Immer wieder wird in den Fachmagazinen und Modezeitschriften zur Herbst- / Wintersaison die Rückkehr der Pelzmode gefeiert. Pelze sind nach wie vor ein Teil der Bekleidungskultur, doch auch der Pelz als textile Fläche in der Kleidungsindustrie unterliegt einem steten Wandel.
In dieser Arbeit wird der Begriff „Pelz “von mir für alle textilen Flächen verwendet, die in Haptik und Optik dem tierischen Pelz entsprechen. „Webpelz“ bezeichnet hier die synthetische, maschinell hergestellte textile Fläche und „Echtpelz“ den tierischen Pelz. Die genaue Begriffsklärung der oben genannten Bezeichnungen wird im Kapitel 4 anhand von bestehenden wissenschaftlichen Definitionen erläutert. Eine sprachliche Unterscheidung zwischen Webpelz und Tierfellimitat wird hier der Vereinfachung halber nicht vorgenommen, in speziellen Fällen wird jedoch auf die Unterschiede deutlich hingewiesen.
Der historische Wandel des Konsums von Pelz und die stetige Entwicklung neuer Techniken, die immer neue und andere Felder der zumeist modischen Nutzung ermöglichen, sind weitere Aspekte, die behandelt werden sollen. Das Thema dieser Arbeit ist der Webpelz, es ist jedoch notwendig, bei der Behandlung dieses recht neuen Materials auch den Echtpelz als „Vorgänger“ von der Betrachtung nicht gänzlich auszunehmen. Die erste Erwähnung findet artifiziell hergestellter Pelz durch A. Adburgham 1879, aber eine zunehmende Rolle spielt er in der Mode erst seit den 1950er Jahren.1 Bei der Analyse der Rolle des Webpelzes in der Mode -im Rahmen dieser Hausarbeit richtet sich dabei das Augenmerk vornehmlich auf die Konfektion- ergeben sich verschiedene Fragestellungen. Eine vordringliche Frage ist die, ob es, den eigenen Beobachtungen entsprechend, eine positive Bedarfsentwicklung gibt. Damit verbunden ist die Überlegung, ob der synthetische Pelz in der Lage ist, seinen thermischen, ästhetischen und haptischen Eigenschaften entsprechend, einen adäquaten Ersatz für den Echtpelz zu bieten.
Echtpelz ist schon seit langer Zeit ein Symbol für Wohlstand und Status2 und es wäre zu untersuchen, ob der künstlich hergestellte Pelz ebenso in der Lage ist, Luxus zu repräsentieren. Eine weitere Frage ist die nach den unterschiedlichen Bereichen, in denen der Webpelz Verwendung findet und die damit verbundenen wirtschaftlichen Aspekte, wie zum Beispiel Absatzzahlen und Marktentwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellungen
2. Quellen, Quellenkritik und Methode
3. Thema
4. Begriffsdefinition der weiteren Bezeichnungen von Webpelz und Erläuterung der Herstellung
5. Verwendung von Webpelzen
5.1. Webpelz in Werbung und Medien
6. Fun Fur? Echtpelz im Look des Imitats
Verarbeitung von Echtpelz im 21.Jahrhundert- eine These
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Webpelz als textile Fläche in der Modeindustrie zu untersuchen, seine Bedeutung zu analysieren und die Entwicklung von Herstellungsweisen und Verwendungsbereichen darzulegen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob eine positive Bedarfsentwicklung für synthetischen Pelz besteht und inwiefern dieser als äquivalenter Ersatz für Echtpelz fungieren kann.
- Historischer Wandel des Pelzkonsums und Aufstieg des Webpelzes
- Begriffsbestimmung und technische Herstellungsverfahren (Sliver-knit)
- Verwendungsbereiche von Webpelz in Mode, Outdoorbekleidung und Heimtextilien
- Einfluss von Werbung und Medien auf die Wahrnehmung des Materials
- Vergleich und optische Annäherung zwischen Web- und Echtpelz
Auszug aus dem Buch
4. Begriffsdefinition und Erläuterung der Herstellung
Der Webpelz ist unter verschiedenen Begriffen, sowohl in der Literatur als auch im Handel, bekannt. Diese textile Fläche trug bei ihrer ersten Erwähnung durch Alison Adburgham 1879 noch keinen Namen und wurde von ihr als „[...] a cloth which faithfully imitated fur [...]“ bezeichnet. Im selben Jahr wurde der Webpelz in der Zeitschrift „Sylvias´s Journal“ als „sealskin cloth“ bezeichnet, da dieser Stoff, den Ansprüchen der Zeit entsprechend, einem echten Seehundfell täuschend ähnlich gesehen haben soll. Im Jahre 1887, so James Laver, gab es neben den populären (echten) Alaska- und Shetland-Seehundfellen auch eine preisgünstige (synthetische) Alternative, die unter dem Namen „seal-plush“ geführt wurde. Die beiden Bezeichnungen „sealskin cloth“ und „seal-plush“, die sich auf den echten Pelz des Seehundes beziehen, verweisen klar auf die zu dieser Zeit aktuellen Pelze in der Mode. Der Literatur folgend wird der Webpelz in den 1970er Jahren in einer Stellungnahme der British Fur Association als „[...] so called simulated furs [...]“ benannt.
Zusätzlich begegnet man im englischen Sprachraum den Begriffen „fake fur“ und „faux fur“ deren zeitlicher Ursprung nicht eindeutig zu klären ist. Diese beiden letztgenannten Begriffe werden heute im englischsprachigen Raum verwendet und verweisen, wie auch „simulated furs“, sprachlich darauf, dass dieser Pelz künstlich hergestellt ist und geben sehr klar an, dass es sich nicht um das „Original“ handelt, sondern um die „falsche“ Alternative.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellungen: Definiert die Begriffe Webpelz und Echtpelz sowie die methodische Ausrichtung der Untersuchung innerhalb der Modebranche.
2. Quellen, Quellenkritik und Methode: Erörtert die Herausforderungen der Literaturrecherche und die Notwendigkeit, eigene Beobachtungen und Theorien einzubeziehen.
3. Thema: Bildet den inhaltlichen Rahmen und die thematische Hinführung zur Materialbetrachtung.
4. Begriffsdefinition der weiteren Bezeichnungen von Webpelz und Erläuterung der Herstellung: Klärt die terminologische Vielfalt und beschreibt die technischen Innovationen, insbesondere den Sliver-knit-Prozess.
5. Verwendung von Webpelzen: Beleuchtet den Einsatz von Webpelz in verschiedenen Modeepochen, von der Randerscheinung bis zur Präsenz in der Haute Couture.
5.1. Webpelz in Werbung und Medien: Analysiert, wie Webpelz durch spezifische Kampagnen beworben wird und welche Rolle er in modernen Medien spielt.
6. Fun Fur? Echtpelz im Look des Imitats: Untersucht die optische Annäherung von Echt- und Webpelz durch moderne Verarbeitungstechniken und gesellschaftliche Trends.
7. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass Webpelz als textile Fläche eine vielschichtige soziologische Bedeutung erlangt hat.
Schlüsselwörter
Webpelz, Echtpelz, Pelzmode, Textile Fläche, Sliver-knit, Modeindustrie, Tierfellimitat, Fake Fur, Kunstpelz, Konsumverhalten, Modegeschichte, Bekleidungskonfektion, Materialtechnologie, Markenidentität, Werbestrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht den Webpelz als textile Fläche in der Modeindustrie, seine historische Einordnung, Herstellungsmethoden sowie seine Bedeutung und Vermarktung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Abgrenzung zum Echtpelz, der technischen Entwicklung der Herstellung, der Verwendung in der Mode sowie der medialen Darstellung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Rolle des Webpelzes in der modernen Mode zu analysieren und zu prüfen, ob der synthetische Pelz als gleichwertiger Ersatz für Echtpelz angesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung vorhandener Fachliteratur, einer Recherche in Datenbanken und Fachzeitschriften sowie auf eigenen Beobachtungen und theoretischen Annahmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsdefinition, die Erläuterung technischer Herstellungsverfahren, eine Analyse der Verwendungsbereiche und eine Untersuchung der Werbestrategien für Webpelz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Webpelz, Kunstpelz, textile Innovation, Modekonsum und die mediale Inszenierung von Pelzalternativen geprägt.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Webpelz und Echtpelz?
Webpelz wird als synthetische, maschinell hergestellte textile Fläche definiert, während Echtpelz das natürliche tierische Produkt bezeichnet.
Warum spielt die industrielle Fertigung eine so große Rolle für den Webpelz?
Technische Innovationen, insbesondere der Sliver-knit-Prozess, ermöglichten erst die täuschend echte Imitation der Haarstruktur, was die Akzeptanz und Qualität des Produkts maßgeblich steigerte.
- Arbeit zitieren
- Verena Wagner (Autor:in), 2008, Webpelz als textile Fläche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191285