In der vorliegenden Arbeit geht es um den 1999 erschienenen, von Sarah Khan verfassten Roman „Gogo-Girl“. Der Schwerpunkt der Untersuchung ist die Analyse des Romans im Hinblick auf die Thematisierung von Adoleszenz. Zentrale Merkmale von Adoleszenz bilden somit die Auswahlkriterien für die inhaltlichen Untersuchungsaspekte des Romans. Vorher wird der Roman jedoch auf formale Aspekte hin untersucht, da diese auch im Zusammenhang mit dem Inhalt und dem Typus des Adoleszenzromans stehen.
In einem kürzeren Teil geht es dann um die Behandlung des Romans im Deutschunterricht der Sekundarstufe I. Zwar ist der Roman nicht als Jugendliteratur publiziert worden, dies spricht allerdings nicht gegen seine Verwendung im Unterricht, da die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur in gewissen Bereichen mittlerweile immer mehr verschwimmen. Ein Grund für diesen Umstand ist die Tatsache, dass auch die realen Abgrenzungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen immer schwerer zu ziehen sind. Die Jugend beginnt früher und dauert auch länger an, da das traditionelle Muster von Heirat, Familie und Berufstätigkeit brüchig geworden ist. Außerdem gibt es unter Erwachsenen oftmals Bestrebungen, möglichst lange jugendlich zu bleiben, da Jugendlichkeit zum Mythos erhoben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des Romans
2.1. Formale Aspekte
2.1.1. Narrative Strukturen
2.1.2. Sprache und Stil
2.2. Figurenkonstellation
2.3. Inhaltliche Aspekte
2.3.1. Familie
2.3.2. Freunde/peer group
2.3.3. Sexualität
2.3.4. Musik
2.3.5. Studium und Job
2.3.6. Identitätssuche und –findung?
2.4. Moderner oder postmoderner Adoleszenzroman?
3. Didaktik
4. Methodik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den 1999 veröffentlichten Roman „Gogo-Girl“ von Sarah Khan hinsichtlich seiner Thematisierung von Adoleszenz und analysiert, ob das Werk formal und inhaltlich eher modernen oder postmodernen Gattungsmerkmalen zugeordnet werden kann.
- Analyse der narrativen Strukturen im Kontext des „Basteltext“-Konzepts
- Untersuchung der Figurenkonstellation und zwischenmenschlicher Beziehungen
- Einfluss von Musik, Studium und Sexualität auf die Identitätsbildung der Protagonistin
- Einordnung des Romans in die Gattung des postmodernen Adoleszenzromans
- Didaktische Reflexion über die Behandlung des Romans im Deutschunterricht der Sekundarstufe I
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Narrative Strukturen
In diesem Kapitel geht es zunächst um die narrativen Strukturen in „Gogo-Girl“. Der Erzähler des Romans ist ein Ich-Erzähler bzw. genauer gesagt die Mitte zwanzigjährige Ich-Erzählerin Ruth. Ein genaue Altersangabe wird zwar nicht gemacht, allerdings kann ihr Alter implizit erschlossen werden, da sie zum Zeitpunkt der Erzählung seit vier Jahren Theater und Medien studiert. Die Handlung wird also subjektiv aus ihrer Perspektive beschrieben und kommentiert, eine moralisierende Außenperspektive ist nicht vorhanden. Dies ist typisch für postmoderne Adoleszenzromane, in denen „die Schilderung jugendlicher Normverstöße von jeder moralisierenden Außenperspektive und von jedem pädagogisierenden Meta-Diskurs frei(ge)macht“3 wird.
Es lässt sich ein linearer Handlungsverlauf feststellen, der jedoch öfter durch kurze Einschübe unterbrochen wird. Aufgrund dieser Unterbrechungen kann der Roman einerseits als „Bastel- bzw. Patchworktext“4 angesehen werden. Ein solcher Text zeichnet sich dadurch aus, dass die Erzählung der Handlung durch Einschübe fragmentiert wird, so dass die Struktur eines Flickenteppichs entsteht. In Gogo-Girl sind Einschübe verschiedener Art vorhanden; viele sind durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Der erste Einschub dieser Art ist die phantasierte Liebesgeschichte des Rollstuhlfahrers Gerhard, die durch die reale Begegnung mit ihm ausgelöst wird.5 Die noch innerhalb der Geschichte getroffene Bemerkung, dass der Geschichte „der wesentliche Knackpunkt“6 fehle, verweist auf ihre Fiktionalität, was auch eine typische Art und Weise der Basteltexte ist.7 Weitere Einschübe sind z.B. die theoretischen Überlegungen „Aspekte des Klassenkampfes“8, ein indisches Sprichwort, oftmals Songtexte bzw. kurze Passagen aus Songs, Gedichte, ein Ausschnitt aus dem Vorlesungsverzeichnis, das Radiointerview, eine Anekdote von früher usw.9
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Roman „Gogo-Girl“ ein und erläutert die Zielsetzung, den Adoleszenzbegriff als Analysefokus sowie die didaktische Relevanz für den Unterricht.
2. Analyse des Romans: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert die Erzählform, die Figurenkonstellation, zentrale inhaltliche Motive wie Familie, Freunde, Sexualität, Musik und Studium sowie die Identitätsentwicklung der Protagonistin.
2.1. Formale Aspekte: Analyse der narrativen Struktur als „Basteltext“ sowie der Erzählperspektive und stilistischer Merkmale wie Sprache, Ironie und Filmvergleiche.
2.1.1. Narrative Strukturen: Untersuchung der fragmentierten Erzählweise und der Funktion von Einschüben innerhalb des Romans.
2.1.2. Sprache und Stil: Betrachtung der Stilwechsel, der Verwendung von Anglizismen sowie der distanziert-ironischen Erzählhaltung.
2.2. Figurenkonstellation: Analyse der Beziehungen der Protagonistin Ruth zu ihrem sozialen Umfeld, gegliedert in Familie, Band und Freunde/Bekannte.
2.3. Inhaltliche Aspekte: Untersuchung adoleszenzrelevanter Themen im Hinblick auf die Definition der Adoleszenz und Postadoleszenz.
2.3.1. Familie: Darstellung des ambivalenten Verhältnisses zur Mutter und der Distanz zum Vater innerhalb der familiären Strukturen.
2.3.2. Freunde/peer group: Untersuchung des oberflächlichen Beziehungsnetzes von Ruth im Kontext der Musik- und Künstlerszene.
2.3.3. Sexualität: Analyse der nüchternen, teils technisierten Sichtweise der Protagonistin auf Sexualität und deren Funktion für das Selbstwertgefühl.
2.3.4. Musik: Untersuchung der zentralen Rolle von Musik als Ausdruck von Gefühlen und Mittel zur Identitätskonstituierung.
2.3.5. Studium und Job: Beleuchtung der Rolle der Universität und der vagen beruflichen Orientierung in der Lebensphase der Postadoleszenz.
2.3.6. Identitätssuche und –findung?: Kritische Reflexion, ob die Reise der Protagonistin eine innere Entwicklung bewirkt oder ein zielloses Umherirren darstellt.
2.4. Moderner oder postmoderner Adoleszenzroman?: Einordnung des Romans in die literarische Gattung basierend auf den vorangegangenen Analysen.
3. Didaktik: Reflexion über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Behandlung von Gegenwartsliteratur im schulischen Deutschunterricht.
4. Methodik: Vorstellung produktionsorientierter Unterrichtsmethoden, wie z.B. das Schreiben eigener Einschübe oder Perspektivenübernahme, zur Förderung des Textverständnisses.
Schlüsselwörter
Sarah Khan, Gogo-Girl, Adoleszenzroman, Postadoleszenz, Basteltext, Identitätssuche, Identitätsbildung, Literarische Analyse, Deutschunterricht, Gegenwartsroman, Produktionsorientierung, Erzählstrukturen, Figurenkonstellation, Musik in der Literatur, Patchwork-Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den 1999 erschienenen Roman „Gogo-Girl“ von Sarah Khan im Hinblick auf seine Thematisierung von Adoleszenz und die Einordnung in die Gattung des postmodernen Adoleszenzromans.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die formalen Erzählstrukturen (Basteltext), das soziale Beziehungsgeflecht der Protagonistin Ruth, die Rolle von Musik und Studium sowie die Frage nach der inneren Identitätsfindung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, durch eine detaillierte Analyse der formalen und inhaltlichen Aspekte zu klären, ob der Roman eher modernen oder postmodernen Gattungstraditionen entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung theoretischer Konzepte zur Adoleszenz, Postadoleszenz und zu literarischen Vermittlungsansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Textes, die Untersuchung inhaltlicher Aspekte der Lebenswelt der Protagonistin sowie eine didaktische Reflexion und methodische Vorschläge für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adoleszenz, Postadoleszenz, Basteltext, Identitätssuche, Ironisierung, Gattungsbestimmung und produktionsorientierter Literaturunterricht.
Wie bewertet die Autorin die Reise der Protagonistin Ruth?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Reise der Protagonistin eher als zielloses Umherirren und Perpetuierung der Identitätssuche zu verstehen ist, statt als tiefgreifende existenzielle Transformation.
Warum eignet sich der Roman laut der Arbeit für den Unterricht?
Der Roman wird aufgrund seiner sprachlichen Zugänglichkeit, seiner Unterhaltsamkeit und der hohen Relevanz der dargestellten Themen (Orientierungslosigkeit, Generationenkonflikte) für Jugendliche in der Sekundarstufe I als geeignet erachtet.
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- Friederike Kloebe (Author), 2007, Sarah Khans Roman "Gogo-Girl" - ein moderner oder ein postmoderner Adoleszenzroman?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191144