Migrations- und Wanderungsprozesse haben seit jeher entscheidenden Einfluss auf die Geschichte der Menschheit. Der Mensch ist stets auf der Suche nach optimalen Lebensbedingungen. Erst diese Suche und die damit einhergehenden Migrationsbewegungen führen zu einer weltweiten Verbreitung der Spezies Mensch. Diese Meinung vertritt der Geschichtshistoriker und Migrationsforscher Klaus J. Bade. Seiner Ansicht nach hat sich „der Homo sapiens […] als Homo migrans über die Welt ausgebreitet“ (Bade et al. 2007: 19).
Migrationsentscheidungen werden entweder vom Individuum allein oder in der Gruppe getroffen. Sie basieren auf vielfältigen Beweggründen. Für die Entscheidungsfindung sind geographische, wirtschaftliche, politische und soziale Faktoren von zentraler Bedeutung.
Ziel dieser Arbeit ist es anhand ausgewählter Faktoren die Migrationsbewegungen für Deutschland mithilfe eines Gravitationsmodells für das Jahr 2007 zu analysieren. Dabei basiert die vorliegende Arbeit auf dem im Forschungsseminar Außenwirtschaftstheorie und –politik gehaltenen Referat.
Zu Beginn der Arbeit wird der Begriff Migration und damit zusammenhängend die Entwicklung der Migrationsforschung näher erläutert. Im Anschluss daran erfolgt die Vorstellung des Gravitationsmodells als Forschungsansatz. Dieser als Einführung
konzeptionierte Abschnitt endet mit der Beschreibung des zugrunde liegenden Datensatzes.
In Bezugnahme auf das vorgestellte Gravitationsmodells wird die Spezifikation des ökonometrischen Modells durchgeführt. Dabei werden den grundlegenden Faktoren des Gravitationsmodells weitere Regressoren hinzugefügt. Dadurch, dass Migrationsbewegungen sowohl Zuwanderung als auch Abwanderung beinhalten, wird das Modell in zwei separate Modelle unterteilt. Die Erarbeitung der ökonometrischen Modelle sowie die Vorstellung, Auswertung und Interpretation der Schätzergebnisse stellen den Hauptteil dieser Arbeit dar.
In der abschließenden Schlussbetrachtung werden neben der Zusammenfassung der Ergebnisse einzelne Kritikpunkte näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Migrationsbegriff und Migrationsforschung
2.1 Migrationstheoretischer Forschungsansatz: Gravitationsmodell
2.2 Eigenschaften des Gravitationsmodells
2.3 Beschreibung des zugrunde liegenden Datensatzes
3 Spezifikation der ökonometrischen Modelle
3.1 Zu erwartende Vorzeichen
4 Ergebnisse der Schätzung
4.1 Das Modell der Zuwanderung
4.1.1 Überprüfung der Annahmen des klassischen Regressionsmodells
4.1.2 Auswertung der Schätzergebnisse
4.2 Das Modell der Abwanderung
4.2.1 Überprüfung der Annahmen des klassischen Regressionsmodells
4.2.2 Auswertung der Schätzergebnisse
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Migrationsbewegungen für Deutschland im Jahr 2007 mithilfe eines Gravitationsmodells. Die Forschungsfrage untersucht dabei, welche ökonomischen und sozialen Faktoren das Wanderungsvolumen beeinflussen, wobei Zuwanderung und Abwanderung in separaten ökonometrischen Modellen betrachtet werden.
- Anwendung des Gravitationsmodells auf Migrationsdaten
- Einfluss von Bevölkerungsgröße, Distanz und BIP
- Berücksichtigung von Migrantennetzwerken als Einflussfaktor
- Vergleich zwischen Zuwanderungs- und Abwanderungsprozessen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Auswertung der Schätzergebnisse
Bei Betrachtung der t-Werte ist zu erkennen, dass nicht alle Regressoren einen signifikanten Einfluss haben. Die Variable der Arbeitslosigkeit weist als einzige exogene Variable keine statistische Signifikanz auf. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Arbeitslosigkeit im Herkunftsland kein Grund für die Zuwanderung nach Deutschland darstellt. Entgegengesetzt zu den anfangs formulierten Vermutungen ist dieses Ergebnis überraschend.
Anders dagegen die restlichen fünf Regressoren. Sie alle sind signifikant, auch wenn der t-Wert für die Variable BIPj nur bei einem Signifikanzniveau von 10% signifikant ist. Somit haben Bevölkerungsgröße, Distanz, das BIP, die Mitgliedschaft in der EU und das Vorhandensein von Migrantennetzwerken maßgeblichen Einfluss auf die Zuwanderung nach Deutschland.
Gemäß den in Punkt 3.1 formulierten Erwartungen, besitzt der Regressionskoeffizient α1 ein positives Vorzeichen. Die Zunahme der Bevölkerung im Herkunftsland wirkt positiv auf die Zuwanderung nach Deutschland. Durch das Logarithmieren lassen sich die Schätzergebnisse als Elastizitäten interpretieren. Steigt die Bevölkerungszahl im Untersuchungsland um 1%, so steigt die Zuwanderung nach Deutschland um 0,54%.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, des theoretischen Rahmens und der Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Analyse von Migrationsströmen im Jahr 2007.
2 Migrationsbegriff und Migrationsforschung: Definition des Migrationsbegriffs, Herleitung des Gravitationsmodells und Beschreibung der Datengrundlage.
3 Spezifikation der ökonometrischen Modelle: Theoretische Herleitung der ökonometrischen Gleichungen für Zu- und Abwanderung sowie Hypothesenbildung bezüglich der erwarteten Vorzeichen.
4 Ergebnisse der Schätzung: Präsentation der statistischen Schätzergebnisse für beide Modelle, einschließlich Überprüfung der Annahmen und Interpretation der Effekte.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Kernergebnisse, kritische Reflexion des Gravitationsmodells und Ausblick auf weiterführende Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Migration, Gravitationsmodell, Deutschland, Zuwanderung, Abwanderung, Bevölkerungsgröße, Distanz, Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosigkeit, EU-Mitgliedschaft, Migrantennetzwerke, ökonometrische Schätzung, Elastizität, Querschnittsdaten, Wanderungssaldo
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht Migrationsbewegungen nach und aus Deutschland für das Jahr 2007 anhand eines ökonometrischen Gravitationsmodells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben der theoretischen Einordnung von Migration stehen die empirische Modellierung, der Einfluss sozioökonomischer Faktoren sowie die Bedeutung von Migrantennetzwerken im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Einflussfaktoren auf das Wanderungsvolumen quantitativ zu bestimmen und die Unterschiede zwischen Zuwanderungs- und Abwanderungsfaktoren zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine ökonometrische Regressionsanalyse basierend auf einem Gravitationsmodell unter Verwendung von Querschnittsdaten durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die Spezifikation der Modelle, die Durchführung der statistischen Tests (z.B. auf Heteroskedastizität und Multikollinearität) und die Interpretation der Schätzergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Gravitationsmodell, Bevölkerungsgröße, Distanz, Migrantennetzwerke und Elastizität.
Warum spielt die Arbeitslosigkeit in den Ergebnissen eine untergeordnete Rolle?
Die Analyse ergab keine statistische Signifikanz für die Variable Arbeitslosigkeit, was darauf hindeutet, dass sie im Untersuchungszeitraum 2007 kein primärer Treiber für die untersuchten Migrationsbewegungen war.
Welchen Einfluss haben Migrantennetzwerke auf die Ergebnisse?
Migrantennetzwerke weisen in beiden Modellen einen stark positiven und signifikanten Einfluss auf das Migrationsvolumen auf, was ihre Rolle als wichtige Integrations- und Ankerpunkte bestätigt.
- Quote paper
- Tobias Klein (Author), 2011, Migrationsbewegungen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190875