Stereotype Geschlechterbilder als Abbildung heterogener Lebensphilosophien am Beispiel „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „Geschichte der Männlichkeiten“ eine kurze Buchvorstellung

3 Der Geschlechterbegriff

4 Narziß und Goldmund

5 Analyse
5.1 Geschlechterbilder bei „Narziß und Goldmund“
5.2 Geistmensch contra Herzmensch
5.3 Die Beziehung der Protagonisten
5.4 Lebensphilosophien

6 Interpretation
6.1 Interpretation im Rahmen der Geschlechterforschung
6.2 Bezüge zum historischen Kontext

7 Fazit

8 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Kulturelle, soziale und anatomische Unterschiede gab es schon immer zwischen den Geschlechtern. Und lange bevor die Erforschung dieser Differenzen als Wis- senschaft anerkannt wurde, beschäftigten sich Menschen mit diesem Thema. Noch bevor man diese Unterschiede bewusst analysierte existierten sie. So unterteilt man die Menschen anatomisch durch ihr sexuelles Geschlecht in Männer und Frauen. In unserer Westlichen Kultur entwickelte sich aus der Annahme es gäbe nur ein anatomisches Geschlecht1 im 18. Jahrhundert ein Zweigeschlechtermodell (Thomas Laqueur). Das Problem des Ein-Geschlecht-Modells, abgesehen davon, dass es grundsätzlich falsch ist, ist die daraus einhergehende Herabwürdigung des weiblichen Geschlechts und somit die unterdrückte soziale Rolle der Frau2.

Die Entwicklung dieser Polarisierung der Geschlechter sowohl im Hinblick auf die Biologie, als auch im sozialen Kontext ist so komplex, dass es seit circa 1970 eine anerkannte Wissenschaft ist. Die so genannten Women’s Studies etablierten sich. Später kamen die allgemeinen Gender Studie’s hinzu, aus denen das ebenfalls akademisch anerkannte Forschungsfeld der Men’s Studies hervorging.

Allen Feldern gemein, ist eine Analyse der Geschlechterrollen bzw. Geschlechterzuweisungen und diese in einem historischen Kontext zu manifestieren. In dieser Arbeit soll es ausgehend von dem Buch „Geschichte der Männlichkeiten“ von Jürgen Martschukat und Olaf Stieglitz, ebenfalls um das soziale konstruierte Geschlecht, im engeren Sinne also um diverse Geschlechterrollen gehen. Was wurde oder wird mit dem weiblichen bzw. männlichen Geschlecht assoziiert? Wie verhält man sich seinem Geschlecht entsprechend?

Um dieses komplexe Thema etwas einzugrenzen, soll ein literarisches Beispiel als Hilfe dienen. In dieser Arbeit sollen die Geschlechterrollen und die möglicher- weise geschlechtsspezifischen Lebensphilosophien in Hesse’s „Narziß und Gold- mund“ herausgearbeitet werden. Die Protagonisten dieses Buches sind zwar beides Männer, jedoch unterscheiden sie sich charakterlich enorm. Dem einen wird das Männliche dem anderen das Weibliche zugeordnet, doch warum? Welche Eigen- schaften der beiden lassen diese Unterscheidung zu und inwiefern könnten Hesse’s sozialer Kontext und die damalige Gesellschaft Einfluss darauf genommen haben?

Inwiefern eine Unterscheidung in heterogene Geschlechterrollen und eine daraus folgende Ableitung von Lebensphilosophien möglich und stimmig ist, soll in dieser Arbeit geklärt werden.

2 „Geschichte der Männlichkeiten“ eine kurze Buch- vorstellung

Um einen Bezug zur Entwicklung des finalen Arbeitsthemas herzustellen, soll hier eine kurze Buchvorstellung dienen. Jürgen Martschukat und Olaf Stieglitz wollen mit ihrem Fachbuch „Geschichte der Männlichkeiten“ eine Hilfestellung zur Orientierung im Forschungsfeld der Men’s Studies leisten. Dabei konstruieren die Autoren eine historische Übersicht zur Entstehung dieses Forschungsfelds aus der Frauen- bzw. Geschlechterforschung. Ziel ist es nicht eine konkrete Aufschlüsselung der Kategorie Geschlecht vorzunehmen, jedoch aber eine Analyse und detaillierte Betrachtung dieser aufzuführen3.

Sie unterteilen das Buch inhaltlich in drei Themenschwerpunkte. Der Erste beschäftigt sich mit dem Mann als Vater und Versorger zwischen Arbeitswelt und Familie. Ein zweiter Schwerpunkt analysiert die Sozialität des Mannes innerhalb der Gesellschaft als Freund, Kamerad oder Kollege. Der letzte Kernpunkt befasst sich mit den Aspekten männlicher Sexualität. All diese Themenkomplexe werden mithilfe literarischer Belege und historischer Fragen detailliert untersucht.

Eine Leitfrage4 die das Buch häufig stellt ist „Was bedeutete es jeweils his- torisch spezifisch „männlich“ zu sein?“. So werden verschiedene Männlichkeiten unter der Berücksichtigung verschiedener historischer Epochen, sowie diverser gesellschaftlicher und politischer Kontexte betrachtet. Essentiell ist die Relatio- nalität5 sowohl der Männerforschung, als auch der Männerbilder. So kann keine pauschale Aussage über die Entstehung, oder eine Geschlechterrolle gemacht wer- den, da alles in einem größeren Zusammenhang steht. Hätte es keine Women’s Studies gegeben, gäbe es auch keine Men’s Studies. Alles ist innerhalb der Ge- schlechtergeschichte verankert. Der Anspruch der Autoren ist, dass die Geschichte der Männlichkeiten „als integrierte Geschichte von Männlichkeits- wie Weiblich- keitsentwürfen geschrieben werden“ muss6.

Wichtig ist ebenso, dass unterschiedliche soziale Verhältnisse beachtet werden müssen. So geht die Forschung meist von „weißen, heterosexuellen Männern der Mittelklasse“ aus7, ohne auf andere Klassen, Ethnizitäten, Nationalitäten oder sexuelle Einstellungen einzugehen.

Das betrifft natürlich nicht allein die Männerforschung, diese eingegrenzte Be- trachtung wird ebenfalls in anderen Forschungsgebieten vorgenommen. Der An- spruch der Forschung sollte nach Stieglitz und Martschukat also ein Blick auch auf die Ränder der Gesellschaft8 sein. Man sollte sich gleichermaßen mit Kulturen be- schäftigen, die unsere „scheinbar so stabilen Geschlechtermodelle dezentrieren“9.

Neben diversen Forschungsansätzen, werden also auch Probleme, oder sogar Lücken innerhalb der Forschung aufgezeigt. Die Autoren geben hier Beispiele für bestimmte Themenkomplexe deren Erforschung bis heute eher mangelhaft ist. Ein Teilthema diese Buches, mit welchem sich Forscher bis heute häufig und detail- liert auseinandersetzen ist die Theorieentwicklung innerhalb der Men’s Studies. Wie in den allgemeinen Geschlechterstudien gab und gibt es auch in der Männer- forschung diverse Debatten um Geschlechterrollen. Diese Diskussionen lassen sich in zwei Linien teilen. Zum Einen in die Beschäftigung mit dem Paradigmenwechsel zwischen dem Geschlechtermodell und dem Konzept einer sozialen Konstruktion von Geschlecht und zweitens in die Skizzierung männlicher Positionen innerhalb der Gesellschaft im Sinne von Machtmodellen10.

In diesem Kapitel sollen also die Geschlechterrollen analysiert, aber auch kri- tisiert werden. Welchem Modell folgt ein Mann um männlich zu sein bzw. welche Verhaltensweisen werden im Habitus gespeichert und sind anerzogen? Da es im Verlauf dieser Arbeit um die Lebensphilosophien und charakteristischen Eigen- schaften zweier Männer, nämlich Narziß und Goldmund gehen soll, ist der fokus- sierte Blick auf die Geschichte der Männlichkeiten nahe liegend. Inwiefern sich beide jedoch in ihren Männlichkeiten unterschieden und das Männlichkeit dem- zufolge nicht schwarz oder weiß gedacht werden kann, soll im Hauptteil geklärt werden.

3 Der Geschlechterbegriff

Der Begriff „Geschlecht“ ist so komplex, dass man diesen zunächst eingrenzen muss. Da in diser Arbeit der Begriff des Geschlechts in hohem Maße verwendet wird, ist es unerlässlich eine Eingrenzung bzw. Erklärung des hier gebrauchten Terminus vorzunehmen. Das Geschlecht wird aus medizinischer Sicht unterschie- den in das Genetische11, das Gonadale12 und das genitale13 Geschlecht. Das ge- nitale Geschlecht stellt das Geschlechtsorgan dar, durch welches man Lebewesen hauptsächlich in weiblich und männlich unterteilt. Es ist das offensichtliche Ge- schlecht eines Lebewesen und bildet somit die Grundlage zur Differenzierung. Alle drei dieser Geschlechter müssen allerdings nicht zwangsläufig übereinstimmen. So kann sich beispielsweise das genitale Geschlecht vom Genetischen unterscheiden. Exemplarisch bedeutet das, dass ein Mensch äußerlich eine Frau sein kann, in- nerlich jedoch, durch ihre chromosomale Ausstattung auch männlich ist. Diese Phänomene bezeichnet man als Intersexualität. In dieser Arbeit soll der Schwer- punkt allerdings auf dem genitalen und dem sozialen Geschlecht liegen, nur zur Vollständigkeit konnte dieser Aspekt nicht außer Acht gelassen werden.

Neben den bereits erwähnten medizinischen Geschlechtern, insbesondere dem Genitalen, soll hier vertieft das soziale bzw. Indentitätsgeschlecht betrachtet wer- den. Beide sind erneut unabhängig vom Geschlechtsorgan eines Menschen. Das Identitätsgeschlecht beschreibt das Geschlecht, dem sich der jeweilige Mensch zugehörig fühlt. Das Soziale hingegen kann man als konstruiertes Geschlecht be- zeichnen, da es aufgrund des Verhaltens einer Person einem Geschlecht zugeordnet wird. Allerdings wird es einem Menschen ebenfalls auch anerzogen, durch die Art wie dieser sozialisiert wird und dieser Sozialisierungsprozess ist meistens abhängig vom genitalen Geschlecht eines Menschen. Das bedeutet, dass die Unterschiede der Geschlechter, aus medizinischer Sicht, keine sich stereotyp unterscheidenden Menschen hervorbrächte, sondern dass der Mensch durch die gegebenen opti- schen Unterschiede unterschiedlich sozialisiert wird. Menschen die mit einem Pe- nis auf die Welt kommen bezeichnen wir als Männer und Männer werden nach einem bestimmten Gesellschaftsbild bzw. Geschlechtsbild erzogen. Ein Mann ist ein Macher, er ist stark und furchtlos. Er nimmt irgendwann die Rolle eines Fa- milienoberhauptes ein und ernährt seine Frau und Kinder.

Entscheidend bei dieser Arbeit ist die zeitliche Eingrenzung. Es soll also unter dem Aspekt des historischen Kontextes Hesses eine Untersuchung der Geschlechterbilder der Protagonisten im Bezug auf ihren Lebensstil durchgeführt werden. Aus heutiger Sicht wäre die Betrachtung eine ganz andere.

[...]


1 Laqueur 1996, S.16

2 Laqueur 1992, S.24

3 Martschukat/Stieglitz 2008, S.162

4 Martschukat/Stieglitz 2008, S.163

5 Martschukat/Stieglitz 2008, S.10

6 Martschukat/Stieglitz 2008, S.164.

7 Martschukat/Stieglitz 2008, ebd.

8 Martschukat/Stieglitz 2008, ebd.

9 Martschukat/Stieglitz 2008, ebd.

10 Martschukat/Stieglitz 2008, S.39

11 Pschyrembel 2007, S.309

12 ebd.

13 ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Stereotype Geschlechterbilder als Abbildung heterogener Lebensphilosophien am Beispiel „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V191063
ISBN (eBook)
9783656156253
ISBN (Buch)
9783656156406
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie
Schlagworte
stereotype, geschlechterbilder, abbildung, lebensphilosophien, beispiel, narziß, goldmund, hermann, hesse
Arbeit zitieren
Isabell Maaß (Autor), 2011, Stereotype Geschlechterbilder als Abbildung heterogener Lebensphilosophien am Beispiel „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191063

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