"Gergo giovanilie". Lexikalische Besonderheiten der italienischen Jugendsprache


Referat (Handout), 2009
3 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Definition und Funktion Jugendsprache

2. Besonderheiten der italienischen Jugendsprache

3. Jugendsprachliche Wörterbücher

1. Definition und Funktion Jugendsprache

Erstens ist zu bestimmen, wer ein Jugendlicher ist. Durch unterschiedliche Lebensumstände Jugendlicher fällt die Bestimmung dessen recht unterschiedlich aus.

Zweitens gibt es keine einheitliche Definition einer Jugendsprache und keine einheitliche Ansicht darüber, was Jugendsprache ist. Einigkeit herrscht jedoch laut Radtke darüber, dass Jugendsprache eine Gruppensprache ist, die sich vorwiegend durch ihre lexikalische Markiertheit auszeichnet. Syntax und Grammatik konstituieren sich aus einem italiano familiare oder auch popolare, die Phonetik trägt Züge eines italiano regionale mit mehr oder weniger dialektalem Hintergrund.

Jugendsprache ist ein gergo, jedoch ist man sich uneinig, ob Jugendsprache eine Form überregionaler Umgangssprache im Sinn eines Generationssoziolekts in der Nähe eines italiano parlato oder eine eher enge Eingrenzung in Form einer Kleingruppensprache wie etwa des gergo studentesco ist.

Auf diachroner Ebene wird laut Radtke etwa in drei Phasen unterschieden:

- Phase 1: Italien vor 1968 war vorpolitisch und studentisch
- Phase 2: um 1968 wurden vorwiegend politisch-ideologische Begriffe verwendet.
- Phase 3: nach 1968 werden Begriffe aus Werbung, Discotheken und dem Drogenmilieu verwendet

Die Jugendsprache als linguistisches Kategorie fand erst gegen Ende der Siebzier Beachtung. Davor galt die Meinung, Jugendsprache sei eine zufällige, unstrukturierte Varietät.

Auf synchroner Ebene lässt sich feststellen, dass es nicht „die“ Jugendsprache gibt, sondern das sie von diatopischen Merkmalen geprägt ist. Hier stößt man laut Mavellia auf ein Nord-Süd-Gefälle: Da im südlichen Raum die Dialekte als Zweit- bzw. Privatvariation noch vitaler sind, wird eher auf sie zurückgegriffen. Im Norden jedoch, wo dies weniger der fall ist, ist die Innovation im bezug auf Jugendsprache deshalb höher. Radtke attestiert der süditalienischen Sprachentwicklung deshalb eine „geringe Sensibilität für die Jugendsprache“.

Die Medien haben durch ihre Werbesprache einen erheblichen Einfluss auf die Jugendsprache, was sich z-B. in der Verwendung von Werbeslogans niederschlägt. „È nuovo? – No, è lavato con Perlana.” Des Weiteren bilden sie eine Plattform für die Prägung unterschiedlicher Jugendgruppen wie den paninari, die sich gegen die matallari und die Süditaliener wandten. Dazu gibt es seit 1968 einen Comic namens „Paninaro“, der gergo-Ausdrücke erklärt, sowie die Zeitschriften Wild Boys und Cucador.

Dieser Einfluss ist besonders dadurch verstärkt, dass es im Gegensatz zu anderen gerghi oder Substandard laut Radtke kein linguistisch ernstnehmende Aufstellung der jugendsprachlichen Varietät gibt – eben auch deshalb, weil die Varietät diatopisch und diastratisch sowie diachron unterschiedlich geprägt ist.

Bezüglich der Funktion lässt sich ein Wunsch nach Abgrenzung bzw. nach Eingrenzung innerhalb der Jugendlichen feststellen, die hier eine Peergroup bilden. Die Jugendlichen entwickeln und stärken durch eine gemeinsame Sprache das Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie grenzen sich gegen ihre Eltern und die damit verbundene standardsprachliche Normiertheit ab, damit auch symbolisch gegen Normen insgesamt.

Um die Präskriptivität zu umgehen, kommt der Jugendsprache zudem die sogenannte dimensione ludica zu. Hier greifen Komik, Humor und Wortspiele, die eine Kontrasprache ermöglichen soll.

2. Besonderheiten der italienischen Jugendsprache

Die Charakteristika der Jugendsprache italienischer Jugendlicher zeigt sich besonders in der Lexik. Generell kann man sagen, dass die Sprache besonders innovativ in den vorwiegend für Jugendliche erlebten Bereiche (Lehrer, Schule, Eltern, Liebe, Mode ) greift und dafür spezifische Begriffe entwickelt. Besonders Merkmale sind kurz erläutert.

Xenismen

- Besonders angloamerikanische Begriffe üben eine hohe Anziehungskraft auf den gergo giovanilie aus. Sie zeigen sich vor allem in den Bereichen, die das Leben Jugendlicher explizit betreffen. Dies gilt bezogen auf Anglizismen besonders für die amerikanische Jugendkultur der Neunziger, bestehend aus Rap und Hip Hop, Djing, Breakdancing und Graffiti.Das sind z.B. dealer, dope, DJ, flash, down.
- Hispanismen: Auch Hispanismen sind verbreitet, wie „andare alla palya“, „pelo“ (Haare). „no tengo dinero“ und Psyeudohispanismus wie „cucador“ (Frauenheld).
- Germanismen: „é un blitz“, „jawohl“, geld, führer (für Eltern)
- Vulgärausdrü>

Morphologie

- Affixe: Innovativ sind hier „mega“, das z. B. in „e`mega“, „megafesta“, -aro wie in „paninaro“, „casinaro“, dass aber negativ konntoiert ist, sowie –oso, “galloso”, “drogolosi”, „malavitoso“
- Lehnworter aus anderen Substandards: aus italiano colloquiale, z. B. „trogo“ (Tier), „gattonare“ (hinter Mädchen her sein), „beccare (fragen)

Phonetik

- Grundsätzlich phonetische Merkmale der italienischen Standardsprache, aber: Synkopen: Wegfall eines unbetonten Vokals im Wortinneren, „profa“ (professoressa), „bénza“ (benzina), oder den Wegfall von Sprechlauten am Wortende wie „disco“, „maté“ (mathematica). Außerdem die Substitution des „c“ durch „k“ oder „c“ durch „q“, „squola“, „disko“. Sowie Metathesen wie „drema“ (madre), „glifi“ (figli).

Orthografie

- Im Zuge der sogenannten „Handygeneration“ sind zahlreiche Abkürzungen entstanden, die standardsprachliche Rechtschreibnormen außer Kraft setzen. Teilweise wird hier ein Grund für die zunehmende sprachlicher Ausdrucksfähigkeit Jugendlicher gesehen.
- „k“ für „ch“: „T kiamo pome. TVTB“ (Ti chiamo pomeriggo. Ti voglio tanto bene)
- “q” für “cu”: qore (cuore)
- “x” für per: “xmesso (permesso)
- “:” für “dividere: la birra si puó :
- “6” für “sei”: dv 6? (dove sei?)

Semantik

- Der Wortschatz bezieht auf die für Jugendliche besonders wichtige und nahe Wortfelder wie Lehrer, Schule, Liebe, Mode, Musik und aus englischem Slang, und dem Drogenjargon. Mechanismen sind Übertreibung, Humor, Kreativität und das Hervorheben negativer Eigenschaften.
- Das vorherrschende Mittel ist hier die Metapher. „celle“, „forca“ (Schule), „killer“, „dittatori“ (Lehrer), „sapiens“, „fossili“ (Eltern). Sowie Synekdochen, “lira” (denaro) und Hyperbeln „cosa piú stressante del mondo” (Schule).
- “Gaunersprache”: wie “pula” (polizia), “berta” (pistola), “cantare” (confessare)

3. Jugendsprachliche Wörterbücher

Jenseits des in den Siebzigern erschienenen „Mercabuls“, das ein Journalisten verfasst hat, gibt es einige jugendsprachliche Wörterbücher, die versuchen die synchrone Jugendsprache „einzufangen“, dies sind z.B. im Internet

http://www.italysoft.com/curios/dizio-giovani/indice1.html

http://www.skronn.de/italien/Gergo.htm

Generell kann man sagen, dass die Jugendsprache strukturell und systematisch gesehen noch schlecht erforscht ist, auch die verfügbare Literatur hinkt oft Jahrzehnte hinterher.

4. Literatur

- Grostner, Franziska (2003): Varietá giovanili – Wesen und Forschungstand, Berlin
- Radtke, Edgar (1993): La lingua die giovani, Tübingen
- Radtke, Edgar (1990): Sprachlicher Substandard III, Tübingen
- Scholz, Arno (2004): Subcultura e lingua giovanilie in Italia, Rom
- Mavellia, Clara (1991): Die Sprache der Jugendlichen In Mailand, Frankfurt

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Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
"Gergo giovanilie". Lexikalische Besonderheiten der italienischen Jugendsprache
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
3
Katalognummer
V191362
ISBN (eBook)
9783668218109
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gergo, lexikalische, besonderheiten, jugendsprache
Arbeit zitieren
Sabrina Mazzola (Autor), 2009, "Gergo giovanilie". Lexikalische Besonderheiten der italienischen Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191362

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