre solch eine Einengung störend in ihrer physischen Entwicklung.

4.2 Leichtathletikspezifische koordinative und konditionelle Fähigkeiten

Damit man als SportlehrerIn gezielte koordinative und konditionelle leichtathletische Übungen mit den SchülerInnen durchführen kann, ist ein Wissen über diese Fähigkeiten unabdingbar. Im folgenden Kapitel wird darauf eingegangen und einzelne Übungsbeispiele beschrieben.

Im Vorfeld muss geklärt werden, was unter sportartenspezifische Fähigkeiten zu verstehen ist. Die sportartenspezifischen Fähigkeiten gehören zu den speziellen Fähigkeiten und sind innerhalb einer Disziplin durch die Variation der einzelnen Techniken gekennzeichnet. Neben den speziellen gibt es auch die allgemeinen koordinativen Fähigkeiten, die das Lösen von alltäglichen und sportlichen Bewegungsaufgaben charakterisieren (Koszewski, 2001).

Zunächst wird allgemein auf die koordinativen Fähigkeiten eingegangen, um anschließend die von Hans Katzenbogner (2010) vorgeschlagenen praktischen Übungen zu erläutern.

Meinel und Schnabel (2007) verstehen unter den koordinativen Fähigkeiten die Prozesse, die der Bewegungssteuerung und -regelung dienen. Einzelne koordinative Fähigkeiten hat Hirtz (1985) speziell für den Grundschulsport bestimmt. Dazu zählen: Orientierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit und Differenzierungsfähigkeit. Unter einer guten Orientierungsfähigkeit versteht er, dass man bewusste und unbewusste Bewegungen im Raum ausführen kann, ohne die Orientierung zu verlieren. Gute Reaktionsfähigkeit ist vorhanden, wenn auf ein Signal schnell reagiert werden kann und die Bewegung erfolgreich umgesetzt wird. Kann der Körper in unterschiedlichen Situationen im Gleichgewicht gehalten oder aus einem Ungleichgewicht wieder ins Gleichgewicht zurück gebracht werden, dann besitzt man eine gute Gleichgewichtsfähigkeit.

Rhythmusfähigkeit beschreibt er so, dass man Bewegungsabläufe in seinem eigenen Rhythmus gut umsetzten kann. Wird ein Bewegungsablauf sicher, ökonomisch und mit der nötigen Genauigkeit umgesetzt, dann besitzt man eine gute Differenzierungsfähigkeit. Für gelungene Bewegungsausführungen spielt hierbei der richtige Krafteinsatz ebenfalls eine wichtige Rolle.

Je ausgeprägter die koordinativen Fähigkeiten sind, desto besser sind die sportlichen Leistungen und die Bewegungsabläufe können technisch besser umgesetzt werden. Die Bewegungen werden dadurch „flüssiger, gewandter, geschickter, dynamischer, rhythmischer und ökonomischer ausgeführt“ (Katzenbogner, 2010, S. 24). Ein Merkmal für koordinative Fähigkeiten ist, dass sie nie alleine auftreten, da immer ein Zusammenspiel von mehreren Fähigkeiten stattfindet. Katzenbogner (2010) hat als Beispiel die Fähigkeiten eines Diskuswerfers erwähnt. Für eine gute und erfolgreiche Umsetzung seines Bewegungsflusses benötigt er eine gut ausgebildete Gleichgewichtsfähigkeit und Orientierungsfähigkeit. Gleichgewichtsfähigkeit, um nicht nach der Drehung ins Wanken zu kommen und Orientierungsfähigkeit, um den Diskus zur richtigen Zeit abzuwerfen. Das Zusammenspiel von mehreren koordinativen Fähigkeiten tritt auch bei anderen leichtathletischen Disziplinen auf. Wie gut sich eine koordinative Fähigkeit entwickelt, wird von den Analysatoren bestimmt.

„ Analysatoren sind Körperfunktionen, mit denen wir z.B. unsere Bewegungen wahrnehmen. Wir unterscheiden optische, akustische, kinästhetische (Bewegung), taktile (Berührung) und statisch-dynamische (Lage im Raum) Analysatoren “ (Katzenbogner, 2010, S. 25).

Es ist also von Bedeutung, dass ein Training der Analysatoren sowie der koordinativen Fähigkeiten stattfindet. Wenn beides ausreichend trainiert wird und der/die SportlerIn seine/ihre Bewegungsabläufe automatisiert hat, dann ist er/sie in der Lage, die Bewegungsabläufe auch bei wechselnden Gegebenheiten auszuführen.

Um auf die Schulung der koordinativen Fähigkeiten im frühen Schulkindalter (sechs bis zehn Jahre) einzugehen, ist es wichtig zu erwähnen, dass in dieser Phase die höchste Trainierbarkeit der Fähigkeiten herrscht. Das Gehirn hat in diesem Alter bis zu 95% der Gehirngröße eines Erwachsenen erreicht, besitzt aber noch eine hohe Formbarkeit. Werden in dieser Phase gewisse Fähigkeiten nicht ausreichend geschult, können diese in späteren Jahren auch nicht mehr nachgeschult werden. Es darf aber nicht vergessen werden, dass in diesem Alter nur einfache Bewegungsfertigkeiten schnell und gut erlernbar sind. Es ist daher davon abzuraten, Fertigkeiten mit Simultan-Sequenzen zu schulen (Katzenbogner, 2010).

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Vermittlung der Schulsportart Leichtathletik im primarspezifischen Bereich
Untertitel
Kindgerechte Vermittlung der leichtathletischen Disziplinen
Hochschule
Universität Potsdam  (Department für Sport- und Gesundheitswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V190853
ISBN (eBook)
9783656157458
ISBN (Buch)
9783656157922
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Laufen, Werfen, Springen, pädagogische Prinzipien, Kinderleichtathletik, Spielleichtathletik, Aufgaben, Differenzielles Lehren und Lernen, Technikvermittlung, Wettkampfformen, Wettbewerbsformen, Kompetenzerwerb, Rahmenlehrplan
Arbeit zitieren
Vanessa Kraus (Autor), 2010, Vermittlung der Schulsportart Leichtathletik im primarspezifischen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190853

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vermittlung der Schulsportart Leichtathletik im primarspezifischen Bereich



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden