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Einst und Jetzt - Zur Konstruktion von Vergangenheit in Heines Reise von München nach Genua

Title: Einst und Jetzt - Zur Konstruktion von Vergangenheit in Heines Reise von München nach Genua

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anika Kosfeld (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit ist ein wesentlicher Bestandteil der italienischen Reisewerke des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Reisenden sahen sich in Italien mit zahlreichen Überresten der römischen Antike und Kunstwerken späterer Epochen konfrontiert. Oftmals war die Besichtigung dieser (Kunst-)Zeugnisse leitendes Motiv der Italienreise im Sinne einer klassizistischen Bildungserfahrung, einer einfachen Bildungsreise oder der Vergegenwärtigung von Ruinenromantik.
In dieser Seminararbeit wird die spezifische Weise untersucht mit der Heine in der Reise von München nach Genua Vergangenheit in Italien erfährt und konstruiert. Schon der erste Befund ergibt ein dynamisches und lebhafteres Bild von Vergangenheit als der oben skizzierte Rahmen traditioneller Reisewerke vorgibt: Historie spiegelt sich genauso im Steintext von völkerwanderungs-zeitlichen Trümmern als auch im Gesicht der Obstfrau in Trient, in dem sich die Spuren aller Zivilisationen Italiens finden. Dazu treten Geistererscheinungen historischer Persönlichkeiten, die vor dem Zapfenstreich und Betglocken einer christlich-österreichischen Realität fliehen und eine verlebendigte Reiterstatue von Cangrande, der sich dem Erzähler als Fremdenführer durch Verona anbietet. Diese im weitesten Sinne einer historischen oder kulturhistorischen Betrachtung des Landes zuzuordnenden Momente der Reise bilden aber nur eine Dimension der Konstruktion von Vergangenheit in der Reise von München nach Genua. Sie sind verwoben mit mythisch-mythologischen Motiven, die ihrem Wesen nach auf eine zeitlich nicht klar bestimmbare Vorvergangenheit verweisen und als dritte Komponente, die persönliche Vergangenheit des Erzählers, besonders virulent in der Erscheinung der tote Maria, der stetigen Begleiterin der Reise.
Die komplexe Anlage von sich überlagernden Bildern der Vergangenheit entspricht nicht mehr dem einfachen Muster von Sehen und Beschreiben traditioneller Reiseliteratur. Vielmehr bilden auch die Aspekte der Vergangenheit in sich „harmonisch verschlungenen Fäden“, die die Kompositionstechnik der Reisebilder insgesamt auszeichnet — als feingliederiges Geflecht sprunghaft wirkender Gedankenverbindungen, als Medium von Fremd- wie Eigenreferenzen, als eine bisweilen die Grenzen von Zeit, Raum, Wirklichkeit und Traum nivellierenden Erzählung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kategorien von Vergangenheit in der Reise von München nach Genua

2.1 Historisch-kulturelle Vergangenheit

2.1.1 Orte und Zeugnisse: der Steintext

2.1.2 Völker und Menschen: die Menschenruine

2.2 Mythisch-mythologische Vergangenheit

2.3 Persönliche Vergangenheit

3. Die Konstruktion von Vergangenheit am Beispiel der Ankunft in Trient (Kap. XIV)

4. Resümee und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Art und Weise, wie Heinrich Heine in seinen Reisebildern (speziell in der Reise von München nach Genua) die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit inszeniert und konstruiert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie verschiedene Ebenen der Vergangenheit – historisch-kulturelle, mythische und persönliche – miteinander verwoben werden, um als dynamischer Kontrapunkt zur Gegenwart zu fungieren.

  • Analyse von Kategorien der Vergangenheitskonstruktion
  • Untersuchung der Kompositionstechnik und ihrer Wirkung auf den Leser
  • Rolle der persönlichen Erinnerung des Erzählers (Maria-Motiv)
  • Kontrastierung von Historie und aktueller politischer Wirklichkeit
  • Dekonstruktion des traditionellen Italienbildes

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Orte und Zeugnisse: der Steintext

Der „barbarische“ Münchener Dom „der sich noch immer, in stiefelknechtlicher Gestalt, über die ganze Stadt erhebt und die Schatten und Gespenster des Mittelalters in seinem Schoße verbirgt“, die Stadt Trient, „alt und gebrochen“ inmitten von „blühend grünen Bergen, die, wie ewig junge Götter, auf das morsche Menschenwerk herabsehen“, die Häuser in Trient mit ihren „verblichenen Freskos,“ zerbröckelnden Heiligenbildern“ und „alterschwachen Pfeilern“: stets regen die Bauwerke und Steine den Erzähler der Reise von München nach Genua zu kulturhistorischen Betrachtungen und Reflexionen an. Sie sind steinerne Zeugnisse, die die Spuren vergangener Tage und Epochen in sich bergen und repräsentieren.

Die benutzten Charakterisierungen – alt, morsch, verfallen, ewig jung – sind allerdings derart generalisierend, dass hier keine konkreten bauwerkshistorischen Ausführungen zu erwarten sind, sie zielen vielmehr auf das Spannungsverhältnis von Gegenwart und Vergangenheit unter den leitmotivischen Themen Verfall (Tod) und Renaissance (Wiedergeburt).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Vergangenheitsdarstellung in der Reiseliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts ein und umreißt die Untersuchung der dynamischen Konstruktion von Geschichte in Heines Werk.

2. Kategorien von Vergangenheit in der Reise von München nach Genua: Das Kapitel differenziert die Analyse in historisch-kulturelle, mythisch-mythologische und persönliche Vergangenheit, um das komplexe Geflecht der im Text konstituierten Erinnerungsbilder zu erfassen.

2.1 Historisch-kulturelle Vergangenheit: Hier wird untersucht, wie Heine durch Orte und Menschen als "Steintexte" oder "Menschenruinen" die Vergangenheit lebendig macht und als Kontrapunkt zur Gegenwart nutzt.

2.1.1 Orte und Zeugnisse: der Steintext: Dieses Unterkapitel analysiert die Bedeutung von Bauwerken als steinerne Zeugen, die Epochen überlagern und den Verfall sowie die Wiedergeburt thematisieren.

2.1.2 Völker und Menschen: die Menschenruine: Der Fokus liegt hier auf der Physiognomie und Erscheinung der Menschen als lebendige Archive, in denen kulturelle Spuren verschiedener Zivilisationen eingeschrieben sind.

2.2 Mythisch-mythologische Vergangenheit: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Heine mythologische Motive einsetzt, um die Grenzen zwischen historischer Zeit und zeitindifferenter Wahrheit zu verwischen.

2.3 Persönliche Vergangenheit: Das Kapitel befasst sich mit der Rolle der individuellen Erinnerung und dem wiederkehrenden, oft schmerzhaften Motiv der "toten Maria", das die Reise des Erzählers strukturiert.

3. Die Konstruktion von Vergangenheit am Beispiel der Ankunft in Trient (Kap. XIV): Anhand eines exemplarischen Kapitels zeigt der Autor die Verzahnung der verschiedenen Vergangenheitsstränge in einem spezifischen Textabschnitt auf.

4. Resümee und Fazit: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Bedeutung der Reisebilder als Wendepunkt zur literarischen Moderne und zur europäischen Emanzipation.

Schlüsselwörter

Heinrich Heine, Reisebilder, Reise von München nach Genua, Vergangenheitskonstruktion, Kulturgeschichte, Mythologie, Erinnerung, Steintext, Menschenruine, Italienbild, Restauration, Emanzipation, Literaturwissenschaft, Epochenwandel, Subjektivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Heinrich Heine in seinem Werk Reise von München nach Genua die Vergangenheit konstruiert und durch welche erzähltechnischen Mittel er dabei arbeitet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Überlagerung von historisch-kulturellen, mythisch-mythologischen und persönlichen Vergangenheitsbildern und deren Funktion als Gegentext zur restaurativen Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Vergangenheit bei Heine keine starre historische Größe ist, sondern ein dynamisches und lebendiges Element, das die Gegenwart kritisch kommentiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf den Konzepten der Erinnerungskultur (nach Aleida und Jan Assmann) sowie auf kompositionsanalytischen Ansätzen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine kategoriale Trennung der verschiedenen Vergangenheitsebenen und eine eingehende exemplarische Analyse des Kapitels zur Ankunft in Trient.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Konstruktion von Vergangenheit", "heißer Erinnerungskultur", "Steintext", "Menschenruine" und die "Subjektivierung des Geschichtlichen".

Warum spielt das Maria-Motiv eine so zentrale Rolle?

Das Maria-Motiv stellt eine persönliche, mythisierte Vergangenheitsebene dar, die den Erzähler auf seiner Italienreise verfolgt und die erzählerische Struktur der Reise maßgeblich mitprägt.

Inwiefern unterscheidet sich Heine von traditionellen Italienreisenden?

Im Gegensatz zur klassischen, ästhetisierenden Betrachtung der Antike nutzt Heine die Ruinen als politische Symbole, um die drängenden Fragen der Gegenwart und den Emanzipationsgedanken zu thematisieren.

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Details

Title
Einst und Jetzt - Zur Konstruktion von Vergangenheit in Heines Reise von München nach Genua
College
University of Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Course
Europäische Literatur der Neuzeit - Europäer in Italien
Grade
1,0
Author
Anika Kosfeld (Author)
Publication Year
2011
Pages
23
Catalog Number
V191026
ISBN (eBook)
9783656155447
Language
German
Tags
Heinrich Heine Reiseliteratur Italien Goethe Vergangenheit Verona Literatur Konstruktion Quellenanalyse Bildung Bildungsreise Klassizismus Romantik Reisebilder Komposition Textanalyse Geschichtsbild Ironie Mythisch Mythologie Gegenwartsdiagnose Zeitkritik Genua München Reise Reisewerk Deutscher Autor
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anika Kosfeld (Author), 2011, Einst und Jetzt - Zur Konstruktion von Vergangenheit in Heines Reise von München nach Genua, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191026
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