Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive
1. Das Bild des Valerian und des Gallienus im Spiegel der Forschung
2. Ursachen der späten Verfolgung ab 257: militärisch-geographische Krisenherde
3. Die Edikte: Taktikwechsel und Statuierung von Exempeln
4. Motive der Verfolgung
a) Finanzielle Motive
b) Religiöse und politische Beweggründe

III Abschlussbetrachtung: Die Rolle des Toleranzediktes des Gallienus Ideologische Abkehr vom Kurs des Vaters?

I. Einleitung

Mit dem Begriff „Christenverfolgung“ im Imperium Romanum werden- meist eher einseitig- zahlreiche Foltermethoden, Kreuzigungen, Steinigungen und andere grausame körperliche Strafen sowie unzählige Todesopfer über einen Zeitraum von Jahrhunderten verbunden. Fast automatisch fallen dazu die Namen der berühmt- berüchtigten Kaiser Nero, Trajan oder „Der blutdürstige Tiger, der unbarmherzige Decius“1, deren Verfolgungsdurst als schier unersättlich galt und in Literatur wie auch der älteren Forschung zum Teil verfälscht dargestellt wurde. Seltener aber wurden die Hintergründe dieser Verfolgungen genauer beleuchtet und hinterfragt; die religiösen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Situationen und Entscheidungen berücksichtigt. Eben jene komplexen Wirkzusammenhänge sollen in dieser Arbeit an ausgewählten Aspekten am Beispiel der Christenverfolgung Valerians verstärkt betrachtet werden.

Die valerianische Verfolgung war eine recht kurze, aber dennoch nicht minder heftige Welle der Christenverfolgung, die sich aufgrund ihres taktischen Strategiewechsels in der Krise des 3. Jahrhunderts von vorhergehenden Verfolgungen unterscheidet. Weg von der Masse der einfachen christlichen Bevölkerung und hin zu Führungspersönlichkeiten in Klerus und Gesellschaft lautete die Devise der Bekämpfung des Christentums, weshalb das Augenmerk der Forschung besonders darauf gerichtet ist. Doch wer war Valerian? Welche Motive haben ihn geleitet, in welcher Lage befand sich das riesige Reich, welche Rolle spielte sein Sohn Gallienus dabei und weshalb setzte die Verfolgung erst Jahre nach der Erhebung zum Augustus ein?

Zur Beantwortung dieser Fragen soll zunächst eine Einordnung des Valerian und seines Sohnes Gallienus erfolgen, die sich am Bild der älteren wie auch der neueren Forschung orientiert. Auf Grund dieser Basis wird anschließend den Ursachen der erst spät einsetzenden Verfolgung ab 257 n. Chr. nachgegangen; die Edikte und der taktische Wechsel sowie mögliche Motive werden dabei herausgestellt. Besonders im Hinblick auf Gallienus´ Toleranzedikt nach dem Tod des Vaters soll abschließend dessen Rolle unde Motivation beurteilt und damit die Situation in der Krise noch einmal aus einem anderen Blickwinkel hraus betrachtet werden.

II. Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive

1. Das Bild des Valerian und des Gallienus im Spiegel der Forschung

Eine Beschäftigung mit Valerian und dessen Christenverfolgung setzt voraus sich gleichermaßen mit seinem Sohn und Mitkaiser Gallienus auseinanderzusetzen, dessen Bild in der älteren Forschung, wie Stöver2 klar herausarbeitet, völlig verzerrt und unrichtig dargestellt wurde. Lange sei dies stark negativ konnotiert gewesen; von ständigen Trinkgelagen, kindlichem Regierungsstil, Genusssucht und völliger politischer Unfähigkeit sei seine Regierungszeit bestimmt gewesen, wohingegen Valerians Person auf dessen Kosten überhöht wurde. Das neue Bild aber zeichne einen recht klug agierenden Regenten, der angesichts der zahlreichen Katastrophen im Reich vermutlich so gut als möglich handelte3.

Besonderes Augenmerk gilt hier der ebenfalls starken Differenz des heutigen Forschungsbildes Valerians zu den Quellen. Gilt er heute als bewusst offensiv handelnder Verfolger der Christen, sowie als geschickter Administrator und Stratege, entwarf Bischof Dionysios von Alexandria in einem bei Eusebius überlieferten Brief einen Charakter, der eigentlich ein Christenfreund gewesen sei.

Utrumque porro in Valeriano impletum mirari licet illudque ante omnia considerare, quomodo is se gesserit, qualiter masuetus quidem ac benignus erat erga famulos Dei. Neque enim ullus superiorum principum, ne illi quidem ipsi qui palam Christiani fuisse dicuntur, tanta humanitate ac benevolentia nostros complexus est, quantam ille prae se ferebat initio principatus sui. Tatque eius familia piis hominibus abundabat ac Die ecclesia esse videbatur.4

In der Geschichte des Valerianus muß man sich über das eine wie über das andere wundern, insbesondere aber die Art und Weise seines früheren Verhaltens ins Auge fassen, wie gütig und freundlich er gegen die Männer Gottes war. Denn keiner der früheren Kaiser war gegen sie so wohlwollend und loyal, auch jene nicht, die offen Christen gewesen sein sollen. Valerianus begegnete ihnen, wie man wußte, am Anfange (seiner Regierung) sehr vertrauensvoll und freundlich; sein ganzes Haus war voll von Gläubigen, es war eine Gemeinde Gottes.5

Doch steht die Stellung Valerians, wie in diesem Auszug beschrieben, im enormen Widerspruch zum zweiten Teil des Briefes, der ihn als fremdgeleiteten Herrscher darstellt und stattdessen den Finanzminister Macrianus als Urheber bezichtigt, der zu diesem Zweck dämonisiert wird.

Verum magister et archisynagogus magorum Aegyti, ei tandem persuasit ut ab hoc instituto descisceret; iubens ut castos quidem et sanctos ciros persequeretur atque odccideret, quippe qui scelestis ac detestandis incantationibus adversarentur atque obstarent. Erant enim et sund etiamnum eusmodi, qui vel praetsentia atque aspectu suo : et insufflantes dumtaxat ac vocem edentes, daemonum praestigias disturbare possint. Initiantiones autem impuras et abomimanda maledicia et sacrificia execranda peragere eum iussit; misereos infantes mactare, immolare liberos infelicium parentum, recens natorum rimari ciscera.6

Der Lehrer und oberste Führer der ägyptischen Magier aber überredete ihn, sich davon loszusagen, und hieß ihn die reinen und heiligen Männer töten und verfolgen. Denn diese bekämpften und verhinderten ihre gar schmutzigen und abscheulichen Beschwörungen. Es gibt und gab nämlich Christen, welche die Kraft haben durch ihre Gegenwart und ihren Blick und durch bloßes Anhauchen und ein Wort die Pläne der frevelhaften Dämonen zu vereiteln. Dafür riet er Valerianus, unreine Weihungen, unsaubere Zaubereien und Gott mißfällige Opfer vorzunehmen, unglückliche Kinder zu schlachten, Kinder bedauernswerter Eltern zu opfern, die Eingeweide Neugeborener zu durchforschen.7

Ganz offensichtlich ist diese Quelle nicht sonderlich glaubwürdig, da der Brief aus dem dritten Jahrhundert stammt, aber erst durch Eusebius im vierten Jahrhundert überliefert ist. Somit ist der zeitliche Abstand sicher nicht übermäßig groß, doch muss auch bedacht werden, dass die „Kirchengeschichte“ eine Verfolgungsgeschichte ist und damit Moreaus These8 der Reinwaschung der Taten Valerians im Hinblick auf die Erhaltung des Ansehens des christenfreundlichen9 Sohnes Gallienus unterstreicht.

2. Ursachen der späten Verfolgung ab 257: militärisch-geographische Krisenherde

Mit dem ersten Edikt Valerians im Jahr 257 beginnt zweifelsohne die Restitution des Imperiums. Doch bedenkt man dessen Erhebung 253 zum Augustus, so stellt sich umgehend die Frage, weshalb die Verfolgung erst vier Jahre später einsetzte. Ausgehend von der Grundsituation der Krise im dritten Jahrhundert, was Usurpationen, finanzielle, militärische sowie auch religiöse Probleme angeht und so in vielen Bereichen ihre Spuren hinterließ, sollen an dieser Stelle die militärisch- grenzproblematische Lage sowie die finanzielle Folge daraus genauer betrachtet werden.

[...]


1 Zitiert nach: Moreau, Jacques: Christenverfolgungen im römischen Reich. Berlin 1961, S. 84. Originalzitat: « Tigre altéré de sang, Décie impitoyable… » in : Corneille, Pierre : Polyeucte, martyr. Tragédie chrétienne. Paris, 1785, IV, 2 (hier S. 59).

2 Stöver, Hans Dieter: Christenverfolgung im Römischen Reich. Ihre Hintergründe und Folgen. München 1984, S. 175-186, hier: S. 175-177.

3 Diese Erkenntnisse scheinen zunächst von sekundärer Bedeutung zu sein, gewinnen aber ungemein an Wichtigkeit, wenn sie im Hinblick auf die Rolle des Toleranzedikts Gallienus´ betrachtet werden, welches abschließend noch eingehender diskutiert wird.

4 Eusebius Caesariensis: Historia ecclesiastica. Griechisch-Latein. Herausg. v. Hugo Laemmer, Scaphusiae 1862, VII 10,3.

5 Eusebius von Caesarea: Kirchengeschichte. Herausg. v. Heinrich Kraft, übers. v. Philipp Haeuser. München 1967, VII 10,3.

6 Eusebius: Historica ecclesiastica. VII 10,4. 7 Eusebius: Kirchengeschichte. VII 10,4.

8 Moreau: Die Verfolgung im 3. Jahrhundert, S. 88.

9 Mit christenfreundlich ist hier keine Bewertung der inneren Einstellung Gallienus gemeint, sondern der Verweis auf das Toleranzedikt. Inwieweit dabei jedoch tatsächlich von prochristlich gesprochen werden kann, soll an anderer Stelle beurteilt werden.

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Details

Titel
Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Christenverfolgungen im Römischen Kaiserreich
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V190884
ISBN (eBook)
9783656154679
ISBN (Buch)
9783656154969
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christenverfolgung, Rom, Valerian, Gallienus, Edikte
Arbeit zitieren
Katharina Weiß (Autor), 2011, Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190884

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