Die Interaktion zwischen Wissen und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes


Hausarbeit, 2001

62 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 VORBEMERKUNGEN

2 WAS IST WISSEN, UND WIE IST ES ZU BEWERTEN
2.1 DIE ENTSTEHUNG VON WISSEN
2.2 DIE ARTEN VON WISSEN
2.3 DIE BAUSTEINE DES WISSENS
2.4 VERGLEICHENDER ANSATZ ZWISCHEN DEN SYSTEMEN
2.5 VERGLEICH ZUM WISSENSMANAGEMENT IN UNTERNEHMEN

3 EINORDNUNG DES FAKTORS WISSEN IN DIE PRODUKTIONSFUNKTION
3.1 EINORDNUNG IN DIE PRODUKTIONSFUNKTION
3.2 DER ZUSAMMENHANG MIT DEM WACHSTUM

4 EINORDNUNG DES FAKTORS WISSEN IN VOLKSWIRTSCHAFTLICHE GESAMTRECHNUNG
4.1 WAS IST DIE VOLKSWIRTSCHAFTLICHE GESAMTRECHNUNG
4.2 DIE KREISLAUFANALYSE
4.3 WO KANN DIE WIRKUNG DES FAKTORS WISSEN NUN GESEHEN WERDEN?

5 UNTERSCHIEDE IM WISSEN UND DEREN ABBAU
5.1 GLOBAL ABBAU VON WISSENS UND SOMIT WOHLFAHRTSGEFÄLLEN
5.2 NATIONALER ABBAU VON WISSENS UND SOMIT WOHLFAHRTSGEFÄLLE

6 INFORMATION ALS EIN TEIL DES WISSENS UND ABBAU VON INFORMATIONSPROBLEMEN

7 DER STAAT ALS NATIONALER WISSENSMANAGER
7.1 WISSENSVERTEILER
7.2 SCHAFFUNG VON GRUNDLAGEN
7.3 WISSENSVERWALTER

8 RELATION ZWISCHEN DEM ERFOLG UND DEM WISSEN EINES LANDES
8.1 DAS BALANCED SCORE CARD SYSTEM
8.1.1 Die Finanzperpektive
8.1.2 Die Prozessperspektive
8.1.3 Die Kundenperspektive
8.1.4 Die Lernen und Wissensperspektive
8.2 DARSTELLUNG DER RELATION ZWISCHEN DEM ERFOLG UND DEM WISSEN MIT DER BSC

9 ABSCHLIEßENDE STELLUNGNAHME

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Das Kontinuum von Daten, Informationen zum Wissen

Abbildung 2 : Die Zusammenhänge zwischen den Wissenskategorien

Abbildung 3 : Die Bausteine des Wissensmanagement

Abbildung 4 : Die Hauptprozesse des Wissensmanagements

Abbildung 5 : Wettbewerbsvorteile durch Business Intelligence

Abbildung 6 : Die Produktionsfunktion

Abbildung 7 : Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die PF

Abbildung 8 : Die Bestimmungsgründe des Wachstums

Abbildung 9 : Gründe für erhöht Arbeitsproduktivität

Abbildung 10 : Entwicklung des Sozialprodukts, der Erwerbstätigen, der Arbeitszeit, der Arbeitsproduktivität und des Realeinkommens in der BRD von 1950 bis 1990

Abbildung 11 : Varianten volkswirtschaftlicher Netto-Produktionsmaße

Abbildung 12 : Kreislaufbild der ökonomischen Aktivität einer Volkswirtschaft

Abbildung 13: F&E Ausgaben und BIP pro Kopf

Abbildung 14 : Vom divergenten zum konvergenten System

Abbildung 15 : Barrieren beim Wissensmanagement

Abbildung 16 : Die Todesspirale einer Wissensbasis

Abbildung 17 : internationaler Vergleich der Bildungsausgaben

Abbildung 18 : Wissensmatrix

Abbildung 19 : klassische Darstellung des BSC-Modell, nach Kaplan/Norton

Abbildung 20 : Erweiterte Darstellung des BSC-Modells

Abbildung 21 : Die Prozess-Wert-Kette der internen Perspektive

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Vorbemerkungen

In der hier vorliegenden Arbeit soll untersucht werden in wie weit ein Zusammenhang zwischen dem Wissen eines Landes, respektive einer Volkwirtschaft, und dessen/deren wirtschaftlichem Erfolg vorliegt, und in wie weit dieses nicht nur als eine Einbahnstraße, sondern als eine Interaktion zu sehen ist. Es sind durch die Aufgabenstellung bedingt also verschiedene Sichtweisen und Aspekte zu berücksichtigen.

Zuerst einmal werde ich versuchen zu klären was Wissen überhaupt ist und wie es zu bewerten ist. Ist diese Grundvoraussetzung erst einmal definiert muss logischerweise überlegt werden, ob Wissen ein Faktor für eine Volkswirtschaft ist. Wenn es ein Faktor ist, dann muss der Faktor Wissen folgerichtig in die Produktionsfunktion eingefügt werden und die Auswirkungen dieses Faktors auf diese dargestellt werden.

Im Anschluss hieran werde ich dann die den Punkt hinterfragen, ob und wie groß der Einfluss von Wissen auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist. Wenn diese Schritte abgehandelt sind, wird es ein weiteres Ziel dieser Arbeit sein sich mit Wissen selbst zu beschäftigen. Hierbei möchte ich auf die Unterschiede im Wissen und deren Abbau eingehen.

Dieses führt zu der Fragestellung in wie weit man die Informationsprobleme, welche zur Störung des Informationsflusses führen u.U. abbauen kann.

Nach Klärung dieser Fragestellung ist die Frage nach der Rolle des Staates hierbei zu stellen. In wie weit hat er Einfluss? In wie weit muss oder sollte er Einfluss nehmen? Wie ist seine Rolle hierbei definiert. Kann er eine Art Volkswirtschaftlicher Wissensmanager sein?

Schließlich und endlich möchte ich die Relation zwischen dem Erfolg und dem Wissen eines Landes herausarbeiten. Dieses soll in Anlehnung an moderne betriebswirtschaftliche Konzepte stattfinden, hierbei speziell das Konzept der Balanced Scorecard (BSC).

2 Was ist Wissen, und wie ist es zu bewerten

Unter diesem Punkt möchte ich die Teilbereiche Entstehung, Arten und Bausteine des Wissens definieren sowie einen vergleichenden Ansatz zwischen den Systemen vornehmen. Abschließend werde ich noch einen Vergleich zum Wissensmanagement in Unternehmen ziehen.

2.1 Die Entstehung von Wissen

Um diese Frage zu beantworten möchte ich auf die Entstehung von Wissen eingehen.

Hierzu zunächst einmal ein bei Probst/Romhardt gefundener Ansatz. Hierbei wird von einer Entwicklung ausgegangen, welche von Daten über Informationen schließlich und endlich zu Wissen führt. Hierzu fand ich folgende Darstellung welche diesen Prozess in meinen Augen recht klar darstellt:1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Das Kontinuum von Daten, Informationen zum Wissen

Wir gehen also von einer Menge x an Daten aus. Diese Daten sind zwar verfügbar aber noch in keinerlei Zusammenhang. Sie sind nicht sortiert und können somit auch nur einzeln also nur Bruchstückhaft abgerufen werden. Es somit auch nicht gewährleistet, dass ein vorhandenes Datum auch nur Ansatzweise bei einer Problemlösung oder dem Verständnis eines Problems behilflich sein kann.

Um aus diesem Datenuniversum Informationen zu erhalten, müssen diese erst einmal nach einem oder mehreren Schemata sortiert werden. Es muss sozusagen eine Indizierung vorgenommen werden. Hierdurch können erste Grundzusammenhänge erkannt werden. In diesem Stadium findet aber noch keine Bewertung und kein Abgleich statt.

Hat man nun aus diesen Daten abrufbare Informationen gemacht, kommt man zu dem Schritt aus den Informationen Wissen zu erstellen, zu filtern. Hierbei werden die Informationen in einen Zusammenhang zueinander gebracht, es wird eine Struktur aufgesetzt und es erfolgt ein Abgleich der Informationen inkl. Bewertung. Dieses Wissen kann dann für die Entscheidungsfindung und/oder für die Entwicklung von neuem Wissen, welches häufig auch aus der Analyse und Kombination von vorhandenem Wissen entsteht, verwand werden. Es ist nun in seinem Zusammenhang und im ganzen Verfügbar, inkl. der Querverbindungen.

2.2 Die Arten von Wissen

Auch muss man bei dem Begriff Wissen in verschiedene Arten von Wissen differenzieren. Grundsätzlich kann Wissen in folgende Teilbereiche differenziert werden:

- Wissen um Technik (im originären Sinne wie z.B. wie wird etwas hergestellt, aus welchen Komponenten besteht etwas)
- Wissen um Abläufe respektive Prozesse
- Wissen über Ethik
- Wissen über Kultur

Hierbei sollte gleichzeitig die Frage gestellt werden, ob es zwischen den o.g. Kategorien direkte oder indirekte Zusammenhänge gibt oder ob die o.g. Kategorien unabhängig von einander sind.

Um einen Gesamtzusammenhang darzustellen reicht es völlig aus das die verschiedenen Kategorien Abhängigkeiten aufweisen oder eine Kategorie auch nur indirekt stärker respektive schneller/effektiver gesteigert werden kann wenn eine der anderen Kategorien gestärkt wird. Es muss nicht notwendigerweise jede Kategorie mit jeder verbunden sein.

Als zentrale Aufhänger für den wirtschaftlichen Erfolg sind prinzipiell und direkt die Kategorie Technik und Prozesse zu sehen, da diese bei besserer Beherrschung einen ökonomischen Vorteil bedeuten. Die beiden anderen Kategorien, Ethik und Kultur, sind demzufolge als begleitende und unterstützende Faktoren zu sehen. Dieses soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ohne diese beiden Faktoren die Hauptfaktoren ungemein schwieriger zu erreichen sind. Es muss aber auch gleichzeitig darauf geachtet werden, dass das Wissen nicht nur vorhanden ist, sonder auch auf breiter Ebene umgesetzt wird. Brachliegendes Wissen ist genauso wenig wert wie nichtvorhandenes.

Dieses kann durch folgende Abbildung veranschaulicht werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Die Zusammenhänge zwischen den Wissenskategorien

Einmal an dem Punkt angelangt Wissen vorliegen zu haben, muss man sich nun auch Gedanken um „Verwaltung“, also das Management dieses Wissens kümmern.

2.3 Die Bausteine des Wissens

Wie schon von Probst/Romhardt im Managementbereich ausgeführt, kommt es im Bereich Wissen nicht nur auf die einmaligen Erwerb oder den einmaligen Aufbau von Wissen an, sondern vor allem auch auf die Bewahrung und die Pflege des Wissens. Auch ist Art der zur Verfügungsstellung, also auch die Verteilung und somit der Nutzung, entscheidend. Dieses führt dann zu einer kontinuierlichen Bewertung die wiederum einen starken Einfluss auf die zukünftigen Wissensziele haben. Dies kann in der nachfolgenden Abbildung nochmals klar erkannt werden.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Die Bausteine des Wissensmanagement

In einer Volkswirtschaft muss also ein Weg gefunden werden das vorhandene Wissen nicht nur zu verwalten sondern auch möglichst breit zu verteilen und zugänglich zu machen um durch diese breite Basis das vorhandene Wissen weiter ausbauen zu können. Bezüglich dieser Frage werde ich versuchen unter Punkt

Der Staat als nationaler Wissensmanager mögliche Ansätze zu definieren und aufzuzeigen.

2.4 Vergleichender Ansatz zwischen den Systemen

Der Zusammenhang lässt sich vielleicht durch folgenden Gedankenansatz verdeutlichen:

Ausgehend von zwei Volkswirtschaften auf relativ gleichem Niveau, wobei die erste ein totalitäres Gesellschaftssystem besitzt und die zweite ein demokratisches. Des weiteren wird davon ausgegangen, dass beide Volkswirtschaften miteinander kommunizieren.

Es kann des weiteren auf Grund der verschiedenen Gesellschaftsordnungen von verschiedenen ethischen und kulturellen Vorstellungen auf Seiten der Führungsebenen ausgegangen werden. In der wohl offeneren Gesellschaftsform wird das vorhandene Wissen über die verschiedenen Institutionen breit verteilt und ist im Prinzip allen zugänglich, kann also von allen genutzt und weiterentwickelt werden (offenes interdisziplinäres querdenkenken). In der totalitären Gesellschaftsform wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Wissen als absoluter Machtfaktor behandelt und somit nur den von Seiten der Führung ausgewählten Menschen zugänglich gemacht. Hieraus folgt, dass ein wahrscheinlich großes Potential nicht genutzt wird. Aus dieser Kette kann demzufolge geschlossen werden, dass die technische und prozessliche Weiterentwicklung in der offenen respektive demokratischen Gesellschaftsform schneller und effektiver vonstatten gehen wird als in der totalitären. Als historische Parallele seien hierzu die ökonomischen wie auch technischen Entwicklungen der zwei Blöcke in der Vergangenheit anzuführen. Hier zeigte sich ganz klar, dass die offenen Systeme des Westens einen sehr großen Vorsprung herausarbeiten konnten, welcher u.a. auch auf die Innovationskraft des Systems fußte.

Auch kann man in dieser Hinsicht eine Parallele zum Wissensmanagement von Unternehmen ziehen.

Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für das Treffen rationaler Entscheidungen. Zugleich ist die Bereitstellung von Informationen mit oftmals nicht unerheblichen Kosten verbunden. Folglich stellt sich in der Praxis die wichtige Frage nach dem Wert von Informationen. Die Quantifizierung des Informationswertes erweist sich jedoch als äußerst schwierig. Denn eine Isolierung des Einflusses von Informationen auf das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses oder einer Entwicklung ist in der Regel nicht möglich. Aus diesem Grunde ist die Beschaffung von Informationen eine Aktivität, deren konkreter Nutzen zumeist weder unmittelbar sichtbar noch quantifizierbar ist.

Dessen ungeachtet haben Informationen einen ökonomischen Wert, der allerdings erst dann entsteht, wenn diese Informationen verwendet werden. Daraus folgt unmittelbar, dass der Wert von Informationen nicht als absolute Größe gemessen werden kann, sondern von dem konkreten Nutzer bzw. der Verwendung der Informationen abhängt. Diese Relativität des Informationswertes wird im Gedanken des Wissensmanagements explizit berücksichtigt.

Bei einer Beschränkung auf die Beschaffung von Daten handelt es sich nicht um Wissensmanagement, sondern um eine einfache Form der Datensammlung, wie z.B. die Marktforschung. Von Wissensmanagement kann erst dann gesprochen werden, wenn durch die systematische Ver- und Bearbeitung von Daten relevanten Informationen sowie deren gezielter Bereitstellung für die Nutzer der Informationswert optimiert wird.

2.5 Vergleich zum Wissensmanagement in Unternehmen

Um das ganze hier deutlicher zu machen möchte ich dieses nun einmal aus Unternehmenssicht betrachten. Diese Sichtweise kann durchaus auch in etwas abgewandelter Form auch für eine Volkswirtschaft gelten, wenn man eine Volkswirtschaft als ein großes zusammenhängendes Unternehmen betrachtet.

Das Marktverständnis vitaler Unternehmen entsteht nicht durch die kostenintensive Anhäufung von Daten aus Marktforschungsstudien, sondern durch einen effizienten Prozess der Informationsgenerierung und - verarbeitung. Vitale Unternehmen haben die Bedeutung dieses Prozesses erkannt und setzen ihn gezielt ein, um aus dem Markt- und Wettbewerbsumfeld zu lernen.

Ein für die Führung von Unternehmen sehr wichtiger Lernprozess ist in der strategischen Planung institutionalisiert. Dieser Prozess kann durchaus mit der Erarbeitung und Herausgabe von mittel- und langfristigen politischen Vorgaben, Richtlinien, gesetzlichen Rahmenbedingungen, Regulierungen und Deregulierungen verglichen werden. Durch die kritische Reflektion über das Wettbewerbsumfeld wird in strategischen Plänen versucht, auf Erfolgsfaktoren der Unternehmensentwicklung Einfluss zu nehmen. Der wohl wichtigste Erfolgsfaktor des Planungsprozesses ist das qualifizierte Treffen von Annahmen, die die pragmatische Antwort auf die Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen des Wettbewerbsumfelds sind. Je besser die Informationsgrundlage der strategischen Planung ist, desto höher ist die Eintrittswahrscheinlichkeit der in der Planung prognostizierten Entwicklung. Wissensmanagement unterstützt die Formulierung von Annahmen über Kunden, Wettbewerber und regulatorische Rahmenbedingungen systematisch. Bei zunehmender Unsicherheit über externe Faktoren steigt die Bedeutung von Wissensmanagement für die Erhöhung der Qualität von Annahmen.

Strategische Investitionsentscheidungen, wie sie z.B. in Innovationsprozessen getroffen werden müssen, stellen höchste Ansprüche an die ihnen zugrundeliegenden Pläne und Annahmen. An diesem Punkt können durchaus direkte Parallelen zu einer Volkswirtschaft gezogen werden, da in dieser genauso Entscheidungen über strategische Investitionen getroffen werden müssen, wie z.B. Bildungswesen, Infrastruktur, etc.. Denn Entscheidungen, die z.B. zu Produktionskapazitätsveränderungen führen, haben nicht nur einen sehr langfristigen und somit naturgemäß unsicheren Zeithorizont, sondern müssen auch die vorhandenen und geplanten Kapazitäten und Strategien der Wettbewerber berücksichtigen. Manche Konzepte wie z.B. das der Er- fahrungskurve sind nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn bestimmte Informationen über Wettbewerber oder die Branche vorhanden sind. Durch Wissensmanagement werden diese Informationen systematisch bereitgestellt.

Konventionelle Marktforschungsstudien mit der Beschreibung von Zuständen und Trends können der Interaktivität strategischer Entscheidungen nur sehr begrenzt Rechnung tragen. Erst durch den Einsatz innovativer Analysemethoden wie z.B. strategischer Simulationen können die Zusammenhänge zwischen den im Markt wirkenden Kräfte adäquat untersucht werden. Da sich vitale Organisationen der Interaktivität strategischer Entscheidungen bewusst sind, nutzen sie gezielt die innovativen Analysemethoden, die das Wissensmanagement bereitstellt.

Zusammenfassend kann man das Wissensmanagement in folgende Hauptprozesse untergliedern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 : Die Hauptprozesse des Wissensmanagements

Die Offenheit, mit der das Wissensmanagement innovativen Analysemethoden gegenübertritt, darf nicht zu der Annahme verleiten, dass das Wissensmanagement ein Maximum an Daten und Informationen anstrebt. Zusätzliche Informationen führen nicht zwangsläufig zu besseren Entscheidungen.

Nicht selten stehen Führungskräfte vor einer kaum zu bewältigenden Daten- und Informationsflut. Wissensmanagement ist ein Ansatz, um aus den verfügbaren Daten, die jeweils entscheidungsrelevanten herauszufiltern und zu verdichten, sie zu Informationen zu verarbeiten und diese aufbereitet schnell an die Verwender in der Organisation weiter- zuleiten. Die systematische Informationsverarbeitung des Wissensmanagement befreit die Nutzer von aufwendigen Analysearbeiten, ohne jedoch die sachliche Entscheidungskompetenz der Nutzer zu beeinträchtigen. Der Bürokratismus, der vor allem in Großunternehmen die interne Kommunikation lähmt, kann durch Wissensmanagement allein nicht überwunden werden. In einem guten Wissensmanagement-Konzept werden jedoch Informationswege gezielt kurz gehalten, um die Aktualität und Entscheidungsrelevanz der Informationen zu gewährleisten.

Effektive Kommunikation ist mit starren Informationsprozessen nicht möglich, sondern bedarf menschlicher Netzwerke. Vitale Organisationen fördern die Bildung flexibler menschlicher Netzwerke, die das Medium für die Beschaffung von Daten und die Verbreitung von Informationen sind.

Neben der Vernachlässigung der internen Kommunikation leiden Großunternehmen (und somit in der Schlussfolgerung noch potenzierter die Volkswirtschaften) häufig auch an einem schleichenden Verlust an Wettbewerbsorientierung. Die Marktführerschaft zahlreicher Großunter- nehmen ist in der Regel das Ergebnis intensiver Bemühungen um die Befriedigung von Kundenbedürfnissen, jedoch keine Erfolgsgarantie für die Zukunft. Marktbeherrschende Großunternehmen laufen ständig Gefahr, den vorsichtigen Blick für neu aufkommende Wettbewerber zu verlieren.

Wie dies im Vergleich hierzu mit Volkswirtschaften passieren kann ist u.a. am Beispiel Japans zu sehen. Hier waren die großen traditionellen Industrienationen respektive Volkswirtschaften, so in einer Art Selbstzufriedenheit versunken, dass sie den aufkommenden Wettbewerb Japans nicht wahrnahmen oder unterschätzen. Die damit verbundene Trägheit bietet den neuen Wettbewerbern zusätzliche Angriffsflächen, die mit zunehmender Marktdynamik schwer beherrschbar werden. Großunternehmen, die nicht schnell auf Veränderungen des Wettbewerbs- umfelds reagieren können, haben nur geringe Chancen, technische Innovationen auf dem Markt in erfolgreiche Geschäftsmöglichkeiten zu überführen. Das Informationsnetzwerk, das eine effektive Kommunikation im Unternehmen ermöglicht, darf daher nicht an den Grenzen der Organisation enden. Vielmehr muss es Kunden, Wettbewerber, Institutionen wie Behörden oder Universitäten, etc. einbeziehen, um den Aufbau einer sehr breitangelegten Wissensbasis zu gewährleisten.

Vitale Organisationen stützen nicht nur die interne Kommunikation, sondern auch den Informationsaustausch mit dem Wettbewerbsumfeld auf zwischenmenschliche Informationsnetzwerke. Diese Netzwerke sind nicht nur das Rückgrat des Frühwarnsystems vitaler Organisationen, sondern auch das Immunsystem, das schnelle und zielgerechte Reaktionen auf Veränderungen des Wettbewerbsumfelds sicherstellt.

Die nachfolgende Abb. fasst wesentliche Wettbewerbsvorteile, die mit der Unterstützung von Wissensmanagement- respektive Business Intelligence - Prozessen erlangt werden können, zusammen.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 : Wettbewerbsvorteile durch Business Intelligence

Diese Überlegungen führen nun folgerichtig zu der Frage wie dieses Phänomen in die wissenschaftliche Basis zu überführen ist. Hierzu sei im folgenden Kapitel detailliert ausgeführt wie der Faktor Wissen in die volkswirtschaftliche Produktionsfunktion eingefügt werden kann respektive wird.

[...]


1 vrgl. Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxisorientierter Ansatz, G.Probst/K.Romhardt, 1998

2 vrgl. Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxisorientierter Ansatz, G.Probst/K.Romhardt, 1998

3 Unternehmensvitalisierung, Boos, Allen & Hamilton, 1997

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Die Interaktion zwischen Wissen und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Autor
Jahr
2001
Seiten
62
Katalognummer
V190920
ISBN (eBook)
9783656156734
Dateigröße
1575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
VWL, Wissensmanagement, BSC, Balanced Score Card, Knowledge Management, Wissen, Politik, Volkswirtschaftslehre, Volkswirtschaft, BWL, Staat
Arbeit zitieren
Stefan Weber (Autor), 2001, Die Interaktion zwischen Wissen und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190920

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