Original und Bearbeitung in der Rock- und Popmusik

Formen, Kontext, vergleichende Analyse


Bachelorarbeit, 2010

65 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zum Begriffsverständnis der Bearbeitung in der populären Musik
1.1. Terminologische Probleme
1.2. Rechtliche Aspekte

2. Bearbeitungsformen und ihr Veränderungsgrad in der Rock- und Pop-Musik
2.1. Vorschlag einerKlassifikation
2.1.1. Live-Cover
2.1.2. Coversong
2.1.3. Cover-Album
2.1.4. Tribute-Album
2.1.5. Sonderform
2.1.6. Klassische Musik als Grundlage
2.2. Coverbands und Tributebands
2.3. Veränderungsgrad bei Bearbeitungen

3. Zum Kontext von Bearbeitungen
3.1. Intentionen der Band
3.1.1. Die Vorbildrolle des Originals
3.1.2. Ironie gegenüber dem Original
3.1.3. Kommerzielle Aspekte
3.2. Auswirkungen auf den Status der Band
3.2.1. Reaktionen in der eigenen Szene
3.2.2. Reaktionen außerhalb der eigenen Szene

4. Vergleichende Analyse an ausgewählten Beispielen
4.1. Fuchs du hast die Gans gestohlen
4.2. Livin' La Vida Loca
4.3. Everybody (Backstreet's Back)
4.4. Back in Black

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Anhang
6.1. Ergebnisse des Fragebogens
6.2. Interviews
6.2.1. Interview: Martin Brandt (Breath of Purity)
6.2.2. Interview: Thomas Gurrath (Debauchery)
6.3. Liedbeispiele
6.4. Übersicht der Klassifikation

7. Literatur- und Quellenverzeichnis
7.1. Quellen aus Printmedien
7.2. Internetquellen
7.3. Tonträger

Einleitung

Die Zahl der Forschungen zur sogenannten "klassischen" Musik und ihren Komponisten macht den Großteil der musikwissenschaftlichen Arbeit aus. Beschäftigt man sich in dieser Hinsicht mit dem Thema "Original und Bearbeitung", so findet man viele hilfreiche Quellen und auch Beispiele aus dieser Zeit.[1]Das alltägliche Musikleben hingegen zeigt, dass sich in der heutigen Gesellschaft viel mehr mit der zeitgenössischen populären Musik auseinandergesetzt wird. Ein Großteil der Radiosender überträgt vornehmlich diese Musik, CD-Abteilungen in Geschäften sind überwiegend mit Veröffentlichungen aus unserer Zeit ausgestattet und auch im breiteren Umfeld handeln musikalische Gesprächsthemen fast ausschließlich von den heute aktiven Musikern. An den meist ausverkauften riesigen Stadien bei Rockkonzerten u.ä. kann man ebenfalls erkennen, in welche Richtung das Interesse der breiten Masse zielt. Und dennoch ist im Zusammenhang mit dem Gebiet der Bearbeitung in der heutigen U-Musik ein Mangel an Literatur zu verzeichnen. Dieser Mangel bedeutet nicht, dass die Erscheinung der Bearbeitung in der Rock- und Popmusik nicht existiert, sondern vielmehr, dass eine genaue Auseinandersetzung mit diesem Thema einfach nur noch nicht erfolgt ist.

Beim genaueren Verfolgen der musikalischen Hintergründe fallen immer wieder Besonderheiten auf. Eine dieser Besonderheiten ist die Bearbeitung bereits vorhandener Lieder durch einen anderen Interpreten. Im Volksmund spricht man meistens vom Coversong, der aber nicht grundsätzlich mit einer Bearbeitung gleichzusetzen ist und somit für Komplikationen sorgt.

Zwar taucht der Begriff des Coversongs in vielfacher Weise auf und es wird sogar behauptet, dass dieser aus der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken ist.[2]Und doch fehlt es an genauen Informationen, z.B. über die Hintergründe dieser Erscheinung.

Die vorliegende Arbeit wird jene Hintergründe untersuchen und die folgenden Fragen beantworten: Lassen sich die Bearbeitungen der heutigen populären Musik mit jener der klassischen E-Musik vergleichen? Welche Schwierigkeiten tauchen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Begriffsverständnissen auf und wie sind diese zu lösen? In welcher Form können Bearbeitungen veröffentlicht werden? Mit welchen musikalischen Mitteln lässt sich die Intensität von Bearbeitungen beeinflussen und wie wirkt sich der musikalische Stil auf eine Bearbeitung aus? Welche Intentionen veranlassen einen Interpreten dazu, ein Lied zu bearbeiten? Wie werden Bearbeitungen beim Publikum aufgenommen?

Da diese Fragen unterschiedlichen Bereichen zuzuordnen sind, ist ein Aufbau in mehrere Kapitel sinnvoll. Wichtig ist zunächst, die begriffliche Problematik zu klären. Nur, wenn Probleme gleich am Anfang geklärt werden, können spätere Missverständnisse vermieden werden. Das Kapitel "Bearbeitungsformen und ihr Veränderungsgrad" stellt eine Klassifikation vor, welche die einzelnen Typen von Bearbeitungen untersucht. In der Rock- und Popmusik existieren umfangreiche Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Bearbeitungen. Es ist sinnvoll, eine Einteilung vorzunehmen, die sich auf die spezifischen Eigenschaften der unterschiedlichen Formen stützt, weil dadurch Ordnung und Übersichtlichkeit entsteht. Außerdem wird auf die Mittel eingegangen, durch die ein Originalstück unterschiedlich stark verändert werden kann. Inwiefern dafür die verwendeten Stilistiken entscheidend sind, stellt ebenfalls eine zentrale Frage dar. Das nächste Kapitel behandelt den Kontext von Bearbeitungen. Zum einen werden wesentliche Motive dargestellt, die den Interpreten überhaupt erst dazu veranlassen, eine Bearbeitung zu spielen. Zum anderen erfolgt eine Untersuchung der Auswirkungen auf unterschiedliche Musikszenen. Das Teilkapitel "Auswirkungen" zeigt die Akzeptanz von Bearbeitungen, während in "Motive" verdeutlicht werden soll, welchen Einfluss eventuelle Abhängigkeiten zum Original auf den Künstler ausüben. Für eine deutliche Darstellung und weil die heutige populäre Musik eine zu komplexe Bandbreite an Stilen umfasst, begrenzen sich die Überlegungen im Wesentlichen auf Veröffentlichungen des Heavy Metal. Diese Musikrichtung ist überschaubar genug und liefert trotzdem eine Vielfalt an Besonderheiten zum Thema Original und Bearbeitung. Es tun sich beispielsweise bedeutende Unterschiede hinsichtlich der Veröffentlichungsmöglichkeiten auf. Für den Praxisbezug werden schließlich ausgewählte Musikstücke und deren jeweilige Bearbeitung gegenübergestellt und vergleichend analysiert. Dabei geht es darum, eine Verknüpfung zu den zuvor geschaffenen Erkenntnissen herzustellen. Durch die Untersuchung von weniger typischen Beispielen soll zudem die Vielfalt der Bearbeitungsformen verdeutlicht werden.

Anknüpfungspunkte zu den oben genannten Fragen finden sich einerseits in der Gegenüberstellung der Begriffsnutzung der Bearbeitung in den verschiedenen Zeitepochen.

Mit Begriffen wie Bearbeitung,[3]Arrangement,[4]Interpretation,[5]Paraphrase[6]oder Variation[7]konnte der MGG sowie dem Brockhaus Riemann einerseits eine Vielzahl an Informationen entnommen werden. Die neue MGG beschreibt z.B., dass die Volksliedbearbeitung insgesamt kaum erforscht wurde und zielt im Artikel Bearbeitung im Wesentlichen auf klassische Gattungen wie die Oper, Symphonie oder Klaviermusik.[8]Bei eben genannten Begriffen (Arrangement, Interpretation, Paraphrase) zeigen sich vergleichbare Tendenzen, was verdeutlicht, dass sich der Bearbeitungsbegriff der Klassik von dem der heutigen populären Musik abhebt.

Eine Quellensorte, die in diesem Zusammenhang noch nicht genutzt wurde, sind die Schriften der Rechtswissenschaften.[9]Dabei stellt das Urheberrecht einen Bereich dar, der die komplizierten Problemfelder bei der Bearbeitung von Liedern in eindeutiger Weise klärt und verständlich macht, was man juristisch unter dem Werk und der Bearbeitung versteht.[10]

Informationen bezüglich des Kontextes bei Bearbeitungen finden sich in Rezensionen und Interviews, die im Internet oder in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Gerade das Internet ist in Sachen Aktualität durch andere Medien kaum zu überbieten. Dabei ist zu beachten, dass gerade dieses Medium insbesondere in puncto Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Aussagen stets kritisch hinterfragt werden sollte. Dieser Bereich der Informationsgewinnung wurde jedoch zum Großteil für Meinungsforschung genutzt, bei der sich die Frage der Verlässlichkeit eher weniger stellt. Die Meinungen stammen nämlich immer direkt aus erster Hand, wohingegen Fakteninformationen aufgrund einer Kette mehrerer Quellen zustande kommen.

Die selbstständige empirische Erforschung von Meinungen war ein weiterer wesentlicher Bestandteil zur Erkenntnisgewinnung. Dafür wurde ein Fragebogen ausgearbeitet.[11]Ferner dienten Interviews dazu, die Intentionen der Bands bei der Veröffentlichung von Bearbeitungen zu ergründen.[12]Eine Vielzahl von Tonträgern bildet einen letzten wichtigen Bestandteil der Arbeit, denn ausgewählte Liedbeispiele sind zur praxisnahen Veranschaulichung unverzichtbar.[13]Mit Hilfe des Einsatzes dieser unterschiedlichen Medien konnten die Inhalte der Arbeit schlüssig aufeinander aufgebaut werden.

1. Zum Begriffsverständnis der Bearbeitung in der populären Musik

Die Bedeutung vieler Fachwörter unterliegt einem zeitlichen Wandel. Das gilt auch für den Terminus der Bearbeitung. Einerseits spielt es für die Begriffsverwendung eine Rolle, wann derjeweilige Ausdruck entstanden ist, andererseits auch, auf welche verschiedenen zeitlichen Epochen er angewendet wird. Aus musikwissenschaftlicher Sicht heraus kann eine Fülle an Informationen über die Bearbeitung - auch in Bezug zu verwandten Begriffen - gewonnen werden. Zusammenhänge zur populären Musik werden allerdings in der musikwissenschaftlichen Literatur bislang keine geschaffen, was sich für den Wissensstand zum Thema "Original und Bearbeitung in der Rock- und Popmusik" als ungünstig erweist. Weil Gesetze einen entscheidenden Einfluss in der heutigen Zeit haben, kann sich aber auf das gültige Recht berufen werden. Dieses bringt verbindliche Fakten hervor. Doch auch dieser Bereich zeigt in Verbindung mit der musikalischen Praxis, dass es bezüglich der Begrifflichkeiten wiederholt zu Problemen kommen kann. Genau diese Probleme der Definition behindern eine Weiterarbeit frei von Missverständnissen. Darum dienen die folgenden Betrachtungen dazu, mögliche Widersprüche und einen sinnvollen wissenschaftlichen Umgang mit diesen bereits im Vorfeld aufzuzeigen.

1.1. Terminologische Probleme

Der ursprüngliche Zweck von Bearbeitungen lag darin, die Schüler in Instrumentation zu unterrichten, wenn sie Klavierauszüge von Orchesterstücken erarbeiten mussten. Das instrumentale Handwerk sowie das Zusammenspiel sollten dadurch geschult und verbessert werden.[14]Eine Bearbeitung entsteht allgemein dann, wenn eine Vorlage z.B. abgewandelt, ergänzt oder verbessert wird. Die Vorlage selbst muss hierbei nicht zwingend ein Original sein und die musikalische Bedeutsamkeit des Produkts darf nicht unterschätzt werden. Wird eine eigene Vorlage aus aufführungspraktischen Gründen ausgearbeitet, taucht manchmal der Ausdruck der Fassung auf, welche das Ziel hat, die Vorlage anlässlich einer bestimmten Aufführungssituation zu ersetzen. Im Deutschen wird dieser Begriff jedoch oft durch Version ersetzt.[15]Eine andere, mit der Fassung vergleichbare Erscheinung war die Adaption, bei welcher am häufigsten Bühnenstücke für eine Aufführung im Konzertsaal umgestaltet wurden. Hier ging es also mehr darum, ein Stück an eine andere Gattung anzupassen.[16]

Ein wesentliches Problem stellt die mangelhafte Übersetzung des Wortes Bearbeitung dar. Verwendet wird in anderen Sprachen z.B. das unpräzise Wort Arrangement, welches im Deutschen eine eigene Bedeutung hat. Man spricht hierbei nämlich gleichbedeutend von einer Reduktion, deren Motivation weniger von künstlerischer als von praktischer Natur ist, (z.B. für Übungszwecke).[17]Wie schon herausgestellt wurde, soll die musikalische Bedeutsamkeit einer Bearbeitung aber nicht unterschätzt werden, was mit dem Aspekt der fehlenden künstlerischen Natur des Arrangements im Widerspruch steht. Aufgrund dieses Widerspruchs ist eine Gleichstellung beider Begriffe also nicht sinnvoll.

Von Variation spricht man wiederum, wenn hauptsächlich das Thema eines Stückes aufgegriffen wird.[18]Als Umschreibung hierfür wird von der Paraphrasierung gesprochen. Die Paraphrase selbst bezeichnet eine Möglichkeit der Bearbeitung und geht mit einer zusätzlichen Ausschmückung des ursprünglichen Stückes einher.[19]Beide Ausdrücke stehen in der MGG ausschließlich im Kontext zur klassischen Musik und nehmen keinen Bezug auf die Rock- und Popmusik.

Trotz der zahlreichen Informationen bietet der MGG-Artikel keinerlei Auskünfte zum gegenwärtigen Gebrauch des Begriffs der Bearbeitung. Die vielen Ausdrücke, die alle in einem Zusammenhang mit der Bearbeitung stehen, sorgen teilweise für Ungenauigkeiten. Die zeitliche Gebundenheit der Definitionen, die ungenaue Übersetzung in andere Sprachen und schließlich die fehlende Erforschung zur Entstehung und Geschichte des Terminus Bearbeitung können als Ursachen der Probleme angesehen werden. Aufgrund dieser Probleme war es erforderlich, mittels anderer Wissenschaftsgebiete zu brauchbareren Erkenntnissen zu gelangen.

1.2. Rechtliche Aspekte

Grundsätzlich können die Bedeutungen des musikwissenschaftlichen und rechtlichen Bearbeitungsbegriffs nicht miteinander verbunden werden, weil erstgenannter keine einheitliche und klare Begriffsabgrenzung vornimmt.

In der Rechtsprechung werden an die schöpferische Eigentümlichkeit der Bearbeitung keine hohen Anforderungen gestellt. Somit ist eine schutzwürdige Bearbeitung bereits dann erreicht, wenn nicht nur handwerkliche Maßnahmen am Original vorgenommen wurden (z.B. genügt schon ein Hinzufügen einer zusätzlichen Stimme).[20]Die Anforderungen an ein bearbeitetes Stück werden von rechtlicher Seite also weniger streng betrachtet.

Das Urheberrechtsgesetz regelt u.a. das weite Feld der musikalischen Bearbeitungen. Das Gesetz dient dem Schutz von Werken, welche als geistiges Eigentum bezeichnet werden.[21]Geistiges Eigentum ist schon in einer früheren Instanz, nämlich durch Art IV I 1 GG geschützt, weshalb das Urheberrechtsgesetz als spezielleres Gesetz zu verstehen ist. Es wird betont, dass nicht die schöpferische Tätigkeit als solche, sondern nur deren Ergebnis geschützt wird. Die künstlerische Qualität dieses Ergebnisses ist allerdings kein Kriterium für das Bestehen des Urheberrechtsschutzes. Das Urheberrecht regelt weiterhin die Interessen und Beziehungen, die durch den komplexen kulturellen Wirtschaftszweig entstehen, was neben dem Urheber auch der Allgemeinheit zu Gute kommt.[22]

Rehbinder unternimmt in seinem Lehrbuch zum Urheberrecht eine begriffliche Abgrenzung. Das Arrangement z.B. wird als Unterart der Bearbeitung verstanden. Der Begriff des Arrangements deckt sich weitestgehend mit dem aus musikwissenschaftlicher Sicht: "Umformungen lassen das Originalwerk inhaltlich unberührt und versuchen lediglich, dessen Verwertungsmöglichkeiten zu erweitern."[23]Rehbinder unternimmt auf Grundlage des Urheberrechts eine genaue Trennung von verändernden Maßnahmen an Musikstücken. Eine vergleichbare Trennung wird in der Musikwissenschaft nicht vollzogen. Er unterscheidet:

a) nicht-schöpferische Umgestaltung: Diese besitzt kein individuelles Gepräge, weil z.B. nur Teile weggelassen werden. Deshalb greift hierfür kein eigener Urheberrechtsschutz.
b) Bearbeitung: weitere Unterteilung: 1. Umformung: Nur die äußere Form wird verändert. Dazu zählt z.B. das Arrangement. 2. inhaltliche Umgestaltung: Diese weist ein eigenständiges Gepräge auf. Gleichzeitig sind individuelle Züge des Originalwerkes noch zu erkennen.
c) Neugestaltung: Dies ist ein völlig eigenständiges Werk, bei dem die ursprüngliche Individualität nicht mehr erkennbar ist. Dazu zählt die Variation.[24]

Es gilt für die nicht-schöpferische Umgestaltung und Bearbeitung jeweils, dass sie gegenüber dem Original unselbstständig sind und somit für ihre Veröffentlichung und Verwertung eine Einwilligung des Urhebers des Originals benötigen. Zu beachten ist zudem, dass das Urheberrecht zeitlich begrenzt ist. Das bedeutet, die Schutzfrist läuft 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers aus und das Werk wird somit gemeinfrei, kann also ab dem Zeitpunkt ohne Erlaubnis vonjedem bearbeitet werden.

Bei der Aufführung einer Bearbeitung muss der Aspekt des Urheberrechts noch nicht in solch umfangreichem Maß beachtet werden wie bei einer Aufnahme mit anschließender Veröffentlichung. Dem Urheber des Originals stehen grundsätzlich finanzielle Ansprüche zu, wenn dieses öffentlich aufgeführt wird. Für die Organisation und Verteilung dieser Ansprüche sind die Verwertungsgesellschaften zuständig. In Deutschland ist der Hauptvertreter hierfür die GEMA. Der Veranstalter hat in der Regel einen Pauschalvertrag mit der Verwertungsgesellschaft abgeschlossen, der ihm die urheberrechtlichen Nutzungsrechte einräumt. Die Höhe des zu zahlenden Betrages ist abhängig von der Größe des Veranstaltungsraumes bzw. dem Personenfassungsvermögen eines Veranstaltungsplatzes, dem Eintrittsgeld, dem zeitlichen Rahmen und der Art der Musikwiedergabe. Was letztlich der Urheber von diesem Beitrag abbekommt, ist in einem speziellen Verteilungsplan der Verwertungsgesellschaft geregelt. Die GEMA macht weiterhin deutlich, was unter Ausdrücken wie Veranstaltung oder Aufführung zu verstehen ist, sodass Missverständnisse vermieden werden.[25]Die Aufführung eines Coversongs stellt für den Interpreten somit keine Schwierigkeit dar, wenn der Veranstalter seinen als selbstverständlich zu verstehenden Aufgaben nachkommt.

Die rechtlichen Zusammenhänge bilden für sich schon einen so komplexen Teil, dass es gut möglich wäre, allein darüber in Verbindung mit Bearbeitungen eine eigenständige Arbeit aufzubauen. Jedoch sollen die soziologischen und analytischen Hintergründe betrachtet werden.

Wie sich schon herausgestellt hat, ist die juristische Einstellung gegenüber der schöpferischen Eigentümlichkeit eines Werkes als nicht besonders streng anzusehen. Eine bloße Interpretation - also Darbietung eines Liedes durch einen vom Komponisten abweichenden Interpreten - kann trotzdem nur der ersten Gruppe zugeordnet werden. Schließlich wird das ursprüngliche Lied dabei weder in seiner inneren noch in seiner äußeren Form verändert. Da eine Coverversion in ihrer Form häufig ziemlich dicht am Original angelehnt ist, sorgt dies für Probleme in der Einstufung derartiger Veröffentlichungen. Ist also beispielsweise die Interpretation des Songs "I want out" der Band Hammerfall gleichzeitig eine Bearbeitung des ursprünglich von Helloween stammenden Liedes?[26]Die nahezu identischen musikalischen Merkmale beider Titel lassen dies jedenfalls bezweifeln. Daraus folgt, dass nicht jeder Coversong automatisch auch eine Bearbeitung im rechtlichen Sinne darstellen muss, sondern durchaus als bloße Interpretation verstanden werden kann. Die in der Arbeit verwendeten Liedbeispiele sind ebenfalls nicht immer eindeutig den Bearbeitungen zuzuordnen, was die Bezeichnung des Themas "Original und Bearbeitung" zunächst in Frage zu stellen scheint. Die Formulierung "Original und Coversong" wäre zwar inhaltlich korrekter, würde aber sprachlich zu neuen Unstimmigkeiten führen, zumal für den Begriff des Coversongs kein wissenschaftlich fundierter Definitionshintergrund existiert. Die Arbeit nur auf die Bearbeitung zu beziehen, wäre mindestens genauso schwierig, denn es müsste immer vorab geklärt werden, ob ein vorliegender Coversong tatsächlich auch als eine Bearbeitung angesehen werden kann. Diese Einstufung ist oftmals problematisch und würde besonders den Umfang des zweiten Kapitels unnötig beschränken, da dieses mehr auf die Veröffentlichungs- als auf die Bearbeitungsformen eingeht. Das grundlegende Problem ist also, dass ein Coversong in der Form der Interpretation und der Bearbeitung vorliegen kann. In der Arbeit wird zur Vereinfachung der Begriff Bearbeitung gleichbedeutend mit dem des Coversongs verwendet. Größtenteils spielt es sogar keine Rolle, wenn eine Interpretation als Bearbeitung bezeichnet wird. Ist jedoch eine genaue Trennung zwischen Interpretation und Bearbeitung erforderlich, dann wird an gegebener Stelle gesondert darauf hingewiesen. Eine unnötige Komplizierung kann durch diese Vorgehensweise vermieden werden.

2. Bearbeitungsformen und ihr Veränderungsgrad in der Rock- und Popmusik

Nachdem die grundlegenden Schwierigkeiten skizziert werden konnten, erfolgt die intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Bearbeitung. Eine genaue Unterscheidung in einzelne Unterarten wie Arrangement oder Paraphrase soll hier jedoch nicht zum Ausdruck kommen. Vielmehr geht es im ersten Teilgebiet "Bearbeitungsformen" um die Möglichkeiten der Veröffentlichung von Bearbeitungen. Das Teilkapitel "Veränderungsgrad" geht schließlich auf die musikalischen Mittel ein, durch die ein Original verändert werden kann. Auch wird dort beschrieben, welche Wirkung allein schon die Abweichung des musikalischen Stils erzielt. Zahlreiche Hörbeispiele sollen die Ausführungen begleiten und zum genaueren Verständnis beitragen.

2.1. Vorschlag einer Klassifikation

Zunächst soll eine Klassifikation der unterschiedlichen Formen der Veröffentlichungsmöglichkeiten von Bearbeitungen zur Übersicht dienen. Grundlage dafür sind vorhandene Veröffentlichungen sowie die Beobachtung von Ereignissen z.B. auf Konzerten. Die Einteilung ist wegen der fehlenden Literatur zum Thema zwar selbst zusammengestellt worden. Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass es den verwendeten Quellen in Form von CD- und Video-Veröffentlichungen an Seriösität mangelt. Gerade durch sie kann es überhaupt zu einer Einteilung kommen. Hierzu ist die genaue Beobachtung der vorhandenen Veröffentlichungen und deren klare Abgrenzung zueinander entscheidend. Auch einem Konzertbesuch muss eine ernst zu nehmende Bedeutung beigemessen werden, weil sich viele Erscheinungen ausschließlich auf Konzerten zutragen und außerhalb dieser dann nicht mehr nachweisbar sind.

Bevorjede Form der Bearbeitung einzeln aufgeführt und erläutert wird, dient eine grafische Übersicht dazu, bereits im Vorfeld ein zusammenfassendes Bild über die nachfolgenden Beschreibungen zu bekommen. Dadurch erhält man den Vorteil, auf die noch unbekannte Klassifikation vorbereitet zu werden, ohne umfassende Vorkenntnisse auf dem Gebiet mitbringen zu müssen. Die anschließenden genaueren Ausführungen werden schneller verständlich, denn man wird nicht plötzlich in ein Gebiet eingeführt, welches zum ersten Mal behandelt wird. Zusätzlich zur bloßen Einteilung sollen auch Beispiele in Form von Bands, CD-Veröffentlichungen oder Liedern mit aufgeführt werden.[27]

2.1.1. Live-Cover

Bands, die sich auf die Produktion eigener Werke konzentrieren, fügen in ihre Auftritte trotzdem gelegentlich Bearbeitungen anderer Bands ein. Dabei kann es durchaus Vorkommen, dass das Publikum gar nicht auf solch einen Einschub vorbereitet ist oder möglicherweise nicht einmal das bearbeitete Lied erkennt. Während für einige Bands diese Sonderzugaben eine einmalige Sache bleiben, kann wiederum bei anderen von Routine gesprochen werden. Die einen nutzen eine Bearbeitung für ein Überraschungsmoment, während andere das Stück fest in ihren Ablauf integrieren.

Diese Vorgehensweisen sollen an zwei Beispielen verdeutlicht werden: Die deutsche Thrash Metalband Sodom spielten 1994 anlässlich ihrer Zehn- Jahres-Jubiläumsparty im Bochumer Club "Zeche Carl". Im Anschluss an ihre eigene Songauswahl wurden insgesamt sieben Stücke verschiedener anderer Bands nachgespielt. Hierbei kamen Musiker aus befreundeten Bands zur Unterstützung auf die Bühne, was die Spektakularität weiter steigerte. Gespielt wurden Lieder u.a. von den Ramones, Iron Maiden oder Motörhead. Letzterer kann eine besonders große Vorbildwirkung für die Band Sodom zugesprochen werden. Im Normalfall ist Sodom eine Band, die sich auf das Schreiben eigener Lieder konzentriert und im Konzertablauf von ihrem Repertoire aus selbst geschriebenen Stücken fast nie abweicht. Die Rolle von Bearbeitungen in solch umfangreichem Ausmaß ist insofern bedeutsam, weil sich die Zuschauer darauf nach dem normalen Programm neu einstellen müssen.

Als bloße Zugabe ist dieses Vorgehen der Band dabei nicht zu sehen: Bei einem Konzert mit eigenen Songs sind die Zuschauer durchgehend gefesselt von den Liedern der Band, welche sie sich ansehen und anhören. Wenn die Band aufhört zu spielen, gehen die Konzertbesucher in der Regel davon aus, dass das Konzert vorbei ist. Sie werden ab dem Zeitpunkt innerlich mit der Band und deren Auftritt abschließen und sich beruhigen - auch wenn sie sich wünschen, dass weitergespielt wird. Kommt die Band dann zurück auf die Bühne, so wird die vorher abgeflaute Spannung wieder neu aufgebaut. Kennt das Publikum die gespielten Lieder nicht, dann freut sich der Großteil zwar darüber, dass die Band überhaupt weiterspielt, aber der Überraschungseffekt hält sich in Grenzen. Das liegt daran, dass man etwas Ungewohntes geliefert bekommt und sich diesem Material im Normalfall nicht so offen hingeben kann wie es bei bekannten Titeln der Fall ist. Auch, wenn die Band bei einer Zugabe eigene bekannte Lieder spielt, ist nicht von einer Überraschung zu sprechen. Spielt sie hingegen erstmals bekannte Lieder anderer Bands, so fällt der Überraschungseffekt sicher am stärksten aus. Die Bearbeitungen, mit denen die Band Sodom auftrat, waren dem damaligen Durchschnittsfan dieser Band wohl geläufig. Deshalb beginnt ein Großteil der Hörer - wenn auch unbewusst - sich mit dem Interpreten des Originalstücks zu identifizieren. Ist der Hörer selbst ein Fan von den Ramones, dann stärkt das seine Verbundenheit zur bearbeitenden Band, denn es kommen in einem Moment zwei beliebte Bands zusammen. Die Verbundenheit zeichnet sich auch durch die Identität mit den bearbeitenden Musikern aus, wenn der Hörer feststellt: Ich mag Sodom. Ich mag AC/DC. Sodom mögen auch AC/DC.[28]

Im Gegensatz dazu spielt die Greifswalder Metalband Breath of Purity auf Konzerten eigene Stücke, jedoch nehmen sie regelmäßig das Lied "Elder Misanthropy" der amerikanischen Metalcore-Band The Black Dahlia Murder in ihr Programm auf.[29]Anders als bei Sodom ist das Live-Cover hier eine Regelmäßigkeit, durch die ein Konzert dieser Band gekennzeichnet wird.

Man sollte meinen, es sei selbstverständlich, dass eine Band, die ein Stück einer anderen nachspielt, auch etwas Gutes von dieser Band hält. Trotzdem ist diese These im späteren Verlauf genauer zu überprüfen.

2.1.2. Coversong

Die heutige Musikindustrie lebt neben Konzerten vor allem von CD- Produktionen. Der wesentliche Vorteil gegenüber Auftritten liegt für den Hörer klar in der Möglichkeit der wiederholten Wiedergabe von Musik. Somit ist es nicht notwendig, sich eine Band live anzusehen, wenn man deren Stücke zu jeder Zeit hören kann. Im Lauf der Zeit schreibt eine Band eine Reihe von Liedern, die bei ausreichender Anzahl im Regelfall zu einem Album zusammengestellt werden. Auf einer CD kann neben den eigenen Liedern zusätzlich eine Bearbeitung enthalten sein. Das geschieht häufig in Form eines Bonustitels. Dieser fällt aus der Reihe der eigenen Stücke heraus, denn der Hörer kennt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Interpreten der Originalversion. Das hat zur Folge, dass neben der Fülle an neuem Material ein Lied dabei ist, das gleich beim ersten Hören einen Wiedererkennungswert besitzt und einen gewissen Grad an Vertrautheit beim Hörer erweckt. Die Gewöhnungsphase an ein neues Album voller unbekannter Stücke wird erleichtert, wenn etwas Bekanntes den ersten Höreindruck begleitet.

Dimmu Borgir ist eine der wenigen Black Metalbands, die international einen großen Bekanntheitsstatus erlangen konnten. Seit 1993 werden regelmäßig neue Alben aufgenommen und etliche Konzerte gespielt. Unter den neun Alben findet man auch gelegentlich Bearbeitungen. Die Live­Aufnahme des Stücks "Metal Heart" wurde ursprünglich schon 1994 auf der Japan-Version ihres ersten Albums "For All Tid" (zu deutsch: Für alle Zeit) veröffentlicht. Eine Studioversion des Songs, der im Originalen von den deutschen Heavy Metal Legenden Accept aus dem Jahr 1985 stammt, erschien bei Dimmu Borgir schließlich 1998 auf der EP "Godless Savage Garden".[30]Weiterhin wurden durch Dimmu Borgir Songs von Celtic Frost, Twisted Sister, Bathory und Venom in neuem Gewand aufgenommen. Letztere zählen zu den Wegbereitern des Black Metal, was stark auf den 1982 erschienenen Song "Black Metal" zurückzuführen ist. Dieses Lied ist auf dem Dimmu Borgir Album "In Sorte Diaboli" von 2007 wiederzufinden. Allerdings handelt es sich dabei wieder um eine Japan-Version, auf welcher das Lied als Bonustitel vorhanden ist.[31]Die anderen Versionen des Albums beinhalten diesen Titel nicht. Ein Lied wie "Black Metal" scheint ohnehin eins der beliebtesten zu sein, die von anderen Bands nachgespielt werden. Auch Größen wie Cradle of Filth, Vader, Hypocrisy oder Holy Moses haben sich bereits diesen Song zur Grundlage ihrer Bearbeitung genommen.

Die Thrash Metalband Ektomorf aus Ungarn hingegen ist von der Veröffentlichung von Coversongs zwar nicht gänzlich auszuschließen, kann aber unter ihren ebenfalls neun Studioalben bisher nur eine einzige Bearbeitung verzeichnen.[32]

Die Anzahl von einzelnen Bearbeitungen kann von Band zu Band also ganz unterschiedlich ausfallen.

2.1.3. Cover-Album

Dass eine Band im Lauf ihrer Entwicklung von der Aufnahme eigener Lieder abweicht und eine Bearbeitung veröffentlicht, kommt bei vielen Interpreten vor. Wenn allerdings auf einem Album gar keine eigenen Kompositionen mehr zu finden sind, sondern ausschließlich neue Versionen von Stücken anderer Bands, dann kann durchaus von etwas Besonderem gesprochen werden. Es handelt sich dann um das sogenannte Cover-Album. Es gibt nicht wenige Vertreter, die in ihrer Geschichte ein Cover-Album aufgenommen haben. Und doch stellt dies trotzdem einen Sonderfall dar, weil die Zahl der Bands, die lediglich vereinzelt Coversongs veröffentlicht haben, weitaus größer ausfällt.

Die Auswahl der Bands für den Inhalt eines solchen Albums kann recht abwechslungsreich ausfallen. So können die Originalen aus den Bereichen des extremen und klassischen Metal, aber auch aus dem Pop-Genre stammen. Diese Zusammenstellung auf einer CD zu finden, auf der aber alles im Stil der bearbeitenden Band interpretiert wird, wirkt einerseits bunt und unberechenbar - wenn der Hörer die Originaltitel kennt und mit ihnen rechnet -, aber zugleich einheitlich und bekannt - wenn der Hörer mit dem Stil der interpretierenden Band vertraut ist.

Das Vorgehen für die Zusammenstellung solcher Alben ist auch nicht immer dasselbe.

Es gibt Bands, die nach und nach vereinzelt Lieder aufgenommen und veröffentlicht haben, die sie schließlich bei ausreichender Zahl auf einem gesonderten Album neu veröffentlichen. Erscheint dieses Album, so wird der Fan bereits vor dem ersten Hören die Lieder kennen, da er sie schon früher gehört hat. Ein Blick auf die Titelliste reicht praktisch aus, damit der Inhalt der CD nachvollziehbar wird.

Die Finnen Children of Bodom z.B. veröffentlichten auf ihren bisherigen Alben häufig Bonustitel in Form von Coversongs. In zwölf Jahren Bandgeschichte ist dadurch viel Material angesammelt worden, welches man im September 2009 unter dem Titel "Skeletons In The Closet" veröffentlichte.[33]Es wurden größtenteils schon aufgenommene Lieder verwendet, doch auch wenige bisher unveröffentlichte Songs wurden hinzugefügt. Zu finden sind Versionen von Sepultura und Slayer, aber auch Billy Idol, Ramones und sogar Britney Spears werden hier im Metalgewand präsentiert.[34]

Andere Bands hingegen gehen so vor, dass sich die Musiker in einem durchgehenden Prozess für Lieder entscheiden, denen sie neue Versionen widmen wollen, ohne dass aus einem bereits vorhandenen Fundus ausgewählt wird. Repräsentativ für diese Vorgehensweise ist die polnische Band Vader, die zu den Urgesteinen des Death Metal zählen. Bei der Bandgründung im Jahr 1983 waren sie stilistisch zwar noch stark am Thrash Metal angelehnt, doch sie prägten die Entwicklung in eine neue härtere Richtung maßgebend, insbesondere in ihrem Heimatland. Bis heute hat die Band bereits neun Studioalben veröffentlicht. Schon 1996 entschieden sie sich, ein Album herauszubringen, das kein einziges neues Stück von ihnen enthalten sollte.[35]Im Gegensatz zur Veröffentlichung von Children of Bodom sind die Stile der Originalinterpreten, denen sich "Future of the Past" bedient, zum größten Teil einheitlich, denn man findet Versionen u.a. von Sodom, Slayer, Possessed oder Kreator, die man allesamt zum Genre des Thrash Metal zählen kann.[36]Der Song "I Feel You" von Depeche Mode stellt hier sicher die stärkste Abweichung vom eigenen Musikstil dar, weil es sich bei dieser Band um eine stark von synthetischen Klängen geprägte Rockband handelt.[37]

Die Möglichkeiten für ein Album voller Bearbeitungen sind sehr vielseitig. Dabei fallt auf, dass eine Bearbeitung umso befremdicher auf den Hörer wirkt,je mehr der eigene Stil vom Original abweicht. Es gibt Bands, die sich auf das Nachspielen von Songs der eigenen Richtung konzentrieren, aber auch jene, die ihr Material aus Stücken aller möglichen Stile ziehen, wie beispielsweise am Lied "Ooops...I did it again" von Children of Bodom deutlich wird.[38]Bei den Interpretationen dieser neuen Versionen ist dabei grundsätzlich der eigene Charakter der bearbeitenden Band wiederzufinden. Hört man ein Lied, dass eigentlich dem Punk Rock zuzuordnen ist, in einer Interpretation der Gruppe Overkill, dann bekommt dieses allein schon durch den neuen Interpreten einen anderen Charakter.[39]Diesen findet man ebenso bei allen Eigenkompositionen. Das ist keine Besonderheit dieser Band, sondern generell bei allen bearbeitenden Bands der Fall. Zwar ist die eine Band sehr stark am Original angelehnt,[40]wo eine andere ein Lied in ihrer ganz eigenen Weise nachspielt.[41]Ersteres liegt dann allerdings viel mehr daran, dass der Bearbeiter naturgemäß einen sehr ähnlichen Stil spielt wie der Interpret des Originals.

2.1.4. Tribute-Album

Zu unterscheiden vom Cover-Album ist das sogenannte Tribute-Album. Das Wort Tribute hat im Gegensatz zu den anderen Begriffen wie beispielsweise "Cover-Album" von vornherein eine wertende Funktion. Das bedeutet, wenn man den Begriff Tribute-Album benutzt, soll damit nicht vorrangig die Art des Albums beschrieben werden. Vielmehr deutet das Wort darauf hin, dass es sich hier um eine Art der Verehrung bzw. um eine Hommage handelt, die einer bestimmten Band gegenüber zum Ausdruck gebracht wird.

Die Idee des Tribute-Albums ist noch gar nicht so alt. Etabliert wurde diese Form durch den amerikanischen Musikproduzenten Hal Willner. Neben Jazz und Rock waren seine großen Interessen vor allem in der Theater- und Filmmusik zu finden. Der 1911 geborene italienische Komponist Nino Rota wurde besonders durch das Schreiben von Filmmusik erfolgreich. Rota war 1981 - zwei Jahre nach seinem Tod - Grundlage für ein Tribut-Album, welches von Willner produziert wurde. Dieses Werk beschäftigte sich mit den Musiken Rotas, die er für viele Filme des bedeutendsten Regisseurs Italiens Federico Fellini schrieb. Zahlreiche Jazz- und Rockmusiker wurden vom Produzenten in dieses Tribute-Album mit einbezogen und konnten zu den Neuinterpretationen der berühmten Stücke beitragen.

[...]


[1] Vgl. Bösche (1994), Sp. 1321-1334.

[2] Vgl. Müller [17.12.2010].

[3] Vgl. Eggebrecht (1990), S. 111 f.

[4] Vgl. ebd., S. 57.

[5] Vgl. ebd., S. 240 und Danuser (1996), Sp. 1053-1066.

[6] Vgl. Schaal (1997), Sp. 1347-1351.

[7] Vgl. Drees (1998), Sp. 1238-1284.

[8] Vgl. Schröder (1994), Sp. 1325 ff.

[9] Vgl. Berndorff (1999), S. 182-184 und Rehbinder (2008), RN 1 ff.

[10]Vgl. BundesministeriumderJustiz [14.12.2010].

[11]Vgl.Kapitel 6.1.

[12]Vgl. Kapitel 6.2.

[13]Vgl. Kapitel 6.3.

[14]Vgl. Schröder (1994), Sp. 1325.

[15]Vgl. ebd., Sp. 1324.

[16]Vgl. ebd., Sp. 1326.

[17]Vgl. Schröder (1994), Sp. 1329.

[18]Vgl. Drees (1998), Sp 1238-1284.

[19]Vgl. Schaal (1997), Sp 1347-1351.

[20] Vgl. Bösche (1994), Sp. 1331f.

[21] Vgl. BundesministeriumderJustiz, § 2f. [14.12.2010].

[22] Vgl. Rehbinder (2008), RN 2, 5.

[23] Ebd., RN 216.

[24] Ebd., RN 215-217.

[25] Vgl. Homepage der GEMA [04.07.2010].

[26] Vgl. 6.3. Nr. 01 und 02.

[27] Vgl. Kapitel 6.4.

[28] Vgl. 6.3. Nr. 03 und 04.

[29] Vgl. Kapitel 6.2.1.

[30]Vgl. 6.3. Nr. 05 und 06.

[31]Vgl. 6.3. Nr. 07 und 08.

[32]Vgl. 6.3. Nr. 09 und 10.

[33]Vgl. Metal.de: Children ofBodom: Skeletons in the closet [07.12.2010].

[34]Vgl. 6.3. Nr. 11 und 12.

[35]Vgl. Vollmer [07.12.2010].

[36]Vgl. Metal-Observer [07.12.2010].

[37]Vgl. 6.3. Nr. 13 und 14.

[38]Vgl. 6.3. Nr. 11 und 12.

[39]Vgl. 6.3. Nr. 15 und 16.

[40] Vgl. 6.3. Nr. 01 und 02.

[41] Vgl. 6.3. Nr. 17 und 18.

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
Original und Bearbeitung in der Rock- und Popmusik
Untertitel
Formen, Kontext, vergleichende Analyse
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Musikwissenschaft)
Note
2,8
Autor
Jahr
2010
Seiten
65
Katalognummer
V190954
ISBN (eBook)
9783656161295
ISBN (Buch)
9783656161523
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
original, bearbeitung, rock-, popmusik, formen, kontext, analyse
Arbeit zitieren
Steffen Peise (Autor), 2010, Original und Bearbeitung in der Rock- und Popmusik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190954

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