Ritterorden und Adelsgesellschaften - Der Schwanenorden


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand
1.2. Quellenstand
1.3. Methodik

2. Der Schwanenorden
2.1. Name
2.2. Gründung
2.3. Regionale Verbreitung
2.4. Organisation
2.4.1. Aufnahme
2.4.2. Pflichten der Mitglieder
2.5. Ordenszeichen

3. Schluss

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Da hing mir mein gnädiger Herr Markgraf Friedrich zu Brandenburg an mein Hals eine vergoldete brandenburg’sche Gesellschaft unserer lieben Frauen und begnadete mich Michael von Ehenheim Ritter damit und befahl mir die zu tragen mein Leben lang als ein Ritter und rittermäßiger Mann [...].“1

In dieser Arbeit soll es um eine Adelsgesellschaft gehen, die neben der Fürspang-, der Pelikan- und der St. Georg-Gesellschaft eine der wichtigsten Gesellschaften war, der Schwanenorden. Diese Arbeit befasst sich mit dem Schwanenorden von seiner Entstehung bis zu seinem vorzeitigen Untergang. Es wird untersucht zu welchem Zweck und unter welchen Bedingungen sich Adlige zusammenschlossen. Weiterhin wird versucht einen chronologischen und systematischen Überblick über die Geschichte des Schwanenordens darzustellen. Die Verlagerung der Aufgabe der Gesellschaft nach der Teilung wird anhand der Urkunden näher betrachtet. Nach der Teilung des Ordens entwickelte sich die vormals geistlich geprägte Bestimmung zu einer machtpolitischen beziehungsweise finanziellen.

1.1. Forschungsstand

Der Begründer des Schwanenordens bezeichnet die Verbindung als „Gesellschaft“2. Die Termini Gesellschaft, Einigung, Geselle und Mitglied sind von der Forschung für den Zeitraum des Spätmittelalters als adäquat anerkannt.3

Für den Zusammenschluss von Niederadligen wird in der neuesten Forschung der Begriff „Adelsgesellschaften“ gebraucht. Ein Merkmal der Adelsgesellschaften war im Allgemeinen die nicht vorhandene Exklusivität. Zwar musste ein Mitglied bei der Aufnahme seine adlige Abstammung nachweisen, jedoch war die Weitergabe der Mitgliedschaft durch das Erbe geregelt.4

Einen wesentlichen Überblick über Verbindungen liefert das Repertorium von Holger Kruse, Werner Paravicini und Andreas Ranft „Ritterorden und Adelsgesellschaften im spätmittelalterlichen Deutschland“. Wobei hier anzumerken ist, dass die Urkunden zum Großteil aus Drucken der Sekundärliteratur stammen, seltener liegen Originalurkunden vor. Als Aufnahmekriterien für die 92 aufgeführten Verbindungen im deutschsprachigen Raum legten die Autoren drei Kriterien fest. Die Verbindungen mussten ein Gesellschaftszeichen aufweisen, gemeinsame Kleidung als Erkennungszeichen tragen oder einen gemeinsamen Namen führen.5 Von Heiligen, Tieren, Kleidung oder Waffen wurde der Gesellschaftsname oftmals abgeleitet.

Der Einteilung der Gesellschaften nach Boulton6 kann in dieser Arbeit nicht gefolgt werden, auch wenn Kruse, Paravicini und Ranft den Schwanenorden zunächst unter die Rubrik des „confraternal“7 einordneten, so legten sie wenig später dar, dass die Quellenlage eine derartige Einteilung oftmals nicht erlaubt.8 Das Phänomen der Adelszusammenschlüsse ist in der Forschung bereits angegangen worden, jedoch gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keine neuere Abhandlung über den Schwanenorden. Dieser erscheint nur am Rande einer Arbeit von Tanja Storn-Jaschkowitz. In dieser verglich sie den Schwanenorden mit der Pelikan-Gesellschaft. Ausführliche Betrachtungen des Schwanenordens finden wir in der älteren Literatur aus dem 19. Jahrhundert.

Des Weiteren werden auch ältere Beiträge aus der Sekundärliteratur Verwendung für diese Arbeit finden. Hierbei handelt es sich um Schriften von Stillfried-Rattonitz und Haenle, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Einen lokalhistorischen Überblick über den Schwanenorden bietet uns der Historiker Siegfried Haenle in seinem Werk „Urkunden und Nachweise zur Geschichte des Schwanen - Ordens“. Neuere Beiträge stammen von Andreas Ranft „Adelsgesellschaften“ oder von Thomas Alexander Letz „Fürstliche Herrschaft und Kirche“.

1.2. Quellenstand

Die Quellen, die für diese Arbeit verwendet werden, sind die Gründungsurkunde von 1440, die Erweiterung von 1443, sowie eine weitere Urkunde, die die vorhergehenden erweitert und spezifiziert, wie die Urkunde von 1462 bzw. 1465. Außerdem wird die Urkunde von 1484 verwendet, in dieser stiftet Albrecht Achilles, Markgraf von Brandenburg, den süddeutschen Zweig der Gesellschaft. Des Weiteren wird eine Erweiterungsurkunde von 1484, die im selben Jahr datiert wurde, mit drei Statuten verwendet. Auch wird die Urkunde aus dem Jahr 1484 bzw. 1485 verwendet, um die nähere Geschichte der Filiale in Ansbach darzulegen. Als letzte Urkunde liegt uns eine aus dem Jahr 1485 vor. Hierbei handelt es sich um normative Quellen, da die Pflichten und Rechte der Mitglieder verbindlich festgelegt wurden. Weniger liegen eigene Berichte von Mitgliedern vor.

1.3. Methodik

Da eine chronologische Betrachtung der Quellen vorgenommen wird, ist mit der Gründungsurkunde von 1440 zu beginnen. Vorab werden der Name und dessen Entstehung betrachtet. Der Grund für die Gründung der Gesellschaft wird anhand von verschiedenen Standpunkten erläutert. Dabei werden die Umstände der Zeit kurz betrachtet, sowie die Gesinnung Friedrichs des II.. In dem Unterpunkt „regionale Verbreitung“ wird nicht nur auf diese, sondern auch auf die Teilung des Ordens eingegangen.

Zunächst wird der für diese Arbeit relevante Teil des Regestes jeder Urkunde in kurzer Form wiedergegeben. Der Inhalt jeder Urkunde wird aufgrund von selbst gewählten Kriterien, wie die Organisation, die Aufnahme in die Gesellschaft sowie die Pflichten der Mitglieder, untersucht.

Anhand der Beschreibungen in den Urkunden wird das Ordenszeichen gesondert in dieser Arbeit betrachtet.

2. Der Schwanenorden

2.1. Name

Auch wenn in dieser Arbeit von Beginn an vom Schwanenorden gesprochen wurde, so muss man diesen Ausdruck kritisch betrachten. Dieser wurde im 19. Jahrhundert eingeführt; in der Zeit seiner Neugründung, im Jahr 1843.9 In seiner Gründungszeit nannte sich die Verbindung „Gesellschaft Unser Lieben Frau“. Gewiss gibt es auch noch andere Bezeichnungen, jedoch soll für diese Arbeit der neuzeitliche Begriff Schwanenorden ausreichen. Andere Namen weisen unterschiedliche Zusätze auf, wie: „Gesellschaft unserer lieben Frau auf dem Berge bei Alt-Brandenburg“ oder „Gesellschaft unserer lieben Frau zum Schwan“10. Ein weiterer Zusatz im Namen, „Unsere Frauen Gesellschaft mit der Bremse“11, gibt einen Hinweis auf das Ordenszeichen und die damit verbundene Symbolik, auf die später eingegangen wird. Eins haben alle Benennungen gemein, sie tragen das Wort Gesellschaft in ihrem Namen. Daher ist der Begriff Gesellschaft durchaus angebracht, da dieser auch in der Gründungsurkunde von 1440 erwähnt wurde.12 Den Bezug zur Geistlichkeit stellt der Name im lateinischen Titel: „societas in honorem beate Mariae virginis“13 durch den Hinweis auf die heilige Jungfrau Maria dar.14 Der religiöse Charakter sollte den: „[M] Regeln friedlichen Auskommens und sittlichen Verhaltens eine vertiefte Legitimation [M].“15 verleihen.

2.2. Gründung

Durch Kurfürst Friedrich den II. von Brandenburg wurde am 29. September 1440 der Schwanenorden gestiftet.16 Zunächst ist in der Gründungsurkunde von 1440 kein Vermerk für eine gesonderte Stellung des Kurfürsten zu finden. In der Erweiterung der ersten Urkunde, im Jahr 1443, wird dagegen der Kurfürst als letzte entscheidende Instanz in Streitfragen eingesetzt. Des Weiteren kann der Kurfürst im Todesfall der Schiedsleute und Schaffer neue benennen.17 Dieses Recht wurde in keiner Urkunde unter bestimmte Richtlinien, nach denen er die neuen Schiedsleute bzw. Schaffer einsetzte, gestellt. Eine willkürliche Einsetzung in das Amt durch den Kurfürsten hätte daher geschehen können. Für eine bevorzugte Einsetzung von Günstlingen konnte kein Nachweis gefunden werden.

Der Zweck der Errichtung des Schwanenordens wurde in der Gründungsurkunde festgehalten, so sollten die Mitglieder die Jungfrau Maria ehren und loben, beten oder stattdessen sieben Pfennige an die Armen spenden.18 An erster Stelle stand die Mehrung des religiösen Gefühles und die Vermehrung des sittlichen Verhaltens im Adel.19 1443 wird in der Urkunde der Zweck der Gesellschaft näher erläutert und angegeben, dass: „[...] wir unser land undersassenn in eynung und fridlichen stand bringenn und bestetigen mochten [...].“20 Friedrich der II. sieht den Zweck der Gesellschaft bestätigt, da Auseinandersetzungen im Heiligen Römischen Reich herrschten. Die Marienverehrung sollte die Verdorbenheit der Menschen und die daraus resultierende Zwietracht beseitigen und die Mitglieder auf den rechten Weg zurückbringen.21

In einer Erklärung Friedrichs des II. schilderte er seinen Wunsch nach Frömmigkeit seinerseits. „Ich will auch sterben seliglich in rechten Glauben meines Herrn Jesu Christi [M]. [...] so will ich weder mit willen oder vollwort sünden zufallen oder bösen werken wider Gottes willen nach böser eingebung des feinds zu einer gezeügnus eines starken glaubens und ewigen guten willens als mir müglich sei [...].“22 Zunächst war die Gründung des Ordens also eher religiös geprägt, dennoch gab es auch politische Beweggründe. Friedrich der II. war der zweite Herrscher über die Mark Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern23, es galt also die Macht der Hohenzollern zu kräftigen und den Adel an sich zu binden. Auch wollte er damit die Bewohner der Mark und die Bewohner Frankens vereinen und eine Beziehung zu beiden herstellen.24 Später wird sich herausstellen, dass dieses Vorhaben, eine Einheit zu schaffen, nicht von Erfolg gekrönt war, denn die Franken werden eine Filialkirche des Schwanenordens gründen. Weitere Gründe sollten das päpstliche Schisma zwischen Papst Eugen dem IV. und Felix dem V. sein.25 An dieser Stelle sei nur angedeutet, dass in der Kirche seit Jahren Uneinigkeit herrschte und es somit immer wieder zu einer Erhebung von Gegenpäpsten kam. Friedrich der II. wollte wahrscheinlich unter anderem mit der Gründung des Schwanenordens der Uneinigkeit in der Kirche entgegenwirken.26 Dennoch ist in seiner Erklärung nur zu entnehmen, dass er das religiöse Verständnis fördern wollte.

In der Einleitung der Gründungsurkunde dankte Friedrich der II. der Jungfrau Maria für die erlangte markgräfliche Würde.

Viel weniger ging es in dieser Gesellschaft darum, den Landfrieden zu erhalten beziehungsweise zu stärken. Mitglieder der Gesellschaft sollten durch diese Verbindung religiösen Sinn erfahren und pflegen.27

Die Memoria, also das Totengedenken, war eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft, daher wurde in der Gründungsurkunde darauf hingewiesen, dass vierteljährlich Geld gespendet werden sollte, welches dann für die Memoria verwandt wurde.28 Eine Erweiterung der Memoria findet sich in der Urkunde von 1443, in der es heißt: „Er [der Verstorbene] sal auch mit seynen frunden verschaffen, das seyne wapen und dar bei die geselschafft, so schier das gescheen mag, gemahlt und darzu jar und tag, wann er verschieden ist, dran geschreiben wird. Und das sollen seyne frund dem probste schicken, der das furder zu seyner gedechtnisz in die krichen in unser lieben frawen cappellen sal lassen hengen.“29 Dasselbe gilt für die Ansbacher Filiale ab 1484, in der für die Verstorbenen und deren Hinterbliebenen Memorialfeierlichkeiten abzuhalten waren.30

[...]


1 Haenle: Urkunden und Nachweise zur Geschichte des Schwanen - Ordens, S. 9.

2 Kruse, Paravicini, Ranft (Hrsgg.): Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 238.

3 Storn-Jaschkowitz,: Gesellschaftsverträge adliger Schwureinungen im Spätmittelalter, S. 18.

4 Meinhardt, Ranft, Selzer: Mittelalter, S. 248.

5 Kruse: Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 13.

6 Boulton: The Knights of the Crown, S. 17-21.

7 Diese Verbindungen haben einen gewählten Vorstand und der Sitz stimmt nicht mit dem des Stifters überein.

Storn-Jaschkowitz,: Gesellschaftsverträge adliger Schwureinungen im Spätmittelalter, S. 6.

8 Kruse, Paravicini, Ranft (Hrsgg.): Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 23.

9 Kruse, Paravicini, Ranft (Hrsgg.): Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 21.

10 Ebd., S. 324.

11 Ebd.

12 Ebd., S. 238.

13 Ebd., S. 324.

14 Stillfried-Rattonitz: Der Schwanenorden, S. 9.

15 Storn-Jaschkowitz: Gesellschaftsverträge adliger Schwureinungen im Spätmittelalter, S. 16.

16 Kruse, Paravicini, Ranft (Hrsgg.): Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 236.

17 Ebd., S. 251 f.

18 Stillfried-Rattonitz: Der Schwanenorden, S. 11.

19 Haenle: Urkunden und Nachweise zur Geschichte des Schwanen-Ordens, S 2 f.

20 Kruse, Paravicini, Ranft (Hrsgg.): Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 241.

21 Ebd., S. 242.

22 Finckler: Die Gesellschafft unser Lieben Frauen auf den Berg bey Alt-Brandenburg, S. 5.

23 Schultze: Friedrich II., S. 494 f.

24 Holtze: Geschichte der Mark Brandenburg, S. 33.

25 Bautz: Felix V., Sp. 11.

26 Dies ist jedoch nur eine Vermutung von Rudolf von Stillfried-Rattonitz und daher nicht belegt. Stillfried-Rattonitz: Der Schwanenorden, S. 6.

27 Stillfried-Rattonitz: Stammbuch der löblichen Rittergesellschaft Unserer Lieben Frau, S. 3.

28 Kruse, Paravicini, Ranft (Hrsgg.): Ritterorden und Adelsgesellschaften, S. 239.

29 Ebd., S. 248.

30 Ebd., S. 260.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ritterorden und Adelsgesellschaften - Der Schwanenorden
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Adel im Mittelalter
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V191621
ISBN (eBook)
9783656164906
ISBN (Buch)
9783656165132
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwanenorden, Ritterorden, Adelsgesellschaft
Arbeit zitieren
Franziska Haimann (Autor), 2010, Ritterorden und Adelsgesellschaften - Der Schwanenorden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191621

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