Die Städtepolitik Heinrichs (VII.)


Seminararbeit, 2012

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Städtepolitik im Mittelalter
2.1 Entwicklung der Städte
2.2 Möglichkeiten des Königs/Kaisers in der Städtepolitik

3. Die Städtepolitik Heinrichs (VII.)
3.1 Quantitatives Ausmaß
3.2 Konfliktfälle
3.3 Heinrichs Städtepolitik nach dem Bruch mit dem Kaiser

4. Bewertung und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Heinrich (VII.) gilt als Inbegriff eines schwachen und wankelmütigen Königs. In seiner Regentschaft von 1220-1235 befand er sich bis 1228 unter Vormundschaft und musste bis zu seiner Absetzung durch seinen Vater, Kaiser Friedrich II., gegen die Vorherrschaft eben diesem kämpfen. Dass über dem König noch ein Kaiser existierte war ein Sonderfall im Heiligen Römischen Reich und begrenzte die Macht Heinrichs empfindlich.

Die Städtepolitik Heinrichs (VII.) diente oftmals als Exempel für die Schwäche des Königs, indem Heinrich in manchen Fällen gezwungen war, bereits erlassene Privilegien wieder zurückzunehmen. Inhalt dieser Seminararbeit wird es deshalb sein zu klären, inwiefern diese Aussage zutrifft. War die Städtepolitik Heinrichs (VII.) die eines schwachen, wankelmütigen Königs? Oder war sie eine taktische Politik, mit der der König versuchte seine Ziele zu erreichen und mit der er oftmals versuchte, die Grenzen seiner Macht auszuloten?

Zur Beantwortung dieser Frage ist es entscheidendsoll zunächst in Kapitel 2 eine allgemeine Städtepolitik im Reich im Mittelalter beschrieben werden. Dabei sollen vor allem die Möglichkeiten des Herrschers mit Hilfe der Städte und durch Städte Politik betreiben zu können, im Fokus stehen.

Anschließend wird nun die Politik Heinrichs analysiert. Nach einem quantitativen Teil der Betrachtung wird der Fokus dabei auf konkrete Einzelfälle gerichtet werden. Dabei sollen jeweils die Möglichkeiten des Königs im Blickpunkt bleiben. Zudem wird untersucht welche Veränderungen seiner Städtepolitik zwischen der Zeit der Vormundschaft, der alleinigen Regentschaft und nach dem Bruch mit dem Kaiser erkennbar sind.

Anhand dieser quantitativen und qualitativen Schlüsse soll im abschließenden Kapitel ein Fazit gezogen werden. Dabei wird versucht, die zentrale Frage dieser Arbeit zu beantworten. Zudem wird auch nochmals resümiert, welche Möglichkeiten der König in der Städtepolitik hatte, welche Gegenspieler er dabei gegen sich sah und welche Folgen seine Politik für sein späteres Scheitern hatte.

Analysiert werden dabei vor allem die vorhandenen Regesten zur Politik Heinrichs. Zudem werden auch sekundarliterarische Werke zu der Städtepolitik im Mittelalter allgemein und zu Heinrich (VII.) im Speziellen verwendet. Bei dieser speziellen Literatur findet sich jedoch nur sehr wenig spezifisches zur Städtepolitik. Lediglich Emil Franzel widmet sich der Thematik in einem eigenen, wenn auch sehr kurzen Kapitel. Peter Thorau analysiert Einzelfälle, wenngleich seine Betrachtungen nur die Anfangsjahre der Herrschaft inkludieren. Peter Hillen als dritter Autor widmet sich hingegen vorwiegend einer quantitativen Betrachtungsweise. Sieht vor allem die ältere Literatur Heinrichs Politik als sehr städtefreundlich an, so kann man in den aktuelleren Betrachtungen ein ambivalenteres Ergebnis betrachten. Auch hierbei stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten des Königs.

2. Städtepolitik im Mittelalter

2.1 Entwicklung der Städte

Die Frühformen der Städte im Fränkischen Reich gingen auf römische Städtegründungen zurück. Weiters getragen wurden Städte in Folge vor allem von geistlichen Institutionen, welche aufgrund ihrer kulturellen, wirtschaftlichen und administrativen Rolle zu Zentren avancierten. Zudem war der größte Teil des Reichs mit Diözesen überzogen und eingeteilt.[1]

Im ottonisch-salischen Reichskirchensystem wurden die Bistümer und Klöster eng ans Reich herangeführt. Dabei gewährte der Herrscher den geistlichen Institutionen weitreichende Privilegien, wie etwa ein Zoll- oder Marktrecht, und traten als Schutzherr der geistlichen Herrschaft auf. Dafür stand dem König Einfluss bei der Bischofswahl zu. Durch dieses System wuchs die bischöfliche Herrschaft über die Städte.[2]

Ein zunehmender Prozess der Verstädterung, einhergehend mit einem hohen Bevölkerungswachstum, führte auch zu einem gestiegenen Selbstbewusstsein der Siedler. Nicht zuletzt aufgrund eines einsetzenden Wirtschaftswachstums wurde nun erstmals der Ruf nach kollektiver Freiheit, also auch von der bischöflichen Herrschaft, laut. Dabei wurden auch ein verschriftlichtes Recht und eine Beteiligung an den Verfassungsstrukturen gefordert. Die Bewohner einer Stadt vereinten sich dabei häufig zu so genannten Kommunen, also zu einem geimeindlichen Schwurverbund. Eine solche wurde erstmals in Italien gegründet, ehe es auch nördlich der Alpen am Ende des 11. Jahrhunderts zum Beispiel in Cambrai, Worms und Köln zur Gründung von Kommunen kam.[3]

Damit begann ein Prozess, welcher in der Regentschaft Heinrichs (VII.) zu einem großen Konfliktpunkt werden sollte. Dieser Kampf der sich bildenden Bürgerschaft gegen den rechtmäßigen Herrscher, dem Bischof, war ein Kampf für politische Mitsprache und wirtschaftlichen Freiheiten. So wollten sie neben einer neuen Stadtverfassung auch Privilegien in Form von Steuer- und Abgabeerleichterungen erreichen.[4]

Mit der Zunahme von Städten wurden seit dem 12. Jahrhundert auch durch die Herrscher Privilegien an diese erteilt. Dabei handelte es sich aber oftmals nur um einzelne Zugeständnisse, welche auch jederzeit wieder zurückgenommen werden konnten. Die Stadt war zu Zeiten Heinrichs auf jeden Fall ein Ort, an dem dieser Politik betreiben konnte und dies auch tat.[5]

2.2 Möglichkeiten des Königs/Kaisers in der Städtepolitik

In dieser neuen Bewegung der Bürgerschaft öffneten sich auch für die Könige neue ihre Macht auszuüben. Durch die Vergabe von Privilegien konnte man auf diese Weise Verbündete gewinnen. So griffen Städte zum Beispiel im staufisch-welfischen Thronstreit aktiv auf Seiten der Staufer ein, um sich so Vergünstigungen zu erwarten. Zudem konnten gerade unter der Herrschaft der Staufer Bürger zahlreiche Privilegien und Mitsprache in Stadtverfassungen erlangen und so beispielsweise einen Stadtrat bekommen. Durch das Ausstellen von Privilegien wurden die einzelnen Städte auch an den König und somit an das Königreich gebunden.[6]

Allerdings muss man hinzufügen, dass es zu dieser Zeit des 11./12. Jahrhunderts kein allgemein für das ganze Reich gültige Verfassung gab, sonders jede Stadt seine eigenen Vorschriften und Privilegien besaß. Deshalb ist auch der Begriff Städtepolitik problematisch. Vielmehr handelt es sich dabei um Einzelmaßnahmen in bestimmten Städten, welche allesamt auf die spezifische Situation in eben diesen Städten zurückzuführen ist.

Das Ausstellen von Privilegien für Bürger bedeutete gleichzeitig auch ein Beschneiden der Macht der jeweiligen Bischöfe. Der König trat also damit in einem Konflikt mit den Fürsten. Warum tat dies ein König also bzw. was erwartete er sich davon?

Neben den schon erwähnten Bündnispartnern gab es dabei weitere Punkte. Franzel schreibt dazu, dass

„…die Städte die besten Stützen des Königtums waren und im Kampfe um die staatlichen Rechte neben der Miniserialität die beste Hilfe für den König darstellen mußten…“[7]

Konkret geht es dabei vor allem um Einnahmequellen. Die sich entwickelten Städte dieser Zeit wurden zunehmend zu wirtschaftlichen Zentren, die speziell auch durch Handel an Wohlstand gewannen. Durch Bindung mit den aufgebehrenden Bürgern versuchte der König nun durch die Ausstellung von Privilegien vermehrt Einnahmen zu bekommen. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die so genannten Reichsstädte[8], also auf Reichsland liegende Städte, welche unter dem direkten Einfluss des Königtums standen. Dabei wurde im Zuge einer Territorialpolitik, wie sie die Staufer vor allem im Südwesten des Reichs, also in ihrem Stammland Schwaben, praktizierten neue Städte gegründet. Somit konnte der Einfluss des Herrschaftshauses gestärkt werden. Jedoch geriet man mit dieser Politik auch zunehmend in einen Konflikt mit den Fürsten und musste schließlich 1231/32 durch das statutum in favorem principum diese Form der Städtepolitik eindämmen.[9]

Ein weiterer Punkt, welcher bei der Städtepolitik Heinrichs zu berücksichtigen ist, ist jener, dass Städte aufgrund des Fehlens einer echten Hauptstadt, auch als Aufenthaltsorte der Herrscher dienten. Dabei waren besonders Bischofsstädte und Pfalzorte zeitweise Aufenthaltsorte. Die Staufer nutzten dabei vor allem Pfalzen, um die sich im 12./13. Jahrhundert Siedlungen bildeten und die Orte sich dadurch zu Pfalzstädten weiterentwickelten. Die Stützen des staufischen Königtums waren dabei im Südwesten des Reiches, wo die Dynastie auch ihren Ursprung hatte und Heinrich (VII.) den Großteil seiner Regentschaft verbrachte und die meisten Diplome ausstellte. Durch eine hohe Präsenz konnte der König seine Herrschaft in der Gegend ausüben. Bischofsstädte wurden von den jeweiligen Herrschern großteils gemieden. Lediglich wenn die Bürger den geistlichen Fürsten aus der Stadt verjagt geworden waren, residierten die Könige öfter in solchen Städten.[10]

3. Die Städtepolitik Heinrichs (VII.)

3.1 Quantitatives Ausmaß

Von der Regentschaft Heinrichs (VII.) sind insgesamt 558 Regesten erhalten und überliefert. Davon besitzen 80[11] eine Stadt bzw. Bürger einer Stadt als Empfänger und können somit der Stadtpolitik zugerechnet werden. Dies bedeutet einen Anteil von 14,34%, womit sich ungefähr jede siebte Urkunde Heinrichs mit der Rolle der Städte bzw. mit der Politik mit ihnen beschäftigt. Damit nimmt die Städtepolitik des Königs rein quantitativ einen wichtigen Teil seiner Regentschaft ein.

Zu bemerken gibt es dabei allerdings auch – wie Abbildung 1 verdeutlicht, dass 26,25% dieser Diplome sich auf drei Städte und 41,25% auf sieben Städte beziehen, womit eine starke Konzentrierung festzustellen ist und sich viele Urkunden nur auf einen einzelnen Fall bzw. einer einzelnen Auseinandersetzung zwischen Bischof und Bürgern beziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Städte, an denen am meisten Urkunden ausgestellt wurden

Jedoch ist nicht jede dieser 80 Diplome klar einer Städtepolitik zuordenbar. Hillen geht beispielsweise in seinen Ausführungen von 52 und damit weit weniger Urkunden die Städte betreffend aus.[12] Probleme bei den Zurechnungen ergeben sich vor allem bei Urkunden welche mehrere Empfänger aufweisen und einer davon die Bürger einer Stadt darstellen. Bei der Berechnung in dieser Arbeit wurde ein solches Diplom der Städtepolitik zugerechnet.

[...]


[1] Vgl. Pitz, Stadt, S. 2174 und Hergemöller, Quellen zur Verfassungsgeschichte, S. 4f.

[2] Vgl. Hergemöller, Quellen zur Verfassungsgeschichte, S. 6.

[3] Vgl. Hergemöller, Quellen zur Verfassungsgeschichte, S. 9f. und Diestelkamp, König und Städte, S. 268.

[4] Vgl. Hergemöller, Quellen zur Verfassungsgeschichte, S. 10.

[5] Vgl. Fuhrmann, Die Stadt im Mittelalter, S. 36f.

[6] Vgl. Schulz, Stadtgemeinde, Rat und Rheinischer Städtebund, S. 24.

[7] Franzel, König Heinrich VII., S. 133f.

[8] Der Begriff der Reichsstadt ist umstritten, da die Charakteristik noch nicht jener Reichsstädte wie z.B. Nürnberg zu Ende des Hl. Röm. Reichs entspricht, Vgl. Hergemöller, Quellen zur Verfassungsgeschichte, S. 14f.

[9] Vgl. Hergemöller, Quellen zur Verfassungsgeschichte, S. 14f.

[10] Vgl. Hirschmann, Die Stadt im Mittelalter, S. 31f. und Diestelkamp, König und Städte, S. 256-58.

[11] Liste dieser Regesten befindet sich im Anhang.

[12] Vgl. Hillen, Curia Regis, S. 200. Das entsprechen laut Hillen 10,4% aller Diplome, womit der Autor insgesamt nur exakt 500 Regesten des Königs ausmacht.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Städtepolitik Heinrichs (VII.)
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V191403
ISBN (eBook)
9783656162001
ISBN (Buch)
9783656162223
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
städtepolitik, heinrichs, staufer, königtum, konflikt, kaiser, städte, bischofe, fürsten, Heinrich (VII.), Mittelalter, HRR, Reich, Deutsch
Arbeit zitieren
Andreas Staggl (Autor), 2012, Die Städtepolitik Heinrichs (VII.), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191403

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Städtepolitik Heinrichs (VII.)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden