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Bilder der Gewalt

Über Fotografien aus der Täterperspektive

Title: Bilder der Gewalt

Bachelor Thesis , 2010 , 45 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Schomaker (Author)

Communications - Ethics in the Media
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Summary Excerpt Details

Bilder der Gewalt existieren seit Menschengedenken und führen uns immer wieder eindrücklich vor Augen, wozu Menschen tatsächlich fähig sind. Denn Bilder können auf eine Art und Weise schockieren und in Erinnerung bleiben, der Worte niemals fähig wären. Fotografien scheinen dabei eine besondere Macht auf uns auszuüben, da sie als Zeugnisse von Realität gelten. Um diese Macht verstehen zu können, wird das Bild in dieser Arbeit zunächst in den Zusammenhang von Wahrnehmung und Realität gestellt. Dabei soll geklärt werden, welche Wirkung Bilder im Allgemeinen auf uns haben und warum.
Im Folgenden werden dann Fotografien von Gewaltverbrechen untersucht, die aus der Täterperspektive – also entweder von den Tätern selbst, von Mitschuldigen oder Befürwortern der Tat – aufgenommen wurden. Schließlich steckt dahinter immer eine gewisse Absicht des Fotografen und die Bilder sollen eine bestimmte Funktion erfüllen.
Dass sich diese Funktion im Laufe der Geschichte verändert hat und stets vom jeweiligen Kontext der Bilder abhängig ist, soll an vier verschiedenen Beispielen deutlich gemacht werden: an Knipser-Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg, Bildern von Lynchmorden an Afro-Amerikanern in den USA, Aufnahmen des Terroranschlags vom 11. September 2001 sowie an den Folterfotos von Abu Ghraib.
Die letzten beiden Beispiele sowie der aktuelle Bilderkrieg an sich werden weiterhin im Zusammenhang mit William J.T. Mitchells „biopictorial turn“ untersucht, der die technischen Möglichkeiten des Bildes in Verbindung mit dem doppelten Phänomen von Klonen und Terror sieht.
Zu guter Letzt setzt sich diese Arbeit mit der umstrittenen und äußerst brisanten Frage nach dem richtigen Umgang mit Gewaltbildern auseinander. Ob sie nun als Waffen fungieren und man durch ihre Betrachtung automatisch zum Komplizen der Täter wird, oder ob diese Bilder als Beweise des Unrechts gezeigt werden müssen, damit die Verbrechen nicht vertuscht werden können, bleibt zu klären.
In jedem Fall sollte man sich mit dem Phänomen von Bildern der Gewalt beschäftigen, da es leider auch heute noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und Fotografien von grausamen Verbrechen weiter verbreitet und leichter zugänglich sind als je zuvor.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Macht der Bilder: Bild, Wahrnehmung und Realität

3. Fotos als Trophäen und Amulette

3.1. Knipser im Zweiten Weltkrieg

3.2. Lynchfotografie in Amerika

4. Der Krieg der Bilder: 9/11 und Abu Ghraib

4.1. Die neue Bildaktpolitik im asymmetrischen Krieg

4.2. Der „Biopictorial Turn“: Klonen und Terror

5. Der Umgang mit den Fotos: Waffen oder Beweise?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Rolle und Funktion von Gewaltbildern aus der Täterperspektive. Es wird analysiert, wie Fotografien – von privaten Schnappschüssen im Zweiten Weltkrieg über Lynchjustiz in Amerika bis hin zum asymmetrischen Bilderkrieg der Moderne – als Trophäen, Amulette oder gezielte Waffen fungieren und inwiefern sie durch mediale Inszenierungen Realität konstruieren oder beeinflussen.

  • Die psychologische Dimension von Gewaltfotografien als Trophäen und Amulette zur Angstabwehr.
  • Die Entwicklung vom nachträglichen Abbild der Gewalt hin zur Inszenierung von Ereignissen für die Kamera.
  • Die Verschmelzung von Terror, Klonen und medialer Verbreitung im „biopictorial turn“.
  • Die ethische Problematik und die Notwendigkeit des Umgangs mit Gewaltbildern in der geschichtlichen Aufarbeitung.
  • Die Dekonstruktion von Sichtbarkeiten und Rahmungen in der asymmetrischen Kriegführung.

Auszug aus dem Buch

3.1. Knipser im Zweiten Weltkrieg

Die Frage, welche Bilder zu welchem Zweck gezeigt werden, ist essentiell. So werden Bilder durch die gesellschaftlichen Rahmungen und Normen automatisch und ständig zensiert. Welche Bilder gezeigt werden, hängt somit von den sozialen Gegebenheiten, Einstellungen und Zielsetzungen einer Gesellschaft beziehungsweise einer Regierung ab. Mit diesen Umbrüchen verändert sich mithin auch die Funktion, die diese Bilder erfüllen oder erfüllen sollen.

In der Vergangenheit dienten Bilder der Gewalt dabei meist als Trophäen („Sie zeigten, wen man geschlagen hatte.“), gleichermaßen aber auch als „Amulette gegen den eigenen Tod“. Und dies natürlich vor allem in Situationen, in denen das eigene Leben gefährdet war, wie zum Beispiel im Krieg.

Dass man in den Brieftaschen gefangener oder toter deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg Fotos von Hinrichtungen des Feindes und anderer Verbrechen fand, beweist, dass die Aufnahmen für die Soldaten von besonderem Wert gewesen sein und somit eine bestimmte Funktion für sie erfüllt haben müssen. Dies wird besonders mit dem Hintergrund deutlich, dass diese Fotografien trotz offiziellen Fotografierverbots heimlich „geknipst, gesammelt und getauscht“ wurden.

Da sie zum einen verboten waren und zum anderen als eines von wenigen Dingen direkt am Körper getragen wurden, liegt der Schluss nahe, dass die Fotos „nur für den privaten Gebrauch des Knipsers und für seine zukünftige Erinnerung bestimmt“ waren. Diesem Bedürfnis nach Erinnerung kommt jede Fotografie dadurch nach, dass sie das abgebildete Ereignis, wie bereits festgestellt, unablässig wiederholt und es somit auf Dauer festhält. Mehr noch versucht sie laut Roland Barthes, „einem kurzen Augenblick Ewigkeit zu verleihen und den Körper zum Bild werden zu lassen“. Denn im Unterschied zu anderen Bildern besitzt die Fotografie eine geradezu magische Dimension, da sie nicht einfach nur Abbild ist, sondern die vergangene Situation oder Person im Prinzip immer noch in einer „Lichtspur“ anwesend ist. Sie ist, mit Barthes’ Worten, eine „Emanation des Referenten“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Gewaltbildern ein und stellt die methodische Herangehensweise vor, um die Macht der Bilder im Kontext von Wahrnehmung und Realität zu analysieren.

2. Die Macht der Bilder: Bild, Wahrnehmung und Realität: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Bildwahrnehmung und zeigt auf, wie Bilder nicht bloß passiv abbilden, sondern aktiv Realität konstruieren.

3. Fotos als Trophäen und Amulette: Hier wird untersucht, wie Soldaten und Akteure in Lynchmorden Gewaltfotos zur Stärkung der eigenen Identität sowie zur Angstabwehr nutzten.

4. Der Krieg der Bilder: 9/11 und Abu Ghraib: Dieser Abschnitt analysiert den Wandel im asymmetrischen Krieg, in dem Bilder gezielt zur psychologischen Kriegsführung und als Ausdruck einer Klon-Logik eingesetzt werden.

5. Der Umgang mit den Fotos: Waffen oder Beweise?: Das Kapitel diskutiert die ethische Frage, ob Gewaltbilder aufgrund ihrer Wirkung zensiert oder zur Aufarbeitung historischer Unrechte zugänglich gemacht werden sollten.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, durch kritische Distanz die von Tätern geschaffenen Bildrahmen zu entlarven.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.

Schlüsselwörter

Gewaltbilder, Täterperspektive, Bildakt, Lynchjustiz, Zweiter Weltkrieg, Abu Ghraib, Bilderkrieg, Biopictorial Turn, Klonen, Entmenschlichung, Wahrnehmung, Realität, Beweiskraft, Fotografie, Mediale Inszenierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion von Fotografien, die Gewalt aus der Täterperspektive zeigen, und untersucht deren Macht im Kontext sozialer und politischer Rahmungen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themenfelder umfassen die Rolle von Bildern als „Trophäen und Amulette“, die Transformation von Gewaltfotos in asymmetrischen Kriegen sowie die Ethik der Darstellung von Gewalt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu verstehen, wie und warum sich die Funktion von Gewaltbildern von einer privaten Erinnerungsstütze (Trophäen) hin zu einer massenmedialen Waffe im Klonkrieg entwickelt hat und wie der Betrachter damit umgehen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Theorien zur Bildwissenschaft (z.B. Mitchell, Bredekamp, Sontag, Butler) auf historisches und zeitgenössisches Bildmaterial anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung historischer Beispiele (Knipser im Zweiten Weltkrieg, Lynchmord-Fotografien) und moderner Phänomene des „Krieges der Bilder“ (9/11, Abu Ghraib) sowie die ethische Diskussion über deren Veröffentlichung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gewaltbilder, Entmenschlichung, Bildakt, asymmetrischer Krieg und die Rolle der Fotografie als magisches oder instrumentelles Medium.

Wie unterscheidet sich die Funktion der Fotos bei den Lynchmorden von den Knipser-Fotos im Zweiten Weltkrieg?

Während Knipser-Fotos eher für den privaten Gebrauch und die individuelle Angstabwehr der Soldaten dienten, wurden Lynchmord-Fotos als öffentliche Postkarten gezielt zur Verbreitung einer Ideologie und zur Terrorisierung der schwarzen Bevölkerung genutzt.

Was bedeutet der Begriff „Biopictorial Turn“ im Kontext dieser Arbeit?

Der Begriff beschreibt die Wende innerhalb der visuellen Kultur, in der Bilder („Biobilder“) mit technologischen Neuerungen, Terror und dem Klonen verschmelzen, um die Realität aktiv mitzugestalten.

Warum spielt die Entmenschlichung der Opfer eine so große Rolle?

Die Entmenschlichung ist notwendig, um die begangenen Gewalttaten in ein „Feld wahrnehmbarer Realität“ zu rücken, in dem die Täter ihre Handlungen als gerechtfertigt oder sogar als moralisch überlegen betrachten können.

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Details

Title
Bilder der Gewalt
Subtitle
Über Fotografien aus der Täterperspektive
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Institut für Kultur und Medien)
Grade
1,0
Author
Laura Schomaker (Author)
Publication Year
2010
Pages
45
Catalog Number
V191058
ISBN (eBook)
9783656156284
ISBN (Book)
9783656156918
Language
German
Tags
Bilder Fotos Fotografien Bilder der Gewalt Folterfotos Gewaltfotos Krieg der Bilder Bilderkrieg 11.September 9/11 Zweiter Weltkrieg Abu Ghraib Lynchjustiz Lynchmord Gewaltbilder Klonen Terror Terrorismus biopictorial turn Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Schomaker (Author), 2010, Bilder der Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191058
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