Bankenaufsicht nach der Finanzkrise – Mindestkapitalanforderungen im Bankenwesen


Seminararbeit, 2011

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2 Mikroprudenzielle, auf Einzelinstitute ausgerichtete Eigenkapitalvorschriften
2.1 Risikobasierte Eigenkapitalvorschriften
2.1.1 Bankspezifische Risiken
2.1.2 Bemessung und Erfassung von Bankrisiken
2.2 Leverage Ratio als nicht risikobasierte Höchstverschuldungsquote

3.Makroprudenzielle Auswirkungen durch die Eigenkapitalregulierung
3.1 Das Problem der Prozyklität und der Systemrelevanz
3.2 Zielkonflikte zwischen Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalregulierung

4. Fazit & Ausblick

B Anhang

C Literaturverzeichnis

A Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ausgangslage und Entwicklung von 40 großen Banken

Abbildung 2: Aufteilung der Eigenmittel

Abbildung 3: Gewählte Risikosystematik

Abbildung 4: Risikogewichtung für Staaten, Banken, Unternehmen und Verbriefungen

Abbildung 5:Übergangsbestimmungen der Neuregelungen im Überblick

Abbildung 6 Ertragslage und Fremdkapitalhebel im Vergleich; Median über Jahre und Unternehmen

1. Einleitung

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 erhält die Aufgabe der Bankenaufsicht einen immer größeren Stellenwert in der aktuell politischen Diskussion unserer Gesellschaft. Welche Anforderungen müssen festgelegt werden, welche Maßnahmen müssen durchgesetzt werden, um aus dieser Krise zu kommen bzw. um einer neuen Krise vorzusorgen. Von den unterschiedlichsten Seiten werden zahlreiche Änderungsvorschläge für die künftige Regulierung der Banken unterbreitet. Unklar ist dabei häufig, welche Vorschläge noch ernsthaft diskutiert werden oder bereits umgesetzt wurden und welche Vorschläge ernsthaft politische Ziele darstellen oder doch eher als politische Aufgeregtheiten gelten. Deutlich ist in jedem Fall aus der letzten Finanzkrise geworden, dass die seit 1988 eingeführten, globalen Regulierungen nicht ausreichen, um eine Finanzkrise zu verhindern, sondern sie vielmehr sogar krisenverstärkend wirken.

In meiner Arbeit möchte ich mich daher mit dem Thema Mindestkapitalanforderungen für Banken beschäftigen und der Frage nachgehen, wo die Defizite der bisherigen Eigenkapitalregulierung lagen und inwieweit eine verbesserte oder neue Eigenkapitalregulierung in Zukunft Finanzkrisen verhindern kann.

Betrachten werde ich dabei lediglich Eigenkapitalregulierungen auf internationaler Ebene, da nationale oder EU-weite Mindestkapitalanforderungen in der heute globalisierten und weltweit stark vernetzten Finanzwelt eher krisenverstärkend als krisenhemmend wirken - beispielsweise durch Wettbewerbsverzerrungen. Bereits mit dem Baseler Abkommen von 1988 wurden die Maßnahmen zur Eigenkapitalausstattung internationalisiert und unterscheiden sich seither nur in der jeweiligen nationalen Umsetzung. Auf die Darstellung der länderspezifischen Unterschiede in der Umsetzung werde ich in meiner Arbeit nicht eingehen, da sie für diese Arbeit zu komplex sind und nicht zielführend bei der Frage, wie die Zukunft der Europäischen Union im Bezug auf die Bankenregulierung durch Mindestkapitalanforderungen aussehen kann.

In der Bankenaufsicht unterscheidet man Maßnahmen, die auf einzelne Finanzinstitute ausgerichtet sind, (mikroprudenzielle Maßnahmen) und Maßnahmen mit Auswirkungen auf das Finanzsystem als Ganzes (makroprudenzielle Maßnahmen). Mit dieser strengen, begrifflichen Trennung sollen institutionelle Strukturen vereinfacht und dadurch Verantwortlichkeit und eine eindeutige Strategie gefördert werden.

Bei den traditionellen Mikroprudenziellen Maßnahmen beschränkte man sich bis zur Finanzkrise zunächst auf Maßnahmen, die eine Kapitalunterlegung bezogen auf die bankspezifischen Risiken verlangen, sogenannte risikobasierte Regelungen. Die Erfassung und die Messung der Risiken spielt hier eine wichtige Rolle. Die neu eingeführte Höchstverschuldungsquote, die Leverage Ratio, soll in Zukunft als nicht risikobasierte Maßnahme zur Stabilität der Banken beitragen.

Makroprudenzielle Instrumente sollen die traditionelle Perspektive der Bankenaufsicht erweitern und das Finanzsystems als Ganzes stärken. Zwei zentrale Probleme aus makroprudenzieller Perspektive stellen die Prozyklität des Bankensektors und die Systemrelevanz vieler international tätiger Institute dar. Maßnahmen zur Reduktion dieser Auswirkungen sollen beleuchtet werden. Des Weiteren wird untersucht wie sich höhere Eigenkapitalanforderungen auf die Renditen der Institute auswirken werden.

Die wichtigste Institution für international geltende Eigenkapitalvorschriften ist der Baseler Ausschuß für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision)1. „Einen Meilenstein in der internationalen Harmonisierung der bankenaufsichtlichen Eigenkapitalanforderungen stellt die Eigenmittelempfehlung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht von 1988 dar.“2 Mit dieser Empfehlung entstand erstmals ein Vorschlag, um konkrete Regulierungsbestimmungen für Banken international zu vereinheitlichen. Durch die weltweit gültigen Vorgaben für Mindesteigenkapital-Unterlegungen soll verhindert werden, dass Banken eine für ihr Institut betriebswirtschaftlich optimale, aber gesamtwirtschaftlich zu geringe Eigenkapital-Unterlegung halten. Weiterhin sorgen die Baseler Bestimmungen für die Gewährleistung eines internationalen level playing field3 für Kreditinstitute. Damit werden Wettbewerbsverzerrungen zwischen global tätigen Banken abgebaut und das internationale Bankensystem wird stabilisiert.

2 Mikroprudenzielle, auf Einzelinstitute ausgerichtete Eigenkapitalvorschriften

Die mikroprudenziellen Mindestanforderungen aus den Baseler Grundsätzen sollen den nationalen Aufsichtsbehörden als Bezugsbasis dienen. Der Ausdruck mikroprudenzielle Bankenaufsicht bezieht sich auf die Überwachung einzelner Finanzinstitute. Bis zur Finanzkrise beschränkte man sich hierbei ausschließlich auf risikobasierte Mindestkapitalanforderungen. Sie beziehen sich auf die bankspezifischen Risiken für Kredite, Marktpreise, Commoditypreise (Rohwarenpreise) und Wechselkurse. Im Zuge der Finanzkrise wurde ersichtlich, dass gerade bei der Risikoerfassung und Risikobemessung erhebliche Defizite bestehen. Diesen Problemen soll mit den neuen Regelungen nach Basel III 4 entgegengewirkt werden, mit denen nun auch eine nicht risikobasierte Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio) eingeführt werden soll.

Ein weiterer wichtiger Punkt der neuen Regelungen ist die Erhöhung der Qualität des Eigenkapitals. So soll in Zukunft das Grundkapital, welches aus Stammkapital und Gewinnrücklagen gebildet wird, die vorherrschende Form der Eigenkapitalunterlegung darstellen. Es wird also mehr Gewicht auf das so genannte harte Kernkapital gelegt werden. Die bisherigen Regelungen verlangten, dass mindestens die Hälfte des regulatorischen Eigenkapitals aus Eigenkapital der Klasse „Tier1“ besteht. Dieses wird nur zur Hälfte aus Grundkapital gebildet. Der Rest setzt sich aus anderen Posten zusammen, die weniger Verluste absorbieren können. In den neuen Regelungen des Baseler Ausschusses wird nach der Definition des regulatorischen Eigenkapitals weiterhin zwischen Kernkapital (Going- concern Capital) und Ergänzungskapital (Gone-concern Capital) unterschieden. Das Kernkapital soll zum Verlustausgleich bei fortgesetztem Geschäftsbetrieb, das Ergänzungskapital dagegen im Insolvenzfall zur Verfügung stehen. Des Weiteren teilt sich das Kernkapital noch in hartes Kernkapital -dem Grundkapital- und in erweitertes Kernkapital auf.5 Abzüge vom regulatorischen Eigenkapital müssen von nun aus dem hartem Kernkapital erfolgen und nicht mehr wie bisher aus dem Eigenkapital der Klasse 1 (Tier1) generell oder aus dem Eigenkapital der Klasse 2. Somit wird es den Banken nicht mehr möglich sein, hohe Eigenkapitalquoten der Klasse 1 auszuweisen, bei denen der Grundkapitalanteil nach den regulatorischen Abzügen gering ist.6 Die Zusammensetzung der Eigenmittel ist der Abbildung

2 im Anhang zu entnehmen.

2.1 Risikobasierte Eigenkapitalvorschriften

Bei den mikroprudenziellen Mindestkapitalanforderungen wird zwischen den risikobasierten und den nicht risikobasierten Anforderungen unterschieden. Bis zur Finanzkrise existierten in den beiden Abkommen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht nur risikobasierte Vorschriften. Diese Maßnahmen verlangen eine Eigenkapitalunterlegung bezogen auf die bankspezifischen Risiken. Eine mögliche Risikosystematik in der Bankbetriebslehre ist die Fokussierung auf die drei Basisrisikokategorien Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken.7 Diese drei Hauptrisikokategorien sind die relevantesten für die bankinterne, ökonomische Eigenkapitalallokation. Die Erfassung und die Messung der Risiken spielt bei der Bestimmung der Mindestanforderungen eine große Rolle. Die zwei wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung eines effizienten Risikomanagementsystems sind zum einen die exakte Definition und die sich daraus ergebende Möglichkeit der Quantifizierung von Risiken8. Markt- und Kreditrisiken sind aufgrund ihrer Quantifizierbarkeit für die regulatorische Eigenmittelanforderung die wichtigsten Risikogruppen.

2.1.1 Bankspezifische Risiken

Das Finanzwesen zeigt eine Vielfalt von bankspezifischen Risiken auf und umfasst diverse Komponenten, die Einfluss auf das Management in den Banken nehmen. Oft bergen einzelne Bankbilanzpositionen mehrere Risiken. Die wichtigsten Kategorien der bankspezifischen Risiken sind die Kreditrisiken, Marktrisiken und die operationellen Risiken. Die Risikosystematik kann der Abbildung 3 im Anhang entnommen werden. Kreditrisiken: Kreditrisiken implizieren das Risiko eines finanziellen Verlustes, hervorgerufen durch den Ausfall eines Wirtschaftssubjektes mit dem die Bank ein Geschäft eingegangen ist9. Weiterhin gehört zum Kreditrisiko die potentielle Verschlechterung der Bonität eines Kontrahenten. Das Kreditrisiko wird einerseits durch die Angabe der Größe der Verbindlichkeit gemessen, zum anderen durch die Qualität des Risikos, also der Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredites.

Marktrisiken: Im Marktrisiko werden die potentiellen Verluste aus Marktpreisänderungen zusammengefasst. Zu den Marktpreisen gehören beispielsweise Zinssätze, Aktienkurse, Commoditypreise (Rohwarenpreise) oder Wechselkurse. Das Marktrisiko kann daher unterteilt werden in Zinsrisiko, Aktienkursrisiko, Commoditypreisrisiko und Wechselkursrisiko. Das Risiko einer Zinsänderung entsteht durch eine Barwertänderung aller Bilanzpositionen, die vom Zinsniveau abhängen. Dagegen bezieht sich das Aktienkursrisiko auf eventuelle Änderungen der Aktienkurse, die Einfluss auf den Wert von offenen Positionen haben. Die Wechselkurs- und Commoditypreisrisiken beziehen sich auf potentielle Wertänderungen von Aktiv- oder Passivpositionen, deren nominelle Werte an Wechselkurse oder Commoditypreise geknüpft sind. Das Marktrisiko hat in den letzten Jahrzehnten stetig an Bedeutung gewonnen, da die Handelsbücher, in dem hauptsächlich die marktrisiko- spezifischen Positionen geführt werden, der Banken gewachsen sind und Banken aktiver im Derivate-Geschäft10 tätig sind.11

Operationelle Risiken: In operationellen Risiken werden die mittelbaren und unmittelbaren Verluste zusammengefasst, die sich aus dem Versagen bankinterner Verfahren oder externer Ereignisse ergeben. Dazu zählen beispielsweise Verluste die aus Mitarbeiterbetrug, Mängel in Prüfverfahren oder Naturkatastrophen entstehen.12

2.1.2 Bemessung und Erfassung von Bankrisiken

Eine wichtige Aufgabe bei der Entwicklung eines effizienten Risikomanagementsystems ist die Erfassung und Bemessung von Risiken. Dabei müssen zwei Dimensionen betrachtet werden. Zum einen muss die Wahrscheinlichkeit bestimmt werden, mit der das Risiko eintreffen wird, zum anderen muss der betragsmäßige Verlust, der beim Eintreffen dieses Risikos entsteht, errechnet werden.

Seit dem Baseler Abkommen von 1988 steht die risikobasierte Eigenkapitalregulierung im Zentrum der Bankenregulierung. Der Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht hat in seinem Konsulationspapier von 1987, später bekannt als Basel I, eine internationale Eigenkapital- Vereinbarung empfohlen. In diesem Vorschlag, der erstmals konkrete Regulierungsbestimmungen für Banken international harmonisieren sollte, wird von Banken im Bereich des Kreditrisikos gefordert, ihr Aktiva-Portfolio, gewichtet nach dem jeweiligen Risikogehalt, mit mindestens 8% Eigenkapital zu unterlegen. Grundlage für die Kapitalunterlegung war die Formel:

Kapitalunterlegung = EAD * Risikogewichtung * 0,0813

Bei dem Standardansatz wird auch jetzt noch nach dieser Formel das regulatorische Eigenkapital berechnet . Bei dieser Bestimmung zur Kapitalunterlegung spielen externe Ratings eine wichtige Rolle. Sie bestimmen den Faktor Risikogewichtung.14 Im Jahr 1996 wurden die Bestimmungen für das Marktrisiko erweitert.

[...]


1 Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von Vertretern und Bankenaufsichtsbehörden der G10- Staaten gegründet. Mittlerweile gehören ihm Vertreter aus allen führenden Industrienationen an. Er sitzt bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Der Baseler Ausschuss bezweckt die Entwicklung eines internationalen Aufsichtsregel- und -netzwerks, um die Qualität der Bankenaufsicht weltweit zu verbessern

2 Deutsche Bundesbank (2001), S.16

3 Vgl. Macht (2006), S.67

4 Überblick über die neuen Regelungen s. Anhang Abbildung 5

5 Vgl. Sachverständigenrat (2010), Jahresgutachten 2010/2011, S147

6 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010), Antwort auf Krise, S.8

7 Vgl. Zimmermann/Heinzl/Leippold (1997) S.30

8 Vgl. Peterl (2003), S.15

9 Vgl. Best (1999), S.2

10 Derivate: Finanzderivate sind Geldanlageformen, die auf traditionellen Geldanlagen, wie festverzinsliche Papiere, Renten (Rentenpapiere) oder Devisen, aufbauen. Durch den Erwerb eines derartigen Derivates erwirbt der Inhaber das Recht, nicht aber die Verpflichtung, eines der o. a. ursprünglichen Anlageinstrumente in der Zukunft zu einem allerdings bereits heute festgelegten Preis zu erwerben. Optionen berechtigen zum Kauf von Aktien, Rentenpapieren oder Devisen zu einem vorher festgelegten Preis oder zu einem vorher festgelegten Termin

11 Vgl. Peterl (2003), S17f.

12 Vgl. Jovic (1999), S.38.

13 EAD(Exposure at Default): Bruttokreditvolumen zum Zeitpunkt des Ausfalls des Kreditnehmers

14 zur Bestimmung der Risikogewichtung s. Anhang Abb.4

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bankenaufsicht nach der Finanzkrise – Mindestkapitalanforderungen im Bankenwesen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V191459
ISBN (eBook)
9783656163190
ISBN (Buch)
9783656163640
Dateigröße
1001 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bankenaufsicht, finanzkrise, mindestkapitalanforderungen, bankenwesen
Arbeit zitieren
Andre Langeborg (Autor), 2011, Bankenaufsicht nach der Finanzkrise – Mindestkapitalanforderungen im Bankenwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191459

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