Vom Curriculum zum Feinziel - Die Operationalisierung von Lehr- und Lernzielen durch Lernzieltaxonomien


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Vom Curriculum zum Feinziel - Die ‚Operationalisierung’

3. Die Lehrzieltaxonomien
3.1 Eine Definition
3.2 Taxonomien im kognitiven Bereich
3.3 Taxonomien im affektiven Bereich

4. Exemplarische ‚Operationalisierung’ anhand des Lehrplan Englisch für Gymnasien/Gesamtschulen Sekundarstufe II
4.1 Exemplarische Grobziele
4.2 Operationalisierung mit Hilfe der kognitiven Taxonomien
4.3 Operationalisierung mit Hilfe der affektiven Taxonomien

5. Probleme bei der Lehrzieloperationalisierung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Seit 1974 gibt es offizielle Rahmenrichtlinien, verabschiedet durch den Deutschen Bildungs- rat, die „fach- und stufenbezogene Inhalte, Ziele, Methoden, Medien […] [und] Materialien“ (Kron 2008, S. 206) für den Unterricht vorgeben. Das Didaktische Handeln des Lehrers1 ist auf diese vom Bildungsrat festgelegten Richtziele ausgerichtet. Jedoch sind diese, in den offi- ziellen Rahmenrichtlinien festgehaltenen Curricularen Vorgaben, nicht spezifisch genug, um sie als direkte Lehr- und Lernziele für die Planung von Unterrichtseinheiten übernehmen zu können. Um sie zur Planung von Unterricht nutzen zu können, muss erst eine Spezifizierung erfolgen. Dieser von der Lehrpersonen durchgeführte Transformationsprozess wird 'Operatio- nalisierung' genannt. Hierbei wird von den in den Rahmenrichtlinien festgehaltenen Richtzie- len ausgegangen, Grobziele abgeleitet und anschließend werden Feinziele bestimmt. Als Hilfe für diesen Prozess stehen der Lehrperson die so genannten 'Lehrzieltaxonomien'2 zur Verfü- gung.

Doch wie genau funktioniert dieser Transformationsprozess und welche Relevanz hat er für die Planung von Unterricht? Weiterhin, welche 'Lehrzieltaxonomien' stehen der Lehrperson dabei zur Verfügung? Wie kann ein Transformationsprozess beispielhaft aussehen und welche Probleme oder Schwierigkeiten ergeben sich aus gleichem? Und schlussendlich, welche Funktion haben die Strukturhilfen?

Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit eben diesen Fragen. Dazu soll zunächst einmal der Transformationsprozess, die Operationalisierung, näher erläutert werden. Anschließend werden beispielhaft die Lehrzieltaxonomien von Bloom und Krathwohl vorgestellt. Die Theorien befassen sich mit dem kognitiven (Bloom) und affektiven Bereich (Krathwohl) und sind die wohl gängigsten Strukturierungshilfen und wurden deshalb für diese Arbeit ausgewählt. Auf andere Taxonomien wird nicht eingegangen, da dies den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde. Im Anschluss wird anhand eines Beispiels die Operationalisierung aus dem Lehrplan für Englisch der Sekundarstufe II für Gymnasien und Gesamtschulen in NordrheinWestfalen aufgeführt um die Anwendung von Taxonomien zu verdeutlichen. Darauf aufbauend werden dann Probleme der Lehr- und Lernzielbestimmung angesprochen und abschließend die Funktion der Lehrzieltaxonomien herausgearbeitet.

Die literarische Grundlage für die vorliegende Arbeit bilden weitesgehend Krons 2008 er- schienenes Grundwissen der Didaktik, Klauer und Leutners Lehren und Lernen. Einführung in die Instruktionspsychologie, Kristian Kunerts Einführung in die curriculare Unterrichts planung und Hilbert Meyers Trainingsprogramm zur Lernzielanalyse. Ergänzend wird auch Weitere Literatur verwendet werden.

2. Vom Curriculum zum Feinziel - Die ‚Operationalisierung’

Im Folgenden wird der Transformationsprozess aus dem die für die Unterrichtsplanung wichtigen Feinziele hervorgehen näher beleuchtet werden. Dabei wird in dieser Arbeit zunächst auf die Begriffe Curricula, Lehrplan, Richt- und Grobziele eingegangen, um anschließend den Operationalisierungsprozess zu erörtern.

Zunächst zu den Curricularen Vorgaben und deren Relevanz.

Die vom Bildungsrat festgelegten Rahmenrichtlinien „können auch als offizielles Curriculum bezeichnet werden.“ (Kron 2008, S. 205) Dort sind grundsätzlich alle für die Planung von Unterrichtseinheiten benötigte Informationen bezüglich „fach- und stufenbezogene Inhalte, Ziele, Methoden, Medien, Materialien beschrieben“ (ebd., S. 206).

Der Lehrplan ist im Allgemeinen eine „geordnete Zusammenfassungen von Lehrinhalten“ (Blankertz 1975, S. 118) die der Schüler über einen bestimmten Zeitraum aufnehmen und verarbeiten soll. Seine Funktion ist neben der Vereinheitlichung von Bildung und dem Er- schaffen einer Grundlage für die Vergleichbarkeit von Bildung, auch die Determination von Bildungsvorstellungen und Lerninhalte sowie die Koordination von Bildungsbemühungen. (vgl. ebd., S. 118) Die hier festgehaltenen Ziele werden als Grobziele bezeichnen. (vgl. Ku- nert 1976, S. 64)

Die Richt- und Grobziele sollen die Lehrpersonen nun im Zuge der Unterrichtsplanung eigen- verantwortlich auf Schul- und Unterrichtssituationen übertragen. (vgl. Kron 2008, S. 206) Dabei müssen sich die Lehrer in verschiedenen Schritten die Lehrziele konkretisieren und ihre Unterrichtsplanung entsprechend gestalten. Neben den oben genannten Vorgaben können da- bei auch ein schul-, klassen- oder situationsbezogenes Curriculum zu beachten sein. (vgl. ebd., S. 206)

Eine mögliche Definition der Lehrziel-Operationalisierung wäre nun: die. „Angabe der Meß- operation, mit der ein beobachtbares Element einer gewünschten Veränderung des Schüler- verhaltens erfasst werden kann“ (Meyer 1977, S. 59). Sie stellt laut Meyer „ein formales Ver- fahren dar“ (ebd., S. 59), bei dem es das Ziel ist, dass der Lernende ein von der Lehrperson formuliertes Verhalten zeigt. (vgl. ebd., S.59). Konkret bedeutet dies, dass der Schüler ein Lehrziel erreicht, indem er ein für den Lehrer ein bestimmtes beobachtbares Verhalten an den Tag legt. Dies ist insbesondere wichtig, wie Meyer (1977), Kunert (1976) und Mager (1971) festhalten, den nur durch die Beobachtung „was der Lernende tun oder ausführen [kann]“ (Mager 1971, S. 13, zit.n. Kunert 1976, S. 44), kann ersehen werden, ob ein Lehrziel schluss- endlich erreicht wurde.

Der Psychologe Mager (1971) hat hierzu drei verschiedene Kriterien formuliert: das erste Kri- terium ist, dass das Lehrziel zuerst einmal eine „eindeutige, verhaltensspezifische Tätigkeits- angabe“ (ebd., S. 19, zit.n. ebd., S. 44) beinhalten soll. Zweitens sollen die ‚Randbedingun- gen’ sprich die lernorganisatorischen Bedingungen festgelegt werden und drittens müssen Beurteilungsmaßstab angegeben werden. (vgl. ebd., S. 19, zit.n. ebd., S. 44) „Nach Mager ist ein Lernziel dann operationalisiert, wenn es [...] [diese] drei Kriterien erfüllt“ (Meyer 1977, S. 69).

Allerdings gibt es an diesen von Mager getroffenen Aussagen auch Kritik. So hält z.B. Meyer fest, dass dadurch „eine Reihe von methodischen und organisatorischen Vorentscheidungen undiskutiert getroffen werden.“ (ebd., S. 71) Der Spielraum des Lehrers wird signifikant ver- kleinert. Meyer argumentiert, dass „[j]e präziser die Kriterien von Mager erfüllt worden sind“ (ebd., S. 71), desto mehr ist der Entscheidungsfreiraum des Lehrers eingeschränkt. (vgl. ebd., S. 71)

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Operationalisierung die Verständigung über die Lehrziele vereinfachen und eine Kontrolle des Unterrichtserfolgs erleichtert werden kann. Die Formulierung von Lehrzielen trägt weiterhin dazu bei, dass Lehrer ihrer Zielvorstellungen durch den Operationalisierungsprozess näher bestimmen. Weiterhin bietet die Operationali- sierung „eine Erleichterung der Arbeit von Lehrbuchautoren und Lehrmittelindustrie“ (ebd., S. 71). (vgl. ebd. 1977, S. 71)

[...]


1 Damit der Lesefluss nicht unterbrochen wird, wird in dieser Arbeit auf eine geschlechterspezifische Trennung von Lehrer und Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen, sowie der Lernende und die Lernende verzichtet.

2 In der Literatur werden Lehr- und Lernziel oftmals synonym verwendet. (vgl. bsp. Klauer/Leutner 2007, S. 22) Aus Gründen der Einheitlichkeit wird in dieser Arbeit nur der Begriff des Lehrziels verwendet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Vom Curriculum zum Feinziel - Die Operationalisierung von Lehr- und Lernzielen durch Lernzieltaxonomien
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Lehr- und Forschungsgebiet Didaktik der schulischen und beruflichen Bildung im technischen Bereich)
Veranstaltung
Seminar GIII – Grundlagen der Didaktik
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V191126
ISBN (eBook)
9783656158820
ISBN (Buch)
9783656159292
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Taxonomien, Operationalisierung, Curriculum, Feinziel, Lehrziel, Lehrziele, Lernziele, Lernziel, Lernzieltaxonomien
Arbeit zitieren
Alexandra Koch (Autor), 2011, Vom Curriculum zum Feinziel - Die Operationalisierung von Lehr- und Lernzielen durch Lernzieltaxonomien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191126

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vom Curriculum zum Feinziel - Die Operationalisierung von Lehr- und Lernzielen durch Lernzieltaxonomien



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden