Im Zeitalter der Globalisierung, der offenen Grenzen, der wachsenden Mobilität und Vernetzung, indem Begriffe wie etwa „interkulturelle Kompetenz“ nicht mehr nur ausschließlich in der Wirtschaft Schlüsselbegriffe darstellen, steigt das Interesse an der Andersartigkeit und Exotik fremder Länder, Sprachen und Kulturen zunehmend. Die Tourismusbranche gilt als Trend-, sowie als Wachstumsbranche.
Seit der Wende 1989, da es Westeuropäern möglich ist, nach dem Fall der sozialistischen Regierungen, in die ehemals sozialistischen Länder einzureisen, erfährt die Tourismusbranche heute auch im Osten Europas deutliches Wachstum.
Mit dem Wachstum der Tourismusbranche verbunden, gewinnt die Reiseliteratur, insbesondere Reiseführer, zunehmend an Bedeutung. Ihre zentrale Aufgabe ist, laut einer Studie von Albrecht Steinecke, im Jahre 1987, zu den Qualitätskriterien eines Reiseführers, die „Vermittlung von Land und Leuten“. Allerdings sind der Tourismus und die Reiseliteratur auch von Stereotypen geprägt. In dem vorliegenden Text sollen, nach einer Klärung der Begriffe der „Fremdheitskonstruktion“, sowie der „Stereotype“, unterschiedliche Reiseführer über Staaten Südosteuropas, bzw. des Balkans, auf Fremdheitskonstruktionen und Stereotype hin untersucht werden.
Als Basis hierfür dienen, neben Reiseführern unterschiedlicher Herausgeber, Stellungnahmen, sowie Forschungserkenntnisse aus den Bereichen Kulturwissenschaft und Soziologie, für welche die in dieser Arbeit behandelte Thematik, insbesondere in den Bereichen der Tourismus- und Stereotypenforschung, zum Zwecke der Beschäftigung, sowie Enttarnung von diversen kulturellen Verzerrungen, hohe Relevanz hat. Als ein Beispiel für Stereotype und Fremdheitskonstruktionen in Reiseführern, soll der Fokus in dem vorliegenden Text insbesondere auf den fiktiven Reiseführer „Molwanien“ gelegt werden, der in Anlehnung an das fiktive Land „Molwanien“, geradezu mit Stereotypen über die Länder des Balkans, bzw. Südosteuropas, spielt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1. Fremdheitskonstruktion
2.2. Stereotype
3. Fremdheitskonstruktionen und Stereotype in Balkan-Reiseführern
3.1. Kulinarisches in Reiseführern
3.2. Land und Leute? Bezug auf die Bewohner des Balkans in Reiseführern
3.3. Vermittlung exotischer Phänomene in Reiseführern
4. Verortung – Volkskundliche Tourismusforschung
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Reiseführer über Südosteuropa bzw. den Balkan Fremdheitskonstruktionen und Stereotype erzeugen und transportieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit diese populären Medien kulturelle Verzerrungen fördern und ob ein kritischer Blick auf die Vermittlung von „Land und Leuten“ möglich ist.
- Analyse von Fremdheitskonstruktionen und Stereotypen in der Reiseliteratur
- Untersuchung kulinarischer Klischees und ihrer soziokulturellen Einbettung
- Reflektion über die Darstellung der einheimischen Bevölkerung
- Diskussion der Rolle von Exotisierung in touristischen Reiseführern
- Einordnung der Thematik in die volkskundliche Tourismusforschung
Auszug aus dem Buch
3.3. Vermittlung exotischer Phänomene in Reiseführern
Fremdheit kann, neben ihrem bedrohlichen Charakter, auch als Fascinosum begriffen werden. Das Fremde erscheint als Verlockung, kann als Aufbruch aus belastenden Gewohnheiten und Routinen dienen, sowie als Bereicherung und Anregung, kann als spannend und aufregend empfunden werden, als abenteuerlich und faszinierend. Es bietet eine Abwechslung von Langeweile und Alltäglichkeit und fesselt durch seinen Ausnahmecharakter. Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass Menschen auf ihren Reisen das „Fremde“, das „Exotische“ und „Neue“ suchen. Reiseführer erfüllen diesen Wunsch in sämtlichen Bereichen.
So weiß der Baedeker-Bulgarien-Reiseführer etwa um das Bedürfnis des Touristen nach ursprünglichen, alten Dörfern, die im Kontrast zu den überwiegend modernen und restaurierten Gebäuden seiner Heimat stehen. Das Foto eines solchen Dorfes mit zwei Bauern auf einem altmodischen Heuwagen etwa wird untertitelt mit den Worten: „Koprivschtiza ist ein Dorf aus der Vergangenheit“.
In Rumänien lockt, als ein Top-Highlight, die alte Dracula-Festung, als Dauerbrenner, tausende Touristen an. Der Baedeker-Rumänien-Reiseführer weist zu Recht darauf hin, dass es sich bei diesem Dracula-Kult um eine geschickte Strategie der Tourismusstrategen der Nachkriegszeit handelt, wobei noch nicht einmal geklärt ist, ob es sich bei der Törzburg tatsächlich um das Domizil des Grafen Draculas handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Tourismusforschung ein und definiert die Untersuchung von Stereotypen in Reiseführern über den Balkan als zentrales Ziel.
2. Begriffsklärung: Hier werden die theoretischen Grundlagen für "Fremdheitskonstruktion" und "Stereotype" anhand soziologischer Fachliteratur erarbeitet.
3. Fremdheitskonstruktionen und Stereotype in Balkan-Reiseführern: Dieses Kapitel analysiert konkrete Beispiele aus Reiseführern hinsichtlich kulinarischer Darstellungen, der Abbildung der Bevölkerung und der Vermittlung von Exotik.
4. Verortung – Volkskundliche Tourismusforschung: Das Kapitel verortet die behandelte Thematik innerhalb der volkskundlichen Tourismusforschung und diskutiert die soziokulturelle Bedeutung des Tourismus.
5. Schlusswort: Das Schlusswort reflektiert die Dialektik zwischen Individuum und Kollektiv und mahnt zur kritischen Wahrnehmung von Stereotypen.
Schlüsselwörter
Reiseführer, Balkan, Fremdheitskonstruktion, Stereotype, Tourismusforschung, Volkskunde, Kulturwissenschaft, Identitätsbildung, Exotisierung, Soziologie, Klischees, Interkulturelle Kompetenz, Wahrnehmung, Südosteuropa, Differenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Reiseführer über den Balkan das Bild der Zielregionen durch Klischees und stereotype Darstellungen prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Fremdheitskonstruktionen, der Darstellung kulinarischer Eigenheiten und der Wahrnehmung der einheimischen Bevölkerung.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, wie Reiseführer als Medien zur Vermittlung von "Land und Leuten" fungieren und inwieweit sie dabei kulturelle Verzerrungen erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die einschlägige Fachliteratur (Soziologie, Volkskunde) mit der inhaltlichen Untersuchung aktueller Reiseführer kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Beispiele aus Reiseführern über Länder wie Bulgarien, Rumänien, Rhodos und Kos sowie den fiktiven Reiseführer "Molwanien".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentral sind Begriffe wie Stereotype, Fremdheitskonstruktion, Tourismusforschung, Exotisierung und die kulturelle Wahrnehmung des Balkans.
Was ist das Ziel des Rückgriffs auf den fiktiven Reiseführer "Molwanien"?
Er dient als Beispiel, um aufzuzeigen, wie überspitzt und klischeebeladen die Darstellung Südosteuropas in der Reiseliteratur teilweise ausfällt.
Warum wird der Sozialpsychologe Henri Tajfel zitiert?
Seine Theorien zur Kollektivierung und Entindividualisierung dienen dazu, die Entstehung und Funktion von Stereotypen in unserer Wahrnehmung besser zu verstehen.
- Citar trabajo
- Lisa Fink (Autor), 2012, "Typisch Balkan“. Fremdheitskonstruktionen und Stereotype in Reiseführern am Beispiel Südosteuropas, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191548