Sprache und Politik ist ein interessantes und schwieriges Thema. Die Politiker legen großen Wert auf die Sprache. Sie müssen es tun wenn sie neue Wähler gewinnen wollen. Die Absicht der vorliegenden Arbeit war es, einige Aspekte aus dem Themenkomplex Sprache und Politik zu beschreiben. Ich unternehme auch den Versuch, die politische Terminologie in der Bundesrepublik in der Zeit von Adenauer bis zu Brandt zu untersuchen.
Die Arbeit besteht aus drei Kapiteln. Im ersten Kapitel versuche ich die Frage zu beantworten, ob es eine politische Fachsprache gibt. Ich stelle die Klassifizierungsversuche des politischen Vokabulars und die Differenzierung der Symbolwörter durch Evaluation und gruppeninternen Gebrauch dar. Ich erkläre den Begriff ideologische Polysemie und charakterisiere das politische Schlagwort. Das Kapitel enthält auch die Abgrenzung des Symbolwortes gegen das politische Schlagwort und gibt den Ursprung der Begriffbesetzungs-Metapher an.
Im zweiten Kapitel beschäftige ich mich mit dem Wahlplakat und mit dem Wahlslogan, der oft Bestandteil des Wahlplakates ist. Ich präsentiere auch die zugkräftigen Wahlslogans aus den Bundestagswahlkämpfen 1953 und 1957.
Im letzten, dritten Kapitel gehe ich zu der politischen Terminologie in der BRD über. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die politische Sprache der beiden größten Gruppierungen, also der Sozialdemokraten und der Christdemokraten. Der Zeitraum der Erforschung erstreckt sich von der Gründung der BRD im Jahre 1949 bis zum Ende der Regierungszeit von Willy Brandt 1974. Die Zeit der Grossen Koalition 1966-1969 wird von vielen Experten als eine Übergangsphase zur Ära Brandt betrachtet und wird deshalb von mir nicht analysiert. In diesem Kapitel wurden die wichtigsten Schlagwörter aus diesem Zeitraum gesammelt und kurz beschrieben. Die Frage, die dieses Kapitel beantworten soll, lautet: welche Partei hat die politische Terminologie in dieser Zeit dominiert?
Inhaltsverzeichnis
1. Sprache und Politik
1.1 Gibt es eine politische Fachsprache?
1.2 Der politische Wortschatz – Klassifizierungsversuche
1.3 Symbolwörter als Kernbestand des Ideologievokabulars
1.3.1 Differenzierung durch Evaluation: Miranda, Anti-Miranda
1.3.2 Differenzierung durch Gebrauch: Fahnenwörter, Stigmawörter
1.4 Ideologische Polysemie
1.5 Das politische Schlagwort
1.6 Abgrenzung des Symbolwortes gegen das Schlagwort
1.7 Die Metapher der Begriffebesetzung
2. Der Wahlslogan als Bestandteil des Wahlplakates
2.1 Das Wahlplakat
2.2 Der Wahlslogan
2.3 Die Wahlslogans der CDU und der SPD aus den Bundestagswahlkämpfen 1953 und 1957
3. Politische Terminologie in der BRD 1949-1974
3.1 Konrad Adenauer 1949-1963
3.2 Ludwig Erhard 1963-1966
3.3 Willy Brandt 1969-1974
3.4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Sprache und Politik, insbesondere die Rolle der politischen Terminologie in der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1974. Dabei wird analysiert, wie Parteien durch den gezielten Einsatz von Schlagwörtern und Wahlslogans versuchen, politische Begriffe zu besetzen, den Diskurs zu dominieren und Wählerstimmen zu gewinnen.
- Methodische Grundlagen der politischen Sprachwissenschaft und Klassifizierung des politischen Wortschatzes.
- Die Funktion und strategische Bedeutung des politischen Wahlslogans als Element der Wahlwerbung.
- Analyse der sprachlichen Auseinandersetzung zwischen CDU und SPD in den Bundestagswahlkämpfen.
- Untersuchung der politischen Terminologie während der Ären Adenauer, Erhard und Brandt.
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Differenzierung durch Evaluation: Miranda, Anti-Miranda
Hier unterscheidet man zwischen Miranda und Anti-Miranda. Miranda sind ideologieübergreifende Symbolwörter, die für beide Seiten der Auseinandersetzung positiv konnotiert sind. Miranda bezeichnen erwünschte positive Werte wie z.B. Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit oder Gleichheit. Sie erwecken Bewunderung, sprechen die Gesinnung an. Diese Wörter sollten die Loyalität gegenüber dem Staat oder einer Gruppe stärken und das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Zuhörern entstehen lassen.
Das negative Pendant der Miranda sind die Anti-Miranda, die „das Bekämpfte, Verachtete, nicht Wünschenswerte“ zum Ausdruck bringen. Beispiele für diese negativ konnotierten Wörter sind Krieg, Ungerechtigkeit, Rassismus, Diktatur, Diskriminierung, Aggression, Unterdrückung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sprache und Politik: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Debatte um die Existenz einer politischen Fachsprache und definiert zentrale Begriffe wie Symbolwörter, Schlagwörter und die Metapher der Begriffebesetzung.
2. Der Wahlslogan als Bestandteil des Wahlplakates: Hier werden die Funktionen des Wahlplakates und die Bedeutung des Wahlslogans im Wahlkampf analysiert sowie spezifische Slogans der CDU und SPD in den 1950er Jahren untersucht.
3. Politische Terminologie in der BRD 1949-1974: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Analyse der politischen Sprache in Deutschland unter den Kanzlern Adenauer, Erhard und Brandt und zieht eine Schlussbetrachtung zur terminologischen Dominanz der Parteien.
Schlüsselwörter
Sprache und Politik, Politische Fachsprache, Symbolwörter, Miranda, Anti-Miranda, Fahnenwörter, Stigmawörter, Ideologische Polysemie, Politisches Schlagwort, Begriffebesetzung, Wahlslogan, Wahlplakat, Politische Terminologie, Soziale Marktwirtschaft, Entspannungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Sprache und Politik und analysiert, wie politische Akteure Begriffe nutzen, um Deutungshoheit zu erlangen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die linguistische Analyse des politischen Wortschatzes, die Rolle von Symbolen in der Politik sowie die sprachliche Strategie in Wahlkämpfen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die politische Terminologie der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1974 zu beschreiben und die Dominanz einzelner Parteien in diesem Prozess aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer linguistischen Analyse politischer Kommunikation, wobei Klassifizierungsmodelle des politischen Vokabulars von Theoretikern wie Dieckmann, Strauss und Sittel angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der politischen Sprache, die Analyse des Wahlplakats als Werbemittel und die chronologische Untersuchung politischer Begriffe von Adenauer bis Brandt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Begriffebesetzung, Fahnenwörter, Stigmawörter, Wahlslogan und ideologische Polysemie sind maßgeblich für das Verständnis der Arbeit.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Fahnen- und Stigmawörtern?
Fahnenwörter dienen der positiven Selbstidentifikation einer Gruppe, während Stigmawörter dazu eingesetzt werden, politische Gegner zu diffamieren und negativ zu markieren.
Welche Rolle spielt die "Begriffebesetzungs-Metapher" bei der CDU?
Die Metapher wurde maßgeblich nach der Wahlniederlage 1972 geprägt, um die Bedeutung der semantischen Auseinandersetzung und des Kampfes um Begriffe für den politischen Erfolg hervorzuheben.
Warum wird die Regierungszeit von Willy Brandt terminologisch hervorgehoben?
Die Ära Brandt markiert einen Wendepunkt, da es der SPD erstmals gelang, eigene Begriffe wie "Demokratisierung" oder "Lebensqualität" erfolgreich zu besetzen und die Deutungshoheit der CDU herauszufordern.
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- Łukasz Ząbczyk (Author), 2011, Sprache und Politik - Zur politischen Terminologie in der BRD 1949-1974, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191563