„As politicians know only too well but social scientists too often forget, public policy is made of language. Whether in written or oral form, argument is central in all stages of the policy process” (Majone 1989: 1).
Seit dem Argumentative Turn innerhalb der Policy-Analyse gewinnen insbesondere Diskursanalytische Ansätze zusehends an Bedeutung, da ihre Untersuchung Machtfelder, deren Auswirkungen in sprachlichen Prozessen und damit den Einfluss auf Policy-Entscheidungen identifizieren und analysieren kann. Sprache als entscheidendes Mittel und Medium innerhalb der Untersuchung verschiedener politischer Programme oder Policies soll in dieser Hausarbeit thematisiert werden. Dabei ermöglicht es Hajers Methode der Argumentativen Diskursanalyse, die Dominanz von Diskursen anhand des Konzeptes der Diskurskoalitionen zu identifizieren, in diesem Falle im hochschulpolitischen Politikfeld.
Der Begriff der Elite besitzt dabei eine besondere Historie, die in der Benutzung des Begriffes durch insbesondere faschistische Regime begründet liegt (Vgl. Krais 2001: 14). Trotz des Unbehagens einiger Akteure mit diesem Begriff, findet er immer mehr Eingang in die Alltagssprache der Menschen, vor allem dann wenn es um Schulen und Hochschulen geht (Vgl. Krais 2001: 18). Daher untersucht diese Arbeit ob die Dominanz der ökonomischen Diskurskoalition so stark ist, dass sie auch einen stark historisch belasteten Begriff zur gängigeren Verwendung bringen kann.
Innerhalb des Politikfeldes der Bildung, insbesondere der Hochschulpolitik, hat die moralische Story-Line, die das Recht auf Bildung propagiert, eine lange Tradition. Trotz dieser langen Tradition ist innerhalb des bildungspolitischen Diskurses eine neue Dominanz von Begrifflichkeiten zu entdecken. Der Begriff der Elite ist dabei nur ein Ausdruck innerhalb einer Diskurskoalition, die immer stärker Einzug in die Medien, sowie Bundestagsdebatten erhält, wenn es darum geht, welchen Stellenwert Bildung und welche Ausrichtung der Bildungspolitik vorgenommen werden sollte. Daher untersucht diese Arbeit, inwiefern eine Dominanz der ökonomisch argumentierenden Diskurskoalition vorherrscht, um daraufhin zu untersuchen, ob diese Dominanz zu einer verbreiterten Verwendung des Begriffs der Elite führt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diskurstheorie
2.1 The argumentative turn in policy analysis
2.2 Argumentative Diskursanalyse
2.2.1 Story-Lines
2.2.2 Diskurskoalitionen
3. Elitenbegriff
4. Elitendiskurs im bildungspolitischen Umfeld
4.1 Die Exzellenzinitiative
4.2 Anwendung Argumentative Diskursanalyse
4.2.1 Story-Lines
4.2.2 Diskurskoalitionen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die diskursive Verschiebung im deutschen hochschulpolitischen Diskurs seit Einführung der Exzellenzinitiative. Das Hauptziel besteht darin, zu analysieren, ob eine ökonomisch geprägte Diskurskoalition eine solche Dominanz erlangt hat, dass sie den historisch belasteten Begriff der "Elite" erfolgreich in den gängigen Sprachgebrauch integrieren konnte.
- Anwendung der Argumentativen Diskursanalyse nach Maarten Hajer auf die Hochschulpolitik.
- Gegenüberstellung der moralischen "Bildung als Bürgerrecht"-Story-Line und der ökonomischen "Rhetorik der Exzellenz".
- Analyse der Rolle des Elitenbegriffs im Kontext der Exzellenzinitiative.
- Identifikation der beteiligten Akteure und Diskurskoalitionen im deutschen Bundestag und weiteren Institutionen.
- Untersuchung der institutionellen Manifestation durch die Exzellenzinitiative.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Story-Lines
Im bildungspolitischen Diskurs lassen sich insbesondere zwei Story-Lines erkennen. Zum einen eine Story-Line, die sich vorwiegend mit dem moralischen Aspekt der Bildung auseinandersetzt. Die konkurrierende Story-Line im Kampf um Deutungshoheit setzt auf eine ökonomische Priorisierung.
Die Story-Line, die insbesondere Wert auf den moralischen Aspekt legt, spannt sich unter dem Stichwort „Bildung ist Bürgerrecht“ nach Ralf Dahrendorfs Monographie von 1968 und setzt vor allem auf die Rhetorik der Chancengleichheit und –gerechtigkeit. „Zur alten Rhetorik, die eher Pluralität stützt, gehören die Begriffe ‚Föderalismus‘, ‚Chancengleichheit‘ und ‚Vielfalt‘“ (Münch 2007: 29). Dabei lässt sich die Hochphase mit dem Beginn seiner Deutungsmacht Mitte der 1960er Jahre festlegen, die Münch als „Sozialdemokratische Epoche“ (Münch 2007: 302) bezeichnet. Mithilfe der Studentenbewegung erwachte dort das „Verständnis von Bildung als Humankapital […], das schließlich in den 1990er Jahren zur dominierenden Leitidee geworden ist“ (Münch 2007: 300). Diese Diskurskoalition beschäftigt sich heute insbesondere mit der sozialen Selektivität des deutschen Schulsystems, im Falle der Elitenbildung mit der Reproduktion der Elite durch sich selbst (Vgl. Mängel 2007: 1416-1417). Generell erzählt die moralische Story-Line eine Geschichte, bei der mehr Menschen an Bildung beteiligt und ihnen die Möglichkeiten gegeben werden sollen, dieses Mehr an Bildung zu erwerben, da Bildung ein starker Bestandteil der Fortentwicklung des eigenen Charakters darstellt und sie die Menschen zur Autonomie erzieht ähnlich dem Humboldt’sche Bildungsideal von 1809.9 In der Dominanzphase dieser Story-Line entstand eine Hochschule, die sich insbesondere durch Freiheit der Forscher und der Trennung von Forschung und Lehre kennzeichnet. Durch den zunehmenden Andrang neuer Schichten an die Universitäten, gerieten diese aufgrund hoher Abbrecherquoten unter Druck (Vgl. Münch 2007: 301).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Thema der diskursiven Macht von Sprache in der Hochschulpolitik eingeführt und die Forschungsfrage zur Dominanz des Elitenbegriffs formuliert.
2. Diskurstheorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Argumentativen Diskursanalyse nach Hajer, insbesondere die Konzepte der "Argumentative Turn", "Story-Lines" und "Diskurskoalitionen".
3. Elitenbegriff: Hier wird die historische Entwicklung und die negative Konnotation des Elitenbegriffs in der deutschen Geschichte sowie neuere soziologische Definitionen beleuchtet.
4. Elitendiskurs im bildungspolitischen Umfeld: Dieses Kapitel untersucht die Exzellenzinitiative als praktisches Beispiel für die Anwendung der Diskursanalyse und identifiziert die konkurrierenden Diskurskoalitionen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die ökonomische Diskurskoalition und ihre "Rhetorik der Exzellenz" eine deutliche Dominanz im Hochschulbereich erreicht haben.
Schlüsselwörter
Argumentative Diskursanalyse, Maarten Hajer, Hochschulpolitik, Exzellenzinitiative, Diskurskoalition, Story-Lines, Elitenbegriff, Eliteuniversitäten, Wettbewerb, Bildungspolitik, Rhetorik der Exzellenz, Leistung, Chancengerechtigkeit, Bildungsstreik, politische Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachliche Veränderung in der deutschen Hochschulpolitik, insbesondere die zunehmende Verwendung des Begriffs "Elite" seit der Einführung der Exzellenzinitiative.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Diskurstheorie im Kontext der Politikfeldanalyse, die historische Bedeutung des Elitenbegriffs und die heutige ökonomische Ausrichtung der Bildungspolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob eine ökonomisch argumentierende Diskurskoalition das Hochschulpolitikfeld so stark dominiert, dass sie den historisch belasteten Begriff der "Elite" in den gesellschaftlichen Sprachgebrauch integrieren konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Argumentativen Diskursanalyse nach Maarten Hajer, ergänzt durch Begriffe der Diskursstrukturierung und Diskursinstitutionalisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Diskursanalyse, die Klärung des Elitenbegriffs und die konkrete Anwendung der Methode auf die Debatten zur Exzellenzinitiative sowie die Identifizierung der beteiligten Diskurskoalitionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Argumentative Diskursanalyse, Exzellenzinitiative, Diskurskoalition, Elitenbegriff, Rhetorik der Exzellenz und Bildungspolitik.
Wie unterscheidet sich die "moralische" von der "ökonomischen" Story-Line?
Die moralische Story-Line fokussiert auf Bildung als Bürgerrecht und Chancengerechtigkeit, während die ökonomische Story-Line auf Wettbewerb, Spitzenforschung und die Förderung der Besten abzielt.
Warum wird die Exzellenzinitiative als institutionalisierte Praktik bezeichnet?
Weil sie als staatliches Programm die Rahmenbedingungen und Prozesse an den Universitäten verändert hat und somit die rhetorische Dominanz der ökonomischen Koalition in institutionelle Strukturen überführt hat.
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- Natalie Schorr (Author), 2011, Neue Dominanz des Elitenbegriffs seit der Exzellenzinitiative, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191236