EHEC Ausbruch 2011 - Nur eine Verschwörung?


Hausarbeit, 2012
13 Seiten

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Hintergrundinformationen zum EHEC-Erreger
2.1 Erreger
2.2 Vorkommen
2.3 Therapie

3. Verschwörungstheorien
3.1 Spekulationen im Internet
3.2 Stellungnahmen von Experten

4. Glaubwürdigkeit der Theorien
4.1 Pseudoexperten

5. EHEC als Einnahmequelle für die Pharmaindustrie
5.1 Hefepräparat
5.2 Impfstoff
5.3 Alexion Pharmaceuticals

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Im Frühsommer 2011 wurde der bisher größte Ausbruch mit enterohämorrhagi- schem Escherichia coli (EHEC) verzeichnet. Das Erkrankungsgeschehen betraf ganz Deutschland, insbesondere den Norden der Republik. Dem Ausbruch wur- den nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) insgesamt 2.987 Fälle von blutigem Durchfall und davon 855 Fälle mit hämolytisch urämischen Syndrom (HUS) zugeordnet; 53 Personen verstarben infolge der Infektion (RKI 2011).

Die Zahl der extrem schweren Verläufe wuchs ungebremst, ungewöhnlich schnell und immer weiter an, so dass die Kliniken schlagartig an den Rand ihrer Kapazi- täten kamen. Selbst für Fachleute war schwer zu ermitteln, wie gefährlich der Er- reger ist und wo sein Ursprung lag. Zusätzlich stellte der verwirrende Informati- onsfluss von Experten und Behörden bis zum Schluss einen Disput dar (WALTHER 2011).

Auch in den Medien, diversen Internetblogs und in der Bevölkerung wurde spe- kuliert, wo der Ursprung der Infektionsquelle lag. Gefährliches Halbwissen und Hysterie von Verschwörungstheoretikern befeuerte zusätzlich Angst und Verunsi- cherung, die einen Rückgang des Gemüseverzehrs und daraus resultierende Um- satzeinbußen für die Produzenten nach sich zog. Die Menschen hatten Angst in eine Zeit zurückzufallen, in der es noch keine adäquaten Medikamente gab.

Pseudomediziner stellten die Erkrankungsfälle und sogar den Erreger selbst in Frage. Sie stützten die Hypothese, dass die Pharmaindustrie für den Ausbruch verantwortlich ist. Diese hätten die Epidemie inszeniert, um ein neues, profitables Medikament zu entwickeln und teuer zu vermarkten (MEHLHORN 2011). Als eines der wenigen Länder der Welt gewährt Deutschland der pharmazeutischen Industrie die Freiheit, den Preis für ein neues Medikament ohne staatliche Regulierung selbst festzusetzen (BINGER 2009).

Diese Tatsache ist häufig Gegenstand heftiger Kritik und eine der Ursachen, warum die Pharmaindustrie oft Ziel von Verschwörungstheoretikern wird. Diese Arbeit will prüfen, ob es nachvollziehbare Hinweise dafür gibt, dass Verschwörungstheorien, wie beispielsweise die genannten Vorwürfe gegen die Pharmaindustrie, zutreffend sind oder nicht.

2.Hintergrundinformationen zum EHEC-Erreger

2.1 Erreger

EHEC sind Escherichia coli (E.coli) Bakterien, die Zellgifte bilden. Diese können beim Menschen schwere, unter Umständen sogar tödlich verlaufende Erkrankun- gen hervorrufen. Meist kommt es bei solch einer Infektion zu einer leichten bis schweren Durchfallerkrankung. Infolgedessen, kann als Komplikation ein HUS entstehen. Dieses äußert sich in Form von akutem Nierenversagen, Blutgerin- nungsstörungen und einer Zerstörung der Erythrozyten. Der E.coli Erreger wird von Mensch zu Mensch per Schmierinfektionen (fäkal-oral) weitergegeben. Be- sonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen über 65 Jah- ren. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem erkranken leichter.

2.2 Vorkommen

EHEC-Infektionen treten weltweit auf. In Deutschland sind derzeit 42 Stämme des Erregers bekannt. Zu den klinisch auffälligsten Varianten gehört der Typ O157. Nach einer amerikanischen Studie, sind 30% aller Rinder mit diesem Bak- terium infiziert, unter bestimmten Futterbedingungen sogar bis zu 80% (CALLAWAY 2003). Obwohl die Rinder in der Regel nicht erkranken, stellen sie doch ein wichtiges Erregerreservoir dar. Auch bei Arbeitskräften in der Rind- fleisch verarbeitenden Industrie wurden asymptomatische Infektionen nachgewie- sen (RKI 2003). Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 wurden jährlich zwischen 925 und 1.183 EHEC-Erkrankungen (O157) gemeldet. Der Altersme- dian liegt bei 4 Jahren und beide Geschlechter sind annähernd gleich stark betrof- fen (RKI 2008). Der EHEC-Ausbruch in Deutschland von 2011 wird nach offizi- ellen Angaben mit importierten ägyptischen Bockshornkleesamen in Verbindung gebracht (RKI 2011).

2.3 Therapie

Der im New England Journal of Medicine publizierte Fallbericht (LAPEYRA- QUE 2011) des Heidelberger Nierenspezialisten Dr. Franz Schaefer, galt als Initi- ator, HUS mit dem Antikörper Eculizumab (Handelsname Soliris) zu therapieren. Der Arzt wagte einen Heilversuch bei 3 Kindern, welche ein gravierendes HUS entwickelt hatten. Überraschenderweise verbesserte sich der Zustand drastisch. Kurze Zeit später begannen in Deutschland massenhaft EHEC-Fälle aufzutreten. Im März 2012 wurde von Lübecker Forschern veröffentlicht, dass durch die Be- handlung mit dem Antibiotikum Azithromycin, die Dauer der Erregerausscheidung verkürzt werden konnte (NITSCHKE 2012). Somit haben die Patienten die Möglichkeit schneller in einen normalen Alltag zurückzukehren und ihre Berufstätigkeit wieder uneingeschränkt aufzunehmen.

3.Verschwörungstheorien

3.1 Spekulationen im Internet

Die Verunsicherung in der Bevölkerung veranlasste die Bürger selbst nach einem Schuldigen zu suchen. Neben Annahmen wie z.B. Streichelzoos, ein amokgelaufener Laborant, die Güllewolkentheorie, Rückstände aus Biogasanlagen, präparierte Tampons, verseuchte Handcremes und halbgare Hamburger, sind die am häufigsten genannten Theorien:

- geheime Forschungen der Bundeswehr an einem B-Waffenprojekt, um deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen in Afrika vor mutierten Bakte- rien zu schützen (ULFKOTTE 2011).
- ein durch islamistische Gruppen verübter Fäkalien Dschihad: Das vorsätzliche Verunreinigen von Lebensmitteln mit Exkrementen in euro- päischen Staaten (ULFKOTTE 2011).
- der Ausbruch des Erregers aus einem Hochsicherheitslabor des Bernhard- Nocht-Tropeninstituts in Hamburg (TOLZIN 2011).
- die Entwicklung einer Epidemie durch die Pharmaindustrie, zur Vermark- tung eines neuen Medikaments (MEHLHORN 2011).

3.2 Stellungnahmen von Experten

Bis zur vollständigen Klärung des Ausgangspunktes, tappten die Behörden lange Zeit im Dunkeln. Während dieser Zeit wurden Expertenmeinungen zu Rate gezogen, um Spekulationen aus der Welt zu schaffen.

Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Hy- gieniker, hielt es nicht für ausgeschlossen, dass die Krankheitsfälle durch den An- schlag einer Einzelperson ausgelöst worden sein könnten. Die Tatsache, dass es sich beim Erreger um einen neuen Stamm handelte, lässt an einem Kunstprodukt aus einem Labor vermuten. Ein Terroranschlag wurde aber aufgrund eines fehlen- den Bekennerschreibens seinerseits ausgeschlossen (FOCUS ONLINE 2011).

Vielmehr prangerte Zastrow an, dass durch die Vermeidung von schweren metho- dischen Fehlern, der Ausbruch nicht solche Ausmaße hätte annehmen müssen:

„Die gesamte EHEC-Krise beruht ausschließlich auf Schlamperei bei der Hygiene.“ (VOM LEHN 2011).

Der sorglose Einsatz von Antibiotika und eine fragwürdige industrielle Tierhaltung in der EU trugen womöglich zur Entstehung und Ausbreitung der Seuche bei. Zu dieser Einschätzung ist Dr. Christian Griot Direktor des Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe in Bern gekommen. Der übermäßige Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft, hat sicher zur Entstehung von Resistenzen und Mutationen geführt (LIFEGEN 2011).

Der Hamburger Notfallmediziner Prof. Dr. Heinzpeter Moecke verkündete sogar öffentlich, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) einem Terrorverdacht nach- gehe. Den Hinweis dazu habe er einem entsprechenden Bericht aus dem Internet entnommen. Auf Nachfrage von „Welt Online“ versicherte der BND er besitze weder Hinweise auf Bioterrorismus, noch ermittle die Behörde diesbezüglich (LACHMANN 2011). Biowaffen-Experte Jan van Aken schließt einen Ter- roranschlag so gut wie aus. Es sei viel zu schwierig, an die Bakterien heranzu- kommen und sie in ausreichender Menge zu produzieren. Das gilt einerseits für islamistische Terrorgruppen, als auch für Forschungsprojekte der Bundeswehr. Van Aken arbeitete als Biowaffeninspektor für die Vereinten Nationen. Er grün- dete die Forschungsstelle Biowaffen an der Uni Hamburg und das Sunshine-Pro- jekt, einer Organisation, die sich für die weltweite Ächtung biologischer und chemischer Waffen einsetzt (VAN AKEN 2011).

4. Glaubwürdigkeit der Theorien

4.1 Pseudoexperten

Einige der Verschwörungstheoretiker gehören zur Gruppe der Impfgegner bzw. Impfkritiker, die eine Sympathie zur Scientology Bewegung pflegen bzw. Anhä- nger der Germanischen Neuen Medizin (GNM) sind. Die Existenz von krankma- chenden Erregern wird gerne bezweifelt bzw. ignoriert und verharmlost. Bakte- rien seien keine Krankheitsverursacher, sondern helfen stattdessen beim Hei- lungsprozess (LANKA 2011).

Hans Tolzin z.B. vertritt. die These, dass Erkrankungen durch EHEC hauptsächlich durch falsche Ernährung, Medikamentennebenwirkungen und Umweltgifte verursacht werden. Nutznießer dieser Erkrankung seien Ärzte, die damit ihre Karriere fördern, Labore, Entwickler, sowie die Pharmaindustrie, die ihre Profite steigern wollen (TOLZIN 2011).

[...]

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Details

Titel
EHEC Ausbruch 2011 - Nur eine Verschwörung?
Veranstaltung
Qualifizierung Research Nurse
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V191340
ISBN (eBook)
9783656161196
Dateigröße
1333 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Universitäre Bildungsakademie
Schlagworte
EHEC, Ethik, Verschwörungen, Pharmaindustrie
Arbeit zitieren
Anja Niepelt (Autor), 2012, EHEC Ausbruch 2011 - Nur eine Verschwörung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191340

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